{"id":6564,"date":"2021-09-21T01:48:00","date_gmt":"2021-09-20T23:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/verschwundene-duerfen-nicht-vergessen-werden\/"},"modified":"2025-01-21T16:15:30","modified_gmt":"2025-01-21T15:15:30","slug":"verschwundene-duerfen-nicht-vergessen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/verschwundene-duerfen-nicht-vergessen-werden\/","title":{"rendered":"Verschwundene d\u00fcrfen nicht vergessen werden"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Aus Anlass des internationalen Tages der Opfer des gewaltsamen Verschwindenlassens veranstaltete die Internationale Koalition gegen das Gewaltsame Verschwindenlassen (ICAED) ein Online-Webinar mit dem Titel <\/strong><a href=\"https:\/\/frient.de\/artikel\/Aus%20Anlass%20des%20internationalen%20Tages%20der%20Opfer%20des%20gewaltsamen%20Verschwindenlassens%20veranstaltete%20die%20Internationale%20Koalition%20gegen%20das%20Gewaltsame%20Verschwindenlassen%20(ICAED)%20am%2026.August%202021%20ein%20Online-Webinar%20mit%20dem%20Titel%20%E2%80%9EThe%20Struggle%20of%20Memory%20against%20Forgetting%E2%80%9C.%20Vertreter*innen%20der%20Vereinten%20Nationen%20diskutieren%20mit%20Expert*innen%20und%20Opfern%20gewaltsamen%20Verschwindenlassens,%20%C3%BCber%20die%20Bedeutung%20der%20Erinnerungsarbeit%20in%20diesen%20F%C3%A4llen.\">\u201eThe Struggle of Memory against Forgetting\u201c<\/a><strong>. Vertreter*innen der Vereinten Nationen diskutieren am 26. August 2021 mit Expert*innen und Opfern gewaltsamen Verschwindenlassens \u00fcber die Bedeutung der Erinnerungsarbeit in diesen F\u00e4llen. <\/strong><\/p>\n\n<p>Bei Demonstrationen oder anderen Aktivit\u00e4ten, rufen Familienangeh\u00f6rige in Lateinamerika den Namen eines Verschwundenen. Die restliche Gruppe antwortet ihnen mit \u201ePresente\u201c. Denn auch wenn die verschwundene Person physisch nicht anwesend ist, so ist sie es doch in den Herzen und K\u00f6pfen der Familienangeh\u00f6rigen. Diese spirituelle Komponente, das Wachhalten der Erinnerung an eine Person, treibt die Familien an, sich f\u00fcr Wahrheit, Gerechtigkeit und die Nicht-Wiederholung des Verschwindenlassens einzusetzen. Denn sie k\u00f6nnen die Person nicht vergessen, auch wenn die T\u00e4ter*innen das gerne h\u00e4tten. W\u00e4hrend des Webinars zeigten Familienangeh\u00f6rige aus 20 Nationen Fotos der Verschwundenen und teilten ihre Erinnerungen an sie. Edita Burgos, die Mutter des verschwundenen Jonas Burgos von den Philippinen, beschrieb die Bedeutung der Erinnerungsarbeit folgenderma\u00dfen: \u201cWir werden die Erinnerung an unsere Verschwundenen immer aufrechthalten. Vergessen w\u00fcrde bedeuten, dass die T\u00e4ter ihr Ziel, unsere Liebsten auszul\u00f6schen, erreicht h\u00e4tten. In dem wir weiter f\u00fcr ihre Rechte k\u00e4mpfen, machen wir die Erinnerung an sie lebendig. Die Verschwundenen werden f\u00fcr immer leben.\u201c Neben der individuellen Komponente hat die Erinnerungsarbeit eine wichtige kollektive Aufgabe. So seien Archive und Orte der Erinnerung wichtig, um Menschenrechtsverletzungen \u00f6ffentlich sichtbar zu machen und zu dokumentieren, erkl\u00e4rte Gabriella Citroni, Mitglied der UN-Arbeitsgruppe gegen unfreiwilliges oder gewaltsames Verschwindenlassen. <\/p>\n\n<p><strong>Erinnerungsarbeit stellt dominierenden Diskurs in Frage <\/strong><\/p>\n\n<p>Die UN-Expert*innen waren sich einig, dass es kein explizites Recht auf Erinnerungsarbeit in den bisherigen internationalen Abkommen und Normen des Verschwindenlassens gibt. Aber die Aufgabe ist in den festgeschriebenen Rechten wie Wahrheit, ein Ende der Straflosigkeit und Nicht-Wiederholung inbegriffen. Die Umsetzung der Rechte sollte durch die jeweiligen Staaten garantiert werden und diese sollten daher aktive Erinnerungsarbeit betreiben. Doch dies geschieht vielerorts nicht. Horacio Ravenna, Mitglied des UN-Ausschusses gegen Verschwindenlassen, wies auf die Beteiligung des Staates in F\u00e4llen von gewaltsamem Verschwindenlassen hin und f\u00fchrte aus, dass die Erinnerungsarbeit ein historisches Ged\u00e4chtnis aufbaue, das in vielen F\u00e4llen den dominierenden Diskurs in Frage stelle. Verschwundenen haftet in vielen L\u00e4ndern das Stigma an, dass es f\u00fcr ihr Verschwindenlassen schon gute Gr\u00fcnde gebe, weil sie in illegale Machenschaften verwickelt seien. Erinnerungsarbeit k\u00f6nne dieses Bild gerader\u00fccken und die Verantwortungen korrekt zuweisen, erkl\u00e4rte Federico Andreu, Menschenrechtsanwalt bei der kolumbianischen Kommission von Juristen (CCJ). Er betonte auch, dass hinter der bisherigen und erfolgreichen Erinnerungsarbeit zivilgesellschaftliche Kr\u00e4fte stecken.        <\/p>\n\n<p>Auch in Deutschland setzt sich die Zivilgesellschaft f\u00fcr die Verschwundenen ein. Die deutsche Koalition gegen Verschwindenlassen hat in diesem Jahr den Verschwundenen in Berlin ein Denkmal gesetzt. In Zusammenarbeit mit der Galerie Neurotitan entstand in den Hackeschen H\u00f6fen ein haushohes <a href=\"https:\/\/gewaltsames-verschwindenlassen.de\/aktivismus\/aktionen\/koalition-gegen-verschwindenlassen-und-galerie-neurotitan-gedenken-opfern-von-verschwindenlassen-mit-wandbild\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Wandbild mit Portraits und Namen von Verschwundenen<\/strong><\/a>. Durch eine Siebdruckaktion kamen die Vertreter*innen der Koalition ins Gespr\u00e4ch mit Passant*innen und konnten so auf die Hintergr\u00fcnde und Einzelschicksale der Verschwundenen eingehen. Solche und andere Aktivit\u00e4ten werden weiterhin als Zeichen der Solidarit\u00e4t mit den Opfern des Verschwindenlassens und zur Aufrechterhaltung des politischen Drucks auf die jeweiligen Staaten ben\u00f6tigt, damit F\u00e4lle des Verschwindenlassens aufgekl\u00e4rt und nicht wiederholt werden.    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Anlass des internationalen Tages der Opfer des gewaltsamen Verschwindenlassens veranstaltete die Internationale Koalition gegen das Gewaltsame Verschwindenlassen (ICAED) ein Online-Webinar mit dem Titel \u201eThe Struggle of Memory against Forgetting\u201c. Vertreter*innen der Vereinten Nationen diskutieren am 26. August 2021 mit Expert*innen und Opfern gewaltsamen Verschwindenlassens \u00fcber die Bedeutung der Erinnerungsarbeit in diesen F\u00e4llen. 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