{"id":14048,"date":"2025-12-19T17:08:21","date_gmt":"2025-12-19T16:08:21","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/artikel\/cop30-und-der-nexus-klima-frieden-sicherheit\/"},"modified":"2026-07-22T14:38:31","modified_gmt":"2026-07-22T12:38:31","slug":"cop30-und-der-nexus-klima-frieden-sicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/cop30-und-der-nexus-klima-frieden-sicherheit\/","title":{"rendered":"COP30 und der Nexus Klima\u2013Frieden\u2013Sicherheit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Nachdem die Klimakonferenz COP drei Jahre nacheinander in autorit\u00e4ren Staaten stattgefunden hatte, bot sie im demokratischen Brasilien endlich wieder den Raum f\u00fcr eine lebendige und engagierte Zivilgesellschaft. Besonders sichtbar wurde dies durch die Demonstrationen indigener Gemeinschaften und den gro\u00dfen \u201eClimate March\u201c mit \u00fcber 50.000 Teilnehmenden. Sie r\u00fcckten jene in den Mittelpunkt, die die Folgen des Klimawandels schon heute besonders stark sp\u00fcren \u2013 und deren Menschenrechte und Sicherheit bereits jetzt massiv bedroht sind. In diesem Artikel werden die zentralen Ergebnisse der COP30 sowie m\u00f6gliche n\u00e4chste Schritte skizziert.<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als zwei Milliarden Menschen leben heute bereits in <a href=\"https:\/\/www.undp.org\/publications\/strengthening-centres-government-fragile-and-conflict-affected-settings\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fragilen oder konfliktbetroffenen Kontexten<\/a>. Der Klimawandel wirkt hier als Risikomultiplikator \u2013 er versch\u00e4rft bestehende soziale, politische und wirtschaftliche Spannungen. Trotz dieser Risiken flie\u00dfen nur rund 10% der internationalen Klimafinanzierung in fragile Staaten \u2013 und decken damit nur ein Viertel des <a href=\"https:\/\/odi.org\/en\/insights\/small-change-conflict-blind-spot\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Finanzierungsbedarfes<\/a>. Dabei k\u00f6nnen klima- und friedenssensibel gestaltete Projekte in den Bereichen Emissionsminderung, Anpassung und Loss &amp; Damage ma\u00dfgeblich zur Stabilisierung beitragen, Konfliktrisiken reduzieren und <a href=\"https:\/\/frient.de\/en\/publikation\/mit-klimamassnahmen-frieden-foerdern\/\">Friedensprozesse st\u00e4rken<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der COP30 in Bel\u00e9m forderten zahlreiche Organisationen und Netzwerke \u2013 <a href=\"https:\/\/frient.de\/en\/publikation\/cop30-what-should-be-delivered-on-climate-peace-and-security\/\">darunter auch FriEnt<\/a> \u2013 deshalb, den Nexus Klima\u2013Frieden\u2013Sicherheit auf die Agenda zu setzen und integrierte L\u00f6sungsans\u00e4tze voranzubringen. Einzelne Staaten gehen bereits voran: So verpflichtet sich etwa <a href=\"https:\/\/unfccc.int\/sites\/default\/files\/2025-06\/Somalia%20NDC%203.0_Submitted_to_UNFCCC_Final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Somalia mit seinen neuen national festgelegten Beitr\u00e4gen f\u00fcr Klimaschutzziele 3.0<\/a> (NDCs nach dem Pariser Klimaabkommen) ausdr\u00fccklich dazu, Klima-, Friedens- und Sicherheitsaspekte systematisch zu integrieren \u2013 inklusive Risikoanalysen und konfliktsensibler Programmplanung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf der COP30: Anerkannte politische Herausforderung, aber kaum politischer Raum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den vergangenen Jahren gab es wichtige Fortschritte, um Klima-, Friedens- und Sicherheitsfragen st\u00e4rker miteinander zu verkn\u00fcpfen \u2013 etwa durch die <strong><a href=\"https:\/\/www.cop28.com\/en\/cop28-declaration-on-climate-relief-recovery-and-peace\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>COP28 Declaration<\/strong><\/a><\/strong> zu Climate, Relief, Recovery &amp; Peace oder den <strong><a href=\"https:\/\/www.un.org\/climatesecuritymechanism\/sites\/default\/files\/2025-07\/COP29_Letter_to_Parties_and_observers.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Baku Call for Action<\/strong><\/a><\/strong>. Doch auf der COP30 fiel das Thema aus der offiziellen Agenda heraus. Trotzdem thematisierten zahlreiche Staaten und Organisationen die sicherheitspolitischen Auswirkungen der Klimakrise in Side Events und Statements.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders relevante Impulse kamen von folgenden Akteuren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Netzwerk Improved and Equitable Access to Climate Finance Network (IEACF \u2013 zehn fragile und konfliktbetroffene L\u00e4nder) kritisierte in einem Statement offen, dass die L\u00e4nder faktisch <a href=\"https:\/\/www.financialinsight.africa\/fiz\/articles\/227\/banking-finance\/fragile-states-at-the-30th-conference-of-the-parties-(cop30):-we-are-being-&#039;locked-out&#039;-of-climate-finance\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">von der Klimafinanzierung \u201eausgeschlossen\u201c<\/a> seien.<\/li>\n\n\n\n<li>Die <a href=\"https:\/\/www.un.org\/climatesecuritymechanism\/en\/news\/coming-cop30-12-november-bridging-gap-making-climate-finance-work-underserved\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Climate Security Mechanism (CSM)<\/a> Initiative organisierte ein hochrangiges Event zu \u201cBridging the Gap: Making Climate Finance Work for the Underserved\u201d. Dabei k\u00fcndigte sie an, den Aufbau von L\u00e4nder-Plattformen in fragilen und von Konflikten betroffenen L\u00e4ndern zu unterst\u00fctzen \u2013 als strategischer Ansatz zur Mobilisierung von Finanzmitteln. Die Europ\u00e4ische Union bekr\u00e4ftigte dabei ihre Verpflichtung, Klima\u2013Frieden\u2013Sicherheit-Aspekte in der Au\u00dfenpolitik systematisch zu verankern. Die Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) verpflichtete sich, 2026 ein Mehrjahresprogramm zu entwickeln, um ihre Arbeit zu den Zusammenh\u00e4ngen zwischen Klimawandel und Sicherheit in der gesamten Region zu st\u00e4rken.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) zeigte in einem Side Event auf, wie sie den Nexus systematisch verankert \u2013 \u00fcber ihre Fragility-Strategie, die Transition Support Facility und das Climate Change and Green Growth Framework f\u00fcr 2030.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Blick auf die COP30 Ergebnisse aus der Friedens- und Konfliktperspektive<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die COP30 stand unter hohem Erwartungsdruck: Sie musste sowohl die Ambitionsl\u00fccke schlie\u00dfen als auch Klarheit zu den Themen Anpassung und Klimafinanzierung bringen. Die Konferenz startete mit einer vielversprechenden Dynamik, vor allem mit einem Fahrplan, um fossile Brennstoffe runterzufahren. Letztlich verhinderten jedoch Blockaden einzelner Staaten und <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/default\/files\/2025-11\/Germanwatch_Kurzanalyse%20der%20COP30-Ergebnisse_0.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fehlende Finanzzusagen<\/a> der Industriel\u00e4nder wesentliche Fortschritte.<\/p>\n\n\n\n<p>Relevante Ergebnisse f\u00fcr den Nexus Klima\u2013Frieden\u2013Sicherheit sind:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Just Transition:<\/strong> Die COP30 beschloss die Entwicklung eines Mechanismus f\u00fcr den gerechten \u00dcbergang (Just Transition Mechanism). Positiv sind der Verweis auf die 1,5-Grad-Grenze, die Einbeziehung indigener Gemeinschaften sowie verankerte Menschenrechtsaspekte. Allerdings steht der Mechanismus erst am Anfang: Mandat, institutionelle Verankerung und konkrete Verfahren m\u00fcssen so ausgestaltet werden, dass sie marginalisierte Gruppen einbeziehen und Konfliktrisiken systematisch ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.\u00a0Anpassung<\/strong>: Anpassung ist besonders in fragilen Kontexten entscheidend f\u00fcr menschliche Sicherheit. Das Paket der COP30 \u2013 bestehend aus Indikatoren, Anpassungsfinanzierungsziel und einer Umsetzungsagenda \u2013 bleibt jedoch hinter den Erwartungen zur\u00fcck. Nur 59 von 100 Indikatoren des Globalen Anpassungsziels wurden angenommen. Gleichzeitig ist die zugesagte Finanzierung deutlich zu gering. Damit das Anpassungsziel handlungsleitend werden kann, m\u00fcssen die Indikatoren \u00fcberarbeitet werden. Dabei muss zum einen darauf geachtet werden, dass sie dem Do-no-harm-Prinzip entsprechen. Zum anderen m\u00fcssen sie aber auch Pr\u00e4vention und Vorsorge im Rahmen eines Multihazard-Ansatzes gew\u00e4hrleisten. Denn die erh\u00f6ht die menschliche Sicherheitund f\u00f6rdert den Frieden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Loss and Damage (L&amp;D)<\/strong>: Auf der COP30 blieb das Thema politisch marginal. Zwar wurden der Review des Warschau-Mechanismus abgeschlossen, ein L&amp;D-Statusbericht beschlossen und der Fonds f\u00fcr Verluste und Sch\u00e4den (FRLD) in die Umsetzungsphase \u00fcberf\u00fchrt \u2013 inklusive einem ersten Call for Proposals. Aber: Klare Zusagen zur Schlie\u00dfung der massiven Finanzierungsl\u00fccken fehlen. F\u00fcr den Klima\u2013 Frieden\u2013 Sicherheit-Nexus ist jetzt wichtig: Bei der Auswahl der ersten finanzierten Projekte des FRLD muss darauf geachtet werden, dass auch fragile und von Konflikten betroffene L\u00e4nder und Kontexte beachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Klimafinanzierung:<\/strong> Der Weg und auch der Prozess zu den versprochenen 1,3 Billionen USD bis 2035 bleibt nach der COP30 unklar. Beschlossen wurden ein Minister*innen-Roundtable und ein neues Ziel zur Verdreifachung der Anpassungsfinanzierung bis 2035. Doch Referenzjahr, Geberbasis und Umsetzungsmechanismen bleiben vage. F\u00fcr den Klima\u2013Frieden\u2013Sicherheit-Nexus bleibt damit ein zentrales Problem bestehen: Die Klimafinanzarchitektur der UNFCCC \u2013 Rahmen\u00fcbereinkommen der Vereinten Nationen \u00fcber Klima\u00e4nderungen \u2013 garantiert bislang nicht, dass ein substanzieller Teil der Mittel tats\u00e4chlich konfliktbetroffene Gemeinschaften erreicht, in denen sich Klimarisiken und Konfliktursachenwechselseitig verst\u00e4rken. Entscheidend wird nun die Umsetzung: Auswahlkriterien und unterst\u00fctzende Rahmenbedingungen m\u00fcssen sicherstellen, dass fragile und konfliktbetroffene L\u00e4nder und Kontexte nicht l\u00e4nger am Rand der Klimafinanzierung stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ausblick auf die COP31<\/strong><br><br>In Zeiten zunehmender globaler Unsicherheit und sich versch\u00e4rfender geopolitischer Rivalit\u00e4ten ist die Klimakrise ein Risikomultiplikator mit weitreichenden Auswirkungen auf Frieden und Sicherheit. Die COP31 sollte daher den Klima\u2013Frieden\u2013Sicherheit-Nexus wieder auf die offizielle Agenda setzen. So kann die Dynamik der COP28 Declaration und des Baku Call for Action wieder aufgenommen, bereits gebildete Koalitionen vorangebracht und die Umsetzung konkreter Ma\u00dfnahmen beschleunigt werden. Bis dahin bieten Formate wie die von Deutschland angek\u00fcndigte New York Edition der Berlin Climate and Security Conference in 2026 eine wichtige M\u00f6glichkeit, zentrale Fragen zu diskutieren: Wie k\u00f6nnen die UNFCCC-Finanzarchitektur, das Globale Anpassungsziel und der Just Transition Mechanism so weiterentwickelt werden, dass sie Frieden und Menschliche Sicherheit in fragilen Kontexten tats\u00e4chlich st\u00e4rken \u2013 ohne unbeabsichtigt neue Risiken zu erzeugen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem die Klimakonferenz COP drei Jahre nacheinander in autorit\u00e4ren Staaten stattgefunden hatte, bot sie im demokratischen Brasilien endlich wieder den Raum f\u00fcr eine lebendige und engagierte Zivilgesellschaft. Besonders sichtbar wurde dies durch die Demonstrationen indigener Gemeinschaften und den gro\u00dfen \u201eClimate March\u201c mit \u00fcber 50.000 Teilnehmenden. 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