{"id":6218,"date":"2023-07-26T05:12:00","date_gmt":"2023-07-26T03:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/integrierte-sicherheit-gesucht\/"},"modified":"2025-01-21T16:06:21","modified_gmt":"2025-01-21T15:06:21","slug":"integrierte-sicherheit-gesucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/integrierte-sicherheit-gesucht\/","title":{"rendered":"Integrierte Sicherheit gesucht"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die erste nationale Sicherheitsstrategie f\u00fcr Deutschland steht unter dem Leitbild der integrierten Sicherheit. Was bedeutet diese Ausrichtung f\u00fcr den k\u00fcnftigen Kurs der Bundesregierung und wie lassen sich Politik und Praxis koh\u00e4rent verkn\u00fcpfen? Mit diesen Fragen besch\u00e4ftigt sich eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von FriEnt, der Berghof Foundation und der Bundesakademie f\u00fcr Sicherheitspolitik (BAKS). Zum Auftakt stand eine Positionsbestimmung f\u00fcr den gemeinsamen Dialog auf der Agenda.   <\/strong><\/p>\n\n<p>Die nationale Sicherheitsstrategie beschreibt integrierte Sicherheit als Bestandteil und gemeinsames Ziel aller Politikbereiche. Die \u201egezielte und tiefe Verschr\u00e4nkung unterschiedlicher Politikfelder\u201c soll Antworten auf komplexen Krisen und Herausforderungen geben und vorbeugendes, eingreifendes und nachsorgendes Handeln zusammenf\u00fchren. Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von FriEnt, der Berghof Foundation und der Bundesakademie f\u00fcr Sicherheitspolitik (BAKS) setzt daf\u00fcr erste Impulse. Erstmals finden sich daf\u00fcr drei Organisationen zusammen, die sich mit unterschiedlichen Fragestellungen und Perspektiven der Friedens- und Sicherheitspolitik besch\u00e4ftigen und so auch Akteur*innen und Politikfelder miteinander in Austausch bringen, die sonst wenig Ber\u00fchrungspunkte haben. Die drei Workshops der Reihe besch\u00e4ftigen sich aus verschiedenen Blickwinkeln damit, was integrierte Sicherheit f\u00fcr das Zusammenwirken von Politikfeldern und Handlungsebenen bedeuten kann, und was sich f\u00fcr die Umsetzung in Politik und Praxis damit konkret ver\u00e4ndert.    <\/p>\n\n<p><strong>Was bedeutet integrierte Sicherheit f\u00fcr die politische Praxis?<\/strong><\/p>\n\n<p>Der Auftakt-Workshop in der Berghof Foundation stand unter der \u00dcberschrift \u201eIm Sucher: Was bedeutet integrierte Sicherheit f\u00fcr Strategie und Praxis? Eine Positionsbestimmung\u201c. Grundlage f\u00fcr die Diskussion waren dabei Beispiele zur Verkn\u00fcpfung von Klima-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik und zu feministischen Ans\u00e4tzen. In interdisziplin\u00e4ren Arbeitsgruppen diskutierten 30 Expert*innen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft \u00fcber Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Ressortabstimmung und aus der Zusammenarbeit in und mit Partnerl\u00e4ndern. Den gemeinsamen Rahmen bildeten drei Leitfragen zum Verst\u00e4ndnis von integrierter Sicherheit in Interventionskontexten sowie f\u00fcr unterschiedliche Politikziele und Handlungsfelder. F\u00fcr sektor\u00fcbergreifende Ans\u00e4tze, die \u00fcber Koordination und Zusammenarbeit hinausgehen, m\u00fcssen bisherige Abstimmungsverfahren \u00fcberpr\u00fcft und f\u00fcr neue Anforderungen und Akteure erweitert werden. Mit Blick auf die Prinzipien einer feministischen Au\u00dfen- und Entwicklungspolitik bedeutet das auch Ver\u00e4nderungen f\u00fcr Machtstrukturen, Teilhabe und Mitsprache. Die Teilnehmer*innen des Workshops identifizierten dazu offene Fragen, Herausforderungen und Handlungsbedarfe f\u00fcr eine Politik der integrierten Sicherheit nach der Zeitenwende.      <\/p>\n\n<p><strong>Welche Sicherheit f\u00fcr wen?<\/strong><\/p>\n\n<p>Als Ausgangspunkt f\u00fcr die Diskussion skizzierten drei Impulsbeitr\u00e4ge m\u00f6gliche Ansatzpunkte und Potenziale f\u00fcr integrierte Sicherheit \u2013 f\u00fcr das Gesamtengagement, in der Klimapolitik und f\u00fcr eine feministische Au\u00dfen- und Entwicklungspolitik. Demnach ist integrierte Sicherheit als Leitbild f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik in den Ministerien und Fraktionen breit akzeptiert, wird aber unterschiedlich verstanden. Auch die Bedeutung von Sicherheit kann sich je nach Kontext deutlich unterscheiden: von milit\u00e4rischer und staatlicher Sicherheit bis zu menschlicher Sicherheit, beziehungsweise in lokaler, nationaler oder globaler Perspektive. Auf allen Ebenen liegt eine zentrale Herausforderung f\u00fcr integrierte Sicherheit darin, verschiedene Politikfelder miteinander in Einklang zu bringen und m\u00f6gliche Zielkonflikte in den Blick zu nehmen. F\u00fcr die deutsche Politik betrifft das auch die Frage, wie sich die Leitlinien und Strategien f\u00fcr eine feministische Au\u00dfen- und Entwicklungspolitik mit der nationalen Sicherheitsstrategie vereinbaren lassen. Feministische Ans\u00e4tze zielen auf die \u00dcberwindung von Ungleichheit und asymmetrischen Machtstrukturen \u2013 auch zwischen den L\u00e4ndern im Globalen S\u00fcden und im Globalen Norden. Nicht nur mit Blick auf die Vereinte Nationen-Agenda \u201eFrauen, Frieden und Sicherheit\u201c m\u00fcssten daraus auch deutliche Ver\u00e4nderungen in der internationalen Friedens- und Sicherheitsarchitektur folgen.      <\/p>\n\n<p><strong>Anforderungen f\u00fcr eine feministische Friedens- und Sicherheitspolitik<\/strong><\/p>\n\n<p>Der Impuls-Beitrag zur feministischen Au\u00dfen- und Entwicklungspolitik unterstrich dazu, dass integrierte Sicherheit immer auch bedeuten m\u00fcsse, Akteur*innen, die direkt betroffen sind, f\u00fcr eine inklusive Teilhabe mit einzubinden. Frauen und marginalisierte Gruppen werden in Kriegs- und Krisenkontexten demnach oft in einer Opferrolle gesehen und nicht als aktive Beteiligte f\u00fcr die Gestaltung einer Friedens- und Sicherheitsordnung. F\u00fcr eine feministische Politik der integrierten Sicherheit lassen sich daraus vier zentrale Anforderungen ableiten: (i) unterschiedliche Geschlechterrollen als Handelnde und Opfer m\u00fcssen aktiv mit adressiert werden, (ii) Frauen als Gesamtgruppe zu betrachten, greift zu kurz. Stattdessen m\u00fcssen unterschiedliche Betroffenheit, Potenziale und Bedarfe differenziert ber\u00fccksichtigt werden. (iii) F\u00fcr die Umsetzung ergibt sich daraus ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr Subsidiarit\u00e4t, um \u201esocial engineering\u201c zu vermeiden. (iv) Daf\u00fcr empfiehlt sich ein Mehr-Ebenen-Ansatz: lokal verankert und mit regionaler, nationaler und multilateraler Einbindung.       <\/p>\n\n<p><strong>Die Klimakrise als Konflikttreiber und Kooperationsfeld<\/strong><\/p>\n\n<p>Die Verkn\u00fcpfung von Strategie und Praxis ist eine weitere Herausforderung: Wie kann und soll das Leitbild integrierte Sicherheit f\u00fcr unterschiedliche Themenfelder und Regionalkontexte ausgestaltet werden? Ein weiterer Impuls-Vortrag gab dazu Hinweise zur Verkn\u00fcpfung von Klima-, Friedens- und Sicherheitspolitik, u.a. am Beispiel der Krisen- und Konfliktkontexte in der MENA-Region. Die Klimapolitik werde in Interventionskontexten demnach zwar mitgedacht, in der Umsetzung aber noch nicht konsequent ber\u00fccksichtigt. So geh\u00f6re der Irak zu den f\u00fcnf am st\u00e4rksten betroffenen L\u00e4ndern durch den Klimawandel; mit erheblichen Folgen f\u00fcr die Landwirtschaft, Binnenmigration und Wasserknappheit. F\u00fcr solche Krisenkontexte biete die Kooperation f\u00fcr Klimama\u00dfnahmen Schnittstellen f\u00fcr den Auf- und Ausbau von Zusammenarbeit, die in anderen Sicherheitskontexten so nicht m\u00f6glich sind. So lie\u00dfen sich Dialogprozesse mit allen betroffenen Parteien aufsetzen, um komplexe Konfliktdynamiken im Gesamtkontext zu bearbeiten. Entscheidend daf\u00fcr sei aber die Einbindung lokaler Sicherheitsakteure f\u00fcr die Schutz- und Sicherheitsbedarfe auf der Gemeindeebene. Integrierte internationale Ans\u00e4tze k\u00f6nnten dabei nur begrenzt weiterhelfen, weil Sicherheitsleistungen auf kommunaler Ebene f\u00fcr externe Akteure nicht leistbar seien \u2013 zumal eine legitime und nachhaltige Sicherheitsordnung lokal verankert sein m\u00fcsse. F\u00fcr die deutsche Politik sei damit die Anforderung verbunden, gemeinsam mit irakischen Akteur*innen eine belastbare Strategie- und Sicherheitsplanung zu entwickeln.        <\/p>\n\n<p><strong>Erste Impulse aus der Diskussion<\/strong><\/p>\n\n<p>Dass die Anforderungen f\u00fcr eine Politik der integrierten Sicherheit, die verschiedene Handlungsebenen, Politikfelder und Akteursgruppen verkn\u00fcpft, sehr ambitioniert sind, wurde in den Arbeitsgruppen deutlich. Die Diskussion reichte von \u00dcberlegungen f\u00fcr die gemeinsame Analyse, Planung und Umsetzung f\u00fcr multiple Krisen als Grundlage f\u00fcr \u201eearly action\u201c und konfliktsensible Ans\u00e4tze mit lernender Evaluation \u00fcber Vorschl\u00e4ge f\u00fcr neue globale Partnerschaften, die Zielkonflikte ehrlich benennen und Strategie- und Handlungsentscheidungen in gleichberechtigter Zusammenarbeit mit den Akteur*innen der Partnerl\u00e4nder abw\u00e4gen, bis zu strukturellen \u00dcberlegungen f\u00fcr die Ausgestaltung und Umsetzung der nationalen Sicherheitsstrategie ohne rigorose Arbeitsteilung mit integrierten Ans\u00e4tzen \u00fcber Ressortgrenzen hinweg. Reichlich Material also f\u00fcr die Fortsetzung der Kooperationsreihe mit einem zweiten Workshop am 31. August \u2013 dann mit FriEnt als Gastgeberin in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Im Mittelpunkt stehen dann die globale Zusammenarbeit und Perspektiven aus dem Globalen S\u00fcden f\u00fcr eine m\u00f6glichst integrierte Diskussion \u00fcber integrierte Sicherheit und die deutsche Politik.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste nationale Sicherheitsstrategie f\u00fcr Deutschland steht unter dem Leitbild der integrierten Sicherheit. Was bedeutet diese Ausrichtung f\u00fcr den k\u00fcnftigen Kurs der Bundesregierung und wie lassen sich Politik und Praxis koh\u00e4rent verkn\u00fcpfen? Mit diesen Fragen besch\u00e4ftigt sich eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von FriEnt, der Berghof Foundation und der Bundesakademie f\u00fcr Sicherheitspolitik (BAKS). 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