{"id":11390,"date":"2025-03-31T15:49:38","date_gmt":"2025-03-31T13:49:38","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/artikel\/lokale-feministische-perspektiven-als-transformationshebel\/"},"modified":"2025-03-31T20:39:42","modified_gmt":"2025-03-31T18:39:42","slug":"lokale-feministische-perspektiven-als-transformationshebel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/lokale-feministische-perspektiven-als-transformationshebel\/","title":{"rendered":"Lokale feministische Perspektiven"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Das GIZ-Projekt &#8220;Lokale feministische Perspektiven als Transformationshebel in Partnerl\u00e4ndern&#8221; (LOKAFEM) analysiert feministische Akteur*innen und ihre Strategien zur F\u00f6rderung von Geschlechtergerechtigkeit \u2013 in unterschiedlichen lokalen Kontexten. Ziel ist es, von kontextspezifischen feministischen Erfahrungen zu lernen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten f\u00fcr eine wirkungsvolle feministische Entwicklungs- und Au\u00dfenpolitik. Durch partizipative Forschungsans\u00e4tze werden lokale Perspektiven sichtbar und f\u00fcr den entwicklungspolitischen Dialog nutzbar gemacht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum lokale feministische Perspektiven entscheidend sind<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Feministische Bewegungen sind wesentliche Treiber gesellschaftlicher Transformation. Entwicklungszusammenarbeit sollte sich gezielt auf ihre Bedarfe ausrichten. So kann sie nachhaltige und gendertransformative Wirkungen erzielen. Gleichzeitig erfordert die zunehmende Bedrohung durch Anti-Gender-Bewegungen, dass feministische Akteur*innen gezielt unterst\u00fctzt werden m\u00fcssen. So k\u00f6nnen demokratische Fortschritte gesichert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>LOKAFEM zeigt: Eine geschlechtergerechte Entwicklungszusammenarbeit muss lokale feministische Perspektiven aktiv einbinden. Gleichzeitig m\u00fcssen strukturelle Ver\u00e4nderungen nachhaltig verankert werden. Durch partizipative Forschung und transnationale Vernetzung werden feministische Narrative gest\u00e4rkt. Zudem werden alternative Handlungsstrategien sichtbar gemacht. Dies verbessert zum einen die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Zum anderen tr\u00e4gt es dazu bei, feministische Politik und Entwicklungsprogramme effektiv zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Feministische Forschung und transnationaler Austausch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>LOKAFEM wird mit dem Deutschen Institut f\u00fcr Entwicklungspolitik (IDOS) in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen umgesetzt. In drei partizipativen Studien wurden feministische Perspektiven auf politische Teilhabe sowie die Wechselwirkungen von Gender, Gesundheit und Klimawandel untersucht. Zudem wurden feministische Strategien in Konflikt- und Wiederaufbaukontexten betrachtet. Begleitend fanden transnationale Fachdialoge statt, um Gemeinsamkeiten und Herausforderungen zu diskutieren. Auch Strategien f\u00fcr gendertransformative Ans\u00e4tze wurden weiterentwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forschungsarbeiten wurden gemeinsam durchgef\u00fchrt u.a. mit dem Goa Institute of Management (GIM) in Indien, dem Gender Studies and Human Rights Documentation Centre (GSHRDC) in Ghana sowie Gender in Detail in der Ukraine. Die gewonnenen Erkenntnisse spiegeln die Vielfalt feministischer Bewegungen und Herausforderungen in verschiedenen Kontexten wider.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zentrale Erkenntnisse und Empfehlungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Studien zeigen, dass feministische Akteur*innen eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr intersektionale und menschenrechtsbasierte Ans\u00e4tze spielen. Basierend auf diesen Erkenntnissen formulierte IDOS folgende Empfehlungen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Investitionen in geschlechtergerechte Infrastruktur: <\/strong>Die ukrainische Studie empfiehlt, in Kinderbetreuung, Pflegeeinrichtungen, Frauenh\u00e4user und Unterst\u00fctzungszentren f\u00fcr geschlechtsspezifische Gewalt zu investieren, um einen gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen zu f\u00f6rdern.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Erweiterung von Forschung und Datenerhebung: <\/strong>Die indische Studie betont die Notwendigkeit, die Datengrundlage zu Geschlechterungleichheiten zu verbessern \u2013 unter Ber\u00fccksichtigung von Religion, Kaste und Geschlecht.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Mapping feministischer Bewegungen: <\/strong>Die Studien zeigen einen <strong>Forschungsbedarf zu feministischen Bewegungen<\/strong> in den untersuchten Kontexten (z.B. Frauen und Gesundheit\/Klimaschutz, gendertransformative Policy-Ans\u00e4tze).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>F\u00f6rderung eines differenzierten Verst\u00e4ndnisses von Feminismus: <\/strong>Alle Studien heben die Bedeutung eines <strong>intersektionalen und inklusiven Verst\u00e4ndnisses<\/strong> von <strong>Feminismen <\/strong>hervor. Darunter werden auch digitale Formen von Aktivismus gefasst sowie die Notwendigkeit systemischer Ver\u00e4nderungen, um geschlechtsspezifische Gewalt zu bek\u00e4mpfen. Zudem geht es um Strategien, die die Repr\u00e4sentanz von Frauen verbessern. Auch <strong>\u00dcberschneidungen zwischen anti-demokratischen Bewegungen und Anti-Gender-Kampagnen m\u00fcssen systematischer untersucht werden<\/strong>, um wirksame Gegenstrategien zu entwickeln. Ein verst\u00e4rkter Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft ist hierf\u00fcr entscheidend.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>St\u00e4rkung feministischer Netzwerke durch flexible F\u00f6rderung: <\/strong>Die ghanaische Studie empfiehlt <strong>flexible, langfristigere Finanzierungsmechanismen<\/strong>, die Advocacy und transnationale Netzwerke st\u00e4rken \u2013 ohne projektgebunden zu sein.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Institutionelle Verankerung kontextsensibler feministischer Politiken: <\/strong>Eine feministische Politikgestaltung sollte <strong>menschenrechtliche Prinzipien priorisieren, diese institutionell verankern<\/strong> und <strong>flexibel<\/strong> an politische Kontexte anpassen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ber\u00fccksichtigung geschlechtsspezifischer Zeitarmut: <\/strong>Alle Studien fordern die <strong>Anerkennung und Entlastung von Care-Arbeit<\/strong> durch gezielte politische Ma\u00dfnahmen und soziale Schutzmechanismen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Synthesebericht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.idos-research.de\/discussion-paper\/article\/local-feminist-perspectives-as-transformation-levers-for-greater-gender-equality-synthesis-study\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Synthesebericht<\/a> fasst die Erkenntnisse der drei Fallstudien aus <a href=\"https:\/\/www.idos-research.de\/discussion-paper\/article\/feminists-perspectives-as-transformative-levers-in-ghana\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ghana<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.idos-research.de\/discussion-paper\/article\/local-feminist-perspectives-as-transformative-levers-womens-health-and-climate-action-in-india\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Indien<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.idos-research.de\/discussion-paper\/article\/local-feminist-perspectives-as-transformation-levers-for-sustainable-development-in-ukraine-in-the-context-of-ongoing-defence\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine<\/a> zusammen. Er identifiziert gemeinsame Herausforderungen und Chancen. Dabei wurde eine Matrix mit 13 Kriterien zur Analyse lokaler feministischer Perspektiven entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Synthesekonferenz, die am 19.03.2025 unter Teilnahme von Vertreter*innen aus Politik, Praxis und Wissenschaft in Berlin stattfand, bot wertvolle Impulse f\u00fcr die Weiterentwicklung feministischer Ans\u00e4tze in der Entwicklungszusammenarbeit. Besonders in den Diskussionen wurde deutlich, wie viel Expertise und Differenzierungskraft in lokalen feministischen Stimmen liegt \u2013 und wie wichtig deren systematische Einbindung in Analyse-, Dialog- und Umsetzungsprozesse ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar wurde auch: Es braucht R\u00e4ume f\u00fcr Reflexion, Ressourcen f\u00fcr Umsetzung \u2013 und die Bereitschaft, unterschiedliche Feminismen als Bereicherung zu verstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das GIZ-Projekt &#8220;Lokale feministische Perspektiven als Transformationshebel in Partnerl\u00e4ndern&#8221; (LOKAFEM) analysiert feministische Akteur*innen und ihre Strategien zur F\u00f6rderung von Geschlechtergerechtigkeit \u2013 in unterschiedlichen lokalen Kontexten. Ziel ist es, von kontextspezifischen feministischen Erfahrungen zu lernen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten f\u00fcr eine wirkungsvolle feministische Entwicklungs- und Au\u00dfenpolitik. 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