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Der Humanitarian-Development-Peace Nexus am Wendepunkt

Wie kann der Humanitarian-Development-Peace (HDP) Nexus angesichts wachsender Krisen, knapper Ressourcen und geopolitischer Spannungen wirksam umgesetzt werden? Lena Pönisch von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) stellt die zentralen Erkenntnisse eines internationalen Reflexionsprozesses vor und zeigt, warum es heute vor allem bessere politische, institutionelle und finanzielle Rahmenbedingungen braucht, um gemeinsame Wirkung in Krisenkontexten zu erzielen.
Graphic Recording zum HDP Nexus, erstellt im Rahmen der BMZ Konsultation; Copyright: Gabriele Schlipf – momik.de – 2026

Zehn Jahre nach dem Humanitären Weltgipfel steht der Humanitarian-Development-Peace (HDP) Nexus vor seiner bislang größten Bewährungsprobe: Während globale Krisen zunehmen und die weltweiten humanitären Bedarfe Rekordhöhen erreichen, geraten die Voraussetzungen für seine wirksame Umsetzung zunehmend unter Druck. Der beim Humanitären Weltgipfel 2016 vereinbarte New Way of Working gab dem Ansatz, humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung enger zu verzahnen, politischen Rückenwind. Heute zeigt sich jedoch, dass geopolitische Fragmentierung, langwierige Konflikte, die Folgen der Klimakrise und zunehmende Fragilität das multilaterale System vor enorme Herausforderungen stellen. Entwicklungsfortschritte gehen verloren, während humanitäre Akteure ihre Hilfe angesichts knapper werdender Mittel zunehmend priorisieren müssen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob der Nexus relevant ist, sondern wie seine Umsetzung unter diesen Bedingungen gelingen kann.

Genau hier setzt ein internationaler Reflexionsprozess an, den das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam mit dem DAC-UN Dialogue, ein formalisiertes Dialog- und Koordinierungsformat zwischen dem Entwicklungsausschuss der OECD (Development Assistance Committee, DAC) und den Vereinten Nationen (UN), zum HDP-Nexus Anfang 2026 angestoßen hat. Das Sektorvorhaben „Fragilität und HDP-Nexus“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) begleitet diesen Prozess fachlich.

Umsetzung statt neuer Konzepte

Kernstück des Prozesses ist das Think Piece „Ten Years On: Time to Double Down on the HDP Nexus“, das Rachel Scott und Damian Lilly im Auftrag des BMZ erarbeitet haben. Seine zentrale Botschaft ist eindeutig: Der Nexus braucht kein neues Konzept, sondern bessere politische, institutionelle und finanzielle Rahmenbedingungen. Er sollte sich von einer Koordinierungslogik zu einem strategischen Orientierungsrahmen entwickeln, der politische Prioritäten, Finanzierungsentscheidungen und gemeinsames Handeln leitet.

Dafür schlägt das Think Piece ein Krisenmodell vor, das humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung von Beginn an integriert und zusammendenkt und stärker als bisher an lokalen Prioritäten orientiert ist. Im Mittelpunkt stehen nationale und lokale Verantwortung, langfristige Finanzierung und messbare Verbesserungen für krisenbetroffene Menschen. Erfolg soll sich dabei weniger an der Zahl gemeinsamer Strategien oder Koordinierungsmechanismen messen lassen als daran, ob gemeinsames Handeln Vulnerabilität reduziert, Entwicklungsfortschritte schützt und wiederkehrende humanitäre Bedarfe langfristig verringert.

Impulse aus Addis Abeba und Berlin

Diese Empfehlungen wurden im Frühjahr 2026 in regionalen Konsultationen in Addis Abeba sowie beim DAC-UN Dialogue und einer öffentlichen High-Level-Podiumsdiskussion in Berlin diskutiert. In Addis brachten Vertreter*innen von Partnerregierungen, Gebern, Organisationen der Vereinten Nationen, internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft aus Äthiopien, Somalia, Tschad und Mosambik ihre Erfahrungen aus der Umsetzung des Nexus in fragilen Kontexten ein. Die Berliner Konsultationen knüpften daran an und diskutierten die politischen und institutionellen Konsequenzen dieser Erfahrungen für die Zukunft des Nexus.

An der Podiumsdiskussion „10 Years after the World Humanitarian Summit – Discussing the Future of the HDP Nexus” beteiligten sich Dr. Henning Plate (BMZ), Ralf Südhoff (Centre for Humanitarian Action), Verena Knaus (UNICEF Deutschland), Dr. Chris Coulter (Berghof Foundation) und Habib Ur Rehman Mayar (g7+-Sekretariat).

Trotz unterschiedlicher Perspektiven zeichnete sich in den Diskussionen ein breiter Konsens ab. Erstens steht nicht die Grundidee des HDP-Nexus zur Debatte, sondern seine Umsetzung. Zweitens müssen Finanzierungsmechanismen, institutionelle Anreize und mandatsbezogene Zuständigkeiten stärker auf gemeinsame Wirkungen ausgerichtet werden. Drittens braucht es eine konsequentere Einbindung nationaler und lokaler Akteure sowie einen stärkeren Fokus auf Prävention, Resilienz und Friedensförderung – ohne dabei humanitäre Prinzipien zu gefährden. Zugleich wurde betont, internationale Finanzinstitutionen stärker einzubeziehen und auch unter wachsendem geopolitischem Druck bedarfsorientiertes Handeln zu bewahren.

Ausblick

Diese Ergebnisse fließen nun in eine gemeinsame Positionierung gleichgesinnter Partner innerhalb des OECD International Network on Conflict and Fragility (INCAF) ein und sollen die Debatten bis zur VN-Generalversammlung 2026 und darüber hinaus prägen. Für BMZ, GIZ und ihre Partner liefert der Prozess konkrete Orientierung dafür, Programme, Finanzierungsinstrumente und Partnerschaften stärker auf gemeinsame Wirkungen auszurichten – und damit wichtige Impulse für die Umsetzung des BMZ-Reformplans „Zukunft zusammen global gestalten“. Zehn Jahre nach dem Humanitären Weltgipfel zeigt sich damit: Die eigentliche Bewährungsprobe des Nexus liegt darin, den Anspruch gemeinsamer Wirkung unter zunehmend schwierigen globalen Rahmenbedingungen in konkrete politische und operative Praxis zu übersetzen.

Weitere Informationen:

Autor
Lena Pönisch
Lena Pönisch

Lena Pönisch ist bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Beraterin im GIZ-Sektorvorhaben „Fragilität und HDP-Nexus“ tätig. Das Vorhaben berät das BMZ zu Strategien und Verfahren für die Zusammenarbeit mit fragilen Ländern und trägt dazu bei, Fragilität besser zu verstehen und wirksame Maßnahmen für den Umgang mit fragilen Kontexten zu entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der besseren Verknüpfung von humanitärer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung im Rahmen des HDP-Nexus.

Referenzen

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