{"id":10729,"date":"2025-02-10T14:57:40","date_gmt":"2025-02-10T13:57:40","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/?p=10729"},"modified":"2025-02-10T14:57:42","modified_gmt":"2025-02-10T13:57:42","slug":"klimaschutz-braucht-konfliktsensibles-handeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/klimaschutz-braucht-konfliktsensibles-handeln\/","title":{"rendered":"Klimaschutz braucht konfliktsensibles Handeln"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die FriEnt-Kolleginnen Caroline Kruckow und Nina Strumpf berichten von einem Workshop mit indigenen Gemeinschaften in den Philippinen. Dieser hatte<strong> gemeinsam mit dem forumZFD<\/strong><\/strong> <strong>im Rahmen der &#8220;Build Peace&#8221;-Konferenz stattgefunden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201cWas ist Kohlenstoff und Dekarbonisierung? Und was bedeutet das im Zusammenhang mit Klimawandel? Wir hatten zwar schon vor einiger Zeit eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema, die von einer NGO organisiert wurde.\u00a0Aber die meisten Indigenous Leaders (Anm.:\u00a0Leitende M\u00e4nner oder Frauen indigener Gemeinschaften) wissen davon weiterhin viel zu wenig. \u00dcber die Folgen und Risiken von Kompensationsprojekten sind sich die meisten gar nicht bewusst\u201c,<\/em> so der Bericht einer traditionellen Leiterin von der philippinischen Insel Mindanao. Sie leitet eine indigene Gemeinschaft aus einer Bergregion im Nordosten der Insel. Ihr Bericht war zentraler Teil eines Workshops, den FriEnt gemeinsam mit dem forumZFD Philippinen im Rahmen der &#8220;<a href=\"https:\/\/howtobuildpeace.org\/attend-the-conference\/conference-program\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Build Peace&#8221;-Konferenz im November 2024 in Manila<\/a> organisiert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum dieses Workshops standen Geschichten von indigenen Gemeinschaften, die von Unternehmen mit Versprechungen f\u00fcr Entwicklung und Arbeitspl\u00e4tze umworben wurden \u2013 und zwar im Zusammenhang mit Dekarbonisierungs-Projekten. In einem der beiden hier beschriebenen F\u00e4lle auf Mindanao wurde von der indigenen Gemeinschaft bereits Zustimmung zu einem Projekt gegeben, obwohl Details zu den Pl\u00e4nen des Unternehmens und seines Vorhabens noch gar nicht klar waren. Aus vielen anderen bekannt gewordenen F\u00e4llen in anderen L\u00e4ndern wissen wir, dass diese Projekte jedoch h\u00e4ufig nicht halten, was sie versprechen. Sie stellen die lokalen Gemeinschaften vor gro\u00dfe Herausforderungen. Nicht selten stehen die indigenen Gemeinschaften am Ende mit leeren H\u00e4nden da und haben mit Umweltproblemen sowie mit einer Zunahme von lokalen Konflikten zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"495\" height=\"228\" src=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Workshop-Philippinen-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10301\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Workshop-Philippinen-1.jpg 495w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Workshop-Philippinen-1-300x138.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 495px) 100vw, 495px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Zustimmung wird unter unklaren Bedingungen eingeholt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mangelndes Wissen \u00fcber die Bedingungen, das Ausma\u00df und die Auswirkungen der Projekte birgt das Risiko, dass lokale Gemeinschaften von Unternehmen und Politik sehr schnell f\u00fcr ein Dekarbonisierungs-Projekt zur Kompensation von Kohlenstoff-Emissionen gewonnen werden k\u00f6nnen.\u00a0Hierbei wird erwartet, dass sich die Lebensumst\u00e4nde der marginalisierten und h\u00e4ufig in gro\u00dfer Armut lebenden indigenen Gemeinschaften verbessern. So solle wirtschaftliche Entwicklung und Infrastruktur in die entlegenen Bergregionen gebracht werden. Nicht selten spielen dabei auch Eigennutz und Korruption eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig stehen auch die traditionellen \u201eIndigenous leaders\u201c vor gro\u00dfen Herausforderungen, da sie f\u00fcr die Zukunft ihrer Gemeinschaft verantwortlich sind. Oft wird ihre Zustimmung zu Projekten unter unklaren Bedingungen und mit mangelnder Transparenz eingeholt. Die indigene Gemeinschaft von Mindanao hatte beispielsweise unzureichende Informationen dar\u00fcber, ob, wie und in welchem Umfang sie nach Beginn des Dekarbonisierungs-Projekts noch das Land nutzen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rechtebasierte Gesetze sch\u00fctzen nicht ausreichend vor<\/strong> <strong>Konfliktdynamiken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine wichtige Grundlage zum Schutz der Rechte indigener Gruppen bieten in den Philippinen Gesetze wie der Indigenous Peoples Rights Act (IPRA) und die damit verbundenen Anforderungen des Ancestral Domain Sustainable Development and Protection Plan (ADSDPP) und die Verpflichtung zum Free Prior Informed Consent (FPIC). Die Nationale Kommission f\u00fcr Indigene V\u00f6lker (NCIP) soll zudem sicherstellen, dass Entwicklungsprojekte in indigenen Gebieten gerecht, nachhaltig und im Einklang mit den Interessen der Gemeinschaften durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser breite Ansatz rechtebasierter Gesetze und Mechanismen zur Sicherung der Rechte indigener Gemeinschaften sch\u00fctze diese jedoch nicht davor, dass es negative Auswirkungen gebe und Konflikte zun\u00e4hmen. So wurde es bei dem Workshop berichtet. Die Erfahrungen zeigten, dass diese rechtlichen Grundlagen auch ein Einfallstor f\u00fcr interessengeleitete Investor*innen sein k\u00f6nnen. Diese k\u00f6nnten ihre Projekte in indigenen Gebieten mit der R\u00fcckendeckung aus einflussreichen politischen Ebenen erst erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Inwieweit m\u00fcndliche Versprechungen gemacht und gehalten werden, kann kaum nachgewiesen werden. Daraus k\u00f6nnen Konflikte entstehen, die mit traditionellen Schlichtungsmechanismen h\u00e4ufig gar nicht mehr bearbeitet werden k\u00f6nnen. Dies f\u00fchrt zu zunehmender Gewalt, Ausgrenzung und Spaltungen in den lokalen Gemeinschaften.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es braucht Schutz und nationale Gesetze zum Kohlenstoffhandel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine wichtige Erkenntnis aus der Diskussion des Workshops war dar\u00fcber hinaus, dass es in den Philippinen bisher keine nationale Gesetzgebung f\u00fcr den Kohlenstoffhandel sowie f\u00fcr entsprechende Kompensationsprojekte gibt. Somit fehlen eine rechtliche Grundlage zur Regulierung sowie z.B. Beschwerde-Mechanismen f\u00fcr die Betroffenen.<\/p>\n\n\n\n<p>Klimama\u00dfnahmen wie Projekte im globalen Handel mit Kohlenstoff-Zertifikaten k\u00f6nnen Konflikte verst\u00e4rken oder zum gesellschaftlichen Frieden beitragen \u2013 je nachdem, wie sie gestaltet und umgesetzt werden. In Mindanao stehen indigene Gemeinschaften vor gro\u00dfen Herausforderungen durch Klimaschutzma\u00dfnahmen und den Kohlenstoffmarkt. Erfahrungen indigener und lokaler Gemeinschaften zeigen, dass solche Projekte die Kultur und Traditionen ver\u00e4ndern und die sozialen Strukturen schw\u00e4chen k\u00f6nnen. Zunehmend gef\u00e4hrlich ist dies f\u00fcr die lokalen Aktivist*innen, die eintreten f\u00fcr Menschenrechte, eine klare Aufdeckung der Interessen und eine gerechte Beteiligung an den \u00f6konomischen Gewinnen sowie f\u00fcr eine friedliche Konfliktbearbeitung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch sind Investitionen n\u00f6tig f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung in entlegenen Bergregionen und f\u00fcr h\u00e4ufig auch marginalisierte indigene Gruppen. Allerdings erfordern diese einen sicheren Rechtsrahmen und lokale L\u00f6sungen. Dabei bieten Emissionszertifikate und Kompensationsprojekte mehr Risiken als Chancen. Nur wenn Klimaschutz- und Anpassungsma\u00dfnahmen konfliktsensibel und nachhaltig geplant sind, k\u00f6nnen sie lokale L\u00f6sungen in den Blick nehmen und umwelt- wie auch biodiversit\u00e4tserhaltend die indigenen Gemeinschaften st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Res\u00fcmee:<\/u><\/strong> <strong>Rechtebasierte Ans\u00e4tze, inklusive Strukturen und Konfliktsensibilit\u00e4t sind unverzichtbar f\u00fcr nachhaltige Klimama\u00dfnahmen<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die FriEnt-Kolleginnen Caroline Kruckow und Nina Strumpf berichten von einem Workshop mit indigenen Gemeinschaften in den Philippinen. Dieser hatte gemeinsam mit dem forumZFD im Rahmen der &#8220;Build Peace&#8221;-Konferenz stattgefunden. \u201cWas ist Kohlenstoff und Dekarbonisierung? Und was bedeutet das im Zusammenhang mit Klimawandel? 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