{"id":6852,"date":"2017-07-05T23:26:00","date_gmt":"2017-07-05T21:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/rundtisch-zu-frauen-frieden-und-sicherheit-im-suedkaukasus\/"},"modified":"2025-01-21T16:23:31","modified_gmt":"2025-01-21T15:23:31","slug":"rundtisch-zu-frauen-frieden-und-sicherheit-im-suedkaukasus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/rundtisch-zu-frauen-frieden-und-sicherheit-im-suedkaukasus\/","title":{"rendered":"Rundtisch zu Frauen Frieden und Sicherheit im S\u00fcdkaukasus"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Mit dem Ziel die seit Jahren eingefahrenen Konflikte in der Region S\u00fcdkaukasus entsch\u00e4rfen zu k\u00f6nnen, ist im Juli 2017 ein Runder Tisch zusammen gekommen. Mitglieder von FriEnt arbeiteten gemeinsam an der Konzeption neuer Ans\u00e4tze entwicklungspolitischer Friedensarbeit. Besonders im Fokus stand die &#8220;Global Study on 1325&#8221;, die die Entwicklung gendersensitiver Indikatoren zur Pr\u00e4vention wie auch zur Fr\u00fchwarnung vor erneuter Gewalt f\u00f6rdert.  <\/strong><\/p>\n\n<p>Gegen\u00fcber den \u201agro\u00dfen Krisen\u2018, wie etwa Syrien und Ukraine, ger\u00e4t der S\u00fcdkaukasus immer wieder in den Hintergrund und hat auf der internationalen Agenda sowie in der Aufmerksamkeit des internationalen Friedensengagements keine Priorit\u00e4t. Dabei sind die Spannungen um den als \u201aeingefrorenen Konflikt\u2018 bezeichneten Streit um Nagorny-Karabach zwischen Armenien und Aserbaidschan seit der Eskalation an den Grenz-und Kontaktlinien im vergangenen Jahr so hoch wie seit dem Krieg 1994 nicht mehr. Ein besonderes Augenmerk sollte hier auf Pr\u00e4vention von Gewalt und Verhinderung erneuter milit\u00e4rischer Eskalationen liegen. Aber die eingerichteten internationalen Verhandlungsformate zur Konfliktbearbeitung, wie die Minsk-Gruppe zum Karabach Konflikt und auch die Genfer Gespr\u00e4che zum Georgien-Abchasien- bzw. S\u00fcdossetien-Konflikt, stehen vor wiederkehrenden Herausforderungen. Es k\u00f6nnen bisher keine oder nur sehr geringe Erfolge in der L\u00f6sung dieser Konflikte verzeichnet werden.    <\/p>\n\n<p>Vor diesem Hintergrund trafen sich die Mitglieder des FriEnt-Rundtisch S\u00fcdkaukasus am 04. Juli 2017 erneut, um sich \u00fcber Ans\u00e4tze der entwicklungspolitischen Friedensarbeit und Erfahrungen zur Frauen- Frieden- Sicherheitsagenda auszutauschen. Die Teilnehmenden stellten Arbeitsschwerpunkte der eigenen Organisationen und Netzwerke dar und diskutierten Perspektiven der entwicklungs- und friedenspolitischen Zusammenarbeit in der Region. Die vorgestellten zivilgesellschaftlichen Ans\u00e4tze reichten dabei von Trainingsangeboten und Ausbildungsmodulen im Bereich der Konfliktbearbeitung f\u00fcr lokale MultiplikatorInnen und einer grenz\u00fcberschreitenden Dialog- und Vergangenheitsarbeit, \u00fcber die finanzielle Unterst\u00fctzung, Beratung und Ausbildung f\u00fcr lokale zivilgesellschaftliche Partner bis hin zu Stipendienprogrammen f\u00fcr junge Menschen aus der Region.  <\/p>\n\n<p>In der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit werden die regionalen Initiativen des Bundesministeriums f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in verschiedenen Sektoren umgesetzt und damit unter anderem die Unterst\u00fctzung grenz\u00fcberschreitender Kooperationen im Naturschutz- und Energiesektor, die F\u00f6rderung von lokalen Verwaltungsstrukturen und Dezentralisierung fortgesetzt. Aus Mitteln des Ausw\u00e4rtigen Amts werden unter anderem weiterhin \u00fcber das ZIVIK-Programm zivilgesellschaftliche Initiativen vor Ort und \u00fcber das ZIF die Vorbereitung und Vermittlung von Fachpersonal in die Beobachtermission der Europ\u00e4ischen Union (EUMM) in Georgien unterst\u00fctzt. Im anschlie\u00dfenden Austausch wurde deutlich, das Ans\u00e4tze und Zug\u00e4nge sehr unterschiedliche Handlungsoptionen mit sich bringen und Synergien m\u00f6glicherweise st\u00e4rker in den Blick zu nehmen w\u00e4ren. Dabei tauchte auch die Frage nach Effektivit\u00e4t breit angelegter Entwicklungsprogramme, Fokussierung auf Sektoren, Konfliktsensibilit\u00e4t und Wirksamkeit der Arbeit im Sinne von Friedensf\u00f6rderung und Konflikttransformation auf.   <\/p>\n\n<p>Im weiteren Gespr\u00e4ch teilte Frau Julia Kharashvili, Vorsitzende der georgischen Frauenorganisation \u201eIDP-Women Association \u201aConsent\u2018\u201c aus Tiflis und Mitglied in der \u201eUN-High Level Advisory Group\u201c, die die Erarbeitung der \u201eGlobal Study on 1325\u201c beraten und begleitet hat, ihre Arbeitserfahrungen unter anderem mit der Umsetzung der Resolution 1325 und der Erarbeitung eines Nationalen Aktionsplanes 1325 in Georgien. Frau Kharashvili hob dabei heraus, dass durch die Resolution 1325 und deren Umsetzung wesentliche Bereiche der Friedensarbeit zu Pr\u00e4vention und \u00dcberwindung von Gewalt, Schutz ziviler Bev\u00f6lkerung, zur F\u00f6rderung friedensf\u00e4higer Gesellschaften und sozio\u00f6konomischer Entwicklung abgedeckt werden: So trage die Entwicklung gendersensitiver Indikatoren zur Pr\u00e4vention wie auch zur Fr\u00fchwarnung vor erneuter Gewalt bei. Auch zum Thema \u201aSchutz\u2018 und zu \u201aPartizipation\u2018 biete die Resolution 1325 viel Verbesserung f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen.  <\/p>\n\n<p>Im Bereich Wiederaufbau und der sozio\u00f6konomischen Reintegration in Nachkriegskontexten sei den Bedarfen der Frauen besonders Rechnung zu tragen. In Bezug auf erkennbare L\u00fccken in der Umsetzung wies sie darauf hin, dass weiblichen Friedensstifterinnen noch nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet w\u00fcrde und ihr Schutz \u00fcber die Leitlinien zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger\/innen formal noch nicht ausreichend gew\u00e4hrleistet sei. Dieser internationale Schutz m\u00fcsse ausgebaut und speziell f\u00fcr \u201aWomen peacebuilders\u2018 weiterentwickelt werden.  <\/p>\n\n<p>Im georgischen Kontext sei weiterhin zu vermerken, dass Frauen an den hochrangigen Verhandlungsformaten keinen Platz haben. Auch f\u00fcr die Beobachtung der Vorf\u00e4lle und Entwicklungen an den Kontaktlinien Georgiens zu den Konfliktregionen S\u00fcdossetien und Abchasien sei die Beteiligung von Frauen nicht ausreichend gew\u00e4hrleistet. Besonders problematisch sei hier zudem, dass von abchasischer wie auch s\u00fcdossetischer Seite keine zivilgesellschaftliche Beobachtung und Teilhabe m\u00f6glich sei.  <\/p>\n\n<p>Ferner fehle es in der Umsetzung der Resolution 1325 in Georgien noch an Instrumenten und Mitteln zur Traumaarbeit, Vergangenheitsarbeit und Vers\u00f6hnung. Der Bedarf daran zeige sich erst jetzt, mehr als 20 Jahre nach dem B\u00fcrgerkrieg, denn die Mehrzahl der betroffenen Frauen k\u00f6nne nun erst anfangen, \u00fcber die Vergangenheit zu sprechen und das Erlebte aufzuarbeiten. Hier w\u00e4re ein wichtiger Ansatzpunkt, der gemeinsam mit lokalen Friedensstifterinnen auf- und auszubauen w\u00e4re.  <\/p>\n\n<p>F\u00fcr die Weiterarbeit im Rahmen des FriEnt-Rundtisches wurden verschiedene Themen benannt:<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>regionale Entwicklungsans\u00e4tze: ihr Beitrag zu Pr\u00e4vention, Konflikttransformation und Frieden, ihre Wirkung auf die lokalen Konfliktkontexte;<\/li>\n\n\n\n<li>wirtschaftliche Entwicklung und Friedenspotentiale: Grundannahmen und Wechselwirkungen;<\/li>\n\n\n\n<li>Migration als Motor f\u00fcr Entwicklung und Frieden und die Rolle der Diaspora;<\/li>\n\n\n\n<li>Vergangenheitsarbeit und Friedensf\u00f6rderung.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Ziel die seit Jahren eingefahrenen Konflikte in der Region S\u00fcdkaukasus entsch\u00e4rfen zu k\u00f6nnen, ist im Juli 2017 ein Runder Tisch zusammen gekommen. 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