{"id":6192,"date":"2023-09-26T04:22:00","date_gmt":"2023-09-26T02:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/menschenrechte-oder-frieden\/"},"modified":"2025-01-21T16:06:15","modified_gmt":"2025-01-21T15:06:15","slug":"menschenrechte-oder-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/menschenrechte-oder-frieden\/","title":{"rendered":"Menschenrechte oder Frieden?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Menschenrechtsarbeit und Friedensarbeit \u2013 lange Zeit standen sie einander in vielerlei Hinsicht gegen\u00fcber und wurden getrennt voneinander gedacht. Doch in der Praxis kommt ihr Zusammenhang positiv zum Tragen: Die Abwesenheit des einen stellt eine unmittelbare Gefahr f\u00fcr das andere dar. Dies zeigen auch die Preistr\u00e4ger*innen des diesj\u00e4hrigen Aachener Friedenspreises im \u201aShrinking Civic Space\u2018.  <\/strong><\/p>\n\n<p>Nachhaltiger Frieden kann nur dort entstehen, wo die Ausgrenzung bestimmter Bev\u00f6lkerungsgruppen unterbunden wird und Gesellschaften und Staaten individuelle Rechte f\u00fcr alle garantieren. Die Verletzung von Menschenrechten kann wiederum \u201e<a href=\"\">sowohl Folge als auch Ursache von gewaltsamen Konflikten sein<\/a>\u201c. Dies ist aus der Praxis ziviler Konfliktbearbeitung l\u00e4ngst klar. Trotzdem f\u00e4llt es oft schwer, beides zu kombinieren. Menschenrechtsarbeit ist grunds\u00e4tzlich eher konfrontativ und st\u00e4rkt eine Seite mehr. Konflikttransformation, die mehrere Perspektiven mindestens im Kompromiss zusammenf\u00fchren m\u00f6chte, ist kooperativ.     <\/p>\n\n<p>Friedensarbeit kann aber auch Widerstandskomponenten enthalten, genau wie Menschenrechte gewaltfrei verteidigt werden k\u00f6nnen. Das zeigte die Verleihung des Aachener Friedenspreises, der am 1. September zwei Menschenrechtsorganisationen \u00fcberreicht wurde. Beide Organisationen agieren in hoch eskalierten Kontexten, in denen die R\u00e4ume f\u00fcr zivilgesellschaftliches Handeln stark eingeschr\u00e4nkt sind (<em>Shrinking \u2013 Civic \u2013 Space)<\/em>. <a href=\"\">Human Rights Defenders Fund<\/a> ist ein Partner des Zivilen Friedensdienstes der Kurve Wustrow und Misereor. Er unterst\u00fctzt Menschenrechtsverteidigende und Menschrechtsorganisationen in Israel und den besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten. Das selbstorganisierte Aktivist*innen-Netzwerk <a href=\"\">Feminist Anti-War Resistance<\/a>, das vor allem in Russland agiert, setzt sich f\u00fcr eine Beendigung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und des Gewalttenors in Russland selbst ein. Au\u00dferdem f\u00f6rdert es Frauen- und LSBTIQ*-Rechte.     <\/p>\n\n<p>Im Zuge der \u201eZeitenwende\u201c-Debatte wird dar\u00fcber gesprochen, Menschenrechtsprinzipien und Konflikttransformation perspektivisch miteinander zu kombinieren. Dialog auf Augenh\u00f6he oder gesch\u00fctzte R\u00e4ume f\u00fcr Verhandlungen gelten selbst unter Verteidiger*innen von Menschenrechten als unrealistisch. Wenn von gleichzeitiger Konfliktbearbeitung die Rede sein soll, m\u00fcssen auch Emotionen und Hoffnungen bzw. Hoffnungslosigkeit der Beteiligten respektiert werden ebenso wie historische Erfahrungen. Erst Menschenrechtsstandards systemisch zu integrieren macht Friedensarbeit langfristig erfolgreich, sodass Vorurteile und Gewaltverhalten sich ver\u00e4ndern hin zu Konfliktl\u00f6sung und Zusammenarbeit.   <\/p>\n\n<p>Gerade im <em>Shrinking Civic Space<\/em> entstehen mehr R\u00e4ume f\u00fcr die Anwendung staatlicher Gewalt und f\u00fcr Menschenrechtsverletzungen. Daher braucht es starke zivilgesellschaftliche Akteure, die sich daf\u00fcr engagieren, R\u00e4ume f\u00fcr das Handeln auf Zivilebene und f\u00fcr den Dialog offen zu halten, und das auch von Regierungen einfordern. Dies geht Hand in Hand: Schwindendem zivilgesellschaftlichen Raum entgegenzuwirken erleichtert es, entscheidende M\u00f6glichkeiten f\u00fcr nachhaltige Friedensf\u00f6rderung und Konfliktpr\u00e4vention vorzubereiten. Das ist Vor- und Basisarbeit f\u00fcr nachhaltigen Frieden. So ist man vorbereitet, sobald Gespr\u00e4che zu weiterf\u00fchrender Konfliktbearbeitung m\u00f6glich werden. Es gibt dabei bew\u00e4hrte <a href=\"\">Methoden<\/a>, Friedenselemente inmitten von andauerndem Konflikt zu nutzen \u2013 selbst wenn diese auf engem <em>Civic Space<\/em> sehr begrenzt sind. Darunter sind die Einbeziehung lokaler Medien in die Konflikttransformation oder Theater- und Kulturprojekte mit Involvierten. Dies erfordert gute Koordination \u00fcber die \u201everwandten\u201c Akteure der eigenen Friedens- oder Menschenrechtsarbeit hinaus, um den limitierten Handlungsraum gemeinsam zu nutzen. Letztlich sind die beiden Ans\u00e4tze kein zweischneidiges Schwert, sondern parallele Bahnen einer komplexen Strecke, die zum selben Ziel f\u00fchrt: nachhaltiger Frieden basierend auf gerechten politischen und gesellschaftlichen Strukturen.        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschenrechtsarbeit und Friedensarbeit \u2013 lange Zeit standen sie einander in vielerlei Hinsicht gegen\u00fcber und wurden getrennt voneinander gedacht. Doch in der Praxis kommt ihr Zusammenhang positiv zum Tragen: Die Abwesenheit des einen stellt eine unmittelbare Gefahr f\u00fcr das andere dar. Dies zeigen auch die Preistr\u00e4ger*innen des diesj\u00e4hrigen Aachener Friedenspreises im \u201aShrinking Civic Space\u2018. 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