{"id":6678,"date":"2021-02-25T03:42:00","date_gmt":"2021-02-25T02:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/business-as-usual-ist-keine-option\/"},"modified":"2025-01-21T16:17:40","modified_gmt":"2025-01-21T15:17:40","slug":"business-as-usual-ist-keine-option","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/business-as-usual-ist-keine-option\/","title":{"rendered":"Business as Usual ist keine Option"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen lokale kleinste und mittelst\u00e4ndische Unternehmen in fragilen und konfliktbeladenen Kontexten zu gesellschaftlichem Frieden beitragen? Und unter welchen Bedingungen wirken Wirtschaftsf\u00f6rderungsprogramme friedensf\u00f6rdernd? Dieser Frage widmete sich ein Workshop von FriEnt, CDA und International Alert.  <\/strong><\/p>\n\n<p>FriEnt, Collaborative Learning (CDA), und International Alert (IA) hatten 31 Expert*innen aus staatlichen und nichtstaatlichen deutschen und internationalen Institutionen, Wissenschaft und Think Tanks zu einem Workshop eingeladen. Die Teilnehmenden tauschten sich dar\u00fcber aus, wie lokale kleinste und mittelst\u00e4ndische Unternehmen (KMU) in fragilen und konfliktbeladenen Kontexten zu gesellschaftlichem Frieden beitragen k\u00f6nnen. Daneben diskutierten sie, was Geber und finanzierende Institutionen tun k\u00f6nnten oder besser machen sollten, um in ihren Wirtschaftsf\u00f6rderungsprogrammen positive Wirkungen f\u00fcr den Frieden zu erzielen. Klare Botschaft: \u201eBusiness as usual\u201c ist keine Option. Es muss sich in der Haltung der Akteure und in den F\u00f6rderpolitiken Grundlegendes \u00e4ndern, wenn lokale Kleinproduzent*innen zu mehr Frieden beitragen sowie Gewalt und Menschenrechts-Verletzungen abgebaut werden sollen. Die Corona-Pandemie hat die Probleme versch\u00e4rft. Die Gewalt nimmt zu und lokale Unternehmen sind in Bedr\u00e4ngnis. Die Notwendigkeit dazu, Gewalt zu verhindern und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen, ist gerade jetzt besonders gro\u00df.       <\/p>\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die positiven Wirkungen entstehen nicht automatisch<\/h5>\n\n<p>Beispiele aus vielen L\u00e4ndern machten deutlich, wie Vernetzung und Multistakeholderans\u00e4tze, Dialog mit Unternehmen und Beratung funktionieren und bei der \u00dcberwindung bestimmter Konflikte helfen k\u00f6nnen. Darunter waren Good Practices aus den Philippinen, Nepal, Sri Lanka und Georgien, aber auch aus Uganda, dem s\u00fcdlichen Afrika sowie Kolumbien, Honduras, El Salvador. Sie illustrierten die Vielschichtigkeit der Methoden und Potentiale, die lokale Kleinunternehmen haben, um zu sozialer Koh\u00e4sion, Zusammenarbeit verschiedener Gruppen, Stabilisierung und Abbau struktureller Gewalt beizutragen. Aber diese Wirkungen entstehen nicht automatisch, sondern m\u00fcssen dezidiert adressiert und gemeinsam erarbeitet werden. Viele Kleinunternehmen interessieren sich f\u00fcr Beratung und Training zu Konfliktsensibilit\u00e4t, weil es ihnen selbst nutzt. Ein sehr differenzierter Blick ist n\u00f6tig, um die lokalen Bedingungen und jeweilige Motivation der Akteure zu erkennen. Nur so k\u00f6nnen Au\u00dfenstehende verstehen, wie sie die Entwicklung in eine bestimmte Richtung angemessen unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. In fragilen und Konfliktkontexten m\u00fcssen auch der informelle Sektor und der Bereich der Schattenwirtschaft sehr genau analysiert und differenziert betrachtet werden. Diese m\u00fcssen Ans\u00e4tze externer F\u00f6rderung in ad\u00e4quater Weise adressieren, denn der Bereich hat einen starken Einfluss auf die gesellschaftlichen Realit\u00e4ten und Friedenspotentiale vor Ort. Nicht immer und \u00fcberall ist \u201aStabilisierung\u2018 das Rezept f\u00fcr Frieden: Staatliche Ordnung und Regelungen werden nicht \u00fcberall positiv und friedensf\u00f6rdernd wahrgenommen, sondern in vielen Kontexten mit struktureller Gewalt gleichgesetzt. Dagegen messen die Menschen vor Ort dem informellen Sektor und Grauzonen wirtschaftlicher Aktivit\u00e4ten mehr Legitimit\u00e4t zu. Hier wirkt soziale Kontrolle aus lokaler Perspektive heraus. Der informelle Sektor hat damit eine wichtige Funktion f\u00fcr die soziale Koh\u00e4sion und das friedliche Zusammenleben von Personen und Gemeinschaften vor Ort.            <\/p>\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Friedens- und Wirtschaftsexpert*innen m\u00fcssen Hand in Hand arbeiten<\/h5>\n\n<p>Die Diskutant*innen benannten klar, dass Kontextanalysen und Do no Harm-Grunds\u00e4tze oder Konfliktsensibilit\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftsf\u00f6rderungsprogramme und Besch\u00e4ftigungsf\u00f6rderung eine wichtige und unverzichtbare Grundlage sind. Diese reichen aber allein nicht aus, um wirklich durch lokale Wirtschaftsf\u00f6rderung zu Frieden und friedlichen Gesellschaften im Sinn von SDG16+ beizutragen. Vor Planungs- und Projektbeginn sind gemeinsam Konflikt- und Kontextanalysen sowie \u00f6konomische Marktanalysen zu erstellen. Expert*innen f\u00fcr Frieden und Konflikt und Wirtschaftsspezialist*innen sollten auch w\u00e4hrend der Projektdurchf\u00fchrung gemeinsam die Programme begleiten und beraten.   <\/p>\n\n<p>Auch f\u00fcr die Wertsch\u00f6pfungsketten und Anschlussm\u00f6glichkeiten lokaler Unternehmen an globale M\u00e4rkte ist Stabilit\u00e4t erforderlich, reicht aber nicht aus, um automatisch zu positivem Frieden vor Ort zu f\u00fchren. Dies und auch die Frage nach Standards, Leitlinien und Zertifizierung f\u00fcr transnationale Konzerne und Industrien sind Themen f\u00fcr den zweiten online-Austausch am 25.03.2021. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie k\u00f6nnen lokale kleinste und mittelst\u00e4ndische Unternehmen in fragilen und konfliktbeladenen Kontexten zu gesellschaftlichem Frieden beitragen? Und unter welchen Bedingungen wirken Wirtschaftsf\u00f6rderungsprogramme friedensf\u00f6rdernd? Dieser Frage widmete sich ein Workshop von FriEnt, CDA und International Alert. 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