{"id":5940,"date":"2024-03-01T17:48:00","date_gmt":"2024-03-01T16:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/gerade-jetzt-friedensarbeit-in-der-ukraine\/"},"modified":"2024-12-12T13:37:56","modified_gmt":"2024-12-12T12:37:56","slug":"gerade-jetzt-friedensarbeit-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/gerade-jetzt-friedensarbeit-in-der-ukraine\/","title":{"rendered":"Gerade jetzt: Friedensarbeit in der Ukraine"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Beim forumZFD werden wir in den letzten zwei Jahren oft gefragt \u201eWie geht Friedensarbeit in Kriegszeiten? Geht das \u00fcberhaupt?\u201c. Meine erste Reaktion war immer \u201eNat\u00fcrlich! Wann sonst soll man Frieden schaffen, wenn nicht im Krieg?\u201c. Jetzt m\u00f6chte ich zwischen der Frage und deren Antwort eine Pause einbauen. Eine ehrliche Antwort zu dieser Frage ist: \u201eEs h\u00e4ngt davon ab, wie man Friedensarbeit definiert.\u201c   <\/strong><\/p>\n\n<p>Seit Russlands Angriff auf ukrainische Staatsgebiete im Februar 2022 hat das Wort Frieden stark gelitten. Mit der Eskalation der Gewalt im Nahen Osten setzt sich eine Diskursverschiebung fort: Rufe gegen milit\u00e4rische Angriffe und Aufrufe f\u00fcr friedliche L\u00f6sungen werden aus dem Kontext gerissen und politisiert. Hierbei geht es um Frieden im Sinne einer Abwesenheit von Krieg, um Diplomatie und Verhandlungen f\u00fcr einen Waffenstillstand, um eine Beendigung der Kampfhandlungen.  <\/p>\n\n<p>Die Arbeit des forumZFD folgt einem weiter verstandenen Friedensbegriff. Sie zielt darauf ab, die Ursachen von Gewalt anzugehen und strukturelle Ver\u00e4nderungen voranzutreiben wie z.B. institutionelle Reformen, Aufbau von Kommissionen f\u00fcr Vers\u00f6hnungsarbeit, Dialogr\u00e4ume zwischen den befeindeten Gruppen auf Gemeinschaftsebene. Richtig, viele dieser Aufgaben stellen sich in einem Nachkriegsszenario. Daher ist die Frage ganz berechtigt. Welches Instrumentarium bleibt denn noch f\u00fcr unsere aktuelle Arbeit in der Ukraine? Zusammen mit unseren Partnern beobachten und analysieren wir die gegenw\u00e4rtigen Bedarfe der Zivilbev\u00f6lkerung, die langfristig f\u00fcr einen tragf\u00e4higen Frieden notwendig sind.     <\/p>\n\n<p>Unser Ziel ist klar: eine widerstandsf\u00e4higere, aktivere Zivilgesellschaft. Wir m\u00f6chten, dass jede Person sich ohne Angst engagieren kann. Die h\u00e4ufig anzutreffende Wut und auch die allgegenw\u00e4rtige Angst verwandeln wir in produktive Energie. Unsere Projekte zielen darauf ab, die tiefen Gr\u00e4ben der Gesellschaft zu \u00fcberbr\u00fccken und einen Weg zu einem nachhaltigen Frieden und gegenseitigem Verst\u00e4ndnis zu ebnen.   <\/p>\n\n<p><strong>R\u00e4ume schaffen \u201evon Herz zu Herz\u201c<\/strong><\/p>\n\n<p>Durch gegenseitiges Lernen und authentische Partnerschaften erweitern wir das Verst\u00e4ndnis und die Methoden der Friedensarbeit. Ein Beispiel ist die von Aljona und Dmitrij gegr\u00fcndete Initiative namens \u201eVon Herz zu Herz\u201c in Mykolaiv. Die Stadt in der S\u00fcdukraine liegt weniger als eine Stunde von der Front entfernt. Man kann sich die Stimmung in der kleinen Stadt gut vorstellen: Angst, Wut, Sorge \u00fcber die Zukunft, begrenzte \u00f6konomische M\u00f6glichkeiten und damit verbundene Hilfs- und Perspektivlosigkeit. Viele Menschen wissen nicht, wie sie mit dem Dauerstress des Krieges umgehen sollen. \u201eDie Suizid-Gedanken bei Jugendlichen sind erschreckend gestiegen\u201c, berichtet Aljona. Jeden Samstag kommen zwischen 20 und 30 Frauen, M\u00e4nner und Kinder zusammen, um bei Theater, Malerei oder Tonarbeit die Last des Krieges von den Schultern zu sch\u00fctteln. Dank der sanften F\u00fchrung der K\u00fcnstler*innen und Therapeut*innen \u00f6ffnen sich die Teilnehmenden mit ihren Sorgen, \u00c4ngsten und Tr\u00e4umen anderen. Dabei entsteht eine warmherzige und f\u00fcrsorgliche Gemeinschaft. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Auswirkungen einer traumatischen Erfahrung weniger vom Ereignis selbst bestimmt werden als von der Umgebung, in der das Ereignis bearbeitet und integriert werden kann. Darum ist es gerade jetzt w\u00e4hrend des Krieges so wichtig, solche R\u00e4ume zu schaffen und damit individuelle und gesellschaftliche bzw. kollektive Traumata zu adressieren.          <\/p>\n\n<p><em>Weitere Informationen finden Sie unter <\/em><a href=\"http:\/\/www.forumzfd.de\/ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>www.forumZFD.de\/ukraine<\/em><\/a><em><strong>.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim forumZFD werden wir in den letzten zwei Jahren oft gefragt \u201eWie geht Friedensarbeit in Kriegszeiten? Geht das \u00fcberhaupt?\u201c. Meine erste Reaktion war immer \u201eNat\u00fcrlich! Wann sonst soll man Frieden schaffen, wenn nicht im Krieg?\u201c. Jetzt m\u00f6chte ich zwischen der Frage und deren Antwort eine Pause einbauen. 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