{"id":6662,"date":"2021-03-30T02:21:00","date_gmt":"2021-03-30T00:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/was-sind-eigentlich-bedeutsame-partnerschaften\/"},"modified":"2025-01-21T16:17:11","modified_gmt":"2025-01-21T15:17:11","slug":"was-sind-eigentlich-bedeutsame-partnerschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/was-sind-eigentlich-bedeutsame-partnerschaften\/","title":{"rendered":"Was sind eigentlich \u201ebedeutsame\u201c Partnerschaften?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Politikwissenschaftlerinnen Elena Sondermann und Cornelia Ulbert vom Institut f\u00fcr Entwicklung und Frieden (INEF) an der Universit\u00e4t Duisburg-Essen haben einen analytischen Ansatz entwickelt, um nachzupr\u00fcfen, ob Partnerschaften \u201ebedeutsam\u201c sind, also auch als solche funktionieren. Partnerschaften werden in der Agenda 2030 als 17. Ziel gefordert und sind damit zentrales Element f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit und Friedensf\u00f6rderung. <\/strong><\/p>\n\n<p>Mit dem SDG 17 wird die internationale Gemeinschaft aufgefordert, &#8220;die Mittel zur Umsetzung zu st\u00e4rken und die globale Partnerschaft f\u00fcr nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben zu f\u00fcllen&#8221;. Die politischen Dokumente sind voll von Aussagen \u00fcber die Notwendigkeit eines &#8220;bedeutsamen&#8221; (\u201emeaningful\u201c) Engagements, insbesondere mit der Zivilgesellschaft &#8211; ohne zu kl\u00e4ren, was &#8220;bedeutsam&#8221; hei\u00dft. <\/p>\n\n<p>In ihrem Artikel in der Zeitschrift \u201ePolitics and Governance\u201c widmen sich Elena Sondermann und Cornelia Ulbert genau dieser L\u00fccke. Um die Realit\u00e4ten des Multistakeholder-Engagements und die Rolle von NGOs darin besser zu verstehen und zu bewerten, schlagen die Autorinnen vor, Partnerschaft nicht nur als Form, sondern auch als eine Norm von Metagovernance zu verstehen. Der Fokus darauf, was als angemessene Form der Interaktion in globalen Politikprozessen angesehen wird, erlaubt, sich auf die Rollen und Beziehungen der Akteure in einer Partnerschaft zu konzentrieren. Die Autorinnen unterteilen das Konzept der Partnerschaft in Rechenschaftspflicht und Partizipation, was eine schrittweise Einordnung der Qualit\u00e4t von Partnerschaft erm\u00f6gliche.   <\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"696\" height=\"372\" src=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/INEF.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5470\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/INEF.png 696w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/INEF-300x160.png 300w\" sizes=\"(max-width: 696px) 100vw, 696px\" \/><\/figure>\n\n<p><strong>Rollen und Beziehungen im Globalen Aktionsplan f\u00fcr Gesundheit<\/strong><\/p>\n\n<p>F\u00fcr ihre Analyse nutzen Sondermann\/Ulbert das Beispiel des Global Action Plan for Healthy Lives and Well-Being for All (GAP), einer relativ neuen Initiative von Gesundheits- und Entwicklungsorganisationen zur Beschleunigung des Fortschritts von gesundheitsbezogenen Zielen der Agenda 2030. Entlang der Konzepte der Rechenschaftspflicht und Partizipation bewerten sie empirisch, ob und wie die Partnerschaft in Bezug auf das zivilgesellschaftliche Engagement als &#8220;bedeutsam&#8221; zu qualifizieren ist. Aus dem empirischen Beispiel leiten sie Lehren f\u00fcr das Erreichen normativer Standards von &#8220;Bedeutsamkeit&#8221; ab und zeigen Implikationen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Forschung zu Partnerschaften auf.  <\/p>\n\n<p>Der GAP verdeutlicht, dass bei der Partizipation bereits ein erhebliches Ma\u00df an Interaktion zwischen den formalen Mitgliedern einer Partnerschaft und NGOs besteht. Die Beteiligung der Zivilgesellschaft bleibt jedoch informell und diskontinuierlich, so dass sich zivilgesellschaftliche Akteure selbst Geh\u00f6r verschaffen mussten. Im Hinblick auf die Rechenschaftspflicht bleiben viele Fragen unbeantwortet, so zum Beispiel, wie die Berichterstattung und das Monitoring durch GAP-Organisationen umgesetzt werden k\u00f6nnen  <\/p>\n\n<p><strong>Mehr Verbindlichkeit bei der Zusammenarbeit mit NGOs<\/strong><\/p>\n\n<p>Der aktuelle WHO-Prozess der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft zur Entwicklung eines Handbuchs zur sozialen Partizipation f\u00fcr universelle Gesundheitsversorgung weist in eine vielversprechende Richtung. Regeln und Verfahren werden formalisiert, um die Einbindung von NGOs transparenter und weniger zuf\u00e4llig zu gestalten. NGOs k\u00f6nnen nicht stellvertretend Rechenschaft einfordern, wenn es keine Mechanismen der Rechenschaftspflicht gibt, und wenn formelle Mitglieder nicht verpflichtet sind, auf Beitr\u00e4ge von \u201einformellen&#8221; Teilnehmer*innen zu reagieren. Dar\u00fcber hinaus sei es zentral, diejenigen Stakeholder und Gruppen zu identifizieren, die zur\u00fcckgelassen werden. \u201eNiemanden zur\u00fcckzulassen&#8221; ist ein zentrales Prinzip der Agenda 2030 und der SDGs.    <\/p>\n\n<p>Abschlie\u00dfend heben Sondermann\/Ulbert eine weitere Implikation ihres Ansatzes hervor: Partnerschaft als Metanorm zu konzeptualisieren und den GAP entsprechend zu bewerten, er\u00f6ffnet neue M\u00f6glichkeiten, die Art der Partnerschaft und die Partnerschaftsf\u00e4higkeit des GAP in eine (historische) Perspektive zu stellen und Lehren aus anderen Beispielen zu ziehen.<\/p>\n\n<p>Weitere Forschung zu fr\u00fcheren und aktuellen Formen globaler Partnerschaften und zu deren Qualit\u00e4t der Beteiligung und Rechenschaftspflicht kann dabei helfen, Hindernisse f\u00fcr funktionierende Partnerschaften systematisch zu identifizieren und aus dem Weg zu r\u00e4umen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Politikwissenschaftlerinnen Elena Sondermann und Cornelia Ulbert vom Institut f\u00fcr Entwicklung und Frieden (INEF) an der Universit\u00e4t Duisburg-Essen haben einen analytischen Ansatz entwickelt, um nachzupr\u00fcfen, ob Partnerschaften \u201ebedeutsam\u201c sind, also auch als solche funktionieren. 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