{"id":14160,"date":"2026-02-09T09:17:45","date_gmt":"2026-02-09T08:17:45","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/?p=14160"},"modified":"2026-07-22T14:38:29","modified_gmt":"2026-07-22T12:38:29","slug":"jugend-frieden-und-sicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/jugend-frieden-und-sicherheit\/","title":{"rendered":"Jugend, Frieden und Sicherheit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Frieden und Sicherheit \u2013 und Jugend?\u00a0Noch immer sitzen junge Menschen\u00a0und ihre Interessen\u00a0selten mit\u00a0am Tisch, wenn in Konferenzr\u00e4umen \u00fcber Friedens- und Sicherheitspolitik debattiert\u00a0und Entscheidungen getroffen werden. \u00c4ndern sollten das die von den Vereinten Nationen verabschiedeten Sicherheitsratsresolutionen zu Jugend, Frieden und Sicherheit.\u00a0Zehn Jahre nach der Verabschiedung der\u00a0UNSCR 2250 fragt dieser Beitrag, inwieweit dies\u00a0bereits gelungen ist und welcher Handlungsbedarf\u00a0auf internationaler Ebene als auch in Deutschland\u00a0weiterhin\u00a0besteht.<\/strong>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Richtet sich\u00a0die Aufmerksamkeit auf den Nexus Jugend, Frieden und Sicherheit im Kontext der Vereinten Nationen, geraten\u00a0unmittelbar\u00a0die UN-Sicherheitsratsresolutionen 2250 (2015), 2419 (2018) und 2535 (2020) in den Blick. Unter Federf\u00fchrung Jordaniens wurde die erste dieser Resolutionen auf den Weg gebracht.\u00a0Wenngleich in diesem Beitrag das Augenmerk auf der politischen Beteiligung junger Menschen liegt, sei darauf verwiesen, dass die YPS-Agenda in G\u00e4nze f\u00fcnf S\u00e4ulen aufweist: Partizipation, Schutz, Pr\u00e4vention, Partnerschaft\u00a0sowie\u00a0Ausstieg und Reintegration. Die YPS-Agenda betrachtet den Nexus Jugend, Frieden und Sicherheit dementsprechend multiperspektivisch.\u00a0Das\u00a0Ziel,\u00a0nicht nur die positive Rolle junger Menschen\u00a0als gestaltende Subjekte\u00a0in Friedens- und Sicherheitsprozessen anzuerkennen, sondern dar\u00fcber hinaus ein Mehr an\u00a0verl\u00e4sslichen\u00a0Beteiligungsm\u00f6glichkeiten zu schaffen, ist dabei zentral.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die aktuellen Diskurse sehen\u00a0jedoch\u00a0vielfach\u00a0anders aus:\u00a0Junge Menschen\u00a0werden\u00a0oftmals\u00a0weiterhin\u00a0pauschal f\u00fcr gewaltf\u00f6rmige\u00a0Konflikte im gesellschaftlichen Zusammenleben verantwortlich gemacht.\u00a0Diese stereotypisierende\u00a0Wahrnehmung\u00a0r\u00fcckt\u00a0sie\u00a0prim\u00e4r in die Rolle von Risikoakteur*innen und\u00a0St\u00f6rfaktoren\u00a0und blendet dabei sowohl die strukturellen Ursachen von Gewalt als auch die vielf\u00e4ltigen Beitr\u00e4ge junger Menschen zur Konfliktl\u00f6sung\u00a0und\u00a0Gemeinschaftsbildung aus.\u00a0Das daraus resultierende\u00a0defizitorientierte\u00a0Narrativ\u00a0pr\u00e4gt vielerorts\u00a0noch immer\u00a0sicherheitspolitische Debatten: Jugendliche werden\u00a0dabei\u00a0als \u201ezu kontrollierende Gruppe\u201c adressiert und nicht als Akteur*innen, deren Beteiligung Stabilit\u00e4t, Demokratie und Frieden aktiv f\u00f6rdern kann. Genau\u00a0hier\u00a0setzt die YPS-Agenda an: Sie hinterfragt\u00a0das Risiko- und Bedrohungsnarrativ kritisch und\u00a0macht die Handlungsmacht\u00a0junger Menschen sichtbar.\u00a0Eine solche Perspektivverschiebung wirkt vereinfachenden\u00a0und\u00a0sicherheitspolitisch verk\u00fcrzten Narrativen\u00a0gezielt\u00a0entgegen.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Leitend ist die\u00a0\u00dcberzeugung, dass die inklusive Teilhabe junger Menschen an politischen Entwicklungen und an allen sie betreffenden Entscheidungsprozessen ein sicheres\u00a0und\u00a0freies Zusammenleben st\u00e4rkt.\u00a0Zentraler\u00a0Bestandteil\u00a0hierf\u00fcr\u00a0ist die p\u00e4dagogisch begleitete Bef\u00e4higung junger Menschen zur eigenst\u00e4ndigen, reflektierten\u00a0Meinungs- und Urteilsbildung. Damit einher gehen die\u00a0St\u00e4rkung von Entscheidungs- und Handlungskompetenzen sowie die schrittweise Heranf\u00fchrung an\u00a0eine\u00a0aktive und verantwortungsvolle Mitgestaltung gesellschaftlicher und politischer Prozesse\u00a0\u2013\u00a0als\u00a0wesentliche\u00a0Grundlage demokratischer Resilienz.\u00a0In der politischen Praxis\u00a0\u00fcbernehmen\u00a0beispielsweise Jugendorganisationen und internationale Netzwerke\u00a0die Aufgabe, die Interessen junger Menschen\u00a0\u2013 auch in multilateraler Zusammenarbeit \u2013\u00a0auf die hier beschriebene Weise\u00a0zu\u00a0vertreten und langfristig Verst\u00e4ndigungs- und Vertrauensbildungsprozesse begleiten.\u00a0So werden\u00a0junge Menschen\u00a0in ihrer Rolle\u00a0als aktive Gestalter*innen von Frieden, sozialem Zusammenhalt und demokratischer Entwicklung sichtbar.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>YPS-Agenda\u00a0st\u00e4rkt junge Stimmen<\/strong>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Weltweit zeigt sich, dass junge Menschen in unterschiedlichen Formen gestaltend wirken, zum Beispiel\u00a0in\u00a0lokalen\u00a0Friedensinitiativen\u00a0oder\u00a0durch\u00a0Engagement gegen Gewalt, Korruption\u00a0und\u00a0Ausgrenzung. Dabei bringen sie spezifisches Erfahrungswissen \u00fcber Konflikte, Polarisierung und gesellschaftliche Bed\u00fcrfnisse ein.\u00a0Zudem\u00a0denken\u00a0junge Menschen\u00a0h\u00e4ufig intersektional, orientieren sich weniger\u00a0an formalen Zust\u00e4ndigkeiten und er\u00f6ffnen damit\u00a0neue\u00a0M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ressort\u00fcbergreifendes, vernetztes und l\u00f6sungsorientiertes Denken.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Hervorzuheben\u00a0ist die gro\u00dfe Vielfalt der\u00a0Perspektiven junger Menschen. Diese\u00a0reicht\u00a0von\u00a0klassischen\u00a0zivilgesellschaftlichen Friedensinitiativen\u00a0bis hin zu\u00a0Positionen, die Frieden und Sicherheit prim\u00e4r \u00fcber staatliche oder milit\u00e4rische Ma\u00dfnahmen zu erreichen suchen.\u00a0Junge\u00a0Menschen\u00a0verfolgen also\u00a0durchaus\u00a0verschiedene\u00a0Vorstellungen davon, wie Frieden\u00a0gestaltet\u00a0werden kann, und\u00a0lassen sich\u00a0daher nicht auf ein einheitliches Narrativ reduzieren.\u00a0Zugleich\u00a0bilden sie\u00a0nicht einfach einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Vielmehr priorisieren sie bestimmte Themenfelder, \u00c4ngste, Sorgen,\u00a0Hoffnungen und Ideen\u00a0anders\u00a0als andere Generationen\u00a0und setzen sich\u00a0auf\u00a0andere\u00a0Weise\u00a0damit\u00a0auseinander.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die Agenda hat\u00a0f\u00fcr\u00a0die Bedeutung junger Menschen in politischen Entscheidungsprozessen\u00a0durchaus sensibilisiert. Gleichwohl fehlt ihre Expertise in politischen Arenen weiterhin\u00a0noch all zu oft. Viele junge Menschen erleben, dass ihre Anliegen zwar angeh\u00f6rt werden,\u00a0doch\u00a0dies\u00a0selten zu Mitgestaltung f\u00fchrt. Insbesondere in\u00a0zentralen\u00a0Entscheidungsprozessen bleiben sie vielfach unterrepr\u00e4sentiert oder von\u00a0wichtigen\u00a0R\u00e4umen ausgeschlossen.\u00a0Die YPS-Agenda verfolgt das Ziel, alle jungen Menschen zu adressieren und auch diejenigen einzubeziehen, die sich von demokratischen Werten entfernt haben oder von ihnen\u00a0ausgeschlossen\u00a0wurden. Hier zeigt sich deutlich: Es bleibt viel zu tun.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Agenda\u00a0weiterdenken: Junge Menschen in den Mittelpunkt stellen<\/strong>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Im Dezember 2025 j\u00e4hrte\u00a0sich die Verabschiedung der Resolution 2250 zum zehnten Mal. F\u00fcr uns Anlass genug, darauf hinzuweisen, dass junge Menschen wichtige Partner*innen in der Sicherheits- und Friedenspolitik sind und fest in nationale und internationale Sicherheitsarchitekturen eingebunden werden m\u00fcssen. Viele junge Menschen w\u00fcnschen sich f\u00fcr die kommenden Jahre vor allem\u00a0eins:\u00a0dass Beteiligung verbindlich wird.\u00a0Ihre Expertise\u00a0soll systematisch\u00a0in Entscheidungsprozesse einflie\u00dfen\u00a0sowie\u00a0sichere, zug\u00e4ngliche und faire Beteiligungsr\u00e4ume\u00a0\u2013 wie\u00a0sie etwa\u00a0die Programme der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.jugenddelegierte.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">UN-Jugenddelegierte<\/a>n\u00a0oder der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bmz.de\/de\/ministerium\/aufbau-und-struktur\/bmz-jugendbeirat-142690\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">BMZ-Jugendbeirat<\/a>\u00a0er\u00f6ffnen\u00a0\u2013\u00a0\u00a0entstehen. Auch sollen\u00a0politische Institutionen\u00a0Jugendbeteiligung als\u00a0wesentlichen Baustein\u00a0demokratie-,\u00a0friedens- und sicherheitspolitischer Prozesse\u00a0begreifen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Als YPS-Koalition\u00a0haben\u00a0wir\u00a0\u201e10 Jahre YPS\u201c zum Anlass genommen,\u00a0um\u00a0auf das Potenzial der Agenda aufmerksam zu machen, und gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Frieden und Sicherheit (FriEnt) sowie dem Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen (BSH) am 9. Dezember 2025 zu einer Veranstaltung mit Allies und Stakeholdern eingeladen.\u00a0F\u00fcr die Teilnehmenden\u00a0standen\u00a0dabei zwei Themen\u00a0im Mittelpunkt:\u00a0zum einen der zunehmende Druck auf die klassische Friedensarbeit,\u00a0zum anderen die fehlenden klaren Zust\u00e4ndigkeiten auf politischer Ebene,\u00a0die\u00a0die\u00a0Adressierung\u00a0von\u00a0Missst\u00e4nden erschwert\u00a0und oftmals\u00a0ins Leere\u00a0laufen lassen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Verabschiedung der\u00a0vierten\u00a0YPS-Resolution (UN-Resolution 2807) wird das n\u00e4chste Kapitel der Auseinandersetzung mit der YPS-Agenda er\u00f6ffnet.\u00a0Zwar ist es\u00a0positiv\u00a0zu bewerten, dass sich\u00a0der\u00a0UN-Sicherheitsrat mit einer vierten YPS-Resolution auseinandergesetzt und diese verabschiedet\u00a0hat, zwei Aspekte\u00a0gilt es jedoch\u00a0zu kritisieren:\u00a0Junge Menschen\u00a0werden weiterhin\u00a0als\u00a0Risikoakteur*innen beschrieben,\u00a0und\u00a0kritische Stimmen\u00a0sehen\u00a0die neue Resolution\u00a0zudem\u00a0als Schritt in Richtung einer \u201eVersicherheitlichung\u201c.\u00a0Dies\u00a0macht deutlich,\u00a0wie wichtig es ist,\u00a0die Arbeit zugunsten der\u00a0positiven\u00a0Agentenschaft\u00a0von, f\u00fcr und mit jungen Menschen zu st\u00e4rken, um\u00a0ihre\u00a0Chancen und Potenziale weiterhin in den Vordergrund zu r\u00fccken.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0<br>Carolina Claus,\u00a0Till\u00a0Veerbeck-Stroetmann\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>f\u00fcr die\u00a0Deutsche Koalition f\u00fcr Jugend, Frieden &amp; Sicherheit e.V.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frieden und Sicherheit \u2013 und Jugend?\u00a0Noch immer sitzen junge Menschen\u00a0und ihre Interessen\u00a0selten mit\u00a0am Tisch, wenn in Konferenzr\u00e4umen \u00fcber Friedens- und Sicherheitspolitik debattiert\u00a0und Entscheidungen getroffen werden. \u00c4ndern sollten das die von den Vereinten Nationen verabschiedeten Sicherheitsratsresolutionen zu Jugend, Frieden und Sicherheit.\u00a0Zehn Jahre nach der Verabschiedung der\u00a0UNSCR 2250 fragt dieser Beitrag, inwieweit dies\u00a0bereits gelungen ist und welcher [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":14560,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1248],"autor":[1320,1322],"blog-serie":[],"fokusthema":[687],"organisation":[1324],"region":[822,803],"thema_artikel":[684,663,676,666],"class_list":["post-14160","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-current-articles-en","autor-carolina-claus","autor-till-veerbeck-stroetmann","fokusthema-feminist-peacebuilding","organisation-deutsche-koalition-fuer-jugend-frieden-und-sicherheit-e-v","region-uberregional-en","region-deutschland-en","thema_artikel-zivilgesellschaft-en","thema_artikel-policy-of-peace-en","thema_artikel-sicherheitspolitik-en","thema_artikel-jugend-en"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14160","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/24"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14160"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14160\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14165,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14160\/revisions\/14165"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14560"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14160"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14160"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14160"},{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=14160"},{"taxonomy":"blog-serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-serie?post=14160"},{"taxonomy":"fokusthema","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/fokusthema?post=14160"},{"taxonomy":"organisation","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/organisation?post=14160"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=14160"},{"taxonomy":"thema_artikel","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/thema_artikel?post=14160"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}