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Ein neuer Schub für die Friedensarbeit bei MISEREOR

Evaluation der Förderbereiche Zivile Friedensförderung, Krisenprävention und Konfliktlösung
13. Dezember 2021
Evaluation | ux-indonesia-8mikJ83LmSQ-unsplash

Zwischen 2019 und 2021 wurden bei Brot für die Welt und MISEREOR in zwei getrennten aber parallellaufenden Prozessen die Förderbereiche „Zivile Friedensentwicklung,
Krisenprävention und Konfliktlösung“ für das BMZ evaluiert. Die von der niederländischen Consulting ECORYS durchgeführte Evaluierung der von MISEREOR geförderten Friedensarbeit fokussierte sich dabei auf die Projektarbeit im globalen Süden und klammerte andere Instrumente der Inlandsarbeit aus.

Zwischen 2019 und 2021 wurden bei Brot für die Welt und MISEREOR in zwei getrennten aber parallellaufenden Prozessen die Förderbereiche „Zivile Friedensentwicklung,
Krisenprävention und Konfliktlösung“ für das BMZ evaluiert. Die von der niederländischen Consulting ECORYS durchgeführte Evaluierung der von MISEREOR geförderten Friedensarbeit fokussierte sich dabei auf die Projektarbeit im globalen Süden und klammerte andere Instrumente der Inlandsarbeit aus.

In einem ersten Schritt wurde in einem mehrstufigen Verfahren eine Grundgesamtheit von 198 Projekten (plus deren Vorprojekte) kondensiert mit einer Gesamtfördersumme von 55,28 Mio. Euro. Weitere Verfahrensschritte gingen in einem Trichterverfahren stufenweise von der Breite in die Tiefe und umfassten eine Portfolioanalyse, eine Online-Umfrage unter Partnerorganisationen, eine Deskstudie anhand von 6 Ländern (Philippinen, Sri Lanka, Simbabwe, Israel/Palästinensische Gebiete, Brasilien, Kolumbien) sowie Feldstudien in drei davon (Sri Lanka, Simbabwe, Kolumbien). Letztere waren aufgrund der Covid19-Pandemie stark eingeschränkt und wurden teilweise mit der Hilfe lokaler Gutacher*innen und virtueller Instrumente durchgeführt. Im Juni 2021 wurden die Syntheseberichte beider Förderbereichsevaluierungen (FBE) dem BMZ präsentiert.

Breite Streuung über 54 Länder

Die Portfolioanalyse förderte eine große Streuung der Friedensprojekte bei MISEREOR über 54 Länder zutage. Während diese Breite einerseits eine Stärke des Portfolios ausmacht, stelle sie laut Gutachterteam gleichzeitig erhöhte Ansprüche an fachliche Steuerung, strategische Orientierung sowie an die Förderung von Vernetzung und gegenseitigen Lernprozessen. Die Evaluierung attestierte den Partnerorganisationen ein sehr gutes Verständnis der Konflikt(dynamiken), von ihrer Rolle in der Friedensförderung und dass in der Lage sind, ihre Arbeit an Änderungen im Kontext anzupassen. Während die Projekte eine beeindruckende Zahl an Outputs produzierten, täten sich einige Partner bei der Übersetzung in Outcomes schwerer - oder bei der Erfassung und Dokumentation dieser Übersetzung. Nichtsdestotrotz sei die Qualität der PM&E-Systeme insgesamt gut, auch wenn sie von Partner zu Partner stark variiere. Während die Projekte sehr (kosten)effizient umgesetzt würden, bestehe Ausbaubedarf in der Koordinierung der Partnerorganisationen untereinander, um die Kohärenz der Maßnahmen zu stärken.

Aus diesen Erkenntnissen leiteten sich verschiedene Empfehlungen ab. Gemeinsame Lern- und Austauschprozesse könnten isoliertes Arbeiten überwinden und Komplementarität stärken. Dabei sollte auch andere Arbeitsansätze der Blick genommen und Synergien gesucht werden. Besonders betont wurden hier die Schnittstellen zur Menschenrechtsarbeit. Während der Feldphase kam heraus, dass sich Partnerorganisationen durchaus eine noch proaktivere Rolle MISEREORs in der Partnervernetzung wünschen, weil MISEREOR als Partner aus Augenhöhe betrachtet werde. Um diese Lernprozesse fokussiert angehen zu können, schlägt das Gutachterteam sog. Projekt-übergreifende Pilotansätze in ein bis zwei Ländern pro Kontinent vor, in denen MISEREOR mindestens fünf Friedensprojekte fördert. Je nach spezifischem Bedarf könnte sich die gemeinsame Arbeit der Partner fokussieren auf: Systemische Konfliktanalysen, Projekt-übergreifende Theorien des Wandels und Wirkungsgefüge, solide M&E-Systeme, Koordination und Abstimmung der Arbeit im Feld/der politischen Arbeit oder eine inhaltliche Vertiefung einzelner Themen.

Das interne „Lernteam Frieden“ bei MISEREOR startet derzeit einen Sondierungsprozess, welche Länder und Partnerorganisationen sich für eine solche strategische Vertiefung anböten. Dabei soll allen voran von den Bedarfen der Partner vor Ort ausgegangen werden und kontextspezifische Angebote gemacht werden, die von Land zu Land sehr unterschiedlich ausfallen können.

Mit Blick auf die internen Ressourcen MISEREORs zum Thema Frieden empfehlen die Gutachter*innen angesichts der Grauzonen zu anderen Arbeitsansätzen auch das interne Verständnis von ziviler Friedensarbeit und Konflikttransformation sowie Synergien zu anderen Arbeitsfeldern zu stärken. Hierzu leitete das Lernteam bereits verschiedene Prozesse ein: In einem abteilungsübergreifenden Austauschprozess werden bereits seit einem Jahr Erfahrungen in der Arbeit in fragilen Kontexten und verstetigten Krisen geteilt unter dem Blickwinkel des Triple-HDP-Nexus. Ein hausinternes „Glossar“ – aufbereitet für das Intranet – soll Kolleg*innen aus den Länderreferaten bald eine handliche und leicht zugängliche Hilfestellung für die tagtägliche Projektarbeit bieten. Eine gerade fertiggestellte interne Handreichung bietet bereits Orientierung zur Schnittstelle zwischen Friedens- und Menschenrechtsarbeit. Schließlich werden interne Qualifizierungsmaßnahmen zur Arbeit im und am Konflikt künftig ausgeweitet.

Dies sind nur die ersten Schritte, um das Handlungsfeld Friedens- und Konfliktarbeit als zentralen Teil der DNA MISEREORs perspektivisch zu stärken und womöglich weiter auszubauen. Die Förderbereichsevaluierung hat hierfür einige Hinweise und vor allem einen neuen Schub geliefert.

Die Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung (FriEnt) ist ein Zusammenschluss von staatlichen Organisationen, kirchlichen Hilfswerken, zivilgesellschaftlichen Netzwerken und politischen Stiftungen.

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und Entwicklung (FriEnt) c/ o GIZ

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