{"id":6860,"date":"2016-05-31T23:46:00","date_gmt":"2016-05-31T21:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/umsetzung-der-sdgs-in-deutschland\/"},"modified":"2025-01-21T16:23:32","modified_gmt":"2025-01-21T15:23:32","slug":"umsetzung-der-sdgs-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/umsetzung-der-sdgs-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Umsetzung der SDGs in Deutschland"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>W\u00e4hrend der internationalen Konferenz <\/strong><a href=\"http:\/\/www.iisd.ca\/sdgs\/jump-starting-germany\/html\/enbplus208num15e.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eJump-Starting the SDGs in Germany\u201c<\/a><strong> in Mai 2016, diskutierten \u00fcber 300 ExpertInnen aus aller Welt , wie die <\/strong><a href=\"https:\/\/www.frient.de\/?id=130\">Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der 2030 Agenda<\/a><strong> von Deutschland umzusetzen seien. Der Fokus lag dabei prim\u00e4r auf landwirtschaftlichen Produktions- sowie Ern\u00e4hrungs- und Konsummustern. FriEnts Konferenzbeitrag thematisierte vor allem die Umsetzung der SDGs im Rahmen von Multi-Akteurs-Prozessen.  <\/strong><\/p>\n\n<p>Von 2. bis 4. Mai hatten das Institute vor Advanced Sustainability Studies (IASS) und das Ministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) zur internationalen Konferenz<a href=\"http:\/\/www.iisd.ca\/sdgs\/jump-starting-germany\/html\/enbplus208num15e.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>\u201eJump-Starting the SDGs in Germany\u201c<\/strong> <\/a>nach Berlin eingeladen. Mehr als 300 ExpertInnen aus aller Welt diskutierten, wie die <a href=\"https:\/\/www.frient.de\/?id=130\"><strong>Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der 2030 Agenda<\/strong><\/a> von Deutschland umzusetzen seien. Der Fokus lag dabei prim\u00e4r auf landwirtschaftlichen Produktions- sowie Ern\u00e4hrungs- und Konsummustern. Gerade f\u00fcr ein Export- und Konsumland wie Deutschland sind diese Themen sowohl f\u00fcr nachhaltige Entwicklung in Deutschland als auch in Hinblick auf die Auswirkungen auf friedliche und nachhaltige Entwicklung in anderen L\u00e4ndern von besonderer Bedeutung.   <\/p>\n\n<p>FriEnt ist gebeten worden, einen Konferenz-Input zur Umsetzung der SDGs im Rahmen von Multi-Akteurs-Prozessen beizutragen und der Frage nachzugehen, was aus der Umsetzung internationaler Rahmenrichtlinien wie der <a href=\"http:\/\/www.fao.org\/nr\/tenure\/voluntary-guidelines\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>\u201eVoluntary Guidelines for the Responsible Governance of Tenure of Land, Fisheries and Forests&#8221; (VGGT)<\/strong><\/a> gelernt werden kann. Besonderes Augenmerk lag dabei auch auf der Frage, in wie weit diese internationalen Rahmenwerke die Teilhabe der Zivilgesellschaft (ZG) erh\u00f6ht haben und was daraus f\u00fcr Multi-Akteurs-Partnerschaften im Rahmen der 2030 Agenda gelernt werden kann. <\/p>\n\n<p><strong>April 5, 2016<\/strong><\/p>\n\n<p>Die VGGT basieren auf den internationalen Menschenrechts-Verpflichtungen f\u00fcr Staaten und Unternehmen und r\u00e4umen der ZG eine zentrale Rolle ein. Transparenz bei Politik- und Projektentwicklung, Information sowie gleichberechtigte Partizipation von ZG und Betroffenen, Teilhabe an Planungen, Mitbestimmung und Einflussm\u00f6glichkeiten auf Entscheidungsprozesse stehen dabei im Mittelpunkt. Um dies zu gew\u00e4hrleisten, sollen bei der Umsetzung der VGGT in den jeweiligen L\u00e4ndern sogenannte \u201eMultistakeholder-Prozesse\u201c angesto\u00dfen werden und Plattformen entstehen, die eine gleichberechtigte Teilhabe aller Akteure und Dialoge zwischen Regierung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft erm\u00f6glichen.  <\/p>\n\n<p>Aus der Perspektive entwicklungspolitischer Friedensarbeit und unter Ber\u00fccksichtigung von Lernerfahrungen aus dem Umgang mit fragilen Kontexten sind verschiedene Trends und Faktoren erkennbar:<\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die verschiedenen Akteure, die sich in den Multiakteurs-Formaten wiederfinden, haben de facto sehr unterschiedliche Einflussm\u00f6glichkeiten sowie Zugang zu Entscheidungstr\u00e4gern, Rechtsprechung und Macht. Diese Machtasymmetrie setzt sich in den Multistakeholder-Formaten fort. <\/li>\n\n\n\n<li>Der globale Trend der sich verengenden R\u00e4ume f\u00fcr ZG trifft besonders die Akteure, die sich zu politisch sensiblen Themen und menschenrechtlichen Fragen positionieren, zu denen Land und die Kontrolle \u00fcber nat\u00fcrliche Ressourcen immer geh\u00f6ren.<\/li>\n\n\n\n<li>Eigenst\u00e4ndige zivilgesellschaftliche Akteure sehen sich mit einem systematischen Informationsdefizit sowie einem Defizit an menschlicher Sicherheit konfrontiert.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Risiko der Instrumentalisierung von Zivilgesellschaft durch Machteliten ist gro\u00df. Regierungsnahe und von Eliten abh\u00e4ngige Akteuren, sogenannte \u201eGovernmental Non-governmental Organisations\u201c (GoNGOs), spielen m\u00f6glicherweise in Multistakeholder-Formaten unbemerkt eine wichtige Rolle und erf\u00fcllen eine Alibifunktion. <\/li>\n\n\n\n<li>Zivilgesellschaft ist kein monolithischer Block, sondern ein Spiegelbild ihrer jeweiligen Gesellschaften und deren unterschiedlicher Str\u00f6mungen, Gruppierungen, Interessen und Traditionen.<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht nur in von Krieg und Konflikten gespaltenen Gesellschaften, sondern beinahe \u00fcberall stehen sich Interessen unterschiedlichen Gruppierungen auch gegens\u00e4tzlich gegen\u00fcber und stehen in Konflikt miteinander. Dies tr\u00e4gt dort zu positivem Wandel bei, wo Mechanismen vorhanden sind, die eine gewaltfreie Auseinandersetzung der Konfliktparteien und Konfliktl\u00f6sung erm\u00f6glichen. <\/li>\n<\/ul>\n\n<p><strong>Was muss bei der Etablierung von Multi-Akteurs-Formaten beachtet werden?<\/strong><\/p>\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Kontextspezifisches Vorgehen und Schutz f\u00fcr MenschenrechtsverteidigerInnen und andere zivilgesellschaftliche Akteure m\u00fcssen, um Partizipation zu erm\u00f6glichen, h\u00f6chste Priorit\u00e4t haben: Vor allem in fragilen\/autorit\u00e4ren\/repressiven Kontexten wird unabh\u00e4ngige ZG systematisch eingeschr\u00e4nkt. Scheinpartizipation einerseits und Gef\u00e4hrdung der zivilgesellschaftlichen Akteure andererseits sind die Folge. Multistakeholder-Formate d\u00fcrfen dies nicht f\u00f6rdern.  <\/li>\n\n\n\n<li>Multistakeholder-Formate gut vorbereiten: Das Misstrauen gegen\u00fcber staatlichen Stellen und Sicherheitskr\u00e4ften ist vielfach gro\u00df, sodass eine Zusammenarbeit nicht unmittelbar erfolgen kann. Zusammenarbeit zwischen Staat und ZG erfordert daher viel Zeit, kleine Schritte des Aufbaus von Vertrauen in Zusammenarbeit, Schutz von zivilgesellschaftlichen Akteuren und systematische Arbeit in verschiedenen Politikfeldern, um Repression und autorit\u00e4ren Regierungsstil abzubauen und Teilhabe an wichtigen politischen Prozessen zuzulassen. <\/li>\n\n\n\n<li>Management nat\u00fcrlicher Ressourcen mit Friedensf\u00f6rderung und Governance verbinden: Fragen der partizipativen Verwaltung nat\u00fcrlicher Ressourcen k\u00f6nnen mit Staaten umgesetzt werden, die den politischen Willen zu echter Partizipation zeigen, Kritik zulassen und \u00fcber eine lebendige und eigenst\u00e4ndige ZG verf\u00fcgen. Auch andere internationale Prozesse wie der \u201eNew Deal for Engagement in Fragile States\u201c sollten genutzt werden, um Landpolitik in den darin vereinbarten nationalen Friedens- und Staatsbildungsbedarfen zu diskutieren und multisektoral zu bearbeiten. Friedensf\u00f6rderer, Governance-, Menschenrechts- und LandexpertInnen m\u00fcssen hier eng zusammenarbeiten.  <\/li>\n\n\n\n<li>Kreative Formen f\u00fcr Partizipation entwickeln, um Missbrauch zu verhindern: Partizipation und Information hier\u00fcber kann missbraucht werden. So k\u00f6nnen beispielsweise Details \u00fcber Ansiedlungen und Nutzungsformen indigener Territorien zur Entwicklung von gro\u00dfen Investmentprojekten ohne weitere Beteiligung der Betroffenen missbraucht werden. Partizipation erfordert unterschiedliche Formate, um unabh\u00e4ngige Einflussnahme auch langfristig sicherzustellen.  <\/li>\n\n\n\n<li>Mit Konflikten konstruktiv umgehen und f\u00fcr gewaltfreie Bearbeitbarkeit sorgen: Es gibt nicht nur ein Interesse zivilgesellschaftlicher Akteure. Interessen sind divers und bilden die Lage der Betroffenen ab. Mit dieser Diversit\u00e4t ist konstruktiv umzugehen. Es ist ein Do no Harm-Ansatz zu verfolgen, mit dem das Risiko negativer Folgewirkungen minimiert wird.   <\/li>\n\n\n\n<li>Transformation braucht Zeit und langfristiges Engagement: Es muss ausreichend Zeit f\u00fcr die Informationsvermittlung zu den Multiakteurs-Prozessen einger\u00e4umt werden, sodass Know-how und Beteiligungsm\u00f6glichkeiten auch f\u00fcr zivilgesellschaftliche Akteure in abgelegenen l\u00e4ndlichen Gebieten sowie f\u00fcr andere marginalisierte Gruppen zug\u00e4nglich werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n<p>Zur\u00fcck zu den SDGs und der Bedeutung der genannten Punkte f\u00fcr die deutsche Politik: \u201eLeaving no one behind\u201c ist das gro\u00dfe Versprechen der Nachhaltigkeitsagenda \u2013 wie der Umgang mit unterschiedlichen Bev\u00f6lkerungsgruppen und die Beteiligung von ZG am Beispiel der VGGT zeigt, ist hier noch ein weiter Weg zu gehen. Zeitrahmen aber auch Vorgehensweise und politischer Kontext spielen f\u00fcr den Erfolg eine entscheidende Rolle. So sind bei der Frage nach verantwortungsvoller Verwaltung der nat\u00fcrlichen Ressourcen die Ungleichheit vor Ort, fehlende Gleichberechtigung der Geschlechter, die Marginalisierung bestimmter Gruppen, mangelnde Information und M\u00f6glichkeit der Mitbestimmung zentrale Hemmnisse, die es zu \u00fcberwinden gilt. Das Ziel inklusiver Gesellschaften und der Reduzierung von \u00f6konomischen und sozialen Ungleichheiten (SDG 10) spielt im Bereich der nat\u00fcrlichen Ressourcen eine wichtige Rolle. Die Chance w\u00e4re hier, Regierungen zu Ver\u00e4nderung und Reform ihrer Land- und Ressourcenpolitik in Richtung pro-poor, Inklusion sozial Benachteiligter und gleichberechtigter Teilhabe von Frauen aufzufordern.    <\/p>\n\n<p>Dort wo sich Interessengegens\u00e4tze gegen\u00fcberstehen muss auf die M\u00f6glichkeiten einer gewaltfreien Bearbeitung dieser Konflikte aktiv hingearbeitet werden \u2013 was allerdings vor allem vor dem Hintergrund von Korruption, autorit\u00e4ren Regierungen und interessengeleiteten Politiken sowie h\u00e4ufig einer fehlenden unabh\u00e4ngigen Justiz f\u00fcr alle Akteure eine gro\u00dfe Herausforderung darstellt. Dar\u00fcber hinaus sollte nicht nur die deutsche Entwicklungs-, sondern auch die Au\u00dfen-, Wirtschafts-, Rohstoff- und Handelspolitik im Rahmen der SDG-Debatte auf ihre Auswirkungen auf zivilgesellschaftliche Handlungsspielr\u00e4ume, Menschenrechte und Frieden in den Partnerl\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens hin \u00fcberpr\u00fcft werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der internationalen Konferenz \u201eJump-Starting the SDGs in Germany\u201c in Mai 2016, diskutierten \u00fcber 300 ExpertInnen aus aller Welt , wie die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der 2030 Agenda von Deutschland umzusetzen seien. Der Fokus lag dabei prim\u00e4r auf landwirtschaftlichen Produktions- sowie Ern\u00e4hrungs- und Konsummustern. 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