{"id":6448,"date":"2022-04-25T02:32:00","date_gmt":"2022-04-25T00:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/ukraine-krieg-perspektiven-aus-dem-kaukasus\/"},"modified":"2025-01-21T16:12:36","modified_gmt":"2025-01-21T15:12:36","slug":"ukraine-krieg-perspektiven-aus-dem-kaukasus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/ukraine-krieg-perspektiven-aus-dem-kaukasus\/","title":{"rendered":"Ukraine-Krieg: Perspektiven aus dem Kaukasus"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Putins Krieg in der Ukraine hat gro\u00dfe negative Auswirkungen insbesondere auf L\u00e4nder, die unter Territorialkonflikten leiden und Kriege erlebt haben, in denen Russland eine wichtige Rolle spielte. &#8220;Bedenkt auch die eskalierenden Wirkungen von Sanktionen!&#8221;, sagen J. Kharashvili\/Georgien und V. Hambardzumyan\/Armenien im Interview und sprechen \u00fcber Implikationen und Sorgen, die der Krieg ausl\u00f6st. <\/strong><\/p>\n\n<p>Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine verletzt das V\u00f6lkerrecht, missachtet die Menschenrechte und ist eine Katastrophe f\u00fcr die Menschen in der Ukraine. Und seine negativen Auswirkungen auf die gesamte postsowjetischen Region sind gro\u00df. Insbesondere auf diejenigen L\u00e4nder, die unter ungel\u00f6sten Territorialkonflikten leiden und Kriege erlebt haben, in denen Russland eine wichtige Rolle spielte. So auch im S\u00fcdkaukasus etwa Georgien mit seinem Konflikt um die abtr\u00fcnnigen Regionen Abchasien und S\u00fcdossetien. Oder Armenien und seinem Konflikt mit Aserbaidschan um Berg-Karabach.    <br\/><br\/>Im Interview beschreiben die Leitenden von zwei zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen Julia Kharashvili, Vorsitzende der IDP-Women Association Consent aus Tiflis (Georgien), und Vardan Hambardzumyan, General-Sekret\u00e4r des YMCA Europe aus Eriwan (Armenien), wie die Angst vor einer erneuten Eskalation der Konflikte und einer russischen Invasion sowie antirussische Stimmungen zunehmen. Und sie rufen Europa und den Westen auf, die potenziell eskalierenden Wirkungen von Sanktionen und dem Ausschluss Russlands aus internationalen Strukturen nicht zu untersch\u00e4tzen. <\/p>\n\n<p><strong>Frage: Welche Auswirkungen hat der Krieg in der Ukraine auf die Lage in Ihren L\u00e4ndern Georgien und Armenien? Und wie reagieren die Regierung und die Bev\u00f6lkerung? <\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Julia Kharashvili (JK)<\/strong>: Der Krieg hat verheerende Auswirkungen auf die Ukraine und ich bin voll und ganz solidarisch mit den Menschen, die dort leiden. In Georgien erinnern sich die Menschen an die Situation im August 2008, als die russische Armee in georgisches Gebiet eindrang und die Anerkennung der beiden abtr\u00fcnnigen Regionen Abchasien und S\u00fcdossetien als unabh\u00e4ngige Republiken forderte. Gro\u00dfe Teile der georgischen Bev\u00f6lkerung begannen schon vor und direkt nach Kriegsbeginn am 24. Februar mit gro\u00dfer Sympathie f\u00fcr die Ukrainer:innen zu demonstrieren und massive Unterst\u00fctzungsaktionen in die Wege zu leiten. So wurden humanit\u00e4re Hilfsg\u00fcter gesammelt, Geld geschickt und Wohlt\u00e4tigkeitsaktionen durchgef\u00fchrt. F\u00fcr die Ukrainer:innen, die seit dem 01. Februar in Georgien sind, wird jede Unterst\u00fctzung von der georgischen Regierung gew\u00e4hrt &#8211; Unterkunft, Verpflegung, kostenlose Dienstleistungen. Gleichzeitig erkl\u00e4rte die Regierung, dass sie die vom Westen angek\u00fcndigten Sanktionen gegen Russland nicht unterst\u00fctzen werde, da sie &#8220;nicht wirksam&#8221; seien und dem Land, das bereits zwei besetzte Gebiete hat, schaden k\u00f6nnten. Ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung war mit dieser Erkl\u00e4rung nicht einverstanden, vor allem nicht mit der Sprache und der Art und Weise, wie sie verk\u00fcndet wurde.      <br\/><br\/>Der gro\u00dfe Zustrom auch von Russ:innen, der jetzt nach Georgien kommt, weckt in der Gesellschaft aufgrund fr\u00fcherer Erfahrungen die Bef\u00fcrchtung, dass dies zu neuen russischen Aggressionen gegen Georgien f\u00fchren k\u00f6nnte mit dem Ziel, die \u201eRechte der russischen B\u00fcrger zu sch\u00fctzen\u201c. Diese Bef\u00fcrchtungen und die zunehmenden barbarischen Aktionen der russischen Armee in der Ukraine f\u00fchrten zu einem Anstieg von Hassreden und radikalen Einstellungen in den sozialen Medien und in Teilen der Gesellschaft. Die Regierung k\u00fcndigte an, dass sie keine Diskriminierung zulassen werde und appellierte sogar an die Justiz, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um \u201ephysische Zusammenst\u00f6\u00dfe und ethnische Diskriminierung von Russen zu verhindern\u201c. Einige Privatunternehmen und Banken haben jedoch diskriminierende Ma\u00dfnahmen ergriffen, indem sie Russ:innen und Wei\u00dfruss:innen z.B. die Er\u00f6ffnung von Bankkonten verwehren, die Unterzeichnung bestimmter Erkl\u00e4rungen verlangen usw. Viele Oppositionelle, Journalist:innen, Menschenrechtsverteidiger:innen und Gegner:innen von Putins Krieg sind in Russland nicht mehr sicher und suchen nun Zuflucht im S\u00fcdkaukasus, da sie nicht nach Europa k\u00f6nnen. Um die georgische \u00d6ffentlichkeit zu informieren, \u00fcbersetzen wir zusammen mit anderen NRO-Kolleg:innen die Erkl\u00e4rungen der russischen Demonstrant:innen in die georgische Sprache und verbreiten sie in der Hoffnung, dass sie der antirussischen Stimmung entgegenwirken. Und wir haben schreckliche Preiserh\u00f6hungen f\u00fcr Treibstoff und Lebensmittel. Nicht nur f\u00fcr Produkte aus Russland, sondern zum Beispiel auch f\u00fcr Zucker aus Brasilien.      <br\/><br\/>Der Krieg in der Ukraine hat die Debatten in der georgischen Gesellschaft und gespaltene Haltung auch innerhalb der Regierung und politischen Elite verst\u00e4rkt. Nach der pro-europ\u00e4ischen Erkl\u00e4rung der georgischen Pr\u00e4sidentin und ihrer Aufforderung, sich den Sanktionen des Westens gegen Russland anzuschlie\u00dfen, was der georgische Premierminister und das Parlament ablehnten, sind die Spannungen hoch. Meines Erachtens musste die Regierung jedoch vorsichtig sein und es ist verst\u00e4ndlich, dass sie moderat vorgeht, um die Spannungen mit Russland nicht zu erh\u00f6hen. Sie muss dies jedoch in angemessener Weise kommunizieren und ihre prowestliche und proukrainische Position deutlich machen, um nicht von der eigenen Bev\u00f6lkerung, der ukrainischen Gesellschaft, die jetzt ums \u00dcberleben k\u00e4mpft und den westlichen Partnern missverstanden zu werden.   <br\/><br\/><strong>Vardan Hambardzumyan (VH<\/strong>): Wie bereits 2020 w\u00e4hrend des Karabach-Krieges gesagt, kann ich es hier noch einmal wiederholen: Es sind die Autokraten, die die Demokraten von ihren Sitzen vertreiben wollen. Das armenische Volk war das gro\u00dfe Opfer des Krieges und wurde sowohl von Russland als auch vom Westen im Stich gelassen. Seitdem ist in unserer Gesellschaft eine leise, aber tief verwurzelte Ablehnung gegen Russland zu sp\u00fcren. In Bezug auf den Krieg in der Ukraine versucht Armenien, neutral zu bleiben, da es durch milit\u00e4rische und wirtschaftliche Allianzen von Russland abh\u00e4ngig ist. Und die Menschen erinnern sich noch gut daran, dass der ukrainische Pr\u00e4sident Selenskyj dem aserbaidschanischen Pr\u00e4sidenten Aliev zur R\u00fcckeroberung Karabachs gratuliert hatte.    <br\/><br\/>Bei den Menschen, die aus der Ukraine nach Armenien kommen, handelt es sich zumeist um Mitglieder der armenischen Diaspora in der Ukraine und die armenische Regierung behandelt sie wie Fl\u00fcchtlinge, so dass sie mit Unterk\u00fcnften, Lebensmitteln usw. versorgt werden. Auch Russ:innen, die ihrer t\u00e4glichen Arbeit in der Heimat beraubt wurden, suchen nun Zuflucht in Armenien. Viele von ihnen sind junge Leute \u2013 vielfach IT-Spezialist:innen. Ich sehe sie oft auf den Stra\u00dfen von Eriwan, auf der Suche nach einem neuen Anfang ihres Lebens. Die Flugpreise von Russland nach Armenien, die Mieten f\u00fcr B\u00fcros und Wohnungen sind gestiegen, aber der Zustrom h\u00e4lt an.    <\/p>\n\n<p><strong>F: Was bedeutet das f\u00fcr die immer noch ungel\u00f6sten Konflikte in Ihrer Region?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>JK<\/strong>: Die Angst im Lande w\u00e4chst, dass die Solidarit\u00e4t mit der Ukraine den Krieg auch ins eigene Land zur\u00fcckbringen k\u00f6nnte. Russische Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte befinden sich nahe der Grenze zu S\u00fcdossetien und Abchasien. Die Lage zwischen Tiflis und Moskau ist nach wie vor sehr angespannt. Die Menschen, die in Abchasien und S\u00fcdossetien leben, machen sich ebenfalls Sorgen, denn sie h\u00f6ren von einigen Georgier:innen Aussagen wie: &#8220;Wir nutzen jetzt die Gelegenheit und holen uns die besetzten Gebiete zur\u00fcck&#8221;. Nach dem Krieg von 2008 haben hochrangige georgische Politiker:innen nicht nur einmal versprochen, die Konflikte nur mit friedlichen Mitteln zu l\u00f6sen. Es gab auch einen Parlamentsbeschluss, die Konflikte nur auf friedlichem Wege zu l\u00f6sen. Aber es braucht jetzt ein klares Bekenntnis von hochrangigen Beamten, um die eigene Gesellschaft und Bev\u00f6lkerung Abchasiens und S\u00fcdossetiens zu sch\u00fctzen und diese Gefahren einzud\u00e4mmen und unter Kontrolle zu halten.      <br\/><br\/><strong>VH<\/strong>: Es ist sehr schwer vorherzusagen, was Putins Pl\u00e4ne sind. Aber de facto ist Karabach heute immer noch in Geiselhaft. Heute wurde die Gaszufuhr in die Region komplett unterbrochen. Es ist unklar, wie die Menschen dort weiterleben k\u00f6nnen. Eine kleine Region, die vollst\u00e4ndig unter der Kontrolle Aserbaidschans steht. Und in der Russland mit seinen Truppen als Friedenstruppe die Sicherheit im Lachin-Korridor, dem einzigen Durchgang von Armenien in die Region Karabach, garantiert. Inzwischen sollen die russischen Truppen auch als Friedenstruppen entlang der Grenze zwischen Armenien und Aserbaidschan fungieren. Es ist auch nicht klar, wie Aserbaidschans Pr\u00e4sident Aliev handeln wird. Die Situation ist sehr gef\u00e4hrlich und unsicher f\u00fcr die in Karabach lebenden Menschen.        <\/p>\n\n<p><strong>F: Wie nehmen Sie die Reaktionen der europ\u00e4ischen L\u00e4nder und der internationalen Gemeinschaft wahr?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>VH<\/strong>: Die Entt\u00e4uschung und das Misstrauen innerhalb der armenischen Gesellschaft gegen\u00fcber der internationalen Gemeinschaft \u00fcberwiegen. Denn w\u00e4hrend des Karabach-Krieges im Jahr 2020, als Tausende von Menschen get\u00f6tet wurden und Aserbaidschan mit Hilfe der T\u00fcrkei milit\u00e4rische Kr\u00e4fte und Aggression einsetzte, um seine Ziele zu erreichen, hat die internationale Gemeinschaft nicht reagiert. Jetzt sind die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft heftig und folgen, aus armenischer Sicht, einer Doppelmoral. Und die Reaktionen f\u00fchren in die falsche Richtung. Eine globale Konfrontation scheint m\u00f6glich zu sein und w\u00e4re eine Katastrophe. Der Beendigung des Krieges sollte Vorrang einger\u00e4umt werden! Es ist sehr gef\u00e4hrlich, Putin mit den Atomwaffen an seiner Seite in die Enge zu treiben.      <br\/><br\/><strong>JK<\/strong>: Sanktionen helfen nicht sofort, den Krieg zu beenden, obwohl sie das Budget f\u00fcr den Krieg begrenzen. Gleichzeitig treffen sie aber wieder vor allem die einfachen B\u00fcrger. Und unterst\u00fctzen damit die Legende von Putin, dass \u201eder Westen\u201c der Feind des russischen Volkes ist. In der Tat ist es sehr gef\u00e4hrlich, Putin weiter in die Enge zu treiben. Die westlichen Regierungen scheinen immer noch nicht ganz zu begreifen, wie hoch das Risiko einer weiteren Eskalation ist. In einem k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Interview mit M. Chodorkowsky (einem russischen Gesch\u00e4ftsmann im Exil, ehemaligen Oligarch und Putin-Vertrauten, der Anfang M\u00e4rz im deutschen Fernsehen f\u00fcr sehr harte Sanktionen pl\u00e4diert, Anm.d.Autorin) f\u00fcr den in Russland verbotenen Sender &#8220;Nastoyachee Vremia&#8221; brachte er es auf den Punkt, indem er Putin als besessen von seiner Idee beschrieb, die ehemalige Sowjetunion um jeden Preis wiederherzustellen. Diese Besessenheit macht Putin bereit, den Krieg ohne R\u00fccksicht auf Verluste fortzusetzen und verlangt vom Westen, neue ernsthafte Argumente und Wege zu finden. Denn es ist klar: Putin wird um jeden Preis versuchen, das &#8220;Gesicht zu wahren\u201c. Auch was sein eigenes Land betrifft.        <br\/><br\/>Es ist darum umso wichtiger, die multilateralen Mechanismen der Einflussnahme zu erhalten &#8211; im ersten Moment haben wir alle applaudiert, als Russland aus dem Europarat ausgeschlossen wurde. Aber auf den zweiten Blick m\u00fcssen wir erkennen, dass damit einige Gespr\u00e4chsm\u00f6glichkeiten verloren gehen, die gebraucht werden. Und dieser Ausschluss aus dieser europ\u00e4ischen Menschenrechtsinstitution wird die Verteidigung der letzten verbliebenen Menschenrechtsbewegung in Russland unm\u00f6glich machen.  <br\/><br\/>Wir alle sind zutiefst beeindruckt vom Mut und Heldentum der ukrainischen Soldat:innen und Menschen, die ihr Land verteidigen und ihre Bev\u00f6lkerung vor Angriffen und Morden sch\u00fctzen. Aber Tausende von Menschen haben bereits ihr Leben verloren und werden es weiter verlieren, w\u00e4hrend der Krieg weitergeht. Die Bombardierung wird das ganze Land zerst\u00f6ren und wir wissen aus eigener Erfahrung aus den j\u00fcngsten Kriegen in Georgien, wie lange es dauern wird, das alles wieder aufzubauen. Ganz zu schweigen von der geistigen, k\u00f6rperlichen und sozio\u00f6konomischen Erholung der Opfer dieses Krieges. Es ist notwendig, \u00fcberzeugende Argumente und M\u00f6glichkeiten zu finden, um einen stabilen Frieden zu Bedingungen auszuhandeln, die eine unabh\u00e4ngige Ukraine sichern. Es w\u00e4ren Botschaften erforderlich, um beide Parteien zu einem echten Dialog zu bewegen. Die Eskalationsspirale dreht sich bereits weiter nach oben &#8211; wir haben gestern geh\u00f6rt, wie ein russischer Duma-Abgeordneter laut dar\u00fcber nachdachte, die Sanktionen gegen Nordkorea aufzuheben und sich mit diesem Land zu verb\u00fcnden. Es ist h\u00f6chste Zeit, einen Ausweg aus dieser Spirale zu finden und die Situation zu deeskalieren.       <\/p>\n\n<p><strong>F: Was sollten Europa und die internationale Gemeinschaft f\u00fcr eine Deeskalation und ein Engagement f\u00fcr den Frieden in Betracht ziehen?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>VH<\/strong>: Wie ich bereits sagte, ist es unm\u00f6glich vorherzusagen, was Putins Pl\u00e4ne sind. Was getan werden muss, ist jetzt ein Waffenstillstand. Und dass wir anfangen, wirklich zu reden. Nat\u00fcrlich habe ich im Karabach-Krieg auch gesehen, dass die Haltung gegen\u00fcber Friedensappellen unter Kriegsbedingungen sehr negativ ist. Das ist durchaus verst\u00e4ndlich. Aber es ist dringend notwendig, Gespr\u00e4che aufzunehmen und nach Vorschl\u00e4gen zu suchen, die f\u00fcr beide Seiten akzeptabel sind. Und daneben ist eine gro\u00dfe Informationskampagne notwendig, um diese Vorschl\u00e4ge auch f\u00fcr alle verst\u00e4ndlich zu machen. Den Frieden f\u00f6rdern, nicht den Krieg. Und f\u00fcr das internationale Engagement und die Strukturen ist eine systematischere und regelm\u00e4\u00dfigere Evaluierung ihres Engagements notwendig, auch in der OSZE und der NATO. Viele der Warnsignale und Fehler der Vergangenheit h\u00e4tten analysiert und vielleicht diese Eskalation verhindert werden k\u00f6nnen, wenn Projekte sowie politische Entscheidungen und Engagements im Sicherheits- und Wirtschaftsbereich regelm\u00e4\u00dfig evaluiert worden w\u00e4ren. Insbesondere im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf Frieden und Konflikt.          <br\/><br\/><strong>JK:<\/strong> Ja, es ist dringend notwendig, weiter dar\u00fcber zu sprechen. Es ist offensichtlich, dass hochrangige europ\u00e4ische Politiker wie Pr\u00e4sident Macron und Bundeskanzler Scholz kontinuierlich versuchen, den bilateralen Dialog mit Putin fortzusetzen, der nicht unterbrochen werden sollte. Ich glaube jedoch, dass alle westlichen Staats- und Regierungschefs eine st\u00e4rkere gemeinsame Position ausarbeiten und Vorschl\u00e4ge mit einer deeskalierenden Botschaft auf den Tisch legen sollten. Derzeit sprechen die russischen und ukrainischen Delegationen ohne Vermittler &#8211; vielleicht k\u00f6nnten erfahrene europ\u00e4ische Vermittler einige neue Wege und L\u00f6sungen vorschlagen, die von den Parteien zur Diskussion gestellt werden k\u00f6nnten. Multilaterale Vermittlungsbem\u00fchungen und die Beendigung von Putins Krieg mit nicht-milit\u00e4rischen Mitteln, sei es durch die OSZE, die Europ\u00e4ische Union, die Vereinten Nationen oder jede andere m\u00f6gliche Struktur, sollten Vorrang haben. Es ist wichtig, schon jetzt an den Zeitpunkt zu denken, an dem der Krieg und das T\u00f6ten enden &#8211; es geht dann sofort um den Wiederaufbau der Ukraine, die Rehabilitation der Menschen und die Suche nach Frieden und Sicherheit. Viele fragen uns, wo die Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates \u00fcber \u201eFrauen, Frieden und Sicherheit\u201c ist und was sie w\u00e4hrend des Krieges bewirken kann? Und meine Antwort lautet immer: Sie sollte kontinuierlich und aktiv genutzt werden, denn sie hilft den Frieden vorzubereiten, der so dringend notwendig ist.       <\/p>\n\n<p><strong>Beide Partnerorganisationen engagieren sich aktiv in der Solidarit\u00e4tsarbeit mit und f\u00fcr die Menschen in der Ukraine und die Fl\u00fcchtlinge in ihren L\u00e4ndern:<\/strong><\/p>\n\n<p>Der YMCA Europe ist von seinen Mitglieds-YMCAs (inkl. Ukraine) und der globalen YMCA-Bewegung mit einer koordinierenden Rolle f\u00fcr die gesamte Solidarit\u00e4tsarbeit f\u00fcr die Ukraine beauftragt worden. Der YMCA kann die im &#8220;Roots for Peace Project&#8221; aufgebauten Kapazit\u00e4ten sowohl in der humanit\u00e4ren Krisenhilfe als auch in den kontinuierlichen Bem\u00fchungen um Friedenskonsolidierung und Konflikttransformation einsetzen. <br\/><br\/>Die IDP-Women Association Consent (IDP-WA) ist Mitbegr\u00fcnderin der \u201eRegional Women\u2019s Platform for Peace Dialogue\u201c mit Mitgliedern aus der gesamten postsowjetischen Region. Die Plattform unterst\u00fctzt derzeit Frauenorganisationen in der Ukraine durch humanit\u00e4re Hilfe, die zum Beispiel f\u00fcr eine Station in Charkiv bereitgestellt wird. Ebenso werden in Mariupol Frauenorganisationen unterst\u00fctzt, die unter st\u00e4ndigen Angriffen der russischen Streitkr\u00e4fte weiterarbeiten. F\u00fcr sie und andere hat die IDP-WA begonnen, auch psychologische Online-Sitzungen zu organisieren. In Georgien hilft die IDP-WA bei der Koordinierung und Organisation der Unterst\u00fctzung f\u00fcr ukrainische Fl\u00fcchtlinge und bei der Zusammenarbeit mit den ukrainischen Diaspora-Gruppen.    <\/p>\n\n<p>Der Beitrag ist gleichlautend zuerst auf dem Brot-f\u00fcr-die-Welt-Blog erschienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Putins Krieg in der Ukraine hat gro\u00dfe negative Auswirkungen insbesondere auf L\u00e4nder, die unter Territorialkonflikten leiden und Kriege erlebt haben, in denen Russland eine wichtige Rolle spielte. &#8220;Bedenkt auch die eskalierenden Wirkungen von Sanktionen!&#8221;, sagen J. Kharashvili\/Georgien und V. Hambardzumyan\/Armenien im Interview und sprechen \u00fcber Implikationen und Sorgen, die der Krieg ausl\u00f6st. 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