{"id":9209,"date":"2018-09-19T21:52:00","date_gmt":"2018-09-19T19:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/oecd-states-of-fragility-report-2018\/"},"modified":"2024-12-10T14:21:59","modified_gmt":"2024-12-10T13:21:59","slug":"oecd-states-of-fragility-report-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/oecd-states-of-fragility-report-2018\/","title":{"rendered":"OECD States of Fragility Report 2018"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Um die SDGs weltweit erreichen zu k\u00f6nnen, muss die internationale Gemeinschaft fragilen Kontexten besondere Aufmerksamkeit widmen und sich auf die Adressierung der strukturellen Ursachen von Fragilit\u00e4t fokussieren. Dabei gilt es, sowohl die besonderen Herausforderungen in fragilen und von Konflikten betroffenen Regionen besser zu verstehen als auch die entsprechenden Mittel aufzustocken und effektiver einzusetzen. Dies sind zentrale Aussagen des States of Fragility Reports 2018 der OECD.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Drei Jahre nach Verabschiedung der\u00a0<a href=\"https:\/\/sustainabledevelopment.un.org\/post2015\/transformingourworld\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Agenda 2030<\/a>\u00a0wird immer deutlicher, dass fragile und von Konflikt und Gewalt betroffene Staaten bei der Erreichung der Ziele f\u00fcr nachhaltige Entwicklung (SDGs) am Weitesten zur\u00fcckbleiben. Werden nicht bald deutliche Fortschritte in der \u00dcberwindung von Fragilit\u00e4t und Konflikt\u00a0erzielt, so werden laut Prognosen der OECD 80 Prozent der \u00e4rmsten Menschen der Welt im Jahr 2030 in diesen Kontexten leben. Fragilit\u00e4t und Gewalt sind die Haupthindernisse zur Erreichung der SDGs. Um die SDGs weltweit erreichen zu k\u00f6nnen, muss die internationale Gemeinschaft fragilen Kontexten besondere Aufmerksamkeit widmen und sich auf die Adressierung der strukturellen Ursachen von Fragilit\u00e4t fokussieren. Dabei gilt es, sowohl die besonderen Herausforderungen in fragilen und von Konflikten betroffenen Regionen besser zu verstehen als auch die entsprechenden Mittel aufzustocken und effektiver einzusetzen. Dies sind zentrale Aussagen des\u00a0<a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/dac\/states-of-fragility-2018-9789264302075-en.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">States of Fragility Reports 2018\u00a0<\/a>(SFR) der OECD. Auf 280 Seiten werden darin die aktuellen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends rund um Fragilit\u00e4t und internationale Finanzstr\u00f6me (v.a. ODA-Mittel) in fragile L\u00e4nder analysiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fragilit\u00e4t \u2013 Definition und Modell der OECD<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Laut Bericht gibt es keinen einfachen Weg zur Beschreibung von Fragilit\u00e4t im Jahr 2018. Dies liege vor allem an der Multidimensionalit\u00e4t und jeweils kontextspezifischen Ausformung des Ph\u00e4nomens: W\u00e4hrend Fragilit\u00e4t in dem einen Kontext vor allem bedeuten kann, dass staatliche Institutionen nicht in der Lage sind, grundlegende Dienstleistungen wie eine Gesundheitsversorgung oder Bildungsangebote zu erbringen, kann sie sich in einem anderen z.B. dadurch auszeichnen, dass staatliche Autorit\u00e4ten nicht in der Lage oder willens sind, ihr staatliches Gewaltmonopol auszu\u00fcben. So unterschiedlich sich Fragilit\u00e4t vor Ort ausgestalten kann, so f\u00f6rdert sie doch immer Konflikt, Gewalt und Armut und verhindert damit nachhaltige Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits mit dem Erscheinen des \u201e<a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/dac\/states-of-fragility-2016-9789264267213-en.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">States of Fragility Reports 2016<\/a>\u201c hat die OECD daher ihre Definition und ihr Modell von Fragilit\u00e4t &#8211; und damit auch das Konzept des Reports &#8211; grundlegend \u00fcberarbeitet. Fragilit\u00e4t wird von der OECD fortan definiert als:\u00a0<em>\u201e\u2026 the combination of exposure to risk and insufficient coping capacity of the state, system and\/or communities to manage, absorb or mitigate those risks. Fragility can lead to negative outcomes including violence, the breakdown of institutions, displacement, humanitarian crises or other emergencies<\/em>\u201d. Nach dem neuen Fragilit\u00e4tsmodell erfasst die OECD\u00a0<strong>Fragilit\u00e4t entlang von f\u00fcnf Dimensionen: wirtschaftlicher, \u00f6kologischer, politischer, gesellschaftlicher und sicherheitsbezogener Fragilit\u00e4t<\/strong>. Das neue multidimensionale Modell zielt darauf ab, die bin\u00e4re Aufteilung von Staaten in \u201efragil\u201c und \u201enicht fragil\u201c durch ein nuancierteres Bild zu ersetzen und damit dem Umstand gerecht zu werden, dass jeder fragile Kontext eine einzigartige Kombination von Risiken und Bew\u00e4ltigungskapazit\u00e4ten aufweist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ergebnisse des Fragilit\u00e4tsmodells 2018<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der SFR 2018 klassifiziert insgesamt&nbsp;<strong>58 Staaten als fragil<\/strong>,&nbsp;<strong>15<\/strong>&nbsp;davon als&nbsp;<strong>extrem fragil<\/strong>. Im Vergleich zu 2016 gab es insgesamt sechs \u00c4nderungen in der Liste fragiler Staaten: Lesotho und Kambodscha wurden aufgrund von Verbesserungen auf mehreren Dimensionen aus der Liste entfernt, w\u00e4hrend \u00c4quatorial-Guinea, Djibouti, Iran und Nepal aufgrund von Verschlechterungen neu aufgenommen wurden. Die Liste der 15 extrem fragilen Staaten hat sich seit 2016 nicht ver\u00e4ndert. An der Spitze stehen weiterhin Somalia (Platz 1), S\u00fcdsudan und die Zentralafrikanische Republik (ZAR).<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus arbeitet der SFR 2018 sowohl zentrale gegenw\u00e4rtige Merkmale als auch Prognosen zur Entwicklung von fragilen Staaten heraus. Zentrale Erkenntnisse sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die Zahl von Fragilit\u00e4t betroffener Menschen steigt.\u00a0<\/strong>24% (1,8 Mrd.) der Weltbev\u00f6lkerung leben in fragilen Kontexten (Zahlen aus dem Jahr 2016). Die OECD geht davon aus, dass dieser Anteil im Jahr 2030 bereits 28% (2,3 Mrd.) und im Jahr 2050 34% (3,3 Mrd.) betragen wird. Haupttreiber dieser Dynamik sind hohe Geburtenraten und damit ein starkes Bev\u00f6lkerungswachstum in vielen fragilen Staaten Afrikas, besonders Nigeria und DR Kongo.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Mehrheit der fragilen Staaten liegt in Sub-Sahara-Afrika\u00a0<\/strong>(35), gefolgt von Asien und Ozeanien (10), der MENA-Region (9) und Lateinamerika und der Karibik (4).<\/li>\n\n\n\n<li>2015 lebten 513 Millionen von extremer Armut betroffener Menschen in fragilen Kontexten. Laut OECD k\u00f6nnte diese Zahl bis 2030 auf 620 Millionen anwachsen, womit\u00a0<strong>80% aller von Armut betroffenen Menschen in fragilen Staaten leben w\u00fcrden.\u00a0<\/strong>Studien zufolge tragen verschiedene Charakteristika von vielen fragilen Staaten, wie schwach ausgepr\u00e4gte staatliche Leistungsf\u00e4higkeit, Konflikt und Gewalt und eine ineffiziente Wirtschaft zur Stagnation bzw. der Zunahme von Armutsraten bei.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fragilit\u00e4t ist nicht vom \u00f6konomischen Entwicklungsstand eines Landes abh\u00e4ngig.\u00a0<\/strong>Mehr als die H\u00e4lfte aller fragilen Staaten sind mit mittlerem Einkommen (30), sechs davon im oberen mittleren Einkommen, 24 im unteren mittleren Einkommen. Nur 18 fragile Staaten sind Niedrigeinkommensl\u00e4nder.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fragilit\u00e4t und Konflikt sind Hauptursachen f\u00fcr erzwungene Migration.\u00a0<\/strong>55% aller Fl\u00fcchtlinge weltweit stammen allein aus Syrien, Afghanistan und dem S\u00fcdsudan \u2013 alle drei L\u00e4nder werden als extrem fragil eingestuft.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fragilit\u00e4t und Gender-Ungleichheit korrelieren.\u00a0<\/strong>Acht der zehn L\u00e4nder, die 2015 die gr\u00f6\u00dfte Geschlechterungleichheit aufwiesen, sind vom SFR 2018 als fragil eingestuft.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fragilit\u00e4t und Konflikt gehen Hand in Hand.\u00a0<\/strong>Neun von den 15 als extrem fragil eingestuften L\u00e4ndern waren im Jahr 2016 in bewaffnete Konflikte verwickelt (Afghanistan, ZAR, DR Kongo, Irak, Mali, Somalia, S\u00fcdsudan, Syrien und Jemen).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"663\" height=\"705\" src=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9200\" srcset=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_1.png 663w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_1-282x300.png 282w\" sizes=\"(max-width: 663px) 100vw, 663px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 1: OECD Fragilit\u00e4tsmodell 2018<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Internationale Finanzstr\u00f6me in fragile L\u00e4nder<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr&nbsp;<strong>2016<\/strong>&nbsp;flossen Gelder in H\u00f6he von insgesamt&nbsp;<strong>240 Milliarden US Dollar<\/strong>&nbsp;(111 Milliarden Dollar Remittances; 68 Milliarden Dollar Official Development Assistance (ODA) und 56 Milliarden Dollar ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen)&nbsp;<strong>in fragile Staaten<\/strong>, 20 Milliarden mehr als noch 2014.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"715\" src=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_2-1024x715.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9202\" srcset=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_2-1024x715.png 1024w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_2-300x210.png 300w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_2-768x536.png 768w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_2.png 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 2: Finanzfl\u00fcsse in fragile Kontexte 2016: Remittances, ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen (FDI) und ODA<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das&nbsp;<strong>Volumen an ODA-Mitteln<\/strong>&nbsp;in fragilen Staaten<strong>&nbsp;stieg zwischen 2007 und 2016 um 14 Milliarden Dollar<\/strong>, was den Trend veranschaulicht, dass sich ODA mehr und mehr auf fragile Kontexte konzentriert.<br>Folgende Trends bez\u00fcglich ODA in fragile Staaten wurden identifiziert:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ma\u00dfnahmen der humanit\u00e4ren Hilfe stellen einen zunehmend gr\u00f6\u00dferen Anteil der Gesamt-ODA-Mittel in fragile Kontexte dar. Von 2009 bis 2016 wuchsen die ODA-Mittel f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe um 144%,\u00a0<strong>in extrem fragilen Kontexten macht humanit\u00e4re Hilfe 2016 mehr als die H\u00e4lfte aller ODA-Ma\u00dfnahmen aus\u00a0<\/strong>(siehe Abbildung 3 im Anhang f\u00fcr eine Zusammensetzung der ODA-Mittel in fragilen Kontexten).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>ODA\u00a0<\/strong>in fragile Staaten\u00a0<strong>ist extrem ungleich verteilt<\/strong>: 50% von ODA in fragile Staaten gingen 2016 in nur 10 von 58 L\u00e4nder.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ausgaben f\u00fcr Ma\u00dfnahmen der Friedensf\u00f6rderung\u00a0<\/strong>in fragilen Staaten\u00a0<strong>nehmen ab<\/strong>. 2016 wurden nur 10% aller ODA-Mittel in fragile Staaten in Ma\u00dfnahmen der prim\u00e4ren und sekund\u00e4ren Friedensf\u00f6rderung investiert.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"720\" src=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_3-1024x720.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9204\" srcset=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_3-1024x720.png 1024w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_3-300x211.png 300w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_3-768x540.png 768w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_3.png 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 3: ODA-Kategorien der Friedensf\u00f6rderung nach CRS-Schl\u00fcsseln<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"812\" src=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_4-1024x812.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9206\" srcset=\"https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_4-1024x812.png 1024w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_4-300x238.png 300w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_4-768x609.png 768w, https:\/\/frient.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/States_of_Fragility_Report_Abbildung_4.png 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 4: Ausgaben f\u00fcr Friedensf\u00f6rderung im Vergleich zu anderen ODA-Ausgaben in fragilen Kontexten im Jahr 2016<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Kernaussagen und Handlungsempfehlungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Basierend auf der Analyse von Fragilit\u00e4tstrends, Merkmalen fragiler Staaten und internationalen Finanzstr\u00f6men in fragile Kontexte \u2013 sowie deren Implikationen \u2013 formuliert der SFR 2018 sieben zentrale Kernaussagen und Handlungsempfehlungen, die sich im Sinne eines gemeinsamen internationalen Engagements sowohl an Regierungen von fragilen Kontexten und Geberstaaten als auch Regionalorganisationen, multilaterale Akteure, die Zivilgesellschaft und den Privatsektor richten:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><em><strong>\u201eWe must recognise fragility if we want a better world\u201c<\/strong><\/em><strong>Fragilit\u00e4t ist die Hauptursache f\u00fcr Konflikt, Terrorismus, Gewalt, Flucht, und Hunger<\/strong>. Aufgrund ihrer Auswirkungen und ihres Ausma\u00dfes stellt Fragilit\u00e4t laut OECD das vermutlich\u00a0<strong>gr\u00f6\u00dfte Hindernis zur Erreichung der SDGs\u00a0<\/strong>dar.<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>\u201eWe will accept complexity and address all dimensions of fragility\u201c<\/em><\/strong>Die Multidimensionalit\u00e4t und Kontextabh\u00e4ngigkeit von staatlicher Fragilit\u00e4t erfordert sowohl den Einsatz\u00a0<strong>ma\u00dfgeschneiderter Ans\u00e4tze\u00a0<\/strong>als auch die Adressierung des\u00a0<strong>vollen Spektrums von Fragilit\u00e4tstreibern<\/strong>. Die selektive Adressierung von einzelnen Treibern hat sich als ineffektiv zur \u00dcberwindung von Fragilit\u00e4t herausgestellt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>\u201eWe will invest in more and smarter aid in fragile contexts\u201c<\/em><\/strong>Die\u00a0<strong>aktuelle Zusammensetzung der ODA-Mittel in fragilen Staaten werden dem Ph\u00e4nomen nicht gerecht<\/strong>: ODA-Mittel werden mittlerweile mehr f\u00fcr kurzfristige Folgenminderung von Fragilit\u00e4t anstatt f\u00fcr die langfristige Adressierung ihrer Ursachen genutzt.\u00a0<strong>Dieser Trend\u00a0<\/strong>ist\u00a0<strong>inkonsistent mit der Sustaining Peace Agenda der UN und nachhaltiger Entwicklung<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>\u201eWe will step up our efforts on prevention, peace and security\u201c<\/em><\/strong>Die\u00a0<strong>ODA-Mittel<\/strong>, die\u00a0<strong>f\u00fcr Ma\u00dfnahmen der Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung\u00a0<\/strong>investiert werden,\u00a0<strong>sind unzureichend<\/strong>. Die internationale Gemeinschaft muss die Mittel in diesen Bereichen deutlich aufstocken und unter Beweis stellen, dass sich die Rhetorik des Fokus auf Pr\u00e4vention (u.a. in der Sustaining Peace Agenda) auch in ihrem finanziellen Engagement widerspiegelt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>\u201eWe will invest in the data to better understand, anticipate and respond to multiple states of fragility\u201c<\/em><\/strong>Obwohl das Wissen um und zu Fragilit\u00e4t in den letzten Jahren gestiegen ist,\u00a0<strong>fehlen weiterhin wichtige Daten, um die nationalen, lokalen und regionalen Fragilit\u00e4tsdynamiken ad\u00e4quat nachzuvollziehen<\/strong>. Ohne ein\u00a0<strong>verst\u00e4rktes Investment in Datenerhebung\u00a0<\/strong>in fragilen Kontexten wird sich Fortschritt \u2013 oder mangelnder Fortschritt \u2013 in der Erreichung der SDGs in fragilen Staaten nicht feststellen lassen, was die M\u00f6glichkeit, rechtzeitig auf Fehlentwicklungen zu reagieren, erschwert.<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>\u201eWe will support the capacity of governments to deliver inclusive solutions to their own states of fragility\u201c<\/em><\/strong>Regierungen fragiler L\u00e4nder m\u00fcssen finanziell darin unterst\u00fctzt werden, ihre eigenen Strategien zur \u00dcberwindung von Fragilit\u00e4t zu entwerfen und umzusetzen. Geber sollten deswegen verst\u00e4rkt in\u00a0<strong>technische Zusammenarbeit investieren, die nationale Kapazit\u00e4ten der Mobilisierung von Eigeneinnahmen und die Entwicklung von KMUs<\/strong>\u00a0st\u00e4rkt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>\u201eWe will never lose sight of the end goal of delivering hope and better lives for all people in fragile contexts\u201c<\/em><\/strong>Auf globaler Ebene entwickelte Ans\u00e4tze zur \u00dcberwindung von Fragilit\u00e4t reflektieren zu selten die Wahrnehmungen und Priorit\u00e4ten der lokalen Bev\u00f6lkerungen. Von den Perspektiven und Wahrnehmungen der Menschen vor Ort entkoppelte technische Ans\u00e4tze k\u00f6nnen bei der Bev\u00f6lkerung vor Ort den Eindruck erwecken, dass die aus ihrer Perspektive wichtigsten Probleme von der internationalen Gemeinschaft nicht adressiert werden, damit zu Frustration beitragen und so nachhaltige Entwicklung behindern.\u00a0<strong>Entwicklungsans\u00e4tze sollten deswegen immer die Wahrnehmungen der lokalen Bev\u00f6lkerung reflektieren und kritisch \u00fcberpr\u00fcfen, ob die Ans\u00e4tze lokalen Priorit\u00e4ten entsprechen.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn sich der SFR 2018 weniger durch bahnbrechende neue Erkenntnisse rund um das Thema Fragilit\u00e4t und seiner \u00dcberwindung auszeichnet, stellt er ein wichtiges Referenzdokument f\u00fcr die politische Debatte rund um die Adressierung von Fragilit\u00e4t dar \u2013 sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene: Die St\u00e4rke des States of Fragility Reports liegt in seiner verl\u00e4sslichen Bereitstellung aktueller Daten und Fakten sowie der Ableitung von Trends und Prognosen. Diese tragen einerseits zu gut informierten und evidenzbasierten Diskursen bei und veranschaulichen andererseits eindr\u00fccklich, warum die \u00dcberwindung von Fragilit\u00e4t und Gewalt eine der Toppriorit\u00e4ten des Engagements f\u00fcr nachhaltige Entwicklung sein muss. Im Rahmen seiner ODA-Analysen zeichnet er Trends der Geberpolitiken in fragilen Staaten nach und fungiert damit als wichtiges Monitoring-Tool im Kontext der OECD-Bem\u00fchungen zur \u00dcberwindung von Fragilit\u00e4t. Dadurch tr\u00e4gt er dazu bei, potenzielle politische Fehlentwicklungen fr\u00fchzeitig zu erkennen und auf diese reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Ged\u00e4chtnis bleiben sollte dabei vor allem der folgende Punkt: Anstatt vermehrt nur reaktiv zu versuchen, die Auswirkungen von Fragilit\u00e4t abzumildern, m\u00fcssen internationale Bem\u00fchungen zur Adressierung von Fragilit\u00e4t vor allem solche Ans\u00e4tze st\u00e4rken und ausbauen, die langfristig und pr\u00e4ventiv daran arbeiten, die strukturellen Ursachen von Fragilit\u00e4t zu adressieren. Diese Fokussierung muss sich auch und insbesondere in einer deutlichen Aufstockung der finanziellen Ressourcen f\u00fcr Ma\u00dfnahmen der Friedensf\u00f6rderung und Konfliktpr\u00e4vention niederschlagen, sind es doch genau diese Ma\u00dfnahmen, die Fragilit\u00e4t in ihrem Kern bearbeiten. Nur so lassen sich bereits erreichte Entwicklungserfolge sichern und nachhaltige Fortschritte in Richtung einer friedlichen, gerechten und inklusiven Entwicklung erzielen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>***Der States of Fragility Report wird Ende 2018 auch im BMZ vorgestellt und diskutiert.*** (weitere Informationen folgen)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die SDGs weltweit erreichen zu k\u00f6nnen, muss die internationale Gemeinschaft fragilen Kontexten besondere Aufmerksamkeit widmen und sich auf die Adressierung der strukturellen Ursachen von Fragilit\u00e4t fokussieren. Dabei gilt es, sowohl die besonderen Herausforderungen in fragilen und von Konflikten betroffenen Regionen besser zu verstehen als auch die entsprechenden Mittel aufzustocken und effektiver einzusetzen. 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