{"id":6534,"date":"2021-11-22T18:49:00","date_gmt":"2021-11-22T17:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/frient-workshop-bei-den-berliner-friedensgespraechen-2021\/"},"modified":"2025-01-21T16:14:58","modified_gmt":"2025-01-21T15:14:58","slug":"frient-workshop-bei-den-berliner-friedensgespraechen-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/frient-workshop-bei-den-berliner-friedensgespraechen-2021\/","title":{"rendered":"FriEnt Workshop bei den Berliner Friedensgespr\u00e4chen 2021"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Unter dem Motto \u201eLearning in Peace \u2013 Why failure brings us ahead\u201c fand am 7. Oktober 2021 die Berliner Friedensgespr\u00e4che des Beirats f\u00fcr zivile Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung statt. In diesem Rahmen organisierte FriEnt einen hybriden Workshop zum Thema \u201eLearning while doing: Dealing with barriers to adaptive management in private sector\u2019s engagement in conflict affected contexts\u201c.  <\/strong><\/p>\n\n<p>Diverse Konflikte um Gro\u00dfprojekte wie etwa in der Erd\u00f6lf\u00f6rderung durch ein<a href=\"https:\/\/www.cbi.org\/article\/corporate-and-community-engagement-in-the-niger-delta-lessons-learned-from-chevron-nigeria-limited-s-gmou-process\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>transnationales Unternehmen im Nigerdelta<\/strong><\/a> und dessen Folgen verdeutlichen ein fundamentales Problem im Bereich Wirtschaft und Frieden: Private Unternehmen, die in fragilen oder von Konflikt gepr\u00e4gten Staaten agieren, \u00e4ndern meist erst dann etwas an ihren Praktiken, wenn ein Konflikt bereits eskaliert und Gewalt vor Ort ausgebrochen ist. Wie ist es m\u00f6glich, private Unternehmen davon zu \u00fcberzeugen, konfliktpr\u00e4ventive Ans\u00e4tze in ihrem Betrieb anzuwenden, bevor sie ihre Vorhaben vor Ort umsetzen? Wie k\u00f6nnen Akteure au\u00dferhalb des Privatsektors daf\u00fcr Anreize schaffen und dadurch Gewalteskalation verhindern?   <\/p>\n\n<p>Unter dem Motto \u201eLearning in Peace \u2013 Why failure brings us ahead\u201c fand am 7. Oktober 2021 die Berliner Friedensgespr\u00e4che des Beirats f\u00fcr zivile Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung statt. In diesem Rahmen organisierte FriEnt einen hybriden Workshop zum Thema \u201eLearning while doing: Dealing with barriers to adaptive management in private sector\u2019s engagement in conflict affected contexts\u201c. Drei Expert*innen aus der internationalen Zivilgesellschaft, Staat und privater Stiftung diskutierten, wie und von wem private Unternehmen unterst\u00fctzt werden k\u00f6nnen, konfliktpr\u00e4ventive Ans\u00e4tze in von Gewaltkonflikten betroffenen Kontexten mitzudenken und umzusetzen.   <\/p>\n\n<p><strong>Die Erwartungen an den Privatsektor als Friedensf\u00f6rderer sind zu hoch <\/strong><\/p>\n\n<p>Menschenrechtskonformit\u00e4t und Konfliktsensibilit\u00e4t in fragilen Kontexten sei bei Unternehmen selten gegeben, so Ben Miller, CDA-Collaborative Learning, seien aber Grundvoraussetzung f\u00fcr Friedensf\u00f6rderung Von politischen Entscheidungstr\u00e4gern werde jedoch h\u00e4ufig eine friedensf\u00f6rdernde Rolle des Privatsektors erwartet. Um zu analysieren wie genau zuallererst ein konfliktsensibles Engagement von Unternehmen beg\u00fcnstigt werden k\u00f6nnte, m\u00fcsse man sich auch mit Faktoren befassen, die den privaten Sektor daran hindern, sich konfliktpr\u00e4ventiv zu engagieren. Erste Analysen zeigten, dass beispielsweise L\u00e4nder-CEOs privater Unternehmen offener f\u00fcr konfliktsensible Praktiken sind, wenn sie bereits Erfahrungen mit Konflikten gemacht haben. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnten auch Akteure au\u00dferhalb des privaten Sektors zu einer schnelleren, konfliktsensibleren Transformation beitragen.    <\/p>\n\n<p><strong>Was au\u00dfenstehende Akteure tun k\u00f6nnen <\/strong><\/p>\n\n<p> So k\u00f6nnten vor allem internationale Geber (z.B. Entwicklungsministerien, multilaterale Institutionen) von subventionierten Unternehmen Konfliktsensibilit\u00e4t verlangen. Der<a href=\"\"><strong>Bericht der UN-Arbeitsgruppe Business&amp;Human Rights 2020 \u00fcber Wirtschaft und Menschenrechte in Konfliktkontexten<\/strong><\/a> betone zudem die Notwendigkeit einer besonderen menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht von Unternehmen und Staaten und gebe damit vor, wie dies gelingen kann. Politische Akteure, wie Botschaften oder UN-Vertretungen, k\u00f6nnten dar\u00fcber hinaus Vernetzung zwischen Zivilgesellschaft, Gebern, Staaten und Unternehmen st\u00e4rken, um gemeinsame Interessen und Arbeitsagenden zu ermitteln.   <\/p>\n\n<p>Des Weiteren k\u00f6nnten Nichtregierungsorganisationen, wenn sie legitime Vertreter*innen der lokal Betroffenen sind, wichtige Funktionen erf\u00fcllen: etwa als zuverl\u00e4ssiger Mediator zwischen Unternehmen und Zivilbev\u00f6lkerung, indem sie Friedens- und Konfliktdynamiken verstehen und unternehmensspezifisch vermitteln. Auch begleitende Ma\u00dfnahmen, die den Zusammenhalt einer Gesellschaft f\u00f6rdern, k\u00f6nnen konfliktpr\u00e4ventiv wirken.  <\/p>\n\n<p><strong>Internes Lernen und konfliktsensible Reformprozesse im BMZ <\/strong><\/p>\n\n<p>Dr. Martin Schuldes, Leiter des Referats Frieden und Sicherheit, Krisenmanagement des Bundesministeriums f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung\/BMZ, betonte, dass es f\u00fcr das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 eines fundamentalen Transformationsprozesses bedarf bei dem der Privatsektor eine wichtige Rolle spiele. F\u00fcr ein konfliktsensibles Agieren des privaten Sektors in fragilen und von gewaltsamen Konflikten betroffenen Kontexten sei entscheidend, den lokalen Kontext zu analysieren und zu ber\u00fccksichtigen. Dieser Gedanke sei auch das Leitmotiv eines umfangreichen, inhaltlichen Reformprozesses innerhalb des BMZ (BMZ 2030), der erstmals Konfliktsensibilit\u00e4t als Qualit\u00e4tsmerkmal definiert. Dieses Qualit\u00e4tsmerkmal in allen Partnerl\u00e4ndern und Sektorprogrammen umzusetzen und entsprechende Lernprozesse daf\u00fcr einzurichten, stelle f\u00fcr das BMZ eine gro\u00dfe Chance und Herausforderung dar. Ein positives Beispiel f\u00fcr interne Lernprozesse, das bereits das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den privaten Sektor erh\u00f6ht habe, sei die Entsendung eines BMZ Mitarbeitenden an den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).     <\/p>\n\n<p><strong>Die Rollen verschiedener Akteure k\u00f6nnen komplement\u00e4r sein <\/strong><\/p>\n\n<p> Als gemeinn\u00fctzige Einrichtung k\u00f6nne die Robert Bosch Stiftung keine direkten Investitionen in den Privatsektor vornehmen, zudem seien die ihr f\u00fcr Friedensf\u00f6rderung zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel deutlich geringer als etwa die von Ministerien, so Dr. Stella Voutta, Programmdirektorin Frieden in der Robert Bosch Stiftung. Vorteilhaft k\u00f6nne sich hingegen auswirken, dass sie, anders als Investoren, keine wirtschaftlichen Ziele verfolgen m\u00fcsse und im Gegensatz zu bilateralen F\u00f6rderern h\u00e4ufig \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Flexibilit\u00e4t verf\u00fcge. Grunds\u00e4tzlich seien die M\u00f6glichkeiten einer privaten Stiftung daher komplement\u00e4r zu denen anderer Akteure zu verstehen.   <\/p>\n\n<p>Aufbauend auf der Empfehlung von Ben Miller, den Privatsektor zur Unterst\u00fctzung seiner friedensf\u00f6rdernden Potentiale mit anderen Akteuren zu vernetzen, erl\u00e4uterte Frau Voutta, dass das Zusammenbringen lokaler Friedensakteure unterschiedlicher gesellschaftlicher Sektoren eines der Ziele der \u201e<a href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/caroline.kruckow\/AppData\/Local\/Microsoft\/Windows\/INetCache\/Content.Outlook\/UGK0FR1R\/Im%20Detail%20%7C%20Robert%20Bosch%20Stiftung%20(bosch-stiftung.de)\"><strong>Lokal gef\u00fchrten Friedensinitiativen<\/strong><\/a>\u201c der Stiftung sei. In diesen langfristig angelegten Projekten w\u00fcrden f\u00fcr die teilnehmenden Organisationen und Personen unter anderem gemeinsame Konfliktanalysen sowie Lern- und Reflektionseinheiten angeboten. Die im Privatsektor \u00fcblichen Risikoanalysen seien kein Ersatz f\u00fcr Konflikt- und Kontextanalysen, da sie Konfliktkomponenten nicht ausreichend analysierten und Auswirkungen auf soziale Beziehungen und lokale Perspektiven h\u00e4ufig nicht in den Blick n\u00e4hmen.   <\/p>\n\n<p><strong>Lernen durch Austausch <\/strong><\/p>\n\n<p>In einer anschlie\u00dfenden Diskussionsrunde wurde unter anderem auf die Notwendigkeit der sprachlichen Ann\u00e4herung an Wirtschaftsjargon eingegangen. Um sich mit Friedensanliegen auch mit Akteuren aus dem Privatsektor austauschen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssten sich Friedensakteure die Terminologie der Wirtschaftsakteure in lokalen Kontexten aneignen. Zum Schutz von lokalen NGOs und Menschenrechtsakteuren, k\u00f6nnten ggf. \u00fcber Botschaften vor Ort menschenrechtliche Anliegen vermittelt werden.   <\/p>\n\n<p>Eine kontinuierliche Evaluation, die lokale Perspektiven einbezieht sollte bei jeder Investition gew\u00e4hrleistet sein. Die daraus gezogenen Erkenntnisse m\u00fcssen eine Anpassung der jeweiligen Ma\u00dfnahmen und Strategien nach sich ziehen. Einige Teilnehmende w\u00fcnschten sich dar\u00fcber hinaus eine systematische Analyse um Rollen und Potentiale aber auch Herausforderungen hinsichtlich m\u00e4chtiger Konzerne, autorit\u00e4rer Regime und Digitalisierung klarer erkennen zu k\u00f6nnen.   <\/p>\n\n<p>Stark angestiegene F\u00f6rderungen f\u00fcr Klimaanpassungsma\u00dfnahmen seien zwar zu begr\u00fc\u00dfen, tr\u00fcgen jedoch ebenso Konflikteskalationspotential mit sich wie andere Investitionen. Allgemein seien Landintensive Investitionsprojekte sehr risikobehaftet und zumeist konflikttr\u00e4chtig. So auch im Bereich \u201eErneuerbare Energien\u201c. Auch dort sollte ein besonderes Augenmerk auf Konfliktsensibilit\u00e4t und Menschenrechte gelegt werden. Frieden und Friedenskonsolidierung seien nicht als Nebenprodukt wirtschaftlicher Entwicklung zu verstehen, sondern m\u00fcssten als ein bewusstes Ziel betrachtet werden.    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Motto \u201eLearning in Peace \u2013 Why failure brings us ahead\u201c fand am 7. Oktober 2021 die Berliner Friedensgespr\u00e4che des Beirats f\u00fcr zivile Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung statt. In diesem Rahmen organisierte FriEnt einen hybriden Workshop zum Thema \u201eLearning while doing: Dealing with barriers to adaptive management in private sector\u2019s engagement in conflict affected contexts\u201c. 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