{"id":6848,"date":"2017-08-27T23:15:00","date_gmt":"2017-08-27T21:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/wo-bleiben-die-frauen\/"},"modified":"2025-01-21T16:23:29","modified_gmt":"2025-01-21T15:23:29","slug":"wo-bleiben-die-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/wo-bleiben-die-frauen\/","title":{"rendered":"Wo bleiben die Frauen?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Julia Kharashvili, Vorsitzende der georgischen Frauenorganisation \u201eIDP-Women Association \u201aConsent\u2018\u201c und Mitglied in der \u201eUN High Level Advisory Group\u201c zur Erarbeitung der \u201eGlobal Study on 1325\u201c, war im Juli 2017 f\u00fcr einen Austausch \u00fcber die Umsetzung der Resolution 1325 bei Brot f\u00fcr die Welt &#8211; Evangelischer Entwicklungsdienst zu Gast. Sie ging dabei auf die Dimensionen der Pr\u00e4vention, des Schutzes und der Erf\u00fcllung und Umsetzung von Resolution 1325 Verpflichtungen ein. <\/strong><\/p>\n\n<p>Auch wenn Resolutionen im Vergleich zu Konventionen rechtlich weniger bindend sind, stellten die Bekr\u00e4ftigung und Erneuerung von 1325 nach ihrem 15-j\u00e4hrigen Bestehen sowie die Erg\u00e4nzungen durch diverse Folgeresolutionen wichtige Meilensteine dar, die die Unterzeichnerstaaten im Rahmen von nationalen Aktionspl\u00e4nen sowie regionalen Vereinbarungen umsetzen wollten, so Julia Kharashvili. Die Resolution richte sich jedoch nicht nur an Staaten. Auch zivilgesellschaftliche Akteure aus anderen Bereichen und Politikfeldern sollten die Dimensionen der Frauen-Frieden-Sicherheitsagenda kennen und die Anliegen von Frauen in ihrem jeweiligen Handlungsfeld reflektieren, denn nur gemeinsam k\u00f6nne man die Ziele der Resolution erreichen.  <\/p>\n\n<p>Frau Kharashvili wies darauf hin, dass insbesondere vertriebene, gefl\u00fcchtete und von Gewalt betroffene Frauen viel st\u00e4rker an Entscheidungen und Prozessen im Bereich Frieden und Sicherheit beteiligt und ihre spezifischen Bed\u00fcrfnisse st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssten. Die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen und M\u00e4dchen m\u00fcsse vorangetrieben werden. Dazu geh\u00f6re der Kampf gegen h\u00e4usliche Gewalt genauso wie der Kampf gegen geschlechtsbasierte Gewalt als Kriegswaffe. Weiterhin bed\u00fcrfe es bei der Pr\u00e4vention erneuter Gewalt der Entwicklung gender-sensitiver Fr\u00fchwarnindikatoren   <\/p>\n\n<p>Im Bereich Schutz sind sowohl Herausforderungen im Gesundheits- und Bildungsbereich, als auch in den Bereichen h\u00e4usliche Gewalt, M\u00e4dchenhandel usw. zu bew\u00e4ltigen. Ferner m\u00fcssten Frauen, die sich in konfliktbeladenen Kontexten f\u00fcr Gewalt\u00fcberwindung und Frieden einsetzten gr\u00f6\u00dfere politische Aufmerksamkeit und Anerkennung erfahren sowie praktisch und politisch unterst\u00fctzt und gesch\u00fctzt werden: Friedensstifterinnen seien zu wenig bekannt und w\u00fcrden durch die internationalen Rahmenrichtlinien und Leitlinien f\u00fcr Menschenrechtsverteidiger\/innen nicht ausreichend erfasst und damit zu wenig gesch\u00fctzt. <\/p>\n\n<p>In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurde deutlich, dass die Resolution 1325 einen breiten Rahmen bietet, auf den sich Programme der Entwicklungszusammenarbeit und der Humanit\u00e4ren Hilfe systematisch beziehen k\u00f6nnen. So k\u00f6nnte im Zuge von Stabilisierungs- und Wiederaufbauma\u00dfnahmen in Postkonfliktkontexten explizit auf die Belange von von Gewalt betroffener Frauen und M\u00e4dchen eingegangen werden. Um Frauen und M\u00e4dchen darauf vorzubereiten, an entscheidenden Friedensverhandlungen und Prozessen mitzuwirken und \u00f6ffentliche Positionen vertreten zu k\u00f6nnen, sind Traumaarbeit, psychosoziale Unterst\u00fctzung aber auch Aus- und Fortbildungsma\u00dfnahmen, Bewusstseinsst\u00e4rkung und Qualifizierung von gro\u00dfer Relevanz.  <\/p>\n\n<p>Die \u00f6konomische St\u00e4rkung von Frauen und die F\u00f6rderung ihrer wirtschaftlichen Eigenst\u00e4ndigkeit k\u00f6nnten ihre gesellschaftliche Stellung und ihre Einflussm\u00f6glichkeiten verbessern und st\u00e4rken, betonte Frau Kharashvili. Dies sei ohne langfristige und gezielte Unterst\u00fctzung jedoch kaum m\u00f6glich und erfordere ein sehr strategisches und konfliktsensibles Vorgehen, um die betroffenen Frauen nicht zus\u00e4tzlichen Risiken und erh\u00f6htem Druck auszusetzen. <\/p>\n\n<p>Denn diejenigen, die sich f\u00fcr einen Wandel in ihrer Gesellschaft einsetzen, wirkten damit auch auf eine Ver\u00e4nderung der inneren Machtkonstellationen hin, was mit nicht unerheblichen Risiken verbunden sei. Widerstand und dadurch zunehmende Konflikte m\u00fcssten konstruktiv bearbeitet werden. Eine Voraussetzung daf\u00fcr sei die Etablierung von Mechanismen der Konfliktbearbeitung und legitimer Governance-Strukturen.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Julia Kharashvili, Vorsitzende der georgischen Frauenorganisation \u201eIDP-Women Association \u201aConsent\u2018\u201c und Mitglied in der \u201eUN High Level Advisory Group\u201c zur Erarbeitung der \u201eGlobal Study on 1325\u201c, war im Juli 2017 f\u00fcr einen Austausch \u00fcber die Umsetzung der Resolution 1325 bei Brot f\u00fcr die Welt &#8211; Evangelischer Entwicklungsdienst zu Gast. 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