{"id":6776,"date":"2020-03-29T03:31:00","date_gmt":"2020-03-29T01:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/die-grausamen-verbrechen-des-verschwindenlassens\/"},"modified":"2025-01-21T16:20:44","modified_gmt":"2025-01-21T15:20:44","slug":"die-grausamen-verbrechen-des-verschwindenlassens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/die-grausamen-verbrechen-des-verschwindenlassens\/","title":{"rendered":"Die grausamen Verbrechen des Verschwindenlassens"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Am 26. und 27. Februar 2020 trafen sich internationale Fachleute und Betroffene zu einer Konferenz zum Thema \u201ePolitische Repression, Gewaltsames Verschwindenlassen und Resilienzstrategien in Ungleichheitskontexten\u201c.  <\/strong><\/p>\n\n<p>\u00dcber 200.000 Menschen sind bisher in Lateinamerika verschwunden und damit f\u00fchrt diese Region die weltweite Bilanz an. W\u00e4hrend die Milit\u00e4rdiktaturen des Cono Sur in den 1970 und 1980er Jahren das Verschwindenlassen als Repressionstechnik gegen die politische Opposition einsetzten, geh\u00f6rt es in L\u00e4ndern wie Kolumbien oder Mexiko nach wie vor zur traurigen Aktualit\u00e4t. Neben staatlichen Akteuren beteiligen sich dort vor allem kriminelle Organisationen an den Verbrechen.<br>Vor diesem Hintergrund trafen sich am 26. und 27. Februar 2020 internationale Fachleute und Betroffene zu einer Konferenz im mexikanischen Guadalajara. Das Thema der Veranstaltung lautete \u201ePolitische Repression, Gewaltsames Verschwindenlassen und Resilienzstrategien in Ungleichheitskontexten\u201c. Sie wurde organisiert von der <a href=\"https:\/\/www.uni-giessen.de\/fbz\/fb01\/professuren-forschung\/professuren\/peters\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Universit\u00e4t Gie\u00dfen<\/a> und dem <a href=\"https:\/\/www.uni-bielefeld.de\/cias\/forschung\/CALAS.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Center for Advanced Latin American Studies<\/a> in Kooperation mit <a href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brot f\u00fcr die Welt<\/a>, dem <a href=\"https:\/\/www.instituto-capaz.org\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Institut Capaz<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/regionen\/lateinamerika?dimension1=division_la#team\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung<\/a>.      <\/p>\n\n<p><strong>Verschwindenlassen als Strategie sozialer Kontrolle und Element organisierter Kriminalit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n<p>Trotz regionaler Unterschiede haben Verbrechen des Verschwindenlassens eines gemeinsam: Sie zielen auf die Kontrolle, Disziplinierung und Einsch\u00fcchterung derjenigen ab, die als Gefahr f\u00fcr den Status Quo wahrgenommen werden. Das k\u00f6nnen politische Gegner, soziale Bewegungen, Journalist*innen oder Menschenrechtsverteidiger*innen sein. Im Fall von Zwangsrekrutierung, Menschenhandel oder Sklavenarbeit k\u00f6nnten sie jeden treffen.<br>In den Konferenzbeitr\u00e4gen wurde immer wieder auf die Rolle des Staates hingewiesen, sei es in Form direkter Beteiligung staatlicher Akteure an den Verbrechen, in Form der Missachtung seiner Schutzpflicht oder der fehlenden Aufkl\u00e4rung und Verfolgung der Delikte. Die vielfache Straflosigkeit, Korruption sowie die Verquickung von staatlichen und kriminellen Strukturen tragen wesentlich dazu bei, dass sich diese weitverbreiteten Verbrechen nicht eind\u00e4mmen lassen.<br>Besonders beunruhigend erschien den Konferenzteilnehmenden die Situation der Familienangeh\u00f6rigen. F\u00fcr diese stellt das Verschwinden eines geliebten Menschen eine extreme Belastung ihrer k\u00f6rperlichen und seelischen Gesundheit dar: \u201eWenn sie unsere Kinder verschwinden lassen, dann lassen sie uns tot im Leben zur\u00fcck\u201c, so die Vertreterin eines lokalen Familienverbandes. Oftmals missachten staatliche Stellen ihre Rechte, und sie werden durch Stigmatisierung und Kriminalisierung erneut zum Opfer.     <\/p>\n\n<p><strong>Familienangeh\u00f6rige als zentrale Akteure im Kampf gegen Verschwindenlassen<\/strong><\/p>\n\n<p>Kollektive Aktionen seitens der organisierten Zivilgesellschaft sowie eine Vielfalt an Strategien, welche auf die Erinnerung, Wahrheit, Gerechtigkeit, Widergutmachung und Nicht-Wiederholung abzielen, haben sich im Kampf gegen Verschwindenlassen als wirksam erwiesen. Die treibende Kraft sind dabei die Familienangeh\u00f6rigen. Nationale und internationale Organisationen, Menschenrechtsverteidiger*innen und Expert*innen unterst\u00fctzen sie dabei. Aber auch Wissenschaft, Kunst und Kultur und die Kirchen haben dazu beigetragen, das Ph\u00e4nomen des Verschwindenlassens in Lateinamerika sichtbar zu machen, politischen Druck aufzubauen und L\u00f6sungsans\u00e4tze voranzutreiben.<br>R\u00e4ume wie die Konferenz in Mexiko erm\u00f6glichen nicht nur Begegnungen, voneinander Lernen, Austausch und Reflektionen sondern auch die Erfahrung von Empathie und Solidarit\u00e4t: wir sind nicht alleine im Kampf gegen Verschwindenlassen und jede\/r kann seinen\/ihren Beitrag dazu leisten.   <\/p>\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/fileadmin\/mediapool\/blogs\/Munz_Jula\/20200323_Guadalajara_programa_fin.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Programm <\/a>und <a href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/fileadmin\/mediapool\/blogs\/Munz_Jula\/Biographien_Konferenz_Verschwindenlassen_SP.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kurzbiographien <\/a>der Beteiligten (Spanisch) . Brot f\u00fcr die Welt zum <a href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/themen\/verschwindenlassen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verschwindenlassen.<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. und 27. Februar 2020 trafen sich internationale Fachleute und Betroffene zu einer Konferenz zum Thema \u201ePolitische Repression, Gewaltsames Verschwindenlassen und Resilienzstrategien in Ungleichheitskontexten\u201c. \u00dcber 200.000 Menschen sind bisher in Lateinamerika verschwunden und damit f\u00fchrt diese Region die weltweite Bilanz an. 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