{"id":6766,"date":"2020-05-03T02:59:00","date_gmt":"2020-05-03T00:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/gesundheit-vs-menschenrechte\/"},"modified":"2025-01-21T16:20:41","modified_gmt":"2025-01-21T15:20:41","slug":"gesundheit-vs-menschenrechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/gesundheit-vs-menschenrechte\/","title":{"rendered":"Gesundheit vs. Menschenrechte?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Um die Ausbreitung des Coronavirus einzud\u00e4mmen, stellen Regierungen gegenw\u00e4rtig Regeln auf, die erheblich in die Grund- und Menschenrechte eingreifen. Der Krise zum Trotz m\u00fcssen sie dabei das Ma\u00df wahren. Die Partner des ZFD nehmen einmal mehr die Rolle eines W\u00e4chters der Menschenrechte ein, wie Beispiele aus Bolivien und Mexiko zeigen.  <\/strong><\/p>\n\n<p>\u201eCOVID-19 ist ein Test f\u00fcr unsere Gesellschaften, und wir alle lernen und passen uns an, wenn wir auf das Virus reagieren. Die W\u00fcrde und die Rechte des Menschen m\u00fcssen bei diesen Bem\u00fchungen von Anfang an im Mittelpunkt stehen\u201c, mahnt Michelle Bachelet, die UNO-Hochkommissarin f\u00fcr Menschenrechte \u2013 nicht ohne Grund. Denn die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit stimmt oft nicht. Mancherorts wird die Situation dazu missbraucht, die Handlungsspielr\u00e4ume von Presse und Zivilgesellschaft weiter einzuschr\u00e4nken. Etwa wenn Kritik an den angeordneten Ma\u00dfnahmen unter Strafe steht.<br>Heute stellen wir zwei Partnerorganisationen aus Lateinamerika vor, die \u00fcber Gesundheitsvorsorge und -schutz aufkl\u00e4ren und sich daf\u00fcr einsetzen, dass die Einschr\u00e4nkungen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig und befristet bleiben. Sie unterst\u00fctzen besonders Bev\u00f6lkerungsgruppen, die darunter \u00fcber Geb\u00fchr leiden.    <\/p>\n\n<p><strong>Bolivien: Mutig und multimedial f\u00fcr Gesundheit und Menschenrechte<\/strong><\/p>\n\n<p>Seit 22. M\u00e4rz 2020 gilt in Bolivien eine landesweite Ausgangssperre. Wer dagegen verst\u00f6\u00dft, riskiert eine Festnahme und eine hohe Geldstrafe. Aber auch wer sich allzu kritisch gegen die beschlossenen Ma\u00dfnahmen \u00e4u\u00dfert, k\u00f6nnte bis zu zehn Jahre inhaftiert werden; so zumindest die Einsch\u00e4tzung von Human Rights Watch. Die ZFD-Partnerorganisation FOCAPACI l\u00e4sst sich davon nicht einsch\u00fcchtern. Gemeinsam mit 17 weiteren Nichtregierungsorganisationen hat sie die \u00dcbergangsregierung in einem offenen Brief aufgefordert, die verwundbarsten Gruppen der Gesellschaft, wie die indigene Bev\u00f6lkerung, Kinder und Jugendliche oder Menschen mit Behinderungen w\u00e4hrend der Ausgangssperre besser zu unterst\u00fctzen. Dar\u00fcber hinaus fordern sie einen Dialog zwischen Politik und Zivilgesellschaft, der unter anderem dazu beitragen soll, dass die Menschenrechte auch w\u00e4hrend der Corona-Krise gewahrt bleiben.     <\/p>\n\n<p>FOCAPACI hat Ende M\u00e4rz eine erste Handreichung mit Informationen zum Coronavirus ver\u00f6ffentlicht. Seitdem stellen die Mitarbeitenden von FOCAPACI kontinuierlich Informationen \u00fcber ihre Social-Media-Kan\u00e4le bereit, insbesondere via Facebook und Youtube. Darunter finden sich kurze Aufkl\u00e4rungsfilme auf Spanisch und Aymara, die in der Projektregion am h\u00e4ufigsten gesprochene indigene Sprache. Doch das Medium der Stunde ist das Radio, da ein Internetanschluss f\u00fcr viele nicht erschwinglich ist. FOCAPACI sendet nun eine w\u00f6chentliche Radioshow, die sogenannte \u201eNachbarschaftsversammlung\u201c (\u201eAsamblea Vecinal\u201c). \u201eDas Radioprogramm m\u00f6chte einerseits dar\u00fcber informieren, wie man sich vor COVID-19 sch\u00fctzen kann, und andererseits reflektieren, welche Auswirkungen die Quarant\u00e4ne auf das Leben der Menschen hat\u201c, erl\u00e4utert Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Rolando Lazarte. \u201eDazu werden auch Stimmen aus der Nachbarschaft geh\u00f6rt, darunter K\u00fcnstler, Psychologen und Umweltsch\u00fctzer, die neben den Schwierigkeiten auch die positiven Aspekte der gegenw\u00e4rtigen Situation aufzeigen, wie beispielsweise die nachbarschaftliche Solidarit\u00e4t.\u201c      <\/p>\n\n<p><strong>Mexiko: Kritische Auseinandersetzung und psychosoziale Unterst\u00fctzung<\/strong><\/p>\n\n<p>Die Menschenrechtslage ist in Mexiko so kritisch wie in kaum einem anderen Land. Menschen, die sich f\u00fcr Gerechtigkeit stark machen, werden bedroht, kriminalisiert oder gar ermordet. Die ZFD Partnerorganisation ALUNA unterst\u00fctzt sie dabei, sich trotz der Bedrohung weiter zu engagieren und bietet psychosoziale Unterst\u00fctzung an. \u201eDie Corona-Pandemie versch\u00e4rft ihre Lage zus\u00e4tzlich\u201c, erl\u00e4utert Clemencia Correa, die Leiterin von ALUNA. \u201eSie erleben nicht nur eine st\u00e4rkere Gef\u00e4hrdung ihrer Arbeit, sie sind zus\u00e4tzlich in ihrer Mobilit\u00e4t eingeschr\u00e4nkt, ihre Bem\u00fchungen sind weniger sichtbar. Dies schafft ein Umfeld erh\u00f6hter Verletzbarkeit.\u201c    <\/p>\n\n<p>Zugleich beobachten die Mitarbeitenden von ALUNA ein gestiegenes Ma\u00df an psychosozialer Belastung durch die Pandemie und die eingeleiteten Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen innerhalb der Bev\u00f6lkerung, vor allem bei besonders gef\u00e4hrdeten Gruppen. \u201eRisiken und Gefahren sind verschieden verteilt; sie sind h\u00f6her bei vulnerablen Bev\u00f6lkerungsgruppen wie zum Beispiel bei sozial Benachteiligten, Migrantinnen und Migranten, Angeh\u00f6rigen der LSBTI etc.\u201c<br>Auf der ALUNA-Website wurde ein neuer Bereich zur Corona-Pandemie eingerichtet. Dort wird \u00fcber gesundheitliche Fragen inklusive psychosozialer Aspekte informiert und zugleich eine kritische Auseinandersetzung \u00fcber die angeordneten Ma\u00dfnahmen angesto\u00dfen. \u201eWir m\u00fcssen darauf achten, dass die Kontrollen zur Eind\u00e4mmung von Infektionen nicht zur neuen Normalit\u00e4t werden\u201c, sieht sich Clemencia Correa in der Pflicht. \u201eWir d\u00fcrfen nicht darauf verzichten, auf Menschenrechtsverletzungen sowie auf Angriffe gegen Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten sowie gegen Journalistinnen und Journalisten aufmerksam zu machen.\u201c    <br><br>Das ALUNA-Webportal zu COVID-19 mit zahlreichen Infos auf Spanisch erreichen Sie <a href=\"https:\/\/frient.de\/artikel\/www.alunapsicosocial.org\/covid-19\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Ausbreitung des Coronavirus einzud\u00e4mmen, stellen Regierungen gegenw\u00e4rtig Regeln auf, die erheblich in die Grund- und Menschenrechte eingreifen. 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