{"id":6676,"date":"2021-02-25T02:57:00","date_gmt":"2021-02-25T01:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/lokale-akteure-muessen-mitreden\/"},"modified":"2025-01-21T16:17:44","modified_gmt":"2025-01-21T15:17:44","slug":"lokale-akteure-muessen-mitreden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/lokale-akteure-muessen-mitreden\/","title":{"rendered":"Lokale Akteure m\u00fcssen mitreden"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Sahel-Region ist fragiler als je zuvor. Eine Dialogveranstaltung von FriEnt und Fokus Sahel widmete sich den Fragen, wie das europ\u00e4ische friedenspolitische Engagement im Sahel effektiver gestaltet und welche Ans\u00e4tze ausgebaut und verst\u00e4rkt werden sollten. <\/strong><\/p>\n\n<p>Der westliche und zentrale Sahel stellt den afrikanischen Kontinent vor gro\u00dfe friedens- und sicherheitspolitische Herausforderungen. Einerseits \u00e4u\u00dfern sich die Folgen des Klimawandels sowie das schnelle Bev\u00f6lkerungswachstum zunehmend in Ressourcenkonflikten. Andererseits wirkt sich die Ausbreitung terroristischer und extremistischer Gruppen auf die Sicherheitssituation der Bev\u00f6lkerung aus. \u00dcber 860.000 Menschen aus Mali, Burkina Faso und Niger befinden sich derzeit auf der Flucht. Doch obwohl immer mehr Gelder in die Region flie\u00dfen und auch die internationale Akteurslandschaft zunehmend un\u00fcbersichtlich wird, ist die Sahelregion fragiler als je zuvor.    <\/p>\n\n<p><strong>Virtuelle Dialogveranstaltung er\u00f6ffnete Raum f\u00fcr einen Austausch<\/strong><\/p>\n\n<p>Angesichts der friedenspolitischen Herausforderungen ist auch ein Innehalten auf der europ\u00e4ischen Ebene zu beobachten. Insbesondere die Neuauflage der EU-Sahelstrategie von 2011 bietet die Gelegenheit, bestehende Ans\u00e4tze zur Konfliktbearbeitung im Sahel zu reflektieren. Doch wie kann das europ\u00e4ische friedenspolitische Engagement effektiver gestaltet werden? Welche Herausforderungen gilt es auf lokaler Ebene zu \u00fcberwinden und welche Ans\u00e4tze sollten ausgebaut und verst\u00e4rkt werden? Genau diese Fragen stellte eine virtuelle Dialogveranstaltung, die FriEnt gemeinsam mit Fokus Sahel am 8. Dezember 2020 durchf\u00fchrte. Unter dem Titel \u201eKonfliktbearbeitung im Sahel. Perspektiven zivilgesellschaftlicher Akteure aus dem Sahel auf deutsche und europ\u00e4ische Initiativen\u201c begegneten sich mehr als 100 Teilnehmende, darunter deutsche und internationale, zivilgesellschaftliche und staatliche Vertreter*innen sowie zivilgesellschaftlichen Stimmen aus Burkina Faso, Tschad, Niger und Mali.     <\/p>\n\n<p><strong>Fehlendes Vertrauen in internationale Akteure<\/strong><\/p>\n\n<p>Nach dem Auftakt durch die Moderatorin Kathrin Knodel (Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main) er\u00f6ffneten die Impulsbeitr\u00e4ge der Panellisten Manzo Diallo (Journalist in Agadez, Niger), Ousmane Sy (ehemaliger malischer Minister f\u00fcr Dezentralisierung und Gr\u00fcnder der Organisation ARGA, Mali), sowie Francois-Paul Ramd\u00e9 (Friedensaktivist und Gr\u00fcnder der Landrechtsorganisation UFC Dori, Burkina Faso) die Debatte. Entlang der Themen Dezentralisierung und Landrechtskonflikte schilderten die Diskussionsteilnehmenden ein angespanntes Verh\u00e4ltnis, das sich in einem wachsenden Misstrauen der lokalen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber internationalen Akteuren bemerkbar mache. In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurde deutlich, dass europ\u00e4ische Akteure zunehmend an Glaubw\u00fcrdigkeit in der Region verlieren. Fehlende Transparenz \u00fcber das europ\u00e4ische Vorgehen sowie die unzureichende Kommunikation von sicherheitspolitischen und \u00f6konomischen Interessen erzeugten die Wahrnehmung, dass internationale Akteure die Region in neuer Form besetzen.   <\/p>\n\n<p><strong>Spannungen und Konfliktpotenzial auf lokaler Ebene<\/strong><\/p>\n\n<p>Der Dialog zeigte auch, dass sich die Vertrauenserosion nicht ausschlie\u00dflich auf internationale Akteure bezieht. Auch der Vertrauensverlust zwischen Bev\u00f6lkerung und der Regierungen stelle eine Herausforderung dar. Insbesondere die Abwesenheit staatlicher Strukturen erschwere die Erf\u00fcllung grundlegender Funktionen wie die Gew\u00e4hrleistung der Sicherheit der Bev\u00f6lkerung. Zudem w\u00fcrden sich Perspektivlosigkeit, unzureichende Ressourcen und Spannungen zwischen Bev\u00f6lkerungsgruppen und Pastoralisten auf die Zunahme von lokalen Konflikten auswirken. Dieses w\u00fcrde Gewaltakteuren und terroristischen Gruppierungen in die Karten spielen, was zu einer weiteren Verschlechterung der Sicherheitssituation f\u00fchre.    <\/p>\n\n<p><strong>Br\u00fcckenschlag zwischen lokaler und zentralstaatlicher Ebene n\u00f6tig<\/strong><\/p>\n\n<p>Trotz dieser komplexen Gemengelage zeigten Diskussionsteilnehmende und Panellisten Ansatzpunkte f\u00fcr eine effektivere und glaubw\u00fcrdigere internationale Friedens- und Entwicklungszusammenarbeit auf. Die St\u00e4rkung von staatlichen Institutionen in ruralen Gebieten k\u00f6nnte dazu beitragen, das Vertrauen der Bev\u00f6lkerung in den Staat zur\u00fcckzugewinnen. Da viele Bereiche auf das Zusammenspiel mit staatlichen Strukturen angewiesen seien, brauche es einen Br\u00fcckenschlag zwischen lokaler und zentralstaatlicher Ebene. Dabei sei es entscheidend, die Dezentralisierung dezidierter voranzutreiben. Daneben sollte der Mitgestaltungswille lokaler Akteure wie Gemeinden, Frauen und Jugendlicher besser aufgenommen werden, betonten teilnehmende Expert*innen. Im Zuge dessen k\u00f6nnte auch die Einbindung lokaler Konfliktl\u00f6sungsmechanismen dazu beitragen, Spannungen und Konflikte auf Gemeindeebene zu l\u00f6sen. Sowohl internationale als auch nationale Akteure sollten laut lokaler Expert*innen einen st\u00e4rkeren politischen Willen f\u00fcr die Umsetzung der Dezentralisierung entwickeln, indem sie Dezentralisierungsvorhaben ausreichend finanzieren und den Ausbau lokaler Strukturen unterst\u00fctzen. Denn zurzeit gestalte sich das Identifizieren von lokalen zivilgesellschaftlichen wie staatlichen Strukturen abseits urbaner Zentren als schwierig. Aufgrund der regionalen Vielfalt brauche es zudem ein landesspezifisches Vorgehen und eine enge Partnerschaft mit lokalen Akteuren, so die Teilnehmenden. Wichtig sei es dar\u00fcber hinaus, das bestehende europ\u00e4ische Engagement ganzheitlicher zu gestalten. Um konfliktpr\u00e4ventiv zu wirken, m\u00fcssten daher Querschnittsthemen wie Klimawandel und Gesundheit st\u00e4rker in bestehende Projekte integriert werden.          <\/p>\n\n<p><strong>Alte Herausforderungen, neue Relevanz<\/strong><\/p>\n\n<p>Die Diskussionen zeigen, dass altbekannte H\u00fcrden trotz jahrzehntelangem friedenspolitischem Engagement noch nicht genommen wurden. Umso wichtiger ist es, lokale zivilgesellschaftliche und staatliche Akteure und ihre Expertise bei der Ausarbeitung einer neuen EU-Sahelstrategie einzubinden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sahel-Region ist fragiler als je zuvor. Eine Dialogveranstaltung von FriEnt und Fokus Sahel widmete sich den Fragen, wie das europ\u00e4ische friedenspolitische Engagement im Sahel effektiver gestaltet und welche Ans\u00e4tze ausgebaut und verst\u00e4rkt werden sollten. 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