{"id":6164,"date":"2023-11-02T21:22:00","date_gmt":"2023-11-02T20:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/berlin-peace-dialogue-2023\/"},"modified":"2025-01-21T16:05:34","modified_gmt":"2025-01-21T15:05:34","slug":"berlin-peace-dialogue-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/berlin-peace-dialogue-2023\/","title":{"rendered":"Berlin Peace Dialogue 2023"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Am 5. Oktober 2023 fand erneut die j\u00e4hrliche Konferenz des Beirats Zivile Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung statt \u2013 koordiniert im F\u00f6rderprogramm zivik. Die eint\u00e4gige Veranstaltung mit dem Titel \u201e&#8217;Zeitenwende&#8217; for Civilian Crisis Prevention?\u201c war dieses Jahr von deutschen sowie internationalen Expert*innen gut besucht. <\/strong><\/p>\n\n<p>In seiner Er\u00f6ffnungsrede beschrieb Richard Gowan, UN-Direktor der International Crisis Group, einen Wendepunkt in der zivilen Krisenpr\u00e4vention: Nachdem es eine lange Phase der Professionalisierung und ma\u00dfgeblichen konzeptionellen Verschiebungen gegeben h\u00e4tte hin zu einer Lokalisierung der Friedensarbeit, setzten heute nationale Interessen und ein neuer Realismus den Rahmen f\u00fcr ihre Wirkungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n<p>Auf dem anschlie\u00dfenden Panel wurden M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Zivilen Krisenpr\u00e4vention vielseitig diskutiert. Konfliktdynamiken in Europa versch\u00f6ben den Fokus von der Konfliktbearbeitung hin zur Eind\u00e4mmung von Gewalt. Aufgrund militarisierter Narrative und Handlungslogiken trete die Option der Zivilen Krisenpr\u00e4vention weiter in den Hintergrund. Europa m\u00fcsse sich bewusst machen, welche potenziell destabilisierende Wirkung ihre Politik entfalten k\u00f6nne \u2013 vor allem dann, wenn politische Werte und Interessen nicht im Einklang st\u00fcnden. Ehrlichere Analysen zu Missst\u00e4nden und Konfliktursachen k\u00f6nnten dahingegen Argumente liefern, die die Friedensarbeit wieder mehr in den Fokus r\u00fcckten.    <\/p>\n\n<p>Weiterhin m\u00fcssten lokale Friedenspotentiale und die Zivilgesellschaft gest\u00e4rkt werden. Die Nationale Sicherheitsstrategie k\u00f6nne durch ihre Bezugnahme auf die Leitlinien \u201eKrisen verhindern, Konflikte bew\u00e4ltigen, Frieden f\u00f6rdern\u201c und das Konzept der menschlichen Sicherheit als Instrument f\u00fcr vermehrten politischen Druck herangezogen werden f\u00fcr eine verst\u00e4rkte F\u00f6rderung der Zivilen Konfliktbearbeitung. <\/p>\n\n<p><strong>Die Nationale Sicherheitsstrategie greift zu kurz<\/strong><\/p>\n\n<p>Gleichzeitig wurde kritisch vermerkt, dass im aktuell stattfindenden Wechsel von einer unipolaren zu einer multipolaren Weltordnung \u2013 in der der Westen nicht mehr dominieren solle \u2013 die Nationale Sicherheitsstrategie zu kurz greifen und Deutschland auf diesen Wandel nicht vorbereiten w\u00fcrde. Frieden d\u00fcrfe im Rahmen der Umsetzung der Nationalen Sicherheitsstrategie nicht sicherheitspolitischen Zielen untergeordnet werden. Gleichzeitig m\u00fcssten die friedenspolitischen Leitlinien der Zivilen Krisenpr\u00e4vention weiter Bestand haben.  <\/p>\n\n<p>Insbesondere auch das Konzept der menschlichen Sicherheit m\u00fcsse mehr in den Vordergrund ger\u00fcckt werden. Im Sinne einer feministischen Politik k\u00f6nne das Ziel der Krisenpr\u00e4vention nicht nur sein, Kriege sicherer zu machen. Vielmehr m\u00fcssten Ursachen von Gewalt adressiert und damit Gewalteskalationsprozessen nachhaltig vorgebeugt werden.  <\/p>\n\n<p>Auch die f\u00fcr nachhaltige Friedensarbeit notwendige Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung wurde intensiv besprochen. Internationale Organisationen und Institutionen haben oft privilegierten Zugang zu Konfliktparteien und Friedensprozessen. Die lokale Bev\u00f6lkerung hat im Vergleich h\u00e4ufig eingeschr\u00e4nkte Teilhabem\u00f6glichkeiten. Die Menschen in konfliktbetroffenen L\u00e4ndern sind au\u00dferdem oft Stigmata ausgesetzt. Ihrem Fachwissen auch zu ihren Konfliktkontexten wird oftmals wenig Beachtung geschenkt.    <\/p>\n\n<p><strong>Ver\u00f6ffentlichung neuer Publikationen<\/strong><\/p>\n\n<p>Daher wurden in einer weiteren Veranstaltung auf der Konferenz Ans\u00e4tze f\u00fcr einen weiteren Abbau solch diskriminierender Machtstrukturen diskutiert. Darunter waren die Priorisierung lokalen Wissens, die Abschaffung der Dichotomie von Opfern und T\u00e4tern, M\u00f6glichkeiten einer partnerorientieren Ma\u00dfnahmenfinanzierung sowie die kritische Hinterfragung des Verst\u00e4ndnisses von Professionalismus. Peace Direct stellte in diesem Rahmen seine neue Publikation \u201e<a href=\"https:\/\/www.peacedirect.org\/transforming-partnerships\/?_gl=1*dnajk*_up*MQ..*_ga*MTAyOTcyMTA4MS4xNjk4NjY3NTc3*_ga_QT7ELL7WLW*MTY5ODY2NzU3Ny4xLjEuMTY5ODY2NzU4Ny41MC4wLjA.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Transforming Partnerships in International Cooperation<\/a>\u201c vor.  <\/p>\n\n<p>Auf der Konferenz wurde zudem die Studie <a href=\"https:\/\/beirat-zivile-krisenpraevention.org\/publikation\/germanys-contributions-to-civilian-conflict-management-and-peacebuilding-in-the-eus-eastern-neighbourhood\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Germany\u2019s Contributions to Civilian Conflict Management and Peacebuilding in the EU\u2019s Eastern Neighbourhood<\/a> des Beirats ver\u00f6ffentlicht und besprochen. Sie enth\u00e4lt Empfehlungen f\u00fcr eine wirksamere Umsetzung der Friedensf\u00f6rderung in der \u00f6stlichen Nachbarschaft der EU. Die Studie macht deutlich, wie wichtig es ist, eine Vielzahl von effektiven, kontextsensitiven Ma\u00dfnahmen der Konfliktbearbeitung und Friedensf\u00f6rderung zur Verf\u00fcgung zu haben.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 5. Oktober 2023 fand erneut die j\u00e4hrliche Konferenz des Beirats Zivile Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung statt \u2013 koordiniert im F\u00f6rderprogramm zivik. Die eint\u00e4gige Veranstaltung mit dem Titel \u201e&#8217;Zeitenwende&#8217; for Civilian Crisis Prevention?\u201c war dieses Jahr von deutschen sowie internationalen Expert*innen gut besucht. 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