{"id":9478,"date":"2020-03-29T13:52:00","date_gmt":"2020-03-29T11:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frient.de\/?p=9478"},"modified":"2025-01-30T12:53:05","modified_gmt":"2025-01-30T11:53:05","slug":"corona-und-die-verschaerfung-bekannter-probleme-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frient.de\/en\/artikel\/corona-und-die-verschaerfung-bekannter-probleme-2\/","title":{"rendered":"Corona und die Versch\u00e4rfung bekannter Probleme"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Corona bewegt uns alle und hat massive Auswirkungen auf Konflikte, Frieden und Entwicklung. Der Impulse-Leitartikel von Elsa Benh\u00f6fer leuchtet die wichtigsten Aspekte dieser globalen Krise aus und macht sogar ein wenig Hoffnung auf ein \u201eWindow of opportunity\u201c, das sich im Bereich der Friedensf\u00f6rderung \u00f6ffnen k\u00f6nnte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Impuls 2\/2020 von Elsa Benh\u00f6fer, FriEnt<br><\/strong>Eigentlich sollte dieser Impuls-Artikel den Entwurf der EU-Afrika-Partnerschaft analysieren. Er sollte die Verhandlungsfortschritte rund um den EU Haushalt und die neuen Instrumente\u00a0<em>Neighbourhood, Development and International Cooperation<\/em>\u00a0(NDICI) und\u00a0<em>European Peace Facility<\/em>\u00a0(EPF) nachvollziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da aber das Coronavirus alle Lebensbereiche beeinflusst, haben wir auch den FriEnt-Impulsartikel \u00fcberdacht. Wie k\u00f6nnen wir \u00fcber eine EU-Afrika Partnerschaft schreiben, ohne die derzeitige Situation zu ber\u00fccksichtigen? Wenn man den Strategieentwurf betrachtet, kann man nur hoffen, dass durch die Erfahrungen mit der Corona-Krise die friedenspolitische Dimension deutlich gest\u00e4rkt wird. Dagegen sollte der Fokus auf Wirtschaftsf\u00f6rderung und Migrationskontrolle abgeschw\u00e4cht werden. Trotz berechtigter Kritik am derzeitigen Entwurf schl\u00e4gt die EU-Afrika Partnerschaft in die richtige Kerbe, denn viele Staaten sind den globalen Krisen schutzlos ausgeliefert. Insbesondere afrikanische Staaten leiden unter den Folgen, die die Corona-Krise sowohl im Land als auch in der EU mit sich bringt. Es ist die richtige Zeit, um sich partnerschaftlich darum zu bem\u00fchen, demokratische Regionalorganisationen und Staaten aufzubauen und weiterzuentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>I. Weltweite Ungerechtigkeit unter dem Brennglas \u2013 Auswirkungen der globalen Corona-Krise auf Krisen und post-Konfliktkontexte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Offizielle Daten bescheinigen eine geringe Fallzahl Corona-Infizierter in den L\u00e4ndern fragiler Staatlichkeit, die Dunkelziffer k\u00f6nnte h\u00f6her liegen. Dagegen haben die Auswirkungen der Lockdown-Politik unter anderem vieler EU-L\u00e4nder fragile Staaten in den letzten Wochen bereits erreicht. Die Industrienationen ordnen das Coronavirus als Sicherheitsrisiko ein und stellen ihre gesundheitlichen Bedarfe zurzeit in den Vordergrund. Um den sozialen Zusammenhalt in fragilen Kontexten nicht nachhaltig zu gef\u00e4hrden, ist auch hier eine\u00a0<a href=\"https:\/\/www.justsecurity.org\/69141\/pandemics-and-human-rights\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">G\u00fcterabw\u00e4gung\u00a0<\/a>zwischen\u00a0<strong>Gesundheit, Freiheitsrechten und \u00dcberlebensm\u00f6glichkeiten<\/strong>\u00a0notwendig. Eine Ausgangssperre erh\u00f6ht f\u00fcr viele Menschen in fragilen Kontexten die \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gesundheitssystem ist in vielen Krisen- und Post-Konfliktkontexten extrem wenig entwickelt. Die Corona-Erkrankungen k\u00f6nnten es doppelt belasten, denn die \u00c4rzt*innen und Krankenh\u00e4user schaffen es schon jetzt kaum, zum Beispiel HIV oder Tuberkulose angemessen zu behandeln. Der Zugang zu sauberem Wasser und sanit\u00e4ren Einrichtungen ist notwendig, um Krankheiten einzud\u00e4mmen und kann in vielen L\u00e4ndern nicht garantiert werden. Es wird deutlich, dass Einkommen, soziale Klasse, Wohnort, Konflikt-\/ Fluchtkontext und Geschlecht bestimmen, wie Pandemien gesundheitlich \u00fcberstanden werden k\u00f6nnen.<br>Wenn die EU und andere Industrieregionen ihre Grenzen schlie\u00dfen, den Handel erschweren und die Mobilit\u00e4t einschr\u00e4nken, hat das globale Folgen, insbesondere f\u00fcr das\u00a0<strong>\u00dcberleben\u00a0<\/strong>\u00e4rmerer Bev\u00f6lkerungsgruppen. Die unterbrochenen Lieferketten f\u00fchren dazu, dass in L\u00e4ndern mit einer schwachen lokalen W\u00e4hrung und weitverbreiteten Niedrigl\u00f6hnen die Armut rapide ansteigt und Hungersn\u00f6te entstehen. Es existieren keine staatlichen oder privatwirtschaftlichen R\u00fccklagen, um den\u00a0<a href=\"http:\/\/blog.venro.org\/die-corona-krise-trifft-die-laender-im-globalen-sueden-doppelt-hart\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erwerbsausfall der Menschen<\/a>\u00a0zu kompensieren, sie gehen leer aus.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ipg-journal.de\/regionen\/global\/artikel\/detail\/das-weibliche-desaster-4198\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frauen und Kinder<\/a>\u00a0trifft es besonders, wenn der informelle Sektor einbricht und gesundheitliche Versorgung sowie Schutzr\u00e4ume fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Notstandsgesetze beschneiden\u00a0<strong>Freiheiten\u00a0<\/strong>wie etwa das Versammlungsrecht. Politischen Protesten geht damit die Luft aus und \u00f6ffentliche Kontrolle findet nur noch online (wenn \u00fcberhaupt) statt \u2013 das gilt auch f\u00fcr die EU. Das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.justsecurity.org\/69141\/pandemics-and-human-rights\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Recht auf Mitwirkung<\/a>\u00a0der B\u00fcrger*innen an politischen Entscheidungsprozessen ist eingeschr\u00e4nkt, um die Krise m\u00f6glichst effizient zu l\u00f6sen. Allerdings greifen hier immer noch rechtsstaatliche und zivile Kontrollmechanismen, unabh\u00e4ngige Informationspolitik und ein Vertrauen in politische Verfahren. Je geringer solche demokratischen Richtwerte ausgebildet sind, desto schwerwiegender k\u00f6nnen sich Notstandsgesetze auf die Handlungsspielr\u00e4ume der Zivilgesellschaft (shrinking civic space) und staatliche Legitimation auswirken. Dies zeigt sich beispielsweise an den Wahlverschiebungen, die Regierungen ohne \u00f6ffentliche Legitimierung an der Macht halten, wie zurzeit in \u00c4thiopien.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die gesundheitlichen und sozio-\u00f6konomischen Folgen von Corona in fragilen Kontexten abzufedern, ben\u00f6tigen diese L\u00e4nder schnelle und nachhaltige humanit\u00e4re, entwicklungs-\/friedenspolitische und wirtschaftliche Unterst\u00fctzung. Es ist nicht neu, dass eine mangelnde sozio-\u00f6konomische Versorgung und ein fehlender zivilgesellschaftlicher Handlungsraum die negativen Auswirkungen von globalen Krisen, wie der Corona-Krise, beschleunigen. Die globale Verantwortung f\u00fcr diese Faktoren auch nicht. Die Agenda 2030 und die SDGs inklusive S<a href=\"https:\/\/www.saferworld.org.uk\/resources\/publications\/1204-tracking-support-to-sustainable-development-goals-a-the-case-of-peace-and-security\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DG 16 ernst zu nehmen<\/a>, hei\u00dft auf Instrumente zu setzen, die nachhaltig zu friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften beitragen. Die Krise unterstreicht die Bedeutung des holistischen Ansatzes der Agenda 2030 und verdeutlicht, dass die SDGs auch und insbesondere in der gegenw\u00e4rtigen Krise dringend umzusetzen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>II. Auswirkungen auf internationale Akteure der Friedensf\u00f6rderung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeit der Friedensfachkr\u00e4fte und Akteure der Friedensf\u00f6rderung ist mit der Corona-Krise nicht weniger geworden. Im Gegenteil. Partnerl\u00e4nder w\u00e4hrend der weltweiten Lockdown Politik zu unterst\u00fctzen, ist komplizierter geworden. Gerade jetzt zeigt sich, wie relevant es f\u00fcr die zivile Friedensarbeit ist, sich eng mit den Partnern abzustimmen und konfliktsensibel zu sein. Was brauchen die Partner in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten? Wie k\u00f6nnen budgetrelevante Deadlines nach hinten verschoben werden, um den Druck aus den Projekten zu nehmen? Wie muss das Projekt an die neuen Voraussetzungen angepasst werden? Diese Fragen stellen sich viele FriEnt-Mitglieds- und internationale Partnerorganisationen. Die Antworten darauf k\u00f6nnen durch Zuh\u00f6ren und in der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.civicus.org\/index.php\/media-resources\/news\/blog\/4345-resources-for-civil-society-in-the-midst-of-the-covid-19-pandemic?fbclid=IwAR1h8pjVZhz_mv1J7jjfJBwvG0BVLVPlQbEGs7HmIdWOoL2FXPiyLCkuMz4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bereitschaft unb\u00fcrokratisch Ziele und Budgets anzupassen<\/a>, gefunden werden. Die deutschen Institutionen haben bereits begonnen, die Gelder flexibel zu handhaben, hierauf sollte aufgebaut werden.<br>Die Friedens- und Entwicklungszusammenarbeit lebt davon Menschen zusammen zu bringen, um Vertrauen durch gemeinsames Handeln wachsen zu lassen. Um in der Krise arbeitsf\u00e4hig zu bleiben, braucht es digitale Infrastruktur und damit dringend digitale Sicherheit, was viele FriEnt-Mitglieder vor Herausforderungen stellt. Insbesondere die Kommunikation mit lokalen Partnern muss vor Verwundbarkeit durch Datenschutzl\u00fccken gesch\u00fctzt werden. Hinzu kommt, dass aufgrund der Ausgangssperren und Vorsichtsma\u00dfnahmen viele Aktionen zum Sammeln von Spenden ausfallen. Die Folgen f\u00fcr die Projekte vor Ort sind noch nicht abzusehen, es schleicht sich ein negatives Gef\u00fchl ein. Die derzeitige Krisensituation bietet jedoch f\u00fcr Akteure der Friedensf\u00f6rderung auch Chancen, Arbeitsprozesse zu \u00fcberdenken und l\u00e4ngerfristig noch resilienter in Krisen zu sein sowie lokale Strukturen zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Do No Harm-Prinzipien wichtiger denn je<br><\/strong>NGOs, INGOs, internationale und regionale Organisationen sowie Nationalstaaten organisieren bereits Hilfsgelder. Die Weltbank hat ein 12 Milliarden Dollar Paket und der IWF ein 50 Milliarden Dollar Paket geschn\u00fcrt, um schwache Staaten in der Corona-Krise finanziell zu unterst\u00fctzen. \u00dcber einen Schuldenerlass f\u00fcr afrikanische Staaten wird diskutiert. Der\u00a0<a href=\"ttps:\/\/www.unhcr.org\/en-us\/news\/stories\/2020\/3\/5e7b57e90\/unhcr-seeks-us255-million-respond-covid-19-outbreak.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">UNHCR\u00a0<\/a>stellt 255 Millionen Dollar f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge im Kampf gegen das Virus bereit. Zwei Milliarden Dollar werden vom<a href=\"https:\/\/www.unocha.org\/story\/un-issues-2-billion-appeal-combat-covid-19\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a0&#8220;Global Humanitarian Response Plan&#8221;<\/a>\u00a0f\u00fcr Pr\u00e4vention, direkte Hilfe und Laboraufbau bereitgestellt. Zum jetzigen Zeitpunkt l\u00e4sst sich noch nicht sagen, wie viele weitere Gelder flie\u00dfen werden, aber f\u00fcr die rund eine Milliarde Einwohner*innen in fragilen L\u00e4ndern,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cfr.org\/blog\/multilateral-system-still-cannot-get-its-act-together-covid-19\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wirken zwei Milliarden Dollar deutlich zu wenig<\/a>.<br>Schnelle und gro\u00dfz\u00fcgige finanzielle Unterst\u00fctzung ist notwendig, um Pr\u00e4ventionsarbeit leisten zu k\u00f6nnen. Aber viele FriEnt-Mitglieder machen sich aufgrund ihrer Erfahrungen mit der Ebola Krise 2014 Sorgen, dass diese Gelder nicht unter den Do No Harm Prinzipien ausgegeben werden. Die internationale Hilfe verlief damals gr\u00f6\u00dftenteils\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC5351787\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">entlang ehemaliger Kolonialgrenzen<\/a>. Es gab kein gemeinsames Konzept. Die Gesundheitssysteme wurden mit Geld \u00fcbersch\u00fcttet, dabei untergrub man Rechenschaftsmechanismen und st\u00e4rkte das Vertrauen in den jeweiligen Nationalstaat nicht nachhaltig. Der Erfolg der Bek\u00e4mpfung hing stark von den politischen Strukturen ab, n\u00e4mlich wie sehr die lokalen Politiker*innen ihrer Regierung vertrauten. Nach der Ebola Krise wurde die finanzielle Hilfe f\u00fcr diese L\u00e4nder um 77 Prozent gek\u00fcrzt (OECD) und nicht in langfristige Friedens- und Entwicklungs-zusammenarbeit \u00fcberf\u00fchrt.<br>Auch und gerade bei den nun gebotenen schnellen Hilfsaktionen sollte mitgedacht werden, wen man wie unterst\u00fctzt. Einerseits soll das Vertrauen in die Staaten gest\u00e4rkt werden und andererseits soll die Zivilgesellschaft vor der Pandemie und vor Korruption und Diskriminierung durch staatliche und nicht-staatliche Akteure gesch\u00fctzt werden. Daf\u00fcr ist es f\u00fcr nationale und lokale Regierungen unerl\u00e4sslich, (unter anderem durch internationale Zusammenarbeit) eng und vertrauensvoll zusammenzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>HDP-Nexus \u2013 Wenn nicht jetzt, wann dann<br><\/strong>Die F\u00f6rderung und St\u00e4rkung eines multilateralen Ansatzes ist Voraussetzung daf\u00fcr, eine hohe Effektivit\u00e4t der Hilfsgelder zu garantieren und die Umsetzung der SDGs als gemeinsame Richtschnur sicherzustellen. Nach den vielen Diskussionen zum\u00a0<a href=\"https:\/\/legalinstruments.oecd.org\/public\/doc\/643\/643.en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Triple Nexus (DAC-Empfehlung)<\/a>\u00a0\u2013 Humanit\u00e4re Hilfe, Entwicklung und Frieden \u2013 ist jetzt die Zeit, das Gelernte auch umzusetzen. Aktuell leitet eine humanit\u00e4re Antwort auf die Krise die Handlungen. Ein flie\u00dfender \u00dcbergang zum nachhaltigen Aufbau von resilienten Gesellschaften ist geboten. Dabei gilt es, S\u00fcd-S\u00fcd oder Fragile-to-Fragile Kooperationen anzuerkennen und zu f\u00f6rdern sowie eine harmonisierte und abgestimmte Entwicklungszusammenarbeit in fragilen L\u00e4ndern zu leisten. Diese sollte durch gegenseitige Rechenschaftspflicht unterst\u00fctzt werden und mit fr\u00fcheren Zielsetzungen, wie etwa der Accra Agenda for Action (2008) oder dem New Deal for Engagement in Fragile Staates (2011) im Einklang stehen. Die Krise unterstreicht, dass diese langfristige und damit nachhaltige Zusammenarbeit unter Beachtung der Do No Harm-Prinzipien richtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>III. Das Virus und die Friedensf\u00f6rderung vor Ort \u2013 Auswirkungen auf die Partnerebene<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um Pr\u00e4ventionsarbeit zeitnah f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen, hat die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cspps.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Civil Society Platform for Peace and Statebuilding (CSPPS)<\/a>\u00a0in der FriEnt Mitglied ist, eine Umfrage unter ihren Mitgliedern zu den Einfl\u00fcssen von Corona auf ihre Arbeit gestartet. Erste Ergebnisse aus Togo, der Zentralafrikanischen Republik, Kamerun, DR Kongo, Sierra Leone, Guinea, Guinea Bissau, Liberia und Nigeria, in denen leichte Bewegungseinschr\u00e4nkungen bis hin zu umfassenden Notstandsgesetzen durchgesetzt worden sind, zeigen \u00e4hnliche Perspektiven auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Mitarbeiter*innen zivilgesellschaftlicher Organisationen in fragilen Kontexten sind pers\u00f6nlich stark von den Folgen der milden oder harten Lockdown Politik betroffen. Zun\u00e4chst geht es f\u00fcr sie darum, Boden unter die F\u00fc\u00dfe zu bekommen: Die Versorgung und Sicherheit der Familie sicherzustellen und sich auf die Arbeit von Hause (wenn m\u00f6glich) einzustellen. Unter diesen Umst\u00e4nden leidet die Friedens- und Menschenrechtsarbeit. Viele berichten, dass ihre Arbeit auch dadurch erschwert wird, dass ihre Regierungen nicht mit der Zivilgesellschaft kooperieren. Die Lockdown Politik hindert Humanit\u00e4re Helfer*innen insbesondere in l\u00e4ndlichen Gegenden, ihre Arbeit zu tun. Mehr noch steigt bei den NGOs die Sorge um soziale Unruhen und (Ressourcen-) Konflikte, sollte sich die sozio-\u00f6konomische Lage durch die Krise verschlechtern. Viele Gemeinden sind dazu aufgerufen, Verdachtsf\u00e4lle zu melden. Es gibt bereits mehrere Berichte \u00fcber Morde an vermeintlich Infizierten. Es wird auch mehrfach erz\u00e4hlt, dass es in verschiedenen Regionen etwa beim Einkaufen von Lebensmitteln zu t\u00f6dlichen Angriffen durch die Staatsgewalt oder Teile der Bev\u00f6lkerung gekommen ist. Fehlende Informationen \u00fcber die Ausbreitung, \u00dcbertragbarkeit und Symptome des Coronavirus f\u00fchren zu Mythenbildung und damit zu sozialen Verwerfungen. Um dem entgegen zu wirken, f\u00fchren die befragten Organisationen- so gut es geht- Sensibilisierungsaktivit\u00e4ten im Radio oder in sozialen Medien durch und verteilen Desinfektionsmittel.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele der Befragten bef\u00fcrchten, dass die internationale Finanzierung f\u00fcr Friedensarbeit nun auf die Bek\u00e4mpfung der Pandemie umgeleitet wird, was verheerende Folgen f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten h\u00e4tte. Sie fordern mehr finanzielle Unterst\u00fctzung, einerseits um bessere Aufkl\u00e4rungskampagnen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, gerade um Stigmatisierungen entgegen zu wirken. Und andererseits, um auf gesellschaftliche Konfliktpotentiale reagieren zu k\u00f6nnen. Nur so k\u00f6nnen sie zum Beispiel einem Anstieg h\u00e4uslicher Gewalt pr\u00e4ventiv entgegenwirken oder sich an nationalen Prozessen beteiligen. Viele haben Sorge, dass bereits angespannte gesellschaftliche und politische Situationen weiter eskalieren und einflussreiche Akteure Kapital aus der Krise schlagen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits f\u00fcr die Ebola Krise ausgearbeitete Strategien, wie nicht-staatliche und staatliche Akteure gemeinsam Pandemien bek\u00e4mpfen k\u00f6nnen, sollten nun angewendet werden, um die Versorgung der Bev\u00f6lkerung sicherzustellen. Einschneidende Notfallma\u00dfnahmen k\u00f6nnen nur erfolgreich sein, wenn sie durch die Bev\u00f6lkerung, unter Hinzunahme relevanter Akteure in nationale Entscheidungsprozesse, politisch legitimiert werden. Insgesamt kann so die Legitimit\u00e4t der Regierungen nachhaltig gest\u00e4rkt werden. CSPPS und der International Dialog on Peacebuildung and Statebuilding (IDPS) setzen mit ihren Dialogprozessen hier bereits erfolgreich an, auch in Zeiten von Corona.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit etwas Gl\u00fcck und den entsprechenden Ressourcen k\u00f6nnte die Krise sogar ein \u201eWindow of Opportunity\u201c f\u00fcr Konfliktbearbeitung sein. Dann n\u00e4mlich, wenn der Handlungsdruck, Kooperationen \u00fcber Konfliktlinien hinweg erzwingt, k\u00f6nnen diese aufgegriffen und vertieft werden, um nachhaltige friedensf\u00f6rdernde Prozesse zu erm\u00f6glichen. UN-Generalsekret\u00e4r Guterres&#8217;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.euractiv.de\/section\/eu-aussenpolitik\/news\/un-generalsekretaer-fordert-angesichts-covid-19-pandemie-sofortigen-waffenstillstand\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aufruf zur weltweiten Waffenruhe\u00a0<\/a>ist ein Appell in diese Richtung. Dieses Fenster wird jedoch nur offenbleiben, wenn sich die humanit\u00e4re Situation verbessert, die Notstandsgesetzgebungen nach der Krise wieder aufgehoben werden und der Handlungsspielraum f\u00fcr die Zivilgesellschaft deutlich ausgebaut wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>IV. Ausblick: Gerechte und inklusive Gesellschaften f\u00f6rdern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Recherche f\u00fcr diesen Beitrag hat gezeigt, wie breit die Diskussion rund um Frieden, Fragilit\u00e4t und Corona ist; vieles werden wir erst in Wochen und Monaten erfassen und analysieren k\u00f6nnen. Sicher ist, dass Frieden und Entwicklung st\u00e4rker ineinandergreifen und dabei Armutsreduzierung, Chancengleichheit und die F\u00f6rderung des zivilgesellschaftlichen Raums ber\u00fccksichtigen sollten. Daneben sind Rechtstaatlichkeit und zivile Konfliktbearbeitung weitere notwendige Voraussetzungen, um Resilienz zu st\u00e4rken und somit Schocks, wie dem Coronavirus, begegnen zu k\u00f6nnen. Konkret bedeutet das zun\u00e4chst, die Perspektiven und Bedarfe lokaler Peacebuilder ernst zu nehmen und ihre Ownership zu f\u00f6rdern. Projektgelder sollten flexibel gehandhabt und Finanzhilfen unter konfliktsensiblen Qualit\u00e4tskriterien vergeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die multilaterale Zusammenarbeit ist die Botschaft deutlich: W\u00e4re vorher mehr in die Umsetzung der SGDs investiert worden, h\u00e4tten die Auswirkungen abgeschw\u00e4cht werden k\u00f6nnen. Das Ziel muss nun sein, jetzt und nach Corona resiliente, gerechte und inklusive Gesellschaften zu f\u00f6rdern. Das gilt auch f\u00fcr die Weiterentwicklung einer gleichberechtigten EU-Afrika Partnerschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Corona bewegt uns alle und hat massive Auswirkungen auf Konflikte, Frieden und Entwicklung. 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