{"id":6604,"date":"2021-06-29T03:56:00","date_gmt":"2021-06-29T01:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/industrielle-landwirtschaft-ist-der-falsche-weg\/"},"modified":"2025-01-21T16:16:28","modified_gmt":"2025-01-21T15:16:28","slug":"industrielle-landwirtschaft-ist-der-falsche-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/industrielle-landwirtschaft-ist-der-falsche-weg\/","title":{"rendered":"Industrielle Landwirtschaft ist der falsche Weg"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eine aktuelle <a href=\"https:\/\/www.misereor.org\/fileadmin\/user_upload_misereororg\/publication\/en\/foodsecurity\/study-LSLA.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Miseroer-Studie<\/a> widmete sich der Frage, ob gro\u00dffl\u00e4chige Landwirtschaft die Entwicklung in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen in Sub-Sahara Afrika voranbringt. Dabei stellte sich heraus, dass das schlechte Image kleinb\u00e4uerlicher Betriebe bei Afrikas Regierungen und zu gro\u00dfen Teilen auch in der deutschen Entwicklungspolitik einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht standh\u00e4lt. Auch wenn die Landwirtschaft in Afrika dringend Investitionen braucht.  <\/strong><\/p>\n\n<p>Anzahl und Sch\u00e4rfe der Konflikte um Land in Sub-Sahara Afrika nehmen zu. Menschen auf dem Land brauchen vor allem eine wirtschaftliche Perspektive und Ern\u00e4hrungssicherheit. Viele afrikanische Regierungen setzen in immer gr\u00f6\u00dferem Ausma\u00df auf einen l\u00e4ndlichen Strukturwandel mittels gro\u00dffl\u00e4chiger agrarindustrieller Betriebe \u00fcber kapitalkr\u00e4ftige Investoren.  <\/p>\n\n<p>Doch bringen gro\u00dffl\u00e4chige Betriebe aus Entwicklungsperspektive wirklich den versprochenen Mehrwert? Wird die Ertragsl\u00fccke geschlossen und der Hunger verringert? K\u00f6nnen Regionen sich mittels gro\u00dffl\u00e4chiger Landwirtschaft entwickeln? Welche Auswirkungen haben diese Betriebe auf die den Zugang zu Land? MISEREOR hat dazu eine <a href=\"\"><strong>wissenschaftliche Studie <\/strong><\/a>vorgelegt, die systematisch kleinb\u00e4uerliche Familienbetriebe mit gro\u00dffl\u00e4chigen agrarindustriellen Betrieben in Subsahara-Afrika vergleicht.    <\/p>\n\n<p><strong>Afrikas Landwirtschaft ist kleinb\u00e4uerlich<\/strong><\/p>\n\n<p>In vielen L\u00e4ndern Subsahara-Afrikas leben gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung auf dem Land. Landwirtschaft wird f\u00fcr diese Menschen mangels Alternativen die zentrale Erwerbsquelle bleiben und deshalb \u00fcber die nachhaltige \u00dcberwindung von Hunger und das \u00f6konomische Auskommen der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung entscheiden. Bislang ist die Landwirtschaft in den meisten L\u00e4ndern Afrikas kleinb\u00e4uerlich gepr\u00e4gt. Sie produzieren einen Gro\u00dfteil der heimischen Nahrungsmittel und h\u00e4ufig auch Produkte f\u00fcr den Weltmarkt (unter anderem Baumwolle, Kakao, Kaffee und Tee). In Afrika wurden in den Jahren zwischen 2000 und 2016 zehn Millionen Hektar Land f\u00fcr die gro\u00dffl\u00e4chige Landwirtschaft \u201eerworben\u201c, durch private Investoren, b\u00f6rsennotierte Unternehmen, Investmentfonds oder lokale Eliten. Damit h\u00e4lt Subsahara-Afrika 42 Prozent aller weltweiten Landnahmen f\u00fcr die landwirtschaftliche Nutzung.     <\/p>\n\n<p>Die nun vorgelegte <a href=\"https:\/\/www.misereor.org\/fileadmin\/user_upload_misereororg\/publication\/en\/foodsecurity\/study-LSLA.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Studie<\/strong><\/a> vergleicht betriebswirtschaftliche Leistungen wie Ertrag und Einkommen sowie die sozialen Folgen von Investitionen in Land (insbesondere von Large Scale Land Acquisitions, LSLA). Sie ermittelt auch, was die unterschiedlichen Konzepte f\u00fcr die betroffene Bev\u00f6lkerung in Bezug auf ihre Existenzsicherung, die l\u00e4ndliche \u00d6konomie sowie Landrechte bedeuten. Sie kommt dabei zu bemerkenswerten, hier nur ausgew\u00e4hlten, Ergebnissen:  <\/p>\n\n<p><strong>\u00d6konomische Indikatoren<\/strong><\/p>\n\n<p>Bei nur etwa der H\u00e4lfte der abgeschlossenen Landk\u00e4ufe handelt es sich heute um produktive Betriebe. Und lediglich auf 11 Prozent der Fl\u00e4che dieser Landk\u00e4ufe hat die landwirtschaftliche Produktion begonnen. Die meisten Fehlschl\u00e4ge beruhen auf fehlenden Informationen zum Produktionspotenzial, Grenzkonflikten mit angrenzenden Kleinbauern oder anderen agrarindustriellen Betrieben. Dazu kommen Schwierigkeiten beim Import von Betriebsmitteln (Pestiziden, D\u00fcnger und Maschinen) und der Unsicherheit \u00fcber die langfristige G\u00fcltigkeit des Landkaufs.   <\/p>\n\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Produktion in gro\u00dffl\u00e4chigen Betrieben dient dem Export von Agrarrohstoffen. Mit dem Wechsel von kleinb\u00e4uerlichen Systemen hin zur industriellen Landwirtschaft ist h\u00e4ufig ein effektiver R\u00fcckgang der Lebensmittelproduktion in der Region verbunden. Die Behauptung, gro\u00dffl\u00e4chige Landnahmen mit ebensolchen Strukturen w\u00fcrden generell zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung beitragen, ist daher falsch. Auch die Annahme, dass gro\u00dffl\u00e4chige Landwirtschaft automatisch auch h\u00f6here Fl\u00e4chenertr\u00e4ge erwirtschaftet, konnte nicht best\u00e4tigt werden.   <\/p>\n\n<p><strong>Soziale Indikatoren<\/strong><\/p>\n\n<p>Es ist die lokale Bev\u00f6lkerung, die besonders stark unter den Landnahmen leidet. Sie verliert ihre landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen und dies f\u00fchrt immer h\u00e4ufiger und heftiger zu Konflikten um Land. Die Kleinbauern haben wenig M\u00f6glichkeit, sich gegen diese Landnahmen zur Wehr zu setzen. Ihre rechtliche Situation und Sicherheit sind h\u00e4ufig ungekl\u00e4rt oder unzureichend. Land, das urspr\u00fcnglich dem Gewohnheitsrecht nach oder in Form von Gemeinschaftsfl\u00e4chen (Commons) organisiert ist und bewirtschaftet wird, geht der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung h\u00e4ufig dauerhaft verloren. Der Verlust von Land \u2013 und damit der landwirtschaftlichen Produktionsgrundlagen \u2013 hat schwerwiegende negative Folgen: Ihre Nahrungsmittelsicherheit und ihre \u00f6konomischen Existenzen sind dadurch stark gef\u00e4hrdet. Denn die Nahrungsmittelunsicherheit ist im Umfeld von gro\u00dffl\u00e4chigen Betrieben deutlich h\u00f6her als in kleinb\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Strukturen.      <\/p>\n\n<p><strong>Investitionen in industrialisierte Landwirtschaft sind nicht der richtige Weg<\/strong><\/p>\n\n<p>Das schlechte Image kleinb\u00e4uerlicher Betriebe bei Afrikas Regierungen und zu gro\u00dfen Teilen auch in der deutschen Entwicklungspolitik h\u00e4lt einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand. Auch Landkonflikte werden durch die Investitionen in Land durch in- und ausl\u00e4ndische Kapitalgeber eher bef\u00f6rdert. Es ist unstrittig, dass die Landwirtschaft in Afrika Unterst\u00fctzung, Investitionen, Beratung und verl\u00e4ssliche Rahmenbedingen ben\u00f6tigt, vor allem was den Zugang zu Land, Saatgut und Wasser angeht. Aber Investitionen in industrialisierte Landwirtschaft sind dabei sicherlich nicht der richtige Weg \u2013 das hat die <a href=\"\"><strong>Studie <\/strong><\/a>belegt.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine aktuelle Miseroer-Studie widmete sich der Frage, ob gro\u00dffl\u00e4chige Landwirtschaft die Entwicklung in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen in Sub-Sahara Afrika voranbringt. Dabei stellte sich heraus, dass das schlechte Image kleinb\u00e4uerlicher Betriebe bei Afrikas Regierungen und zu gro\u00dfen Teilen auch in der deutschen Entwicklungspolitik einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht standh\u00e4lt. Auch wenn die Landwirtschaft in Afrika dringend Investitionen braucht. 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