{"id":6154,"date":"2023-11-04T21:10:00","date_gmt":"2023-11-04T20:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/das-maerchen-von-der-partnerschaft\/"},"modified":"2025-12-23T12:43:05","modified_gmt":"2025-12-23T11:43:05","slug":"das-maerchen-von-der-partnerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/das-maerchen-von-der-partnerschaft\/","title":{"rendered":"\u201eDas M\u00e4rchen von der Partnerschaft\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein Interview mit Dr. Samantha Ruppel \u00fcber ihr Buch \u201eLokal verankerte Zivile Konfliktbearbeitung zwischen Partnerschaft und Machtungleichgewicht\u201c und ihre Forschung zum Zivilen Friedensdienst (ZFD). Es geht vor allem um die Machtdynamiken zwischen den verschiedenen Akteur*innen in der Friedensarbeit. <\/strong><\/p>\n\n<p>Am 10. Oktober 2023 gab es am <strong>IDOS \u2013 German Institute for Development and Sustainability<\/strong> einen \u201eBook Launch und Roundtable\u201c zum neuen Buch von Dr. Samantha Ruppel \u201eLokal verankerte Zivile Konfliktbearbeitung zwischen Partnerschaft und Machtungleichgewicht\u201c herausgegeben vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Darauf basierend hat das folgende Interview stattgefunden \u2013 gef\u00fchrt von Bettina Wolff. <\/p>\n\n<p><strong>Sie haben in Ihrer Forschung die Arbeit des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) in Sierra Leone, Kenia und Liberia sehr kritisch betrachtet. Braucht es den ZFD \u00fcberhaupt noch? <\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>Ich denke, Formate wie den ZFD braucht es auf jeden Fall, wenn man die Punkte des gegenseitigen Austauschs und des Lernens voneinander in den Mittelpunkt stellt. Das ist die gro\u00dfe St\u00e4rke des ZFD. Denn gerade in dieser globalisierten Welt, in der Konflikte multiperspektivisch sind, kann keine Organisation, kein Land, keine Region die Konflikte wirklich allein l\u00f6sen \u2013 man muss zusammenarbeiten. Der ZFD bietet eine von vielen M\u00f6glichkeiten, gemeinsam an globalen Herausforderungen zu arbeiten, die sich lokal widerspiegeln. Die Frage ist dann nat\u00fcrlich: Wie genau sieht das in der Umsetzung aus? Da braucht es auf jeden Fall Austauschformate.     <\/p>\n\n<p><strong>Beim Book Launch haben wir dieses Schaubild gesehen mit sehr vielen verschiedenen Tr\u00e4gern, Partnern, Geldgebern etc. Ist das denn effektiv?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>Der ZFD ist komplex, weil es verschiedene Akteure gibt, die den ZFD alle unterschiedlich durchf\u00fchren. Wenn man sich allerdings ansieht, wie viele Organisationen und Tr\u00e4ger es in Deutschland insgesamt gibt, die irgendwie im Bereich Frieden arbeiten, sind die, die den ZFD durchf\u00fchren, nur ein ganz kleiner Bruchteil. Deswegen ist es im Vergleich gar nicht so viel. Es ist auch eine gute Komplexit\u00e4t, die so ein Programm vielf\u00e4ltig macht. Nat\u00fcrlich wird dadurch auch die Vergleichbarkeit manchmal schwierig, da sich jede Organisation einen anderen Impact w\u00fcnscht oder auch eine andere Herangehensweise hat. Allerdings bietet das im Idealfall die M\u00f6glichkeit zu schauen, welche Organisation aus Deutschland mit welcher Organisation vor Ort gut zusammenpasst \u2013 wo gibt es gemeinsame Werte, gemeinsame Vorstellungen? Sowohl hier in Deutschland als auch vor Ort gibt es durch die Komplexit\u00e4t der Organisation ein Netzwerk, um voneinander zu lernen, was ein ganz klarer Vorteil ist. Gerade auch f\u00fcr die Organisationen vor Ort kann die Vernetzung \u00fcber eigene Akteurs-Netzwerke hinaus eine gute M\u00f6glichkeit sein, um neue Kontakte zu aufzubauen. Allerdings ist da auch immer die Frage, inwieweit das genutzt wird.        <\/p>\n\n<p><strong>Welche Rolle spielen die Machtdynamiken dabei im Alltag?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>Das ist sehr unterschiedlich \u2013 je nachdem, wie die Zusammenarbeit aussieht: ob es eine integrierte oder nicht integrierte Fachkraft ist, wie einzelne Projekte aussehen, mit wem vor Ort gearbeitet wird. Aber es macht einen Unterschied, dass eine externe Fachkraft dabei ist, die vor Ort mitarbeitet oder unterst\u00fctzt bzw. ber\u00e4t \u2013 je nachdem wie das jeweilige Projekt aussieht. Zudem ist diese Fachkraft in der Regel eine Wei\u00dfe Person aus Deutschland; das macht einen gro\u00dfen Unterschied. Ein konkretes Beispiel: Ein Projekt des ZFD findet in einem sehr l\u00e4ndlichen Raum statt, wo die Menschen keine Sprache sprechen, die die Fachkraft spricht, sondern verschiedene lokale Sprachen und Dialekte, sodass die Fachkraft gar nicht in den Dialog treten kann. Das hei\u00dft, es muss immer eine Person \u00fcbersetzen. Und das bringt nat\u00fcrlich eine unheimliche Hierarchie rein, wenn die Fachkraft gar nicht direkt mit der Zielgruppe zusammenarbeiten kann. Zudem hat die Fachkraft in der Regel \u2013 wenn auch nicht immer \u2013 ein Auto und kommt mit diesem aus der n\u00e4chstgr\u00f6\u00dferen Stadt in ein Projekt gefahren, macht dort etwas und f\u00e4hrt wieder. Sie hat ganz andere M\u00f6glichkeiten als die Zielgruppe, mit der gearbeitet wird.       <\/p>\n\n<p>Selbst wenn wir zum Beispiel von diesem ruralen Kontext weggehen und sagen: Schauen wir uns eine gro\u00dfe Stadt an wie Nairobi, wo auch die Zielgruppen ganz andere Zug\u00e4nge haben als vielleicht eine ganz l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung. Aber auch dort spielt ein Machtungleichgewicht in der Zusammenarbeit eine ganz gro\u00dfe Rolle. Denn selbst wenn man sagt: Wir arbeiten als Fachkr\u00e4fte gemeinsam mit unseren Partner*innen, egal ob integriert oder nicht. Dann muss man sich trotzdem immer ansehen: Wer bringt die Ausstattung mit? Und in der Regel sind das die Fachkr\u00e4fte des ZFD, die eine gewisse Ausstattung mitbringen. Und in der Regel \u2013 nicht immer \u2013 machen sie auch das Finanzmonitoring und \u00fcberwachen das Budget. Die Organisationen in Deutschland entscheiden dann letztendlich doch, wof\u00fcr das Geld ausgegeben wird und wof\u00fcr nicht \u2013 an welchen Schwerpunkten gearbeitet wird. Und das kann nicht immer im selben Ma\u00dfe von den Organisationen vor Ort mitbestimmt werden.       <\/p>\n\n<p><strong>Welche Rolle spielt dabei das Machtgef\u00e4lle auch aufgrund der kolonialen Geschichte?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>Ich glaube, nicht nur die koloniale Geschichte ist ein Teil dieser Abh\u00e4ngigkeitsstrukturen, sondern auch die Geschichte der internationalen Zusammenarbeit \u2013 die nat\u00fcrlich auch Kolonialstrukturen aufbaut. Seitdem gerade in die L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens Geld f\u00fcr Friedens- und Entwicklungsarbeit flie\u00dft, sind einfach Abh\u00e4ngigkeiten geschaffen worden. Es gibt viele Organisationen, die nur bestehen k\u00f6nnen, weil sie Gelder aus dem Globalen Norden bekommen. Das ist nat\u00fcrlich eine Weiterf\u00fchrung von kolonialen Abh\u00e4ngigkeiten, aber nochmal in einer anderen Dimension. Denn es wird oft als empowernd dargestellt: Ja, wir geben Geld, die Organisationen k\u00f6nnen bestehen. Aber letztendlich ist es eine Abh\u00e4ngigkeit, die geschaffen worden ist \u00fcber einen langen Zeitraum und die auch nicht so einfach aufgehoben werden kann. Denn wenn kein Geld mehr flie\u00dft, verlieren sehr viele Leute nat\u00fcrlich ihre Arbeit und ihre Existenzgrundlage. Deswegen ist es nochmal wichtig, darauf zu schauen: Warum gibt es eigentlich diese Abh\u00e4ngigkeiten?       <\/p>\n\n<p><strong>Sie haben es auch \u201edas M\u00e4rchen der Partnerschaft\u201c genannt. Was bedeutet das konkret und was hat dies mit dem \u201elocal turn\u201c zu tun? <\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>Der \u201elocal turn\u201c geht erst einmal davon aus, dass es wichtig ist, lokale Akteur*innen in den Vordergrund zu stellen. Er nimmt als Ausgangspunkt f\u00fcr Friedensaktivit\u00e4ten, dass das Agenda-Setting durch diese lokalen Akteur*innen stattfindet. Das ist das theoretische Konstrukt, das Idealbild. Aber das ist nicht das, was in der Realit\u00e4t passiert. Es gibt gemeinsame Treffen, in denen vielleicht \u00fcber Strategien und Themen gesprochen wird. Aber letztendlich ist es die deutsche Seite, die nat\u00fcrlich ein Interesse daran hat, was sie finanziert. Da werden bestimmte Themen und Projekte auch ablehnt und daf\u00fcr andere auf die Agenda gesetzt. Das ist ja auch legitim, wenn man als Organisation oder als Land Geld in Projekte reinsteckt. Trotzdem wird immer wieder von Partnerschaft geredet und ganz oft auch von Partnerschaft auf Augenh\u00f6he und es hei\u00dft, \u201ewir arbeiten ganz gleichberechtigt\u201c. Es ist nicht so sehr der Begriff der Partnerschaft, der an sich schwierig ist, sondern das unreflektierte Benutzen dieses Begriffs. Dass es einfach hingestellt wird als: Wir sind zwei gleichberechtigte Akteursgruppen \u2013 was ja einfach nicht der Fall ist. In der Realit\u00e4t gibt es eine gro\u00dfe Organisation aus Deutschland, die zahlreiche Fachkr\u00e4fte entsendet. Vor Ort wird dann mit einer oder ein paar Organisationen zusammengearbeitet. Das ist ja schon eine ganz andere Zusammenarbeit als w\u00e4re es eine genauso gro\u00dfe Organisation vor Ort. Deswegen ist es auch betitelt als \u201edas M\u00e4rchen von der Partnerschaft\u201c.              <\/p>\n\n<p><strong>Was hat es dabei mit den Begriffen \u201elokal\u201c und \u201einternational\u201c auf sich?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>Das sind Begriffe, die oft verwendet werden, die aber sehr, sehr schwammig sind. Wer ist wirklich lokal, wer ist wirklich international? Viele Fachkr\u00e4fte, die auch schon lange vor Ort sind, sagen auch selbst: \u201eIch bin jetzt schon so lange hier, ich bin eigentlich schon ganz lokal.\u201c Wenn man sich dann einige Akteure vor Ort anschaut, gibt es auch Leute, die haben international studiert, einen internationalen Lebenslauf, sind jetzt wieder zur\u00fcck in ihrem Herkunftsland und arbeiten nun dort. Sind sie lokal, sind sie nicht auch international? Das sind Begriffe, die immer mehr verschwimmen und auch immer mehr verschwimmen werden. Und ich glaube, dass es auch perspektivisch wichtiger wird, von solchen Begriffen wegzukommen und mehr auf die F\u00e4higkeiten und Bedarfe einer Fachkraft zu schauen als zu sagen: Wir brauchen eine lokale oder eine internationale Fachkraft, sondern man braucht eine Fachkraft mit bestimmten Kompetenzen.      <\/p>\n\n<p><strong>Wie zeitgem\u00e4\u00df ist eigentlich noch dieses Konzept einer Fachkraft?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>Ich glaube, der Begriff Fachkraft ist vielleicht nicht immer ganz der richtige, weil auch oft Personen entsendet werden, die das zum Beispiel direkt nach dem Studium als ihre erste Stelle machen. Da ist nat\u00fcrlich die Frage: Was bringt diese Person f\u00fcr ein Fachpraxiswissen mit au\u00dfer dem aus dem Studium, wenn man bei einer Organisation arbeitet, in der die Leute zwanzig bis drei\u00dfig Jahre Arbeitserfahrung haben? Deswegen ist der Begriff dieser Fachkraft nicht mehr ganz zeitgem\u00e4\u00df. Man kann aber immer voneinander lernen, \u00fcber verschiedene Kompetenzen und Erfahrungen. Deswegen ist es wichtig, weiterhin Austausch zu betreiben, aber vielleicht nicht unbedingt nur von Deutschland in andere L\u00e4nder. Stattdessen h\u00e4tte man im Idealfall einen Pool von Personen weltweit, die verschiedene Kompetenzen haben, verschiedene Expertise mitbringen und man hat einen Pool von Projekten und kann das dann \u201ematchen\u201c \u2013 unabh\u00e4ngig von Herkunft oder Nationalit\u00e4t.     <\/p>\n\n<p><strong>Was hat es mit den im Buch beschriebenen \u201eFrictions\u201c auf sich?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>\u201eFrictions\u201c, das hei\u00dft Reibungspunkte. Unklarheiten, Unstimmigkeiten gibt es immer, wenn Menschen oder Organisationen zusammenarbeiten \u2013 und deshalb auch ganz nat\u00fcrlich im ZFD. Wenn Personen aus verschiedenen Kontexten, verschiedenen Hintergr\u00fcnden zusammenarbeiten, werden Konfliktthemen nat\u00fcrlich nochmal gr\u00f6\u00dfer. Das k\u00f6nnen pers\u00f6nliche Themen sein, das k\u00f6nnen inhaltliche Reibungen sein, das k\u00f6nnen einfach Missverst\u00e4ndnisse sein, die entstehen. Also auf ganz vielen verschiedenen Ebenen, die aber alle die Zusammenarbeit irgendwie meist negativ beeinflussen \u2013 negativ, weil das oft nicht aufgearbeitet wird. Das ist ein ganz spannendes Thema, dass oft so eine defensive Haltung gew\u00e4hlt wird, dass man einfach mit diesen Herausforderungen weiterlebt und oft nicht den Kern angeht. Denn das sind auch ganz allt\u00e4gliche, kleine Sachen. Es ist nicht der riesengro\u00dfe Konflikt, der irgendwie aufgearbeitet wird, sondern es sind Dinge in der allt\u00e4glichen Zusammenarbeit. Und da ist es einfach wichtig, nochmal genauer hinzuschauen. Denn da k\u00f6nnen alle beteiligten Akteure und Organisationen einfach viel mehr f\u00fcr die Zusammenarbeit lernen: Was ist wirklich wichtig? Was ist jeder Person pers\u00f6nlich f\u00fcr die Arbeit wichtig, um diese auch gut machen zu k\u00f6nnen? Was sind denn die Herausforderungen und wie k\u00f6nnen diese dann produktiv genutzt werden, um daraus am Ende einen Mehrwert zu ziehen?           <\/p>\n\n<p><strong>Welche Rolle spielen dabei (inter-)kulturelle Erfahrungen?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>Solche Konflikte oder \u201eFrictions\u201c werden in jeder Kultur anders angesprochen. Manchmal werden sie sehr direkt angesprochen, manchmal gar nicht. Manchmal wird vielleicht auch eine Abwehrhaltung eingenommen, um zu zeigen: Man hat damit ein Problem. Und das kann nat\u00fcrlich sein. Aber in so einer Zusammenarbeit, wo eben Akteure mit unterschiedlichen kulturellen Pr\u00e4gungen zusammenarbeiten, ist es umso wichtiger, dass das begleitet wird. Das sind keine Sachen, die vielleicht auch Fachkraft und Organisation zusammen l\u00f6sen k\u00f6nnen, sondern es braucht eben eine externe Begleitung, die ins Gespr\u00e4ch gehen kann. Denn beide Seiten haben ihre Berechtigung. Sagen wir, wir haben eine deutsche Fachkraft, die das ganz direkt ansprechen m\u00f6chte und vielleicht eine Partnerorganisation, die sagt: Wir zeigen Widerstand und wir machen das nicht. Das ist ja auch eine ganz h\u00e4ufige Form, den Konflikt indirekt anzusprechen \u2013 \u00fcber Widerstand. Und da ist es wichtig, einfach extern nochmal draufzuschauen und dann gemeinsam an L\u00f6sungen zu arbeiten, die auch f\u00fcr beide Seiten als L\u00f6sungsweg gut akzeptiert sind.         <\/p>\n\n<p><strong>Wie w\u00fcrden Sie sich so eine Begleitung dieses Prozesses auch aufgrund Ihrer Forschungsergebnisse vorstellen?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>Was wichtig ist, wenn man in diesem Konstrukt mit Partnern vor Ort zusammenarbeitet, ist, dass die Partner*innen die gleichen M\u00f6glichkeiten bekommen wie die Fachkr\u00e4fte, die entsendet werden. Das hei\u00dft: Die Vorbereitung ist derzeit f\u00fcr die deutschen Fachkr\u00e4fte sehr viel intensiver als f\u00fcr die Partner*innen. Es w\u00e4re gut, da eine \u00e4hnliche Vorbereitung zu haben, die Person mit gleichem Wissen starten zu lassen und auch gleich zu begleiten. Es gibt f\u00fcr viele deutsche Fachkr\u00e4fte die M\u00f6glichkeit, Coachings oder Begleitung in Anspruch zu nehmen \u2013 das gibt es f\u00fcr die Partner*innen vor Ort gar nicht oder nur sehr, sehr gering. Es w\u00e4re wichtig, einfach diese Coaching-Prozesse zu \u00f6ffnen und das f\u00fcr alle, die an dieser Arbeit beteiligt sind, anzubieten, und dann auch gemeinsam in den Dialog zu gehen. So ein bisschen wie Paartherapie vielleicht: Wo kann gemeinsam an Problemen und Herausforderungen gearbeitet werden? Ich glaube, eine gro\u00dfe Empfehlung ist auch, dieses Konstrukt Nord-S\u00fcd-Entsendung aufzul\u00f6sen und stattdessen wirklich nach Kompetenzen zu entsenden.      <\/p>\n\n<p><strong>W\u00fcrden Sie sagen, diese partnerschaftliche Arbeit ist letztlich mindestens so wichtig oder sogar wichtiger als die Fachexpertise?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Dr. Samantha Ruppel: <\/strong>Ich w\u00fcrde sagen, das kommt ein bisschen darauf an, mit welchem Ziel und welcher Motivation man diese Arbeit macht. Man kann nat\u00fcrlich sagen, man schickt eine Fachkraft, die alleine irgendwie ihre Arbeit macht \u2013 losgel\u00f6st von dem, was die Organisation macht \u2013 und auf dem Papier erstmal super Ergebnisse hat. Wenn die Motivation z.B. ist, eine gute Evaluation von irgendeinem Workshop zu bekommen, kann das gut funktionieren. Aber wenn man den Anspruch hat, langfristig gemeinsam zu arbeiten, auch nachdem eine bestimmte Fachkraft wieder weg ist, dann ist dieses Arbeiten an der Zusammenarbeit vielleicht sogar wichtiger als die eigentliche Arbeit, ja.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview mit Dr. Samantha Ruppel \u00fcber ihr Buch \u201eLokal verankerte Zivile Konfliktbearbeitung zwischen Partnerschaft und Machtungleichgewicht\u201c und ihre Forschung zum Zivilen Friedensdienst (ZFD). Es geht vor allem um die Machtdynamiken zwischen den verschiedenen Akteur*innen in der Friedensarbeit. Am 10. 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