{"id":6680,"date":"2021-02-25T03:38:00","date_gmt":"2021-02-25T02:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/ein-szenario-radikaler-ziviler-krisenpraevention\/"},"modified":"2025-01-21T16:17:40","modified_gmt":"2025-01-21T15:17:40","slug":"ein-szenario-radikaler-ziviler-krisenpraevention","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/ein-szenario-radikaler-ziviler-krisenpraevention\/","title":{"rendered":"Ein Szenario radikaler ziviler Krisenpr\u00e4vention"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Deutschland und Europa sollen und wollen mehr Verantwortung f\u00fcr ihre Sicherheit \u00fcbernehmen. Das haben auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz US-Pr\u00e4sident Joe Biden, der britische Premier Boris Johnson, der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen, NATO-Generalsekret\u00e4r Jens Stoltenberg und Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstrichen. Ein Kommentar von Ralf Becker, Koordinator der zivilgesellschaftlich-kirchlichen Initiative &#8220;Sicherheit neu denken&#8221;.  <\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Die Fokussierung der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik auf Milit\u00e4r ist unvern\u00fcnftig<\/strong><\/p>\n\n<p>Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen belegen, wie wenig Milit\u00e4reins\u00e4tze nutzen, um politische Ziele zu erreichen. Daran gemessen ist die starke Fokussierung unserer Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik auf Milit\u00e4r unvern\u00fcnftig. <\/p>\n\n<p>Gleichzeitig ist nachgewiesen, dass gewaltfreier Widerstand doppelt so wirksam ist wie gewaltvolle Aufst\u00e4nde und Aktionen. Daher pl\u00e4diert das Szenario zwar f\u00fcr die weitere Mitgliedschaft Deutschlands in der UNO, der EU, dem Europarat, der OSZE und auch der NATO \u2013 allerdings als zunehmend ziviler Akteur. <\/p>\n\n<p><strong>Das Szenario \u201eSicherheit neu denken\u201c<\/strong><\/p>\n\n<p>Im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Baden entwickelte eine bundesweite Arbeitsgruppe bis 2018 ein Szenario f\u00fcr einen konsequenten Umstieg Deutschlands von milit\u00e4rischer zu ziviler Sicherheitspolitik . Das Szenario wurde inzwischen in mehrere Sprachen \u00fcbersetzt . <\/p>\n\n<p>Grundlage des Szenarios ist der Umsetzungsbericht der Bundesregierung zum Aktionsplan \u201eZivile Krisenpr\u00e4vention, Konfliktl\u00f6sung und Friedenskonsolidierung\u201c aus dem Jahr 2014. Das Szenario zeigt auf, wie die vielf\u00e4ltigen bereits bestehenden Ans\u00e4tze in f\u00fcnf Pfeilern konsequent zu einer rein zivilen Sicherheitspolitik weiterentwickelt werden k\u00f6nnten: <\/p>\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Gerechter Wirtschafts- und Lebensstil<\/li>\n\n\n\n<li>Nachhaltige Entwicklung der EU-Anrainerstaaten<\/li>\n\n\n\n<li>Entwicklung einer globalen zivilen Sicherheitsarchitektur<\/li>\n\n\n\n<li>Resiliente Demokratie<\/li>\n\n\n\n<li>Konversion der Bundeswehr und der R\u00fcstungsindustrie<\/li>\n<\/ol>\n\n<p>Das Szenario empfiehlt, eine Wirtschafts- und Sicherheitspartnerschaft mit Russland \/ der EAWU auszuhandeln sowie Entwicklungspartnerschaften mit der Arabischen Liga und der AU und deren Zivilgesellschaften einzugehen. Um die AU-Nachhaltigkeitsziele 2063 zu unterst\u00fctzen, k\u00f6nnten j\u00e4hrliche Beitr\u00e4ge in H\u00f6he von 17 Milliarden Euro geleistet werden.<br>Die UNO und die OSZE k\u00f6nnten j\u00e4hrlich Beitr\u00e4ge in H\u00f6he von 33 Milliarden Euro erhalten \u2013 und damit wesentlich handlungsf\u00e4higer werden. Der ordentliche Jahreshaushalt der UNO betr\u00e4gt derzeit nur rund drei Milliarden Euro, f\u00fcr Friedensmissionen gibt die UNO zirka sechs Milliarden Euro aus. Der UNO fehlt f\u00fcr die Versorgung von Gefl\u00fcchteten sowie f\u00fcr die Weltklima- und das Weltern\u00e4hrungsprogramme ebenso regelm\u00e4\u00dfig Geld wie der WHO.   <\/p>\n\n<p><strong>Eine Initiative mit breiter Wirkung<\/strong><\/p>\n\n<p>Eine bundesweite Initiative setzt sich aktiv f\u00fcr diesen Paradigmenwechsel in Richtung ziviler Sicherheitspolitik ein. Darunter sind zehn Akademien, die Veranstaltungen, teils als mehrteilige Reihe durchf\u00fchren. <\/p>\n\n<p>Landeskirchen wie die EKiR empfehlen ihren Gemeinden, Kirchenkreisen und Einrichtungen, die Impulse der Initiative aufzunehmen und ihren Beitritt zu pr\u00fcfen . Insgesamt erreichte der Ansatz bisher in 175 Veranstaltungen \u00fcber 7.600 Interessierte. Zahlreiche weitere Veranstaltungen sind geplant.  <\/p>\n\n<p>Die FAZ berichtete ebenso wie der rbb und Deutschlandfunk Kultur . Die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz (MSC) hat einen \u00f6ffentlichen Dialog mit der Initiative gestartet, der auf der MSC 2021 fortgesetzt werden soll. Der Jahrestagung der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler konnte das Szenario ebenso vorgestellt werden wie zahlreichen Verteidigungs- und sonstigen Politiker*innen des Deutschen Bundestags.<br>Auch in den vom Bundestag beauftragten B\u00fcrgerrat zur Rolle Deutschlands in der Welt konnte sich die Initiative einbringen . F\u00fcr den \u00d6kumenischen Kirchentag (\u00d6KT) ist ein gro\u00dfes Podium mit dem Thema \u201eMilit\u00e4reins\u00e4tze als wirksames Mittel f\u00fcr den Frieden?&#8221; geplant.   <\/p>\n\n<p><strong>Prominente Unterst\u00fctzung<\/strong><\/p>\n\n<p>Ernst U. von Weizs\u00e4cker, der Ehrenpr\u00e4sident des Club of Rome, unterst\u00fctzt die Initiative ebenso wie die Bl\u00e4ck F\u00f6\u00f6ss und zahlreiche weitere Prominente und K\u00fcnstler. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann tr\u00e4gt folgendes Zitat bei: <\/p>\n\n<p>\u201eWas wir brauchen, ist ein grundlegendes Umdenken. Was wir brauchen, ist ein erweitertes Sicherheitsverst\u00e4ndnis. Ein Sicherheitsverst\u00e4ndnis, in dessen Mittelpunkt der sozial gerechte \u00dcbergang in eine klimaneutrale Wirtschaft steht, das auf soziale statt auf milit\u00e4rische Sicherheit setzt, das auf Konfliktvermeidung und Krisenpr\u00e4vention setzt, das nicht immerzu neue Fluchtursachen erzeugt, sondern darauf abzielt, Fluchtursachen zu bek\u00e4mpfen. Das bedeutet auch, dass wir ein Vielfaches der heutigen Ausgaben f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit und humanit\u00e4re Hilfe brauchen. Abr\u00fcsten statt Aufr\u00fcsten \u2013 daran f\u00fchrt kein Weg vorbei.&#8221;    <\/p>\n\n<p><strong>Internationale Vernetzung<\/strong><\/p>\n\n<p>In den Niederlanden wird inzwischen nach dem badischen Vorbild ein \u00e4hnliches Szenario f\u00fcr die Niederlande entwickelt. In Gro\u00dfbritannien wirkt \u201eRethinking Security\u201c , auch in den USA gibt es \u00e4hnliche Aufbr\u00fcche. <\/p>\n\n<p>Der Schweizerische Friedensrat wird \u201eSicherheit neu denken\u201c in den Mittelpunkt seiner Jubil\u00e4umsveranstaltung zu seinem 75-j\u00e4hrigen Bestehen stellen. 2022 ist in Bremen eine internationale Tagung zu Sicherheit neu denken geplant. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland und Europa sollen und wollen mehr Verantwortung f\u00fcr ihre Sicherheit \u00fcbernehmen. Das haben auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz US-Pr\u00e4sident Joe Biden, der britische Premier Boris Johnson, der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen, NATO-Generalsekret\u00e4r Jens Stoltenberg und Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstrichen. 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