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Bürger*innen treten für Versöhnung ein

Ein Jahr nach den Anschlägen in Sri Lanka
Eddy Billard | Unsplash

Die Anschläge vor rund einem Jahr erschütterten das langsam gewachsene Vertrauen zwischen den Bevölkerungsgruppen. Gemeinsam mit internationalen und lokalen Partnern arbeitet das SRP Projekt weiter für nachhaltigen Frieden.

Die Anschläge vom Ostersonntag 2019 erschütterten Sri Lanka. Eine lokale radikal-islamische Gruppierung hatte über 250 Menschen getötet und über 480 weitere verletzt. Fast exakt zehn Jahre nach dem Ende des langjährigen Bürgerkrieges riefen die Selbstmordattentate in Kirchen und Hotels Erinnerungen an vergangen geglaubte Gewalt wach. Das fragile Vertrauen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Land wackelte. Religiöse Spannungen traten vielerorts wieder deutlich hervor und richteten sich insbesondere gegen Muslim*innen.

Das GIZ-Projekt Stärkung der Versöhnungsprozesse in Sri Lanka (Strengthening Reconciliation Processes in Sri Lanka, SRP), das vom Auswärtigen Amt und der Europäischen Union finanziert wird, arbeitet bereits seit 2017 für eine Nichtwiederholung der Gewalt des Bürgerkrieges und für Versöhnung. Nach den Osteranschlägen konnte SRP damit auf bestehende Partnerschaften zurückgreifen und schnell auf die Anschläge und die Bedürfnisse der Bevölkerung reagieren.

So wurden über 300 Überlebende und Angehörige der Opfer unmittelbar psychosozial betreut. Das Projekt unterstützte eine Trauerbegleitungsgruppe und Hausbesuche für Überlebende und Familienmitglieder. Staatliche und nichtstaatliche Berater*innen sowie freiwillige Helfer*innen wurden geschult und begleitet. Außerdem produzierte SRP zusammen mit dem sri-lankischen Bildungsministerium Kurzvideos, die Eltern und Lehrern dabei helfen sollten, Kinder auf die Rückkehr in die Schule vorzubereiten.

Grassroots-Organisationen führen Initiative für friedliches Zusammenleben an

Neben psychosozialer Unterstützung konnte SRP gemeinsam mit lokalen Partnern den Zusammenhalt im Land zu fördern – so zum Beispiel mit der National Fisheries Solidarity Organization (NAFSO). Um Misstrauen und Ausschreitungen speziell gegen muslimische Bürger*innen entgegenzuwirken, führte NAFSO die Bildung der „Unity of Negombo Citizens“ an. Die Initiative hat interreligiöse Begegnungen organisiert, um religiös-motivierte Spannungen abzumildern und ein friedliches Zusammenleben in Negombo zu gewährleisten. Solche grassroots-Initiativen können den sri-lankischen Versöhnungsprozess langfristig stärken.

Jugendliche engagieren sich für religiöse Harmonie

Auch die Arbeit gegen online hate speech wurde nach den Anschlägen noch wichtiger im Projekt. SRP arbeitet einerseits mit seinen eigenen Social Media Plattformen gegen hate speech und für good speech. Zudem ist SRP mit der NGO Search for Common Ground eine Partnerschaft eingegangen. Sie initiierte mit über 1.100 Jugendlichen aus zehn Distrikten Sri Lankas eine Social Media-Initiative (We Lanka) gegen die negativen Auswirkungen von hate speech und für Versöhnung und Frieden. Hier haben die Jugendlichen unter anderem 27 Videos produziert, die Geschichten von Vielfalt und Co-Existenz erzählen. Innerhalb von zwei Monaten haben diese Videos über die sozialen Medien eine Million Menschen erreicht.

Dass diese Arbeit wirkt, zeigte sich auch nach den Osteranschlägen: Eine Jugendgruppe in Colombo, die an der We Lanka-Initiative teilgenommen hatte, handelte unmittelbar nach den Angriffen, um ihren muslimischen Freunden und Nachbarn zu helfen. Sie brachten religiöse Führungspersönlichkeiten aller vier in Sri Lanka dominanten Glaubensrichtungen zusammen, um zu erörtern, wie die muslimischen Einwohner*innen zu schützen sind. Unter anderem organisierte die Jugendgruppe am Vorabend des buddhistischen Vesak-Poya-Festes eine muslimische Iftar-Veranstaltung (Fastenbrechen). Hier kamen singhalesische, tamilische und muslimische Nachbar*innen unter einem Dach zusammen und praktizierten die religiöse Harmonie der Gemeinschaft. Die Jugendlichen filmten die Initiative und erreichten über Social-Media-Plattformen insgesamt rund 100.000 Menschen.

 Online Hate Speech wächst zum immer größeren Problem in der Peacebuilding Arena heran. Deshalb bereitet SRP eine Studie zur Verbreitung von hate speech in Sri Lanka vor. Erste Ergebnisse der Studie werden für Juni 2020 erwartet.

Auch in Zeiten von COVID-19 beweist das Projekt seine Flexibilität und Anpassungsfähigkeit und baut unter anderem auf psychosoziale Betreuung. Mit Unterstützung von SRP kann sich ein Netzwerk von über 100 psychosozialen Fachkräften nun noch besser austauschen. Sie begleiten die Menschen dabei,  mit den sozialen Folgen der Einschränkungen durch das Virus umzugehen. Ebenso bleibt das Engagement gegen fake news und hate speech relevant, die auch während der COVID-19 Pandemie ein großes Problem darstellen.

SRP ist auf Facebook und auf Instagram vertreten.

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