{"id":6708,"date":"2020-11-09T05:16:00","date_gmt":"2020-11-09T04:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/?p=6708"},"modified":"2025-01-21T16:18:25","modified_gmt":"2025-01-21T15:18:25","slug":"zwischen-gewaltaufruf-und-meinungsfreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/zwischen-gewaltaufruf-und-meinungsfreiheit\/","title":{"rendered":"Zwischen Gewaltaufruf und Meinungsfreiheit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Hate speech in sozialen Medien wird immer h\u00e4ufiger zum Treiber und Brandbeschleuiger von Konflikten. Das GIZ-Programm &#8220;St\u00e4rkung der Vers\u00f6hnungsprozesse in Sri Lanka\u201c hat auf der Konferenz \u201eHate Speech in Asia\u201c ein Panel zum Engagement junger Menschen bei der Bek\u00e4mpfung von Hate Speech in Sri Lanka organisiert. <\/strong><\/p>\n\n<p>In ganz Asien haben <em>hate speech<\/em> und <em>fake news <\/em>in sozialen Medien zu einer Zunahme von gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen gef\u00fchrt. In vielen L\u00e4ndern, unter anderem Sri Lanka, blieben bisherige Versuche, Facebook und andere Unternehmen zu regulieren, wirkungslos: Schwerwiegende Ausschreitungen gegen muslimische Minderheiten im Land fanden immer wieder zeitgleich mit medialen Kampagnen gegen diese Gruppe statt. <br><br>Auf der Suche nach L\u00f6sungen bem\u00fchen sich Akteure, eine evidenzbasierte Diskussion zu schaffen, um das Ph\u00e4nomen <em>hate speech<\/em> kritisch zu untersuchen und seine Quellen sowie seine Auswirkungen auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte zu verstehen. Als Beitrag zu dieser Debatte hat das GIZ-Programm &#8220;St\u00e4rkung der Vers\u00f6hnungsprozesse in Sri Lanka\u201c (<em>Strengthening Reconciliation Processes in Sri Lanka<\/em>, SRP), das vom Ausw\u00e4rtigen Amt und der Europ\u00e4ischen Union kofinanziert wird, ein Panel auf der Konferenz <em>Hate Speech in Asia: Challenges and Solutions <\/em>organisiert. Die von der NGO <em>Asia Centre <\/em>ins Leben gerufene Konferenz fand vom 7. bis 9. Oktober 2020 in Bangkok statt. Ihr Ziel war es, das Thema hate speech mit einem wissensbasiertem und l\u00f6sungsorientierten Ansatz zu beleuchten und das Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung zu betonen.   <\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eWe don\u2019t really understand or acknowledge the real-life impacts hate speech has or how it bleeds into real life. We continue to view online and offline worlds as separate, and not overlapping and merged.\u201d <\/em><br>\u2013 Sharanya Sekeram, Gender Consultant und Teilnehmerin am SRP-Panel.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n<p>SRP organisierte ein Panel mit dem Titel Youth engagement, policy and practice in tackling the impediment of online hate speech to peacebuilding in Sri Lanka. Das Panel bestand aus vier Diskussionsteilnehmer*innen: Sharanya Sekeram (Gender Consultant), Nawaz Mohammed (Landesdirektor Search for Common Ground Sri Lanka), Sanjana Hattotuwa (Gr\u00fcnder von Groundviews, Berater ICT4Peace) und Senura Abeywardena (Public Policy Manager, Facebook). Sie diskutierten die Rolle der Jugend sowohl bei der Verbreitung von hate speech als auch bei deren Bek\u00e4mpfung. Dabei ber\u00fccksichtigten sie auch die lokale und regionale Politik von Facebook zur Bew\u00e4ltigung des Problems. Die Veranstaltung wurde von Aaranya Rajasingam (Technical Advisor bei SRP) moderiert.    <br><br>Einige der wichtigsten Erkenntnisse aus der Diskussion:<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und LGBTQI-Gemeinschaften<\/strong> geh\u00f6rten in Sri Lanka zu den ersten Formen von <em>hate speech<\/em> im Web. Mittlerweile sind auch muslimische Minderheiten von lautstarken antimuslimischen Kampagnen betroffen. <\/li>\n\n\n\n<li>Die Nutzer*innen von sozialen Medien wechseln zunehmend zu<strong> Messengern wie WhatsApp<\/strong>, in denen Beitr\u00e4ge nicht mehr \u00f6ffentlich sichtbar sind. Dies wird aller Voraussicht nach die Bek\u00e4mpfung von <em>hate speech<\/em> weiter erschweren, da die Betreiber der Plattform hier keine Beitr\u00e4ge entfernen k\u00f6nnen, die zu Gewalt aufrufen. <\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die meisten Nutzer*innen sind jung und m\u00fcssen daher als wichtige Interessenvertreter*innen in die Bek\u00e4mpfung von <\/strong><em><strong>hate speech<\/strong><\/em><strong> einbezogen werden<\/strong>. Zu den Bem\u00fchungen, <em>hate speech<\/em> entgegenzuwirken, geh\u00f6ren beispielsweise die Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Instrumente und die Ethik der sozialen Medien sowie das Erlernen wirkungsvoller Gegenstrategien. <\/li>\n\n\n\n<li><strong>Facebooks Vorgehen, das Engagement des Unternehmens im Land und die Partnerschaften in Sri Lanka zur Bek\u00e4mpfung von <\/strong><em><strong>hate speech<\/strong><\/em><strong> haben sich unter zunehmendem Druck von zivilgesellschaftlichen Akteuren seit 2018 ge\u00e4ndert<\/strong>. Das zeigen j\u00fcngere Ma\u00dfnahmen des Unternehmens im Zusammenhang mit der Rechenschaftspflicht bei Wahlen sowie eine unabh\u00e4ngige Untersuchung, die ermittelt hat, dass der Missbrauch der Plattform faktisch zu Gewalt gegen Muslime gef\u00fchrt hat. <\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Kultur der Gewalt und des systemischen Rassismus im Land findet in den traditionellen Medien statt, flie\u00dft in den Online-Diskurs ein und wird dann wiederum von diesem beeinflusst<\/strong>. In der sri-lankischen Landschaft findet die Produktion von Desinformation und Fehlinformation quer durch die Medienlandschaft statt. Jeder Versuch, <em>hate speech<\/em> online zu verhindern, muss sich mit dieser komplexen Realit\u00e4t und der Wechselwirkung zwischen verschiedenen Medienkan\u00e4len auseinandersetzen.  <\/li>\n<\/ul>\n\n<p>Im Rahmen des <em>FriEnt Peacebuilding Forums 2021 <\/em>wird das SRP-Programm eine <em>Deep Dive Session<\/em> zum Thema <em>hate speech <\/em>und soziale Medien veranstalten, mit einem Fokus auf die Regulierung von sozialen Medien sowie internationale <em>Lessons Learnt <\/em>aus weltweiten Initiativen zur Bek\u00e4mpfung von hate speech, und unter der Beteiligung von Vertreter*innen aus Regierung, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft. Denn die Bek\u00e4mpfung von <em>hate speech<\/em> fordert einen intersektionalen und inklusiven Ansatz, um in der Friendensf\u00f6rderung wirklich wirksam zu sein. <br><br>SRP ist auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/SRPsrilanka\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Facebook <\/a>und <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/srpsrilanka\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Instragram <\/a>aktiv. Die Aufzeichnung der Paneldiskussion l\u00e4sst sich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=l95sU80A0Dc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier <\/a>abrufen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hate speech in sozialen Medien wird immer h\u00e4ufiger zum Treiber und Brandbeschleuiger von Konflikten. Das GIZ-Programm &#8220;St\u00e4rkung der Vers\u00f6hnungsprozesse in Sri Lanka\u201c hat auf der Konferenz \u201eHate Speech in Asia\u201c ein Panel zum Engagement junger Menschen bei der Bek\u00e4mpfung von Hate Speech in Sri Lanka organisiert. 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