{"id":6638,"date":"2021-05-04T17:29:00","date_gmt":"2021-05-04T15:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/im-mittelpunkt-steht-der-mensch\/"},"modified":"2025-01-21T16:16:34","modified_gmt":"2025-01-21T15:16:34","slug":"im-mittelpunkt-steht-der-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/im-mittelpunkt-steht-der-mensch\/","title":{"rendered":"Im Mittelpunkt steht der Mensch"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt (Koh\u00e4sion) von Gruppen und Individuen in Krisenkontexten zu st\u00e4rken, muss die Erfassung menschlichen Verhaltens und \u00c4nderungen auf dieser Ebene wesentlicher Teil der Wirkungslogik von Vorhaben der \u00dcbergangshilfe sein. Dadurch werden Wirkeffekte maximiert und unbeabsichtigte negative Effekte minimiert. <\/strong><\/p>\n\n<p>Multisektorale, l\u00e4ngerfristige und vor allem zielgerichtete Interventionen wirken positiv auf die soziale Koh\u00e4sion zwischen Gruppen in fragilen Kontexten. Zielgerichtet im Sinne sozialer Koh\u00e4sion sind Interventionen vor allem dann, wenn sie relevante individuelle Einstellungen direkt adressieren. Dies ist ein zentrales Ergebnis des S<a href=\"\">ystematic Review on Social Cohesion<\/a>, den die International Initiative for Impact Evaluation (3ie) im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Referat \u201eKrisenbew\u00e4ltigung, \u00dcbergangshilfe, Wiederaufbau, Infrastruktur\u201c (222), erstellt hat.  <br><br>Geleitet von der Frage, welche Ma\u00dfnahmen soziale Koh\u00e4sion in Krisenkontexten wirksam st\u00e4rken, hat 3ie insgesamt rund 70.000 Dokumente aus Projekten in L\u00e4ndern mit niedrigem und mittlerem Einkommen analysiert, die auf eine Verbesserung der horizontalen sozialen Koh\u00e4sion zwischen Gruppen und Individuen abzielen. Dabei wurden 24 relevante Impact Evaluierungen identifiziert, systematisiert und bewertet mit folgenden Ergebnissen:<br>Vertrauen, Zugeh\u00f6rigkeitsempfinden, Beteiligungsbereitschaft, Hilfsbereitschaft und Akzeptanz von Diversit\u00e4t sind die gebr\u00e4uchlichsten und validesten Dimensionen zur Darstellung von sozialer Koh\u00e4sion zwischen Gruppen auf individueller Ebene. <\/p>\n\n<p><strong>Auch weiche Indikatoren sind messbar<\/strong><\/p>\n\n<p>Der Bericht zeigt auf, wie diese subjektiven Dimensionen in verschiedenen Kontexten adressiert und gemessen werden k\u00f6nnen. So belegt der Bericht, dass auch \u201esofte Indikatoren\u201c, wie z.B. Einstellungen, aller Skepsis zum Trotz messbar und somit vergleichbar sind.<br>Gezielte Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung sozialer Koh\u00e4sion zeigen Wirkungen. Sie sind aber nur ein Teil des Puzzles. Ihre Wirksamkeit wird erh\u00f6ht und \u00fcber die direkte Zielgruppe hinaus erweitert, wenn diese in multisektorale und l\u00e4ngerfristige Ma\u00dfnahmen eingebettet sind, welche die zugrunde liegenden Ursachen f\u00fcr strukturelle Ungleichheit und Gewalt adressieren. Soziale Koh\u00e4sion braucht Zeit, vor allem wenn eine nachhaltige Verhaltens\u00e4nderung bewirkt werden soll.    <br><br>Eine mangelnde Analyse des Kontextes, vor allem wenn sie menschliches Verhalten unber\u00fccksichtigt l\u00e4sst, kann den Projekterfolg negativ beeinflussen. Dazu geh\u00f6rt auch die Analyse bestehender Konfliktlinien. Wie sieht die St\u00e4rkung sozialer Koh\u00e4sion konkret in der Praxis aus? Peace education spielt zum Beispiel in fragilen Kontexten eine entscheidende Rolle. An Schulen in der T\u00fcrkei, die eine hohe Anzahl gefl\u00fcchteter syrischer Kinder aufgenommen haben, werden soziale und emotionale Kompetenzen der Kinder gest\u00e4rkt. Damit werden ihr Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen sowie ihre F\u00e4higkeiten zum Perspektivwechsel, zur Selbstreflexion und zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung ausgebildet.     <\/p>\n\n<p><strong>Neues Handlungsfeld der \u00dcbergangshilfe \u201efriedliches und inklusives Zusammenleben\u201c<\/strong><\/p>\n\n<p>Die neue <a href=\"http:\/\/www.bmz.de\/de\/mediathek\/publikationen\/reihen\/strategiepapiere\/Strategiepapier510_02_2020.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Strategie<\/a> der strukturbildenden \u00dcbergangshilfe des BMZ bietet den Rahmen, um die Empfehlungen des Systematic Review aufzunehmen:<br>Vorhaben der \u00dcbergangshilfe sind multisektoral und zunehmend l\u00e4ngerfristig aufgestellt. Mit dem neuen Handlungsfeld \u201efriedliches und inklusives Zusammenleben\u201c leistet die \u00dcbergangshilfe einen gezielten Beitrag zur F\u00f6rderung von Frieden und sozialer Koh\u00e4sion.<br>Verhalten wird zunehmend in die Wirkungslogik von Vorhaben der \u00dcbergangshilfe integriert. Dazu sollen auch die f\u00fcnf identifizierten Dimensionen sozialer Koh\u00e4sion zunehmend besser erfass-, integrier- und messbar gemacht werden. Resilienzanalysen, die auch den Konfliktkontext einbeziehen, sollen zunehmend Grundlage f\u00fcr die Gestaltung von Ma\u00dfnahmen der strukturbildenden \u00dcbergangshilfe werden.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt (Koh\u00e4sion) von Gruppen und Individuen in Krisenkontexten zu st\u00e4rken, muss die Erfassung menschlichen Verhaltens und \u00c4nderungen auf dieser Ebene wesentlicher Teil der Wirkungslogik von Vorhaben der \u00dcbergangshilfe sein. 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