{"id":6868,"date":"2013-03-19T05:41:00","date_gmt":"2013-03-19T04:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/nagorny-karabach-konflikt-lokale-perspektiven-einbeziehen\/"},"modified":"2025-01-21T16:23:35","modified_gmt":"2025-01-21T15:23:35","slug":"nagorny-karabach-konflikt-lokale-perspektiven-einbeziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/nagorny-karabach-konflikt-lokale-perspektiven-einbeziehen\/","title":{"rendered":"Nagorny Karabach Konflikt: Lokale Perspektiven einbeziehen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Im S\u00fcdkaukasus w\u00e4chst die Sorge vor einer weiteren Konflikteskalation in Nagorny Karabach. Die milit\u00e4rischen Vorf\u00e4lle im Grenzbereich zwischen Aserbaidschan und Armenien sowie zwischen der Konfliktregion und Aserbaidschan nahmen bereits im vergangenen Jahr besorgniserregende Ausma\u00dfe an. Die Friedensverhandlungen stagnieren und die Bem\u00fchungen von au\u00dfen haben bisher nicht zu einer L\u00f6sung des Konfliktes f\u00fchren k\u00f6nnen.  <\/strong><\/p>\n\n<p>Vor diesem Hintergrund standen am 20. Februar aktuelle Herausforderungen und Potentiale f\u00fcr Friedensf\u00f6rderung und Krisenpr\u00e4vention in der Region ein weiteres Mal im Mittelpunkt des FriEnt-Rundtischs S\u00fcdkaukasus. Zu Gast war Craig Oliphant von der britischen NRO Saferworld. Er pr\u00e4sentierte die Ergebnisse einer Studie zu den Perspektiven und Sicherheitsbed\u00fcrfnissen der betroffenen Menschen in den Grenzregionen und leitete daraus Empfehlungen f\u00fcr Politik und Praxis ab.  <\/p>\n\n<p>Die Ergebnisse der Studie zeigen: Die Sicherheitsbed\u00fcrfnisse und darauf bezogenen Friedensperspektiven der lokalen Bev\u00f6lkerung unterscheiden sich je nach spezifischem Kontext vor Ort: Die Situation an der umstrittenen de facto Grenzlinie zwischen Aserbaidschan und Nagorny Karabach ist gepr\u00e4gt durch starke Militarisierung auf beiden Seiten. Die Bev\u00f6lkerung, die fast ausschlie\u00dflich auf aserbaidschanischer Seite dieser Grenze inmitten v\u00f6lkerrechtlich anerkanntem aserbaidschanischem Territorium lebt, sieht sich einer kontinuierlichen Bedrohung ausgesetzt. Dahingegen ist die nationale Grenze zwischen Armenien und Aserbaidschan beidseitig von Zivilbev\u00f6lkerung bewohnt. Auch wenn die Grenze ebenfalls geschlossen und milit\u00e4risch scharf bewacht ist, ist die Situation hier weniger angespannt. Hier lie\u00dfen sich eher Ans\u00e4tze im gegenseitigen Interesse entwickeln. Jedoch finden die Grenzregionen allgemein wenig Aufmerksamkeit, so dass allen gemeinsam das Gef\u00fchl der Isolation und Hoffnungslosigkeit ist.     <\/p>\n\n<p>Ein externes Engagement in den Grenzregionen sollte den Zusammenhang zwischen Sicherheit und Entwicklung im Blick haben. Wichtig w\u00e4ren einerseits Minenr\u00e4umprogramme oder die Entsendung unabh\u00e4ngiger Beobachter, um Grenzvorf\u00e4lle zu dokumentieren. Anderseits kommen auch vertrauensbildenden Ma\u00dfnahmen in der akuten Lage ein besonderer Stellenwert zu, um die Verunsicherungen und lebensbedrohlichen Situationen einzugrenzen und Spannungen abzubauen. So sind Programme, die die Existenzgrundlagen in den grenznahen Gebieten sichern, und das Wassermanagement und die Nutzung der grenznahen Weidegr\u00fcnde regeln, von Bedeutung. An lokale Bed\u00fcrfnisse angepasste Ma\u00dfnahmen auf Gemeindeebene bieten einen geeigneten Einstieg. Langfristig sollten vertrauensbildende Ma\u00dfnahmen auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Lokale Perspektiven m\u00fcssen in die Ausgestaltung dieser Ma\u00dfnahmen, die vornehmlich auf einen Wandel von \u00dcberzeugungen und Verhalten abzielen, einbezogen werden.      <\/p>\n\n<p>Der fehlende politische Wille zur Konfliktl\u00f6sung stellt eine massive Herausforderung f\u00fcr die Friedensarbeit in der Region dar. Friedenspotentiale auf Graswurzel und mittlerer gesellschaftlicher Ebene sind vorhanden, stehen jedoch nicht in Verbindung mit den Verhandlungsprozessen, die ausschlie\u00dflich auf h\u00f6chster Ebene stattfinden. Eine weitere Herausforderung sind die sehr ungleichen Rahmenbedingungen und Verh\u00e4ltnisse in den L\u00e4ndern, beispielsweise in Hinblick auf Vertriebene, die in Aserbaidschan in die N\u00e4he der Grenzen umgesiedelt wurden. Im Vorfeld der Wahlen in Armenien und der Pr\u00e4sidentschaftswahlen in Aserbaidschan im Herbst 2013 ist das Risiko politischer Vereinnahmung von zivilgesellschaftlichen Friedensbem\u00fchungen besonders hoch.   <\/p>\n\n<p>Friedensbem\u00fchungen und vertrauensbildende Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen grunds\u00e4tzlich auf allen gesellschaftlichen Ebenen unterst\u00fctzt und initiiert werden. In Situationen in denen auf h\u00f6chster Ebene der politische Wille fehlt, sollte sich die Unterst\u00fctzung auf lokale, auf Graswurzelebene stattfindende Friedensbem\u00fchungen konzentrieren. Diese h\u00e4tten das Potential, in andere gesellschaftliche Ebenen direkt einzuwirken: So k\u00f6nnen in Zeiten umfassender Transformationsprozesse \u2013 dies zeigen auch Erfahrungen aus Georgien\/Abchasien \u2013 junge F\u00fchrungskr\u00e4fte aus Graswurzelebene \u00fcber zivilge-sellschaftliches Engagement in k\u00fcrzester Zeit in h\u00f6chste politische \u00c4mter kommen.  <\/p>\n\n<p>Eine gro\u00dfe Herausforderung bleibt die Frage nach M\u00f6glichkeiten des Engagements in und mit nicht anerkannten Territorien. F\u00fcr eine nachhaltige Friedensentwicklung k\u00f6nnen die Konfliktregionen nicht ausgeschlossen bleiben und es sollte nach kreativen Wegen im Um-gang mit den Betroffenen gesucht werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im S\u00fcdkaukasus w\u00e4chst die Sorge vor einer weiteren Konflikteskalation in Nagorny Karabach. 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