{"id":6806,"date":"2019-02-04T04:23:00","date_gmt":"2019-02-04T03:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/die-zukunft-der-vergangenheitsarbeit\/"},"modified":"2025-01-21T16:22:17","modified_gmt":"2025-01-21T15:22:17","slug":"die-zukunft-der-vergangenheitsarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/die-zukunft-der-vergangenheitsarbeit\/","title":{"rendered":"Die Zukunft der Vergangenheitsarbeit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Aufarbeitung einer gewaltsamen Vergangenheit und den damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen ist ein zentraler Aspekt nachhaltiger Friedensentwicklung. Vom 12.-14.12.2018 trafen sich Mitarbeitende aus Projekten der technischen Zusammenarbeit und des zivilen Friedensdienstes sowie aus Fachabteilungen der GIZ, um praktische Anregungen f\u00fcr die Formulierung einer ressortgemeinsamen Strategie zu \u201eVergangenheitsarbeit und <\/strong><br><strong>Vers\u00f6hnung (Transitional Justice)\u201c einzubringen.<\/strong><\/p>\n\n<p><\/p>\n\n<p><\/p>\n\n<p>Der Weg zu nachhaltiger Konflikttransformation und umfassender Aufarbeitung schwerer Menschenrechtsverletzungen ist f\u00fcr die betroffenen Gesellschaften in der Regel m\u00fchsam und lang. Neben dem Wiederaufbau von zerst\u00f6rten Lebensr\u00e4umen steht die Frage im Raum, wie ehemalige Konfliktparteien, \u00dcberlebende sowie T\u00e4terinnen und T\u00e4ter in Zukunft wieder friedlich zusammenleben k\u00f6nnen. Abh\u00e4ngig vom jeweiligen Kontext haben Gesellschaften unterschiedliche Strategien und Umgangsformen entwickelt, um ihre gewaltvolle Vergangenheit zu bearbeiten. Die Prozesse basieren auf der zentralen Annahme, dass Leid anerkannt und Verantwortung f\u00fcr vergangenes Unrecht \u00fcbernommen werden muss, um Gewaltspiralen zu durchbrechen, Vertrauen wiederaufzubauen und eine gerechtere und friedlichere Zukunft zu gestalten. Andernfalls drohen ein R\u00fcckfall in alte Konfliktmuster und erneute Gewaltausbr\u00fcche.    <\/p>\n\n<p>In aktuell 14 L\u00e4ndern unterst\u00fctzt die GIZ Partner bei der Umsetzung von Ma\u00dfnahmen zur Vergangenheitsarbeit und Vers\u00f6hnung. Im Rahmen des internen Fachverbunds <em>Network International Cooperation in Conflicts and Disasters<\/em> (NICD) existiert seit 2012 die Arbeitsgruppe \u201eDealing with the Past\/ Transitional Justice\u201c. Knapp 25 Kolleginnen und Kollegen, prim\u00e4r aus NICD-Mitgliedsprojekten in Lateinamerika, Subsahara-Afrika, S\u00fcdostasien sowie den Fachabteilungen der GIZ, nahmen an dem dreit\u00e4gigen Workshop in der GIZ-Repr\u00e4sentanz Berlin teil. Der Fokus des Treffens lag neben der Diskussion \u00fcber aktuelle Entwicklungen im Themenfeld auch auf dem Austausch praktischer Lernerfahrungen und dem Umgang mit Herausforderungen in der Projektumsetzung. Drei Themenschwerpunkte standen im Zentrum: der Umgang mit so genannten <em>shrinking spaces<\/em>, psychosoziale Unterst\u00fctzung im Kontext von Vergangenheitsarbeit sowie die Nutzung digitaler Anwendungen und Instrumente, u.a. zur F\u00f6rderung von Erinnerungskultur.    <\/p>\n\n<p>Folgende Fragestellungen standen dabei im Vordergrund: Wie gehen wir mit den eingeschr\u00e4nkten Handlungsspielr\u00e4umen zivilgesellschaftlicher Akteure im Kontext von Vergangenheitsarbeit um? Deutlich wurde, dass eine stetige konflikt- und kontextsensible Reflexion in der Implementierung eine zentrale Rolle spielt, um Partner und Mitarbeitende nicht ungewollt zu gef\u00e4hrden. <\/p>\n\n<p>Wie kann psychosoziale Unterst\u00fctzung gest\u00e4rkt, wie mit dem Aspekt transgenerationeller Traumata umgegangen werden? Es ist heute bekannt, dass Traumata \u00fcber Generationen vererbt werden k\u00f6nnen. Dies verdeutlicht: eine langfristig angelegte und inklusive Vergangenheitsarbeit ist f\u00fcr die \u201eHeilung\u201c einer Gesellschaft notwendig.  <\/p>\n\n<p>Ist die Zukunft der Vergangenheitsarbeit digital? Bespiele aus Sri Lanka, Kambodscha, Guatemala und Zimbabwe zeigen, dass digitale Anwendungen neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Vergangenheitsarbeit bieten k\u00f6nnen. Sie brauchen keinen zentralen Ort der Erinnerung und k\u00f6nnen ein Mittel sein, um Vergangenheitsarbeit in den Alltag zu integrieren und neue Zielgruppen anzusprechen. Neben Vorteilen wurden auch kritische Aspekte bei der Nutzung digitaler Anwendungen diskutiert, beispielsweise unzureichender Internetzugang in l\u00e4ndlichen Regionen sowie Risiken im Bereich des Datenschutzes \u2013 gerade dort, wo an hochsensiblen Themen gearbeitet wird.    <\/p>\n\n<p>Bei einem Treffen mit der interministeriellen Arbeitsgruppe der Bundesregierung am 14.12. konnten die NICD-Mitglieder ihre praktischen Erfahrungen erl\u00e4utern und den Vertreterinnen und Vertretern der Bundesministerien Anregungen f\u00fcr die Erstellung einer ressortgemeinsamen Strategie zu Vergangenheitsarbeit mit auf den Weg geben. Die Strategie ist Teil der Operationalisierung der Leitlinien \u201eKrisen verhindern, Konflikte bew\u00e4ltigen, Frieden f\u00f6rdern\u201c. Diskutiert wurde hier unter anderem, wie wichtig es ist, Kontextspezifika zu ber\u00fccksichtigen und Ma\u00dfnahmen zur Vergangenheitsarbeit an diesen auszurichten und flexibel anpassen zu k\u00f6nnen. Auch \u00fcber den Bedarf langfristiger Unterst\u00fctzungsprozesse und den Umgang mit R\u00fcckschl\u00e4gen wurde gesprochen.    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufarbeitung einer gewaltsamen Vergangenheit und den damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen ist ein zentraler Aspekt nachhaltiger Friedensentwicklung. Vom 12.-14.12.2018 trafen sich Mitarbeitende aus Projekten der technischen Zusammenarbeit und des zivilen Friedensdienstes sowie aus Fachabteilungen der GIZ, um praktische Anregungen f\u00fcr die Formulierung einer ressortgemeinsamen Strategie zu \u201eVergangenheitsarbeit und Vers\u00f6hnung (Transitional Justice)\u201c einzubringen. 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