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COP 31 muss für die am stärksten Gefährdeten liefern

Angesichts der bevorstehenden COP 31 fordert Habib Ur Rehman Mayar, stellvertretender Generalsekretär des g7+-Sekretariats, dass die Klimafinanzierung endlich auch konfliktbetroffenen Ländern zugutekommen muss. Mit seiner fast zwei Jahrzehnte umfassenden Erfahrung in den Bereichen Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit, fragile Staaten und internationale Klimapolitik skizziert Mayar, was eine „Umsetzungs-COP“ für die am stärksten gefährdeten Länder leisten muss.
Copyright: Khanchit Khirisutchalual | iStock

Während sich die Welt auf die COP 31 in Antalya vorbereitet, sollte eine Frage im Mittelpunkt unserer gemeinsamen Bemühungen stehen: Wird Klimafinanzierung endlich diejenigen erreichen, die sie am dringendsten benötigen? Für von Konflikt und Fragilität betroffene Länder ist dies keine abstrakte politische Debatte. Es geht um Überleben, Resilienz und Stabilität.

Die Präsidentschaft der COP 31 hat Antalya als „Umsetzungs-COP“ und „COP der Zukunft“ bezeichnet, bei der es darum geht, Verpflichtungen in Handeln umzusetzen. Das ist ein wichtiges und begrüßenswertes Ziel. Doch für von Konflikten und Fragilität betroffene Länder wird die Umsetzung nicht an der Zahl angekündigter Zusagen oder verabschiedeter Erklärungen bemessen. Sie wird daran gemessen, ob die Klimafinanzierung diejenigen erreicht, die an vorderster Front der Klimakrise stehen.

Die Klimagerechtigkeitslücke

Die Ungerechtigkeit der Klimakrise bleibt eklatant.

Konfliktbetroffene Länder, in denen 1,5 Milliarden Menschen leben, zahlen den höchsten Preis für eine Krise, zu deren Entstehung sie kaum beigetragen haben. Gleichzeitig sind viele dieser Länder Hüter einiger der weltweit wichtigsten Naturressourcen, darunter weitläufige Wälder, biologische Vielfalt und Kohlenstoffsenken, deren Nutzen weit über Grenzen hinausreicht.  

Der Klimawandel ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch ein Risikomultiplikator. Dürren, Überschwemmungen, Ernährungsunsicherheit, Vertreibung und Ressourcenknappheit haben die Fragilität bereits vertieft, Lebensgrundlagen gefährdet und das Risiko von Instabilität erhöht. In Somalia haben wiederkehrende Dürren, unregelmäßige Niederschläge und Konflikte Millionen Menschen in akute Hungersnot getrieben und zu Vertreibungen aus ländlichen Gemeinden geführt. Mehr als 4 Millionen Menschen sind von einer kritischen Ernährungsunsicherheit betroffen, während aufgrund von anhaltender Dürre Tausende ihre Heimat auf der Suche nach Wasser, Nahrung und Existenzgrundlagen verlassen. Im Südsudan haben wiederkehrende Überschwemmungen in den letzten Jahren mehr als 100.000 Menschen vertrieben, Ackerland zerstört, die Hungersnot verschlimmert und die ohnehin schon gefährdeten Gemeinschaften weiter belastet. Ähnliche Muster lassen sich in vielen g7+-Ländern beobachten, in denen klimabedingte Krisen zunehmend mit Konflikten, Armut und schwachen institutionellen Kapazitäten zusammentreffen. Klimaanpassung ist daher nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine Investition in Stabilität, Resilienz und dauerhaften Frieden. Doch trotz dieser Realität stehen die Länder mit den größten Klimarisiken weiterhin vor den größten Hürden beim Zugang zu Klimafinanzierung.  

Von Zusagen zu echtem Zugang

Das Problem besteht nicht nur darin, dass die Anpassungsfinanzierung unzureichend ist. Das Problem ist vielmehr, dass Länder mit dem größten Anpassungsbedarf oft am wenigsten in der Lage sind, auf verfügbare Mittel zuzugreifen. Allzu oft werden diese Länder nicht anhand der Dringlichkeit ihres Bedarfs beurteilt, sondern anhand der Komplexität ihres operativen Umfelds. 

Das muss sich ändern.

Das Pariser Klimaabkommen bildet bereits die Grundlage zum Handeln. Die Vertragsparteien haben sich verpflichtet, Entwicklungsländer zu unterstützen, Anpassungsbemühungen zu stärken und Zugang zu Klimafinanzierungen zu verbessern, unter anderem durch vereinfachte Verfahren und eine verstärkte Unterstützung für eine bessere Vorbereitung. Die Herausforderung für die COP 31 besteht nicht darin, neue Grundsätze zu entwickeln, sondern bestehende Verpflichtungen umzusetzen.  

Drei Prioritäten für die COP 31

Aus Sicht der g7+ stehen drei Prioritäten im Vordergrund.

Erstens muss sich Klimafinanzierung an Vulnerabilität orientieren, anstatt an Bankfähigkeit. Länder mit den höchsten Klimarisiken dürfen nicht benachteiligt werden, nur weil die Rahmenbedingungen dort schwieriger sind.

Zweitens müssen wir in die Grundlagen des Zugangs investieren. Viele konfliktbetroffene Länder benötigen Unterstützung, lange bevor ein Projektvorschlag bei einem Klimafonds eingeht. Klimadatensysteme, institutionelle Kapazitäten, Koordinierungsmechanismen und Fähigkeiten zur Projektvorbereitung sind wesentliche Bausteine für wirksames Klimaschutzhandeln.

Die Erfahrungen des Tschad verdeutlichen sowohl die Bedeutung als auch die Grenzen des derzeitigen Ansatzes. Über mehrere Jahre hinweg arbeitete der Tschad mit dem Green Climate Fund (GCF) zusammen, um Institutionen zu stärken, Koordination zu verbessern und eine Investitionspipeline aufzubauen. Doch wie viele andere von Konflikten betroffene Länder lief auch der Tschad Gefahr, in einem Kreislauf der Vorbereitungshilfe gefangen zu bleiben, ohne dass Investitionen getätigt wurden, die zur Bewältigung drängender Klimafolgen erforderlich waren. Ein Durchbruch gelang im Jahr 2026, als die Führung des GCF direkt mit der Regierung des Tschad in Kontakt trat und dazu beitrug, eine Zusage über mindestens 100 Millionen US-Dollar sowie eine langfristige Partnerschaft zu sichern. Die Lehre daraus ist eindeutig: Readiness ist unverzichtbar, doch vulnerable Länder müssen auch dabei unterstützt werden, den Schritt von der Vorbereitung zur Umsetzung zu vollziehen.  

Drittens müssen wir über kurzfristige Projekte hinausgehen und langfristige Wege zur Stärkung der Resilienz einschlagen. Resilienz lässt sich nicht Projekt für Projekt aufbauen. Sie erfordert nachhaltige Investitionen in Institutionen, Existenzgrundlagen, Infrastruktur, Ernährungssysteme und lokale Gemeinschaften. 

Fragilität in der Klimaagenda anerkennen

Die COP 31 bietet zudem die Gelegenheit, neu zu überdenken, wie Vulnerabilität im Rahmen des Klimaprozesses verstanden wird. 

Die internationale Gemeinschaft erkennt zu Recht die besonderen Umstände der Kleinen Inselentwicklungsstaaten (SIDS) und der Least Developed Countries (LDC) an. Doch Fragilität und Konflikte schaffen auch eigene spezifische Hindernisse, die ebenso viel Aufmerksamkeit verdienen.  

Eine Bewährungsprobe für die COP 31

Wenn Antalya wirklich eine COP der Umsetzung sein soll, dann muss sich die Umsetzung an den Ergebnissen messen lassen – nicht anhand an Ankündigungen. 

Für die g7+ ist dies kein Aufruf zur Sonderbehandlung, sondern zu Fairness. Klimagerechtigkeit verlangt, dass diejenigen an vorderster Front eine faire Chance erhalten, sich anzupassen, Resilienz aufzubauen und eine nachhaltige Entwicklung anzustreben. Das ist das Ergebnis, das wir uns von Antalya erhoffen.

Autor
Habib Ur Rehman Mayar
Habib Ur Rehman Mayar

Habib Ur Rehman Mayar ist stellvertretender Generalsekretär des g7+-Sekretariats mit Sitz in Dili (Timor-Leste). Seit 2008 arbeitet er im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und internationaler Kooperation, unter anderem als Leiter der Abteilung für Entwicklungszusammenarbeit im afghanischen Finanzministerium von 2008 bis 2013. Er hat bei wichtigen internationalen Prozessen mitgewirkt, darunter die Erklärung von Paris, der Aktionsplan von Accra, die Entwicklungspartnerschaft von Busan und der New Deal für ein Engagement in fragilen Staaten. Heute liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit auf Friedensförderung, Staatsaufbau, Klimafinanzierung und Ernährungssicherheit in fragilen sowie von Konflikten betroffenen Kontexten. Das g7+-Sekretariat ist seit vielen Jahren Partner der Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung (FriEnt). Habib Ur Rehman Mayar trägt regelmäßig zu Veranstaltungen von FriEnt bei, darunter das FriEnt Peacebuilding Forum und Dialoge zur Klimasicherheit. Zuletzt sprach er bei der offiziellen Nebenveranstaltung der UNFCCC SB64 über die Ausweitung der Anpassungsfinanzierung für Länder in fragilen und von Konflikten betroffenen Kontexten. (Foto: g7+-Sekretariat)

Referenzen

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