{"id":6814,"date":"2019-01-08T04:50:00","date_gmt":"2019-01-08T03:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/was-kann-die-ez-in-fragilen-laendern-leisten\/"},"modified":"2025-01-21T16:22:20","modified_gmt":"2025-01-21T15:22:20","slug":"was-kann-die-ez-in-fragilen-laendern-leisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/was-kann-die-ez-in-fragilen-laendern-leisten\/","title":{"rendered":"Was kann die EZ in fragilen L\u00e4ndern leisten?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wird Entwicklungszusammenarbeit in fragilen Staaten f\u00fcr politische Zwecke instrumentalisiert? Oder ist EZ bereits inh\u00e4rent politisch, weil sie bestehende Machtverh\u00e4ltnisse festigt? Diese und andere provokante Fragen rund um das Thema fragile Staatlichkeit standen im Fokus der Abend-Veranstaltung \u201eFragile Staaten\u201c, die am 10. Dezember am Bonner Universit\u00e4tsforum stattfand.  <\/strong><\/p>\n\n<p>Es diskutierten Martha Gutierrez, Leiterin Abteilung Krisen- und Konfliktmanagement, Migration, Bauen, GIZ, Thomas Brillisauer, Offizier, ehemaliger Milit\u00e4rattach\u00e9 in Zentral- und Westafrika und Prof. Dr. Conrad Schetter, Forschungsdirektor, Bonn International Center for Conversion unter der Moderation von Ute Lange, i3Kommunikation. Sigmar Gabriel, MdB, Au\u00dfenminister a.D., musste seine geplante Teilnahme an der Podiumsdiskussion kurzfristig absagen. <\/p>\n\n<p>Vor knapp 200 G\u00e4sten wurden die Bedeutung von Staatlichkeit und Fragilit\u00e4t in der heutigen Weltordnung sowie die Folgen f\u00fcr die internationale und deutsche Politik diskutiert. In diesem Zusammenhang wurde vor allem das Engagement Deutschlands in sogenannten fragilen Staaten beleuchtet. <\/p>\n\n<p>Als Vertreterin der GIZ berichtete Frau Gutierrez aus der Arbeit in Krisenl\u00e4ndern, in denen eine Eskalation von Gewaltkonflikten droht. Hier sei der Staat zwar h\u00e4ufig Teil des Problems, ohne ihn sei ein langfristiges Engagement aber gar nicht m\u00f6glich. Das Beispiel des GIZ Engagements im Irak zeige, wie wichtig die Schaffung von Sicherheit und die Bereitstellung von Basisdienstleistungen nach akuten Konflikten ist. Diese m\u00fcssten gepaart werden mit der Schaffung von Perspektiven (u.a. durch Besch\u00e4ftigung), um friedliche Entwicklung auch nachhaltig zu unterst\u00fctzen. Das mittlerweile 4. Mio. Iraker*Innen zur\u00fcckgekehrt sind, mache bereits deutlich, dass es aufw\u00e4rts gehe. Es brauche aber noch eine st\u00e4rkere Verkn\u00fcpfung von unterschiedlichen Ans\u00e4tzen wie kurzfristige Stabilisierung und langfristige Entwicklungszusammenarbeit. Dabei verwies Frau Gutierrez auf die Leitlinien der Bundesregierung \u201eKrisen verhindern, Konflikte bew\u00e4ltigen, Frieden f\u00f6rdern\u201c, deren Bekenntnis zu einer zuk\u00fcnftig verst\u00e4rkten Abstimmung der Ressorts in Krisenl\u00e4ndern sie ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dfte.      <\/p>\n\n<p>Kooperation im Umgang mit fragiler Staatlichkeit war auch f\u00fcr die anderen Podiumsteilnehmer zentral. Herr Brillisauer berichtete aus seiner Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Streitkr\u00e4ften in Westafrika und betonte die Bedeutung einer zivil-milit\u00e4rischen Kooperation bei der Ausbildung von Sicherheitskr\u00e4ften. Hier k\u00f6nnten durch ein gemeinsames Vorgehen nicht nur F\u00e4higkeiten, sondern auch Werte wie ein achtsamer Umgang mit der zivilen Bev\u00f6lkerung, vermittelt werden.  <\/p>\n\n<p>Aus der Perspektive der Wissenschaft hob Prof. Dr. Schetter hervor, dass der Kooperationsgedanke der Leitlinien auf deutscher und auf internationaler Ebene zuk\u00fcnftig weiterentwickelt werden m\u00fcsse. Leider sei aber das Vorgehen in der Praxis h\u00e4ufig noch zu \u201evers\u00e4ult\u201c \u2013 nicht zuletzt auf Ebene der Vereinten Nationen, wo trotz Reformanstrengungen die Abstimmung zwischen einzelnen Organen problematisch sei. Au\u00dferdem betonte Prof. Dr. Schetter, dass auch kritische Themen st\u00e4rker beleuchtet werden m\u00fcssten. Das westliche Konzept des Nationalstaats sei nicht \u00fcberall anwendbar. Am Beispiel Afghanistan zeige sich, dass die Unterst\u00fctzung von Rechtsstaatlichkeit durch die EZ nach westlich gepr\u00e4gtem Verst\u00e4ndnis nicht funktioniere, solange es keine zentrale Verwaltung, gemeinsame Identit\u00e4t oder demokratische Grundlagen g\u00e4be. Internationales Engagement m\u00fcsse den Blick noch st\u00e4rker \u00f6ffnen und auch lokale Regierungsformen f\u00f6rdern.     <\/p>\n\n<p>Im anschlie\u00dfenden Austausch mit den G\u00e4sten wurde kritisch diskutiert, welche Rolle die Entwicklungszusammenarbeit bei der Verhinderung von Fluchtursachen spielen kann und welche nicht, wo Grenzen einer zivil-milit\u00e4rischen Zusammenarbeit liegen und wie verhindert werden kann, dass die unterste Milliarde der Weltbev\u00f6lkerung, die gr\u00f6\u00dftenteils in fragilen L\u00e4ndern lebt, weiter abgeh\u00e4ngt wird.<\/p>\n\n<p>Die Veranstaltung war Teil der gemeinsamen Ringvorlesung \u201eDie Welt im Wandel\u201c des Forums Internationale Wissenschaft (Ressort Strategische Partnerschaften) der Universit\u00e4t Bonn, dem Liaison-Office der Stadt Bonn und der GIZ.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wird Entwicklungszusammenarbeit in fragilen Staaten f\u00fcr politische Zwecke instrumentalisiert? Oder ist EZ bereits inh\u00e4rent politisch, weil sie bestehende Machtverh\u00e4ltnisse festigt? Diese und andere provokante Fragen rund um das Thema fragile Staatlichkeit standen im Fokus der Abend-Veranstaltung \u201eFragile Staaten\u201c, die am 10. Dezember am Bonner Universit\u00e4tsforum stattfand. Es diskutierten Martha Gutierrez, Leiterin Abteilung Krisen- und Konfliktmanagement, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":5795,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1248],"autor":[],"blog-serie":[],"fokusthema":[],"organisation":[],"region":[],"thema_artikel":[681],"class_list":["post-6814","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-current-articles-en","thema_artikel-veranstaltung-en"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6814"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6814\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6815,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6814\/revisions\/6815"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6814"},{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=6814"},{"taxonomy":"blog-serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog-serie?post=6814"},{"taxonomy":"fokusthema","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/fokusthema?post=6814"},{"taxonomy":"organisation","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/organisation?post=6814"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=6814"},{"taxonomy":"thema_artikel","embeddable":true,"href":"https:\/\/frient.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/thema_artikel?post=6814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}