{"id":6846,"date":"2018-02-21T23:12:00","date_gmt":"2018-02-21T22:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/wirtschaft-und-frieden-wie-stehts-in-myanmar\/"},"modified":"2025-01-21T16:23:03","modified_gmt":"2025-01-21T15:23:03","slug":"wirtschaft-und-frieden-wie-stehts-in-myanmar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/wirtschaft-und-frieden-wie-stehts-in-myanmar\/","title":{"rendered":"Wirtschaft und Frieden \u2013 wie steht\u2019s in Myanmar?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u201eWe used to fear bullets. Now we fear bulldozers\u201c \u2013 so eine Aussage von Menschen aus Myanmar, die zu der heutigen Situation und den Auswirkungen der gro\u00dfen Infrastruktur- und Investitionsprojekte befragt wurden. Diese Aussage wirft einen Schatten auf die Annahme, durch Wirtschaftsf\u00f6rderung direkt eine Friedensdividende erzielen zu k\u00f6nnen. <\/strong><\/p>\n\n<p>Welche Ans\u00e4tze, aber auch welche Herausforderungen sich abzeichnen, um tats\u00e4chliche Friedenspotentiale durch die F\u00f6rderung des Privatsektors zu erzielen, wurde beim FriEnt-Fachgespr\u00e4ch \u201eWirtschaft und Frieden \u2013 wie steht\u2019s in Myanmar?\u201c am 7. Februar mit 25 Teilnehmenden aus staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen diskutiert. Welche Grundannahmen und Konzepte liegen der Privatwirtschaftsf\u00f6rderung und den Investitionen in Konfliktkontexten wie Myanmar zugrunde? Inwieweit k\u00f6nnen konfliktsensibles Handeln und die Beachtung sozialer und menschenrechtlicher Aspekte im Rahmen der Wirtschaftsf\u00f6rderung zu Konflikttransformation und Friedenskonsolidierung beitragen? Solche und \u00e4hnliche Fragen wurden insbesondere in Bezug auf Tourismus, Gro\u00dfprojekte und Investitionspartnerschaften diskutiert sowie mit Blick auf Gewerkschaftsarbeit hinterfragt.   <\/p>\n\n<p>Zwei einf\u00fchrende Vortr\u00e4ge stellten die aktuelle Situation in Myanmar vor. Sie erl\u00e4uterten Ansatzpunkte f\u00fcr friedens- und entwicklungsf\u00f6rdernde Wirtschaftsaktivit\u00e4ten und f\u00fchrten die relevanten Wirtschaftsakteure und den rechtlichen Rahmen ein. Dabei wurde deutlich, dass eine sogenannte \u201aFriedensdividende\u2018 nicht automatisch durch wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten und F\u00f6rderungen des Privatsektors zu erwarten ist. Myanmarische Eliten und ehemalige K\u00e4mpfer haben \u00fcber Waffenstillstandsabkommen Vorgriffsrechte auf Ressourcen ausgehandelt. Dieser so genannte \u201aCeasefire capitalism\u2018 sowie die Vormachtstellung ehemaliger Milit\u00e4rs und die damit verbundene Vetternwirtschaft haben der Bev\u00f6lkerung bisher vor allem Nachteile, Unsicherheit und Vertreibungen gebracht. Wirtschaftliches Handeln wird von vielen Menschen im Land nicht mit Sicherheit und Wohlstand f\u00fcr alle assoziiert, sondern steht eher f\u00fcr Bedrohung.     <\/p>\n\n<p>F\u00fcr die Entwicklungszusammenarbeit stellen sich viele Fragen neu, nicht zuletzt nach den kriegerischen Auseinandersetzungen im Rakhaing-Staat und der gewaltsamen Vertreibung der Rohingya. Dazu geh\u00f6rt zum einen die Frage, welche Projekte in welchen Bereichen und in welcher Form zu unterst\u00fctzen sind. Zum anderen stellt sich unter diesen Bedingungen die Frage nach der Ausgestaltung nachhaltiger Wirtschafts- und Privatsektorf\u00f6rderung. In den anschlie\u00dfenden Diskussionen wurde betont, in diesen Kontexten keine zu hohen Erwartungen zu transportieren und sich vielmehr um langfristige Ans\u00e4tze zu k\u00fcmmern. Um durch Wirtschaft eine Friedensdividende erzielen zu k\u00f6nnen, muss Wirtschaft eine Breitenwirksamkeit erzielen, die von der Bev\u00f6lkerung als positiv wahrgenommen wird. In der derzeitigen Situation sei das noch nicht erreicht und w\u00e4re ein weiter Weg, der nur in kleinen Schritten und mit hoher Konfliktsensibilit\u00e4t weiter gegangen werden k\u00f6nne.     <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWe used to fear bullets. Now we fear bulldozers\u201c \u2013 so eine Aussage von Menschen aus Myanmar, die zu der heutigen Situation und den Auswirkungen der gro\u00dfen Infrastruktur- und Investitionsprojekte befragt wurden. Diese Aussage wirft einen Schatten auf die Annahme, durch Wirtschaftsf\u00f6rderung direkt eine Friedensdividende erzielen zu k\u00f6nnen. 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