Wonach suchen Sie?

Wonach suchen Sie?

Traumaarbeit als zentraler Bestandteil von Friedensarbeit

Fortbildungsreihe zu Definitionen, Auswirkungen und Selbstfürsorge
Misereor
Trauma
Veranstaltung
Pexels I Pixabay

Entwicklungs- und Friedensarbeit im Kontext von Trauma stellt Projektpartner vor Ort und auch Mitarbeitende von MISEREOR vor besondere Herausforderungen. Um mit diesen Herausforderungen professionell und sensibel umzugehen, organisierte MISEREOR 2017/2018 eine dreiteilige Fortbildungsreihe zum Thema traumasensible EZ. Durch eigene Erfahrungen und Beispiele der Teilnehmenden gelang es die Veranstaltungen fallbezogen und handlungsorientiert auszurichten.

Das erste Seminar vermittelte die grundlegenden Definitionen von Trauma und die Prinzipien der Traumasensibilität anhand bestehender MISEREOR-Projekte. Es ging darum, Traumafolgen erkennen zu lernen und daraus erwachsende Reaktionen und Dynamiken im jeweiligen kulturellen Kontext zu verstehen, um eine Unterstützung möglichst traumasensibel zu gestalten.

Das zweite Seminar nahm die systemische Dimension von Trauma in den Blick und befasste sich mit den Auswirkungen von Trauma in Projekten, Teams und Organisationen. Was bedeutet es für Organisationen, in Kontexten von Trauma zu arbeiten? Wie erkennen Referent*innen aus Deutschland destruktive Traumadynamiken in Projektteams und Organisationen, mit denen sie im Ausland zusammenarbeiten, und wie können sie hilfreich darauf Einfluss nehmen? Die Arbeit MISEREORs ist geprägt von einem solidarischen Verständnis von Partnerschaft. Das bedingt ein empathisches Nachvollziehen und Miterleben der Situationen und Schicksale, denen sich Menschen ausgesetzt sehen. Auch Mitarbeitende, die von Deutschland aus arbeiten, sind Zeug*innen von großen Belastungen, die Menschen erfahren. Im Sinne der Fürsorgepflicht für Mitarbeitende ist es die Aufgabe MISEREORs, Räume dafür zu schaffen, das direkt und auch indirekt Erlebte so zu bearbeiten, dass selbst bei langjähriger Tätigkeit ein gesundes Arbeiten möglich ist und keine Abstumpfung im Sinne einer „Mitgefühlserschöpfung“ (Compassion Fatigue) eintritt.

Das dritte Seminar hatte deshalb die Themen Selbstfürsorge und organisationale Fürsorge zum Inhalt. Nach der Identifizierung möglicher Quellen für Belastung im spezifischen Arbeitskontext erlernten die Teilnehmenden notwendige Strategien der Selbstfürsorge. MISEROR arbeitet als Arbeitgeber daran, Unterstützungsangebote auszuweiten und weiter zu professionalisieren, damit Mitarbeitende Partner und Projekte adäquat begleiten können und dabei selbst langfristig gesund, motiviert und einsatzbereit bleiben.

Als Grundlage für einen vertieften fachlichen Austausch im eigenen Haus sowie mit Partnern und mit anderen Akteuren, hat MISEREOR nun ein Positionspapier „Zur Traumaarbeit als zentralem Bestandteil von Friedensarbeit und Entwicklungszusammenarbeit“ veröffentlicht. Erste Rückmeldungen von Partnerorganisationen bescheinigen dem Papier, dass es sehr hilfreich und in seiner Benennung der Herausforderungen und Empfehlungen anspruchsvoll ist. Damit ist es gerade für die Arbeit in Prozessen des gesellschaftlichen Wiederaufbaus in (Post-) Konfliktgesellschaften relevant, in denen die Grenzen zwischen „Täter“ und „Opfer“ bisweilen verschwimmen und doch überwunden werden müssen, um ein Ende von Gewaltspiralen zu ermöglichen.

Kontakt
Referenzen

Verwandte Artikel

FriEnt Peacebuilding Forum
In einer Zeit von wachsender globaler Instabilität und der erneuten Fokussierung auf Sicherheit und Abschreckung bietet das FriEnt Peacebuilding Forum 2026 einen klaren Gegenpol, indem es rund 150 internationale Expert*innen aus Theorie und Praxis zusammenbringt, um neue Wege zu einem nachhaltigen und gerechten Frieden zu erarbeiten und voranzutreiben.
CSP
Globale Partnerschaften
Zivilgesellschaftliche Räume schrumpfen weltweit – mit Folgen für Frieden, Demokratie und globale Gerechtigkeit. Ralph Ellermann von Conducive Space for Peace (CSP) erklärt im Interview, warum dieser Trend kein Zufall ist, weshalb echte Freiheit nur kollektiv entstehen kann und wie eine translokale Zivilgesellschaft neue Handlungsspielräume eröffnet.
Wir nehmen mit tiefer Trauer Abschied von Jochen Steinhilber. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke in der Welt der internationalen Zusammenarbeit und Krisenprävention.
Agenda 2030
Sustainable Development Goals (SDGs)
Erkundung der gemeinsamen Arbeit an Beyond 2030, Jugend, Frieden und Sicherheit sowie Frauen, Frieden und Sicherheit

Verwandte Artikel