{"id":6492,"date":"2022-02-18T00:53:00","date_gmt":"2022-02-17T23:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/je-groesser-desto-besser\/"},"modified":"2025-01-21T16:14:02","modified_gmt":"2025-01-21T15:14:02","slug":"je-groesser-desto-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/je-groesser-desto-besser\/","title":{"rendered":"Je gr\u00f6\u00dfer desto besser?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Das schlechte Image kleinb\u00e4uerlicher Betriebe h\u00e4lt einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand, weder unter \u00f6konomischen noch unter sozialen Aspekten. Auch Landkonflikte werden durch die Investitionen in Land von in- und ausl\u00e4ndischen Kapitalgebern eher bef\u00f6rdert. Auf dem People\u2018s Summit wurde eingefordert, dass die agrar\u00f6kologische, kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft gef\u00f6rdert und die Investitionen in Land durch europ\u00e4ische Entwicklungsbanken gestoppt werden.  <\/strong><\/p>\n\n<p>Am 14. und 15. Februar fand im Vorfeld des AU-EU Gipfels der Peoples\u2018 Summit statt. Das ist der Gipfel der Menschen, um die es eigentlich bei der Konferenz gehen sollte &#8211; n\u00e4mlich allen voran B\u00e4uerinnen und Bauern in Afrika. Diverse zivilgesellschaftliche Organisationen trafen sich dabei zum Austausch und haben unter anderem Ergebnisse von Studien vorgestellt, um ihre Forderungen zu untermauern. Dabei war ein zentrales Thema der Zugang zu Land und Land Governance.     <\/p>\n\n<p>Und das aus gutem Grund, denn die Anzahl und Sch\u00e4rfe der Konflikte um Land in Sub-Sahara Afrika nehmen zu. Menschen auf dem Land brauchen vor allem eine wirtschaftliche Perspektive und Ern\u00e4hrungssicherheit. Viele afrikanische Regierungen setzen immer mehr auf einen l\u00e4ndlichen Strukturwandel hin zu gro\u00dffl\u00e4chigen agrarindustriellen Betrieben \u00fcber kapitalkr\u00e4ftige Investoren.  <\/p>\n\n<p>But do large-scale farms really deliver the promised added value from a development perspective? Will the yield gap be closed and hunger reduced? Can regions develop through large-scale agriculture? How do these farms affect access to land? Markus Wolter from Misereor has presented a scientific study that compares small-scale family farms with large-scale agro-industrial farms in sub-Saharan Africa. The results are remarkable:<\/p>\n\n<p><strong>\u00d6konomische Indikatoren. Produktion auf 11 Prozent der Fl\u00e4che <\/strong><\/p>\n\n<p>Only around half of the land purchases completed today are productive farms. And agricultural production has only started on 11 percent of the area of these land purchases. Most failures are due to a lack of information on production potential and border conflicts with neighboring smallholders or other agro-industrial enterprises. There are also difficulties in importing inputs (pesticides, fertilizers and machinery) and uncertainty about the long-term validity of the land purchase.<\/p>\n\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Produktion auf gro\u00dffl\u00e4chigen Betrieben dient dem Export von Agrarrohstoffen. Mit dem Wechsel von kleinb\u00e4uerlichen Systemen hin zur industriellen Landwirtschaft ist h\u00e4ufig ein effektiver R\u00fcckgang der Lebensmittelproduktion in der Region verbunden. Es ist daher falsch zu behaupten, gro\u00dffl\u00e4chige Landnahmen mit ebensolchen Strukturen w\u00fcrden generell zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung beitragen. Auch die Annahme, dass gro\u00dffl\u00e4chige Landwirtschaft automatisch h\u00f6here Fl\u00e4chenertr\u00e4ge erwirtschaftet, konnte nicht best\u00e4tigt werden.   <\/p>\n\n<p><strong>Soziale Indikatoren. Gro\u00dfbetriebe gef\u00e4hrden die Nahrungsmittelsicherheit <\/strong><\/p>\n\n<p>Die lokale Bev\u00f6lkerung leidet besonders stark unter den Landnahmen. Sie verliert ihre landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen und dies f\u00fchrt immer h\u00e4ufiger und heftiger zu Konflikten um Land. Die Kleinbauern haben wenig M\u00f6glichkeit, sich gegen diese Landnahmen zur Wehr zu setzen. Ihre rechtliche Situation und Sicherheit sind h\u00e4ufig ungekl\u00e4rt bzw. unzureichend. Land, das urspr\u00fcnglich nach Gewohnheitsrecht oder in Form von Gemeinschaftsfl\u00e4chen (Commons) organisiert und bewirtschaftet wird, geht der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung h\u00e4ufig dauerhaft verloren. Der Verlust von Land und damit der landwirtschaftlichen Produktionsgrundlagen hat schwerwiegende negative Folgen: Die Nahrungsmittelsicherheit und die \u00f6konomischen Existenzen der Menschen sind dadurch stark gef\u00e4hrdet. Denn die Nahrungsmittelunsicherheit ist im Umfeld von gro\u00dffl\u00e4chigen Betrieben deutlich h\u00f6her als in kleinb\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Strukturen.      <\/p>\n\n<p><strong>Fazit. Kleinb\u00e4uerliche Betriebe f\u00f6rdern, Investitionen in Gro\u00dfbetriebe stoppen <\/strong><\/p>\n\n<p>Das schlechte Image kleinb\u00e4uerlicher Betriebe bei Afrikas Regierungen und vielfach auch bei europ\u00e4ischen Entwicklungspolitikern h\u00e4lt einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand. Auch Landkonflikte werden durch die Investitionen in Land von in- und ausl\u00e4ndischen Kapitalgebern eher bef\u00f6rdert. Es ist unstrittig, dass die Landwirtschaft in Afrika Unterst\u00fctzung, Investitionen, Beratung und verl\u00e4ssliche Rahmenbedingen ben\u00f6tigt, vor allem was den Zugang zu Land, Saatgut und Wasser angeht. Aber Investitionen in industrialisierte Landwirtschaft sind dabei sicherlich nicht der richtige Weg. Das hat die Studie belegt. Auf dem Peoples\u2018 Summit wurde eingefordert, dass die agrar\u00f6kologische, kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft gef\u00f6rdert und die Investitionen in Land durch europ\u00e4ische Entwicklungsbanken gestoppt werden.     <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das schlechte Image kleinb\u00e4uerlicher Betriebe h\u00e4lt einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand, weder unter \u00f6konomischen noch unter sozialen Aspekten. Auch Landkonflikte werden durch die Investitionen in Land von in- und ausl\u00e4ndischen Kapitalgebern eher bef\u00f6rdert. Auf dem People\u2018s Summit wurde eingefordert, dass die agrar\u00f6kologische, kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft gef\u00f6rdert und die Investitionen in Land durch europ\u00e4ische Entwicklungsbanken gestoppt werden. 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