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Mut und Hoffnung in der Not

Krieg und sexualisierte Gewalt
Misereor
Friedensförderung
Gender
Tim Mosolder | Unsplash

Auf beispiellose Weise setzen Milizen Vergewaltigungen als Kriegsmittel ein, ziehen durch Dörfer und greifen vorwiegend Frauen und Mädchen systematisch an. Misereor unterstützt in solchen Konfliktregionen unterschiedliche Initiativen und Ansätze, so im Ostkongo, einer Region, die seit Jahren von Krieg und Gewalt gekennzeichnet ist.

Mitarbeit von Jana Echterhoff

Die Organisationen setzen sich für die von Gewalt betroffenen Frauen ein. Diese sind vergewaltigt worden, sind traumatisiert und häufig HIV-positiv. Oder aber sie haben ihre Männer verloren und befinden sich finanziell in einer schwierigen Lage. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist es, die Frauen psychosozial zu beraten und zu begleiten. Daneben helfen die Organisationen dabei, Kleingewerbe aufzubauen, schulen die Frauen zum Beispiel in Hygiene und Frauenrechten, und ermöglichen Austausch und gegenseitige Unterstützung. Personen mit schwerwiegenden psychischen Symptomen erhalten Psychotherapien.

Außerdem kümmern sich die Organisationen um Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie stellen zum Beispiel Konzerte auf die Beine, in denen Themen wie Vergewaltigung, Frieden und sozialer Zusammenhalt durch Musik und Tanz für die Öffentlichkeit aufgearbeitet werden. Viele Menschen, die so begleitet werden, sind aufgeblüht. Sie haben Selbstvertrauen wiedergewonnen, haben wieder eine Familie, einen eigenen Lebensraum, verdienen ihren Lebensunterhalt, helfen aber auch anderen Betroffenen und kämpfen für Frauenrechte.
Eine solche Arbeit setzt gut ausgebildetes Personal und Infrastruktur sowie die Vernetzung verschiedener Akteure voraus. Wichtig ist zudem, die psychosoziale Arbeit mit wirtschaftlichen Maßnahmen und politischer Arbeit beziehungsweise Konfliktlösung zu kombinieren. Damit nicht genug, spielt die Frage der Geschlechterverhältnisse und ihrer impliziten Machtungleichheit eine zentrale Rolle, um die darin liegenden Ursachen der Gewalt zu bekämpfen.

Strukturelle Gewalt im Geschlechterverhältnis ist Alltag

Sexualisierte Gewalt ist jedoch nicht nur in Kriegssituationen an der Tagesordnung; strukturelle Gewalt im Geschlechter- (und Generationen-!) Verhältnis ist Alltag in vielen Gesellschaften und ein Handlungsfeld für viele Organisationen, die Misereor unterstützt. Mangelnder Zugang zu vor allem weiterführender Bildung und zu eigenen ökonomischen Ressourcen, auch den von ihnen erwirtschafteten, unzureichende rechtliche Absicherung bei Verwitwung und von Gewalt geprägte Geschlechterverhältnisse kennzeichnen für Frauen und Mädchen den Lebensweg. Dabei kommen unterschiedliche Faktoren zum Tragen: die Rollenaufteilung schreibt Mädchen die Arbeit in Haus und Hof zu. Die wirtschaftliche Situation führt dazu, dass Eltern mit wenig Geld bevorzugt ihre Söhne in weiterführende Schulen schicken. Unzureichende hygienische Verhältnisse sorgen dafür, dass eher Mädchen als Jungen Unterricht versäumen. Und daneben sind Mädchen und Frauen davon überzeugt, dass sie die Gewalt ihrer Väter oder ihrer Männer ertragen müssen, wenn sie „ungehorsam“ sind. Mädchen werden immer noch in jungen Jahren von ihren Eltern verheiratet, auch nach einer Vergewaltigung mit ihrem Vergewaltiger.

Viele der von Misereor unterstützten Organisationen begegnen den Herausforderungen durch Rechtsberatung. Frauen-, Kinder- und Mädchenrechte sind kaum bekannt und werden verletzt. Die Rechtsverletzungen von Landraub über Erbstreitigkeiten bis hin zu sexueller Gewalt werden von Rechtsberater*innen begleitet. „Traditionelle“ Richter und staatliche Magistrate werden geschult, Dorfgerichte beeinflusst. Je nach Schwere des Falles werden auch Rechtsverletzungen vor staatliche formale Gerichte gebracht, um Präzedenzfälle zu schaffen. Wichtig ist dabei aufzuzeigen, dass es keine Straflosigkeit mehr gibt, selbst wenn der Täter vor Ort im Dorftribunal gut vernetzt ist.

Ziel ist es, gewaltfreie Beziehungen zu entwickeln

Sensibilisierung, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit kommen hinzu und setzen bei staatlichen Stellen an, stellen aber auch bestehende Beziehungsgeflechte in Frage. Jugendgruppen, Frauengruppen und Gruppen von Ehepaaren setzen sich mit den Geschlechterverhältnissen auseinander. Männer wie Frauen werden dahingehend beraten, ihr Denken und Verhalten zu reflektieren und die Strukturen besser zu verstehen, in denen sie aufgewachsen sind. Ziel ist es, daraus gewaltfreie Beziehungen zueinander und innerhalb ihrer Gruppe/ Familie zu entwickeln und dies anderen Gruppen beizubringen. Spargruppen verschaffen Frauen Zugang zu eigenem Geld.

Auseinandersetzungen mit Genderverhältnissen betreiben auch von Misereor unterstützte Projektträger. So hat die katholische Kirche in Malawi 2019 in einer Erhebung festgestellt, dass von 2578 katholischen Grundschulen im Land lediglich 62 eine Grundschuldirektorin haben. Es gibt 98 katholische Gemeinderatsvorsitzende, von denen lediglich neun Frauen sind. In Bezug auf die Leitung der Sozialentwicklungsbüros und der Justitia-und-Pax Kommissionen wurde in drei von drei untersuchten Diözesen festgestellt, dass die Leitung fest in Männerhand ist. Eine solche Situation kann wenig Signalwirkung auf Frauen und Mädchen und deren Situation ausüben.

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