{"id":5851,"date":"2020-08-16T18:22:00","date_gmt":"2020-08-16T16:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/frauenrechte-schuetzen-heldinnen-unterstuetzen\/"},"modified":"2024-11-18T08:59:20","modified_gmt":"2024-11-18T07:59:20","slug":"frauenrechte-schuetzen-heldinnen-unterstuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/frauenrechte-schuetzen-heldinnen-unterstuetzen\/","title":{"rendered":"Frauenrechte sch\u00fctzen, Heldinnen unterst\u00fctzen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Viele Frauenrechtsorganisationen befinden sich auch in \u201enormalen Zeiten\u201c im Krisenmodus. Was aber, wenn zu bestehenden Problemen eine Krise mit globalem Ausma\u00df hinzukommt? Der Impuls von medica mondiale gibt einen Einblick in die Frauenrechtsarbeit der Organisation und ihrer Partnerinnen weltweit unter der aktuellen Corona-Pandemie.  <\/strong><\/p>\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Impuls 06\/2020 von Sybille Fezer, medica mondiale<\/strong><\/p>\n\n<p>\u201eWe are always working\u201c \u2013 Wir arbeiten rund um die Uhr: So lautete Mitte April das Fazit von Mercy Munduru von der ugandischen Frauenrechtsorganisation MEMPROW. \u00c4hnliches h\u00f6ren wir von vielen unserer Partnerorganisationen. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist die Arbeitslast f\u00fcr Frauenrechtsorganisationen weltweit gestiegen: weil sie zum einen ihre Arbeit umstellen mussten \u2013 und weil sich zum anderen die Situation f\u00fcr Frauen drastisch verschlechtert hat.  <\/p>\n\n<p><strong>Frauen sind von der Pandemie mehrfach betroffen<\/strong><\/p>\n\n<p>Die Corona-Pandemie trifft Frauen in Krisenregionen besonders hart. Sie sind zum Beispiel \u00fcberproportional h\u00e4ufig im informellen Sektor besch\u00e4ftigt. Wenn sie w\u00e4hrend einer Ausgangssperre ihre Waren nicht mehr verkaufen k\u00f6nnen, ist ihre Lebensgrundlage in Gefahr. Gleichzeitig werden Frauen bei politischen Ma\u00dfnahmen nicht ausreichend mitgedacht. Auf die Frage, wer Kinder bei Schulschlie\u00dfungen betreut oder wie dem zu erwartenden Anstieg von h\u00e4uslicher Gewalt begegnet werden kann, gibt es in kaum einem Land \u00fcberzeugende Antworten.    <\/p>\n\n<p>Weiterhin f\u00fchren die Ausgangsbeschr\u00e4nkungen in vielen L\u00e4ndern dazu, dass Verh\u00fctungsmittel, gyn\u00e4kologische Versorgung und sichere Schwangerschaftsabbr\u00fcche<br>schwieriger zug\u00e4nglich sind. In Liberia waren selbst Schwangere und Hebammen von der Ausgangssperre betroffen und durften nach der Sperrstunde das Haus nicht verlassen. Wie gef\u00e4hrlich solche Ma\u00dfnahmen sein k\u00f6nnen, zeigte bereits die Ebola-Epidemie, die 2014 in mehreren westafrikanischen Staaten ausbrach. So starben in Sierra Leone innerhalb von 18 Monaten 4.000 Menschen am Virus \u2013 und 45.000 M\u00fctter und S\u00e4uglinge w\u00e4hrend oder kurz nach der Geburt, weil das Gesundheitssystem zusammenbrach und eine angemessene Geburtshilfe nicht m\u00f6glich war. Frauen mussten teilweise auf der Stra\u00dfe entbinden.    <\/p>\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Frauenrechtsorganisationen f\u00fcllen staatliche L\u00fccken<\/strong><\/p>\n\n<p>Weltweit springen Frauenrechtsorganisationen in der Coronavirus-Pandemie ein, wo staatliche Strukturen versagen. Viele unserer Partnerinnen haben Informationen gezielt f\u00fcr Frauen erstellt, die sozial isoliert sind, nicht lesen k\u00f6nnen und dadurch von vielen Informationen ausgeschlossen sind. Weiterhin vernetzen sich unsere Partnerinnen mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen, um Missst\u00e4nde zu dokumentieren und die Regierung zum Handeln zu bewegen.<br>Daneben fragen sich unsere Partnerorganisationen, wie sie gewaltbetroffene Frauen weiterhin angemessen unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Ihre Arbeit ist gepr\u00e4gt von direktem Kontakt zu den Frauen, die sie pers\u00f6nlich beraten und zu denen sie vertrauensvolle Beziehungen aufbauen. Um f\u00fcr ihre Klientinnen erreichbar zu bleiben, richteten unsere Partnerinnen in k\u00fcrzester Zeit kostenlose Telefonhotlines ein. Unsere Kolleginnen aus der Demokratischen Republik Kongo besorgen Prepaid-Handys f\u00fcr Frauen, um sicherzustellen, dass sie die telefonischen Angebote nutzen k\u00f6nnen. Frauen, die sich im Fr\u00fchjahr noch physisch in Gruppenberatungen getroffen haben, tauschen sich jetzt in moderierten Chats aus.      <\/p>\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Auch Erinnerungsarbeit ist systemrelevant<\/strong><\/p>\n\n<p>Doch es gibt auch Momente, da hilft auch kein aufbauendes Telefongespr\u00e4ch mehr. Erlebt haben das unsere Partnerinnen in Bosnien und Herzegowina zum Jahrestag des Genozids von Srebrenica im Juli 2020. Branka Anti\u0107 \u0160tauber, die Direktorin der Frauenrechtsorganisation Snaga \u017dene, berichtete, dass viele ihrer Klientinnen diesem Tag sehr angespannt entgegensahen. Gedenktage und die J\u00e4hrung von traumatischen Ereignissen sind h\u00e4ufig besondere Momente, in denen \u00dcberlebende erneut mit vergangenen Gewalttaten konfrontiert werden. Ohne eine angemessene psychosoziale Begleitung k\u00f6nnen solche Momente retraumatisierend wirken.    <\/p>\n\n<p>Die Mitarbeiterinnen von Snaga \u017dene entschieden, gemeinsam mit ihren Klientinnen die Gedenkst\u00e4tte zu besuchen. \u201eEs war eine gute Entscheidung, dorthin zu gehen\u201c, berichtet Anti\u0107 \u0160tauber. Der Besuch habe viele Gef\u00fchle bei den Frauen ausgel\u00f6st. \u201eDiese Gef\u00fchle zuzulassen, gibt uns die Chance, mit den Frauen \u00fcber ihre Vergangenheit zu sprechen, \u00fcber ihr Trauma, \u00fcber ihre Verletzungen\u201d, so Anti\u0107 \u0160tauber. Wichtig sei gewesen, sie dabei nicht allein zu lassen. Die psychosozialen Mitarbeiterinnen von Snaga \u017dene h\u00e4tten es geschafft, die Gef\u00fchle wieder ins Positive zu lenken: \u201eWir haben \u00fcber die Zukunft geredet, \u00fcber Perspektiven und wie wir uns selbst sehen in der Gegenwart, unsere St\u00e4rken, die Ressourcen, die wir in uns haben\u201d.   <\/p>\n\n<p>Erinnerungsarbeit und die Begleitung von gewaltbetroffenen Frauen sind auch w\u00e4hrend der Coronavirus-Pandemie kein Luxus. Wenn traumatisierende Erfahrungen nicht aufgearbeitet werden, k\u00f6nnen sie sich auf Beziehungen, Gesellschaften und auf nachfolgende Generationen auswirken. Gerade in Krisensituationen ist es wichtig, f\u00fcr Betroffene da zu sein und der Verunsicherung ein Gef\u00fchl von Stabilit\u00e4t und Vertrauen entgegenzusetzen.  <\/p>\n\n<p><strong>Einsatz f\u00fcr Frauenrechte \u2013 jetzt erst recht!<\/strong><\/p>\n\n<p>Der unerm\u00fcdliche Einsatz unserer Partnerinnen macht sich bezahlt. Sie erfahren zu allererst, was die Herausforderungen f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen sind und wissen, wie sie diese angehen k\u00f6nnen. Sie haben mit \u00f6ffentlichen Kampagnen und Aufrufen ihre Gemeinschaften f\u00fcr Gewalt gegen Frauen sensibilisiert. Sie weisen auf Missst\u00e4nde hin und werden angefragt, um Politiker*innen zu m\u00f6glichen Gegenma\u00dfnahmen zu beraten. Und sie sind weiterhin f\u00fcr ihre Klientinnen da und bieten diesen ein Gef\u00fchl von Sicherheit und Stabilit\u00e4t, das in Krisensituationen allzu leicht abhandenkommt.    <\/p>\n\n<p>Die Arbeit von Frauenrechtsorganisationen ist gerade in Krisenzeiten wichtiger denn je. medica mondiale fordert Regierungen weltweit, darunter auch die Bundesregierung, dazu auf, Menschenrechtsverteidigerinnen zu unterst\u00fctzen und zu sch\u00fctzen, um die Rechte von Frauen weltweit einzuhalten und durchzusetzen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Frauenrechtsorganisationen befinden sich auch in \u201enormalen Zeiten\u201c im Krisenmodus. Was aber, wenn zu bestehenden Problemen eine Krise mit globalem Ausma\u00df hinzukommt? Der Impuls von medica mondiale gibt einen Einblick in die Frauenrechtsarbeit der Organisation und ihrer Partnerinnen weltweit unter der aktuellen Corona-Pandemie. 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