{"id":5874,"date":"2021-11-25T19:52:00","date_gmt":"2021-11-25T18:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/gut-gemeint-ist-nicht-gut-gemacht\/"},"modified":"2024-12-12T13:37:11","modified_gmt":"2024-12-12T12:37:11","slug":"gut-gemeint-ist-nicht-gut-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/gut-gemeint-ist-nicht-gut-gemacht\/","title":{"rendered":"Gut gemeint ist nicht gut gemacht"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Konstantin B\u00e4rwaldt von der Friedrich-Ebert-Stiftung hat auf Grundlage der Erkenntnisse des FriEnt Peacebuilding Forums Politikempfehlungen f\u00fcr die deutsche Friedenspolitik formuliert. Im Zentrum steht das Prinzip des \u201elocal ownership\u201c.  Das bedeutet, dass die lokalen Akteur*innen den Friedensprozess gleichberechtigt mitgestalten. Eine Textrezeption. <\/strong><\/p>\n\n<p>An gutem Willen hat es politischen Entscheider*innen in Deutschland bisher nicht gemangelt. Wie kaum ein anderes Land macht sich die deutsche Politik f\u00fcr Friedensf\u00f6rderung stark und stellt beachtliche Ressourcen daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung. In Afghanistan wurde \u00fcber 20 Jahre eigentlich alles ausgepackt, was der Instrumentenkoffer der internationalen Zusammenarbeit zu bieten hat.  <\/p>\n\n<p>Gut gemeint, ist aber nicht gut gemacht. Expert*innenrunden diskutieren jetzt die Frage, was in Afghanistan schief gelaufen ist und vor allem, was wir daraus lernen k\u00f6nnen. Der Bundestag wird dazu wahrscheinlich eine Enquete-Kommission einrichten. Die deutsche Politik erhofft sich daraus neue Impulse f\u00fcr ihre k\u00fcnftige Au\u00dfen-, Friedens \u2013 und Entwicklungspolitik.   <\/p>\n\n<p><strong>Ohne breite Beteiligung hat nachhaltiger Frieden keine Chance<br><\/strong>In dem aktuellen FriEnt-Briefing stellt Autor Konstantin B\u00e4rwaldt \u201elocal ownership\u201c und Partnerschaften als zentrale Ansatzpunkte f\u00fcr deutsche Friedensf\u00f6rderung in den Mittelpunkt. \u201eOhne breite Beteiligung und Einbeziehung aller Gesellschaftsmitglieder \u2013 sowohl der Gewalt-Akteur*innen, der Profiteur*innen, der Leidtragenden als auch der mittelbar Konflikt-Betroffenen \u2013 hat nachhaltiger Frieden keine Chance\u201c. Das Papier enth\u00e4lt teilweise praktische, teilweise grunds\u00e4tzliche Politikempfehlungen daf\u00fcr, wie Friedensprozesse gelingen, wenn sie politisch und organisatorisch sensibel begleitet und unterst\u00fctzt werden.  <\/p>\n\n<p>Im Zentrum steht die Rolle der lokalen Akteur*innen: Sind diese lediglich Implementierungspartner*innen oder politische Akteur*innen mit einer selbstbestimmten Agenda, die es zu unterst\u00fctzen gilt? Allzu h\u00e4ufig sind lokale Akteur*innen, dazu geh\u00f6ren insbesondere auch nationale Fachkr\u00e4fte (sogenannte Ortskr\u00e4fte) von der Analyse, Planung, Umsetzung und Evaluierung von Programmen und deren finanzieller Ausstattung ausgeschlossen. Konstantin B\u00e4rwaldt gibt praktische Empfehlungen, wie die Bundesregierung in Zukunft die Eigenverantwortung lokaler Akteur*innen st\u00e4rken kann. Dazu geh\u00f6rt auch eine transparente Kommunikation und eine offene Debatte sowohl vor Ort als auch im Deutschen Bundestag \u00fcber die erw\u00fcnschten Wirkungen internationaler Unterst\u00fctzungsprogramme. B\u00e4rwaldt empfiehlt unter anderem ein erleichtertes Antrags- und Berichtswesen sowie ein F\u00f6rderprogramm, \u00fcber das zivilgesellschaftliche Organisationen ohne Auflagen von au\u00dfen verf\u00fcgen k\u00f6nnen.    <\/p>\n\n<p><strong>Mehr Ressourcen f\u00fcr Auslandsvertretungen<br><\/strong>Die Auslandsvertretungen der Bundesrepublik arbeiten schon heute h\u00e4ufig gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen an Friedens- und Entwicklungsprozessen. Das lie\u00dfe sich aber noch ausbauen. B\u00e4rwaldt empfiehlt eine gr\u00f6\u00dfere Verbindlichkeit im Vorgehen. Die Regierung solle festlegen, mit welchen Verfahren und welcher Intensit\u00e4t eine regelm\u00e4\u00dfige Konsultation von zivilgesellschaftlichen Akteuren in allen Regionen des Landes sichergestellt werden soll. Das sei aber zurzeit kaum zu leisen, die Auslandsvertretungen br\u00e4uchten, vor allem in fragilen Krisenl\u00e4ndern, mehr Personal und Finanzen.    <\/p>\n\n<p>Schlie\u00dflich widmet sich B\u00e4rwaldt noch dem Sicherheitssektor. Auch in Programme der Ert\u00fcchtigung und Sicherheitssektorreform sollten B\u00fcrger*innen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen einbezogen werden. Hier m\u00fcssten die Sicherheitsbedrohungen und -wahrnehmungen unterschiedlicher Bev\u00f6lkerungsgruppen st\u00e4rker als bisher ber\u00fccksichtigt werden.  <\/p>\n\n<p><strong>Langfristige \u00dcberwindung struktureller Machtungleichgewichte<br><\/strong>Offensichtlich gibt es dicke Bretter zu bohren. Aber B\u00e4rwaldt ist optimistisch: \u201eVor allem die praktisch-operativen Empfehlungen lie\u00dfen sich bei \u201eeinem entsprechenden politischen Willen vergleichsweise einfach umzusetzen\u201c, stellt er fest. Mit der f\u00fcnften Empfehlung holt er weiter aus. Sie richtet sich auf \u201eeine langfristige \u00dcberwindung der strukturellen Machtungleichgewichte zwischen \u201eGlobalem Norden\u201c und \u201eGlobalen S\u00fcden\u201c. Diese erfordere einen Kulturwandel, hin zu Offenheit, Vertrauen, kultureller Sensibilit\u00e4t. Nur dann seien \u201e<a href=\"\">gleichberechtige Partnerschaften<\/a>\u201c, wie sie die Agenda 2030 einfordert, mit Leben zu f\u00fcllen.     <br><br>Allerdings sei Local Ownership und eine umfassende Beteiligung von Zivilgesellschaft allein kein Patentrezept f\u00fcr die Schaffung einer friedlicheren Welt, schreibt B\u00e4rwaldt. Aber in jedem Falle brauche es repr\u00e4sentative Allianzen und Verb\u00fcndete auf allen Ebenen, um politischen Wandel f\u00fcr mehr Gerechtigkeit und Frieden zu f\u00f6rdern. <\/p>\n\n<p>Das FriEnt-Briefing &#8220;Local Ownership als Prinzip von Friedensf\u00f6rderung&#8221; steht ab sofort zum <a href=\"https:\/\/assets.ctfassets.net\/s4dl1flih98w\/48tx6uOj7oTw59pTpdvFWl\/98b14bf97b6472191c425096411a090a\/FriEnt_Briefing_Local_Ownerhsip_als_Prinzip_von_Friedensf__rderung_KBaerwaldt.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Download<\/strong><\/a> auf der FriEnt-Website bereit. Die ausf\u00fchrliche Dokumentation des FriEnt Peacebuilding Forums sowie ein Video des &#8220;Making of&#8221; des FriEnt Peacbuilding Forums befinden sich <a href=\"https:\/\/www.frient-peacebuilding-forum.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>hier<\/strong><\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konstantin B\u00e4rwaldt von der Friedrich-Ebert-Stiftung hat auf Grundlage der Erkenntnisse des FriEnt Peacebuilding Forums Politikempfehlungen f\u00fcr die deutsche Friedenspolitik formuliert. Im Zentrum steht das Prinzip des \u201elocal ownership\u201c. Das bedeutet, dass die lokalen Akteur*innen den Friedensprozess gleichberechtigt mitgestalten. Eine Textrezeption. An gutem Willen hat es politischen Entscheider*innen in Deutschland bisher nicht gemangelt. 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