{"id":6724,"date":"2020-09-29T05:57:00","date_gmt":"2020-09-29T03:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/mut-und-hoffnung-in-der-not\/"},"modified":"2025-01-21T16:19:00","modified_gmt":"2025-01-21T15:19:00","slug":"mut-und-hoffnung-in-der-not","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/mut-und-hoffnung-in-der-not\/","title":{"rendered":"Mut und Hoffnung in der Not"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Auf beispiellose Weise setzen Milizen Vergewaltigungen als Kriegsmittel ein, ziehen durch D\u00f6rfer und greifen vorwiegend Frauen und M\u00e4dchen systematisch an. Misereor unterst\u00fctzt in solchen Konfliktregionen unterschiedliche Initiativen und Ans\u00e4tze, so im Ostkongo, einer Region, die seit Jahren von Krieg und Gewalt gekennzeichnet ist. <\/strong><\/p>\n\n<p><em>Mitarbeit von Jana Echterhoff<\/em><\/p>\n\n<p>Die Organisationen setzen sich f\u00fcr die von Gewalt betroffenen Frauen ein. Diese sind vergewaltigt worden, sind traumatisiert und h\u00e4ufig HIV-positiv. Oder aber sie haben ihre M\u00e4nner verloren und befinden sich finanziell in einer schwierigen Lage. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist es, die Frauen psychosozial zu beraten und zu begleiten. Daneben helfen die Organisationen dabei, Kleingewerbe aufzubauen, schulen die Frauen zum Beispiel in Hygiene und Frauenrechten, und erm\u00f6glichen Austausch und gegenseitige Unterst\u00fctzung. Personen mit schwerwiegenden psychischen Symptomen erhalten Psychotherapien.     <\/p>\n\n<p>Au\u00dferdem k\u00fcmmern sich die Organisationen um Lobby- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Sie stellen zum Beispiel Konzerte auf die Beine, in denen Themen wie Vergewaltigung, Frieden und sozialer Zusammenhalt durch Musik und Tanz f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit aufgearbeitet werden. Viele Menschen, die so begleitet werden, sind aufgebl\u00fcht. Sie haben Selbstvertrauen wiedergewonnen, haben wieder eine Familie, einen eigenen Lebensraum, verdienen ihren Lebensunterhalt, helfen aber auch anderen Betroffenen und k\u00e4mpfen f\u00fcr Frauenrechte.<br>Eine solche Arbeit setzt gut ausgebildetes Personal und Infrastruktur sowie die Vernetzung verschiedener Akteure voraus. Wichtig ist zudem, die psychosoziale Arbeit mit wirtschaftlichen Ma\u00dfnahmen und politischer Arbeit beziehungsweise Konfliktl\u00f6sung zu kombinieren. Damit nicht genug, spielt die Frage der Geschlechterverh\u00e4ltnisse und ihrer impliziten Machtungleichheit eine zentrale Rolle, um die darin liegenden Ursachen der Gewalt zu bek\u00e4mpfen.     <\/p>\n\n<p><strong>Strukturelle Gewalt im Geschlechterverh\u00e4ltnis ist Alltag<\/strong><\/p>\n\n<p>Sexualisierte Gewalt ist jedoch nicht nur in Kriegssituationen an der Tagesordnung; strukturelle Gewalt im Geschlechter- (und Generationen-!) Verh\u00e4ltnis ist Alltag in vielen Gesellschaften und ein Handlungsfeld f\u00fcr viele Organisationen, die Misereor unterst\u00fctzt. Mangelnder Zugang zu vor allem weiterf\u00fchrender Bildung und zu eigenen \u00f6konomischen Ressourcen, auch den von ihnen erwirtschafteten, unzureichende rechtliche Absicherung bei Verwitwung und von Gewalt gepr\u00e4gte Geschlechterverh\u00e4ltnisse kennzeichnen f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen den Lebensweg. Dabei kommen unterschiedliche Faktoren zum Tragen: die Rollenaufteilung schreibt M\u00e4dchen die Arbeit in Haus und Hof zu. Die wirtschaftliche Situation f\u00fchrt dazu, dass Eltern mit wenig Geld bevorzugt ihre S\u00f6hne in weiterf\u00fchrende Schulen schicken. Unzureichende hygienische Verh\u00e4ltnisse sorgen daf\u00fcr, dass eher M\u00e4dchen als Jungen Unterricht vers\u00e4umen. Und daneben sind M\u00e4dchen und Frauen davon \u00fcberzeugt, dass sie die Gewalt ihrer V\u00e4ter oder ihrer M\u00e4nner ertragen m\u00fcssen, wenn sie \u201eungehorsam\u201c sind. M\u00e4dchen werden immer noch in jungen Jahren von ihren Eltern verheiratet, auch nach einer Vergewaltigung mit ihrem Vergewaltiger.      <\/p>\n\n<p>Viele der von Misereor unterst\u00fctzten Organisationen begegnen den Herausforderungen durch Rechtsberatung. Frauen-, Kinder- und M\u00e4dchenrechte sind kaum bekannt und werden verletzt. Die Rechtsverletzungen von Landraub \u00fcber Erbstreitigkeiten bis hin zu sexueller Gewalt werden von Rechtsberater*innen begleitet. \u201eTraditionelle\u201c Richter und staatliche Magistrate werden geschult, Dorfgerichte beeinflusst. Je nach Schwere des Falles werden auch Rechtsverletzungen vor staatliche formale Gerichte gebracht, um Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle zu schaffen. Wichtig ist dabei aufzuzeigen, dass es keine Straflosigkeit mehr gibt, selbst wenn der T\u00e4ter vor Ort im Dorftribunal gut vernetzt ist.     <\/p>\n\n<p><strong>Ziel ist es, gewaltfreie Beziehungen zu entwickeln<\/strong><\/p>\n\n<p>Sensibilisierung, Lobby- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit kommen hinzu und setzen bei staatlichen Stellen an, stellen aber auch bestehende Beziehungsgeflechte in Frage. Jugendgruppen, Frauengruppen und Gruppen von Ehepaaren setzen sich mit den Geschlechterverh\u00e4ltnissen auseinander. M\u00e4nner wie Frauen werden dahingehend beraten, ihr Denken und Verhalten zu reflektieren und die Strukturen besser zu verstehen, in denen sie aufgewachsen sind. Ziel ist es, daraus gewaltfreie Beziehungen zueinander und innerhalb ihrer Gruppe\/ Familie zu entwickeln und dies anderen Gruppen beizubringen. Spargruppen verschaffen Frauen Zugang zu eigenem Geld.    <\/p>\n\n<p>Auseinandersetzungen mit Genderverh\u00e4ltnissen betreiben auch von Misereor unterst\u00fctzte Projekttr\u00e4ger. So hat die katholische Kirche in Malawi 2019 in einer Erhebung festgestellt, dass von 2578 katholischen Grundschulen im Land lediglich 62 eine Grundschuldirektorin haben. Es gibt 98 katholische Gemeinderatsvorsitzende, von denen lediglich neun Frauen sind. In Bezug auf die Leitung der Sozialentwicklungsb\u00fcros und der Justitia-und-Pax Kommissionen wurde in drei von drei untersuchten Di\u00f6zesen festgestellt, dass die Leitung fest in M\u00e4nnerhand ist. Eine solche Situation kann wenig Signalwirkung auf Frauen und M\u00e4dchen und deren Situation aus\u00fcben.    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf beispiellose Weise setzen Milizen Vergewaltigungen als Kriegsmittel ein, ziehen durch D\u00f6rfer und greifen vorwiegend Frauen und M\u00e4dchen systematisch an. 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