{"id":9164,"date":"2019-11-29T21:01:00","date_gmt":"2019-11-29T20:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/europe-sustainable-development-report-2019\/"},"modified":"2024-12-10T16:32:43","modified_gmt":"2024-12-10T15:32:43","slug":"europe-sustainable-development-report-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/europe-sustainable-development-report-2019\/","title":{"rendered":"Europe Sustainable Development Report 2019"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>W\u00e4hrend die neue Europ\u00e4ische Kommission momentan den Europ\u00e4ischen Green Deal vorbereitet, kommt der erste Europe Sustainable Development Report 2019 zu einem entscheidenden Zeitpunkt, um das Abschneiden der Europ\u00e4ischen Union (EU) und jedes einzelnen Mitgliedstaats beim Erreichen der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) zu vergleichen und ihre wichtigsten wirtschaftlichen, sozialen und \u00f6kologischen Herausforderungen zu beleuchten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die 17 SDGs, die weltweit von allen 193 UN-Mitgliedstaaten vereinbart wurden, rufen alle Nationen auf, wirtschaftlichen Wohlstand, soziale Integration und \u00f6kologische Nachhaltigkeit zu verbinden. Laut dem von der Bertelsmann Stiftung und dem deutschen Sustainable Development Solutions Network erstellten SDG-Index 2019 sind alle zehn L\u00e4nder, die der Erreichung der SDGs am n\u00e4chsten kommen, in der EU. Jedoch ist bisher kein EU-Mitgliedstaat auf dem Weg, die Ziele bis 2030 auch tats\u00e4chlich zu erreichen, wie der EU SDG Index und die im Bericht beigef\u00fcgten Dashboards zeigen. Zu den L\u00e4ndern, die der Erreichung der SDGs am n\u00e4chsten kommen, geh\u00f6ren D\u00e4nemark (79.8 von 100), Schweden (79.4) und Finnland (79.1) \u2013 Deutschland belegt Platz 5 (75.3). An letzter Stelle der 28 untersuchten L\u00e4nder stehen Bulgarien (57.1), Rum\u00e4nien (55.9) und Zypern (55.0), die EU schneidet insgesamt mit einem Wert von 70.1 ab. Der Bericht erg\u00e4nzt den von der UN ver\u00f6ffentlichten\u00a0<a href=\"https:\/\/sustainabledevelopment.un.org\/gsdr2019\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Global Sustainable Development Report 2019<\/a>\u00a0und den Monitoring-Bericht von\u00a0<a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/de\/web\/products-statistical-books\/-\/KS-02-19-165\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eurostat<\/a>, bezieht aber die Kritik des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eesc.europa.eu\/en\/our-work\/publications-other-work\/publications\/exposing-eu-policy-gaps-address-sustainable-development-goals-study\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">European Economic and Social Committee<\/a>\u00a0(EECS) an letzterem mit ein und integriert so auch \u201einoffiziellere\u201c Daten von NGOs und Forschungszentren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1008\" height=\"632\" src=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/1._Bild_vom_SDG_Report.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9159\" srcset=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/1._Bild_vom_SDG_Report.png 1008w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/1._Bild_vom_SDG_Report-300x188.png 300w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/1._Bild_vom_SDG_Report-768x482.png 768w\" sizes=\"(max-width: 1008px) 100vw, 1008px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die EU und ihre Mitgliedstaaten erreichen ihre besten Resultate bez\u00fcglich SDG 1 (Keine Armut), SDG 3 (Gesundheit und Wohlbefinden) und SDG 8 (Menschenw\u00fcrdige Arbeit und Wirtschaftswachstum), und ihre schlechtesten Ergebnisse bei SDG 2 (kein Hunger und nachhaltige Landwirtschaft) und den SDGs 12-15, die sich auf nachhaltige\/n Konsum und Produktion, Ma\u00dfnahmen zum Klima (13) und Artenvielfalt (14 und 15) beziehen. Auch wenn es um die Erreichung einer Konvergenz im Bereich Lebensstandard geht, sowohl innerhalb jedes Landes als auch zwischen L\u00e4ndern und Regionen, steht die EU weiterhin vor gro\u00dfen Herausforderungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bericht stellt fest, dass die EU gro\u00dfe, negative Spillover-Effekte verursacht (Deutschland ist hier auf Platz 7), die die F\u00e4higkeit anderer L\u00e4nder behindert, die SDGs zu erreichen. Die gr\u00f6\u00dften negativen Auswirkungen werden durch die nicht nachhaltige Nachfrage nach Agrar-, Forst- und Fischereierzeugnissen verursacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf die Erreichung von SDG 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen) l\u00e4sst sich feststellen, dass \u00d6sterreich als einziges Land das Ziel \u201eerreicht\u201c hat, w\u00e4hrend 13 L\u00e4nder mit \u201eHerausforderungen bleiben\u201c eingestuft wurden und 13 weitere (darunter auch Deutschland) mit \u201esignifikante Herausforderungen bleiben\u201c betitelt wurden \u2013 ein Land (Bulgarien), bildet mit der Bewertung \u201ebedeutende Herausforderungen bleiben\u201c den Schluss.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6chte man nachvollziehen, wie sich die Bewertung zusammensetzt, so lohnt ein Blick in den Anhang. Hier werden nicht nur methodische Schritte gekl\u00e4rt, sondern auch Indikatoren f\u00fcr die SDG-Bewertungen aufgelistet, wie beispielsweise in Abbildung 1 zu sehen ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"856\" height=\"395\" src=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/2._Bild_vom_SDG_Report.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9161\" srcset=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/2._Bild_vom_SDG_Report.png 856w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/2._Bild_vom_SDG_Report-300x138.png 300w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/2._Bild_vom_SDG_Report-768x354.png 768w\" sizes=\"(max-width: 856px) 100vw, 856px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Interessant ist bei der Aufschl\u00fcsselung der Indikatoren, dass beispielsweise in Deutschland der Prozentsatz der Bev\u00f6lkerung, die Kriminalit\u00e4t in ihrer Umgebung meldet, gestiegen ist und in puncto Waffenexporte, die 2017 mit \u201estagnierend\u201c gekennzeichnet wurden, angegeben wird, dass keine Daten verf\u00fcgbar seien. Steigende Kriminalit\u00e4t und deutsche Waffenexporte sind also ma\u00dfgeblich daf\u00fcr verantwortlich, dass Deutschland beim Erreichen von SDG 16 noch mit \u201esignifikanten Herausforderungen\u201c umgehen muss. Insgesamt schneidet die EU bei SDG 16 mit \u201eHerausforderungen bleiben\u201c ab, so wie auch bei neun anderen der 17 SDGs.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bericht formuliert praktische Empfehlungen in drei Bereichen, wie die EU und ihre Mitgliedstaaten die SDGs implementieren k\u00f6nnen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Interne Priorit\u00e4ten setzen (der neuen europ\u00e4ischen Kommission obliegt es, sicher zu stellen, dass die EU Prozesse zur Erreichung der SDGs eingehalten werden; den Mehrj\u00e4hrigen Finanzrahmen (MFR) 2021-2027 an die SDGs anzupassen; die Messung und Indikatoren der SDGs zu verst\u00e4rken, die SDGs in den Mittelpunkt des Europ\u00e4ischen Semesters zu stellen), auch mit Blick auf einen European Green Deal, einen Sustainable Europe Investment Plan; und eine Initiative zu Skills and Innovation: EU Education Area and Horizon Europe 2030;<\/li>\n\n\n\n<li>Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit f\u00fcr die Durchsetzung der SDGs nutzen (die EU sollte z.B. in internationalen \u00dcbereinkommen f\u00fcr die SDGs einstehen, eine SDG-F\u00fchrungsrolle in multilateralen Foren innehaben und bilaterale Partnerschaftsabkommen abschlie\u00dfen (Beispiel: Handelsabkommen mit Kanada);<\/li>\n\n\n\n<li>Bek\u00e4mpfung negativer internationaler Spillover vorantreiben &#8211; daf\u00fcr muss es zu Spillover-Monitoring auf nationalem Level in der EU kommen; zur Steuerung der Lieferketten und deren vollst\u00e4ndiger Nachverfolgung; Politikkoh\u00e4renz f\u00fcr Handel, internationale Diplomatie und Entwicklungsfinanzierung; Einschr\u00e4nkung des Exports von Kunststoffen und toxischen Abf\u00e4llen; der Verbesserung der Steuerberichterstattung und Transparenz.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Schlussendlich betonen die Autor*innen: Die notwendigen Instrumente sind bereits vorhanden, um die SDGs in der gesamten EU zu erreichen. Die neue EU Kommission sollte sich daher auf die Angleichung der bestehenden Instrumente und Mechanismen (einschlie\u00dflich Budget, Anlagestrategien, Regulierungsma\u00dfnahmen durch Governance und Monitoring Frameworks) mit den SDGs konzentrieren, um die Agenda2030 doch noch zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der am 19.11.2019 ver\u00f6ffentlichte\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sdgindex.org\/reports\/2019-europe-sustainable-development-report\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bericht<\/a>\u00a0wurde vom Sustainable Development Solutions Network (SDSN) und dem Institute for European Environmental Policy (IEEP) mit Unterst\u00fctzung der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung Br\u00fcssel und in Zusammenarbeit mit dem European Economic and Social Committee (EWSA) und der finnischen Ratspr\u00e4sidentschaft erstellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend die neue Europ\u00e4ische Kommission momentan den Europ\u00e4ischen Green Deal vorbereitet, kommt der erste Europe Sustainable Development Report 2019 zu einem entscheidenden Zeitpunkt, um das Abschneiden der Europ\u00e4ischen Union (EU) und jedes einzelnen Mitgliedstaats beim Erreichen der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) zu vergleichen und ihre wichtigsten wirtschaftlichen, sozialen und \u00f6kologischen Herausforderungen zu beleuchten. 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