{"id":6824,"date":"2019-01-08T18:42:00","date_gmt":"2019-01-08T17:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/wenn-katastrophen-und-konflikte-kollidieren\/"},"modified":"2025-01-21T16:22:19","modified_gmt":"2025-01-21T15:22:19","slug":"wenn-katastrophen-und-konflikte-kollidieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/wenn-katastrophen-und-konflikte-kollidieren\/","title":{"rendered":"Wenn Katastrophen und Konflikte kollidieren"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u201eKatastrophen sind neutral und diskriminieren nicht\u201c, so der bisherige Tenor der internationalen Organisationen. Warum diese Aussage falsch ist, wurde im Juni in London im Rahmen einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung beim Overseas Development Institute (ODI) diskutiert. Die Veranstaltung war der Auftakt einer umfassenden GIZ\/BMZ Kooperation mit ODI unter dem Titel: \u201eWhen disasters and conflict collide: uncovering the truth\u201c.  <\/strong><\/p>\n\n<p>Katastrophen sind nicht nat\u00fcrlich und auch nicht konfliktneutral. Der Zyklon Nargis in Myanmar 2008, das Erdbeben in Haiti 2010, die akute D\u00fcrre in Somalia und die drohende Katastrophe der Rohingya-Fl\u00fcchtlinge im monsungef\u00e4hrdeten Gebiet in Bangladesch: All diese Katastrophen treffen auf einen fragilen Kontext. Es ist kein Zufall, dass 58 Prozent der durch Naturkatastrophen t\u00f6dlich verungl\u00fcckten Menschen (2004-2014) in einem der 30 fragilsten Staaten der Welt lebten. Denn es sind nicht nur nat\u00fcrliche Extremereignisse, die eine Katastrophe ausl\u00f6sen, sondern auch das Zusammenspiel von sozio\u00f6konomischen und politischen Risikofaktoren, wie z.B. eine hohe Verwundbarkeit infolge von geringer Anpassungsf\u00e4higkeit und mangelnden Bew\u00e4ltigungskapazit\u00e4ten.   <\/p>\n\n<p>Wenn die verwundbarsten Menschen im Fokus unserer Arbeit stehen und das Ziel von \u201eleave-no-one-behind\u201c ernst genommen wird, dann d\u00fcrfen wir Katastrophenrisikomanagement im fragilen Kontext nicht au\u00dfer Acht lassen. Sondern sollten uns der Herausforderung stellen, vorbeugende Ma\u00dfnahmen in mittel- bis langfristige Planungsprozesse zu integrieren und in Kombination mit konkreter Vorbereitung auf den Katastrophenfall konfliktsensibel und friedensf\u00f6rdernd zu gestalten. <\/p>\n\n<p>Gemeinsam mit ODI m\u00f6chte das GIZ Sektorprogramm Frieden und Sicherheit, Katastrophenrisikomanagement im Auftrag des BMZ eine Vorreiterrolle darin einnehmen, zu verstehen was passiert, wenn Naturkatastrophen und Konflikte aufeinandertreffen. Strategien, Ans\u00e4tze und Politiken im Nexus von Naturkatastrophen und Konflikten sollen so direkt mitgestaltet werden. Die GIZ m\u00f6chte die Implementierung des <em>Sendai Rahmenwerks zur Reduzierung von Katastrophenrisiken (SFDRR) 2015-2030<\/em> f\u00fcr Frieden und Sicherheit sensibilisieren und sich daf\u00fcr einsetzen, dass die Verbindung von Katastrophenrisiken und Konflikten mehr Ber\u00fccksichtigung in den internationalen Agenden findet.  <\/p>\n\n<p>Bisher wurden zwei regionale Reports zu Konflikten und Katastrophenrisiken in Asien und den afrikanisch-arabischen L\u00e4ndern ver\u00f6ffentlicht und auf den jeweiligen regionalen Konferenzen des B\u00fcros der Vereinten Nationen zur Reduzierung von Katastrophenrisiken (UNISDR) vorgestellt und diskutiert. Sowohl in der asiatischen als auch der afrikanisch-arabischen Region gibt es eine hohe \u00dcbereinstimmung von Todesf\u00e4llen und wirtschaftlichen Verlusten in Folge von Naturkatastrophen in fragilen L\u00e4ndern. Gewalt, Konflikt und Fragilit\u00e4t beeinflussen die Auswirkungen von Katastrophen und m\u00fcssen folglich Teil einer Debatte zur Reduzierung von Katastrophenrisiken sein.  <\/p>\n\n<p>Im Zuge der anstehenden UNISDR <em>Global Platform for disaster risk reduction<\/em> im Mai 2019 bieten sich M\u00f6glichkeiten, die Verbindung von Katastrophenrisiken und Konflikt, Gewalt und Fragilit\u00e4t sowohl besser zu untersuchen als auch in internationalen Prozessen und Strategien zu verankern. Die Plattform ist das globale Multi-Stakeholder Forum zur \u00dcberpr\u00fcfung der Fortschritte bei der Implementierung des Sendai Rahmenwerkes. <\/p>\n\n<p>Zurzeit werden Instrumente, Methoden und Ans\u00e4tze in vier L\u00e4ndern (Kolumbien, Libanon, Afghanistan und Tschadsee-Region) untersucht. Der finale \u201e<em>Flagship Report<\/em>\u201c, der die regionalen Erkenntnisse und L\u00e4nderstudien mit aufgreift, wird auf der <em>Global Platform<\/em> im Mai 2019 vorgestellt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKatastrophen sind neutral und diskriminieren nicht\u201c, so der bisherige Tenor der internationalen Organisationen. Warum diese Aussage falsch ist, wurde im Juni in London im Rahmen einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung beim Overseas Development Institute (ODI) diskutiert. 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