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Was es für nachhaltige Erfolge braucht

FriEnt-Event zum Umgang mit der Klimakrise in Konfliktkontexten
Brot für die Welt
Fragilität
Klimawandel
Sicherheitspolitik
Veranstaltung
Frieden und Klima
Globale Partnerschaften
Foto: Privat

Von der Klimakrise am stärksten betroffen sind Länder, die gleichzeitig fragil und von gewaltsamen Konflikten betroffen sind. Diese Länder haben weniger als 4% zu den weltweiten CO₂-Emissionen beigetragen. Gleichzeitig sind sie aber disproportional stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Das zeigt sich auch daran, dass sie mit 29% der weltweiten Naturkatastrophen und 50% der damit verbundenen Todesfälle konfrontiert sind. Fragile Länder haben zudem viel weniger Klimafinanzierungsmittel erhalten als nicht fragile Länder. Laut UNDP und dem Climate Security Mechanism flossen die internationalen Klimafinanzierungsmittel, die zwischen 2014 und 2021 bereitgestellt wurden, nur in Höhe von 2,10 bis 10,80 USD pro Kopf in fragile Länder. Gleichzeitig erhielten nicht fragile Länder 161,70 USD pro Kopf.

Vor diesem Hintergrund hat FriEnt gemeinsam mit Brot für die Welt, Germanwatch, Search for Common Ground und World Vision ein Side Event bei der Bonner Klimakonferenz im Juni zu organisiert. Leitgedanke der Diskussion war es, Fragilität nicht als Barriere zu sehen, sondern als Grund zum Engagement. So fasste es der BMZ-Referatsleiter und Podiumsgast, Sebastian Lesch, zusammen. Gemeinsam wurde beleuchtet, welchen spezifischen Bedarf betreffende Kontexte aufweisen und wie die deutsche Entwicklungspolitik darauf reagiert. Es existieren international bereits erfolgversprechende Ansätze, die eine Grundlage bieten sollten für die Klimaverhandlungen und die weiteren Vorbereitungen der COP30 im November in Brasilien:

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich die Klimakrise negativ auf Fragilität und Menschliche Sicherheit auswirkt. Fragilität und Konflikte erhöhen die Anfälligkeit für den Klimawandel. Umgekehrt kann der Klimawandel auch Fragilität, Konflikte und den Mangel an Menschlicher Sicherheit verstärken. Dabei leiden von Armut und Ausgrenzung betroffene Bevölkerungsgruppen besonders stark unter den Folgen des Klimawandels. Gleichzeitig müssen sie mit den Auswirkungen von Fragilität, Konflikten und Gewalt fertig werden. Ihre Vertreter*innen aus zivilgesellschaftlichen Organisationen fordern von der Gemeinschaft geleitete Klimaschutzmaßnahmen, mehr Eigenverantwortung und dass sie auch über gesellschaftliche und politische Grenzen hinweg einbezogen werden. Sie machen auch deutlich, dass Klimaschutzmaßnahmen mit friedensfördernden Maßnahmen eng verbunden werden müssen. Das heißt zum Beispiel, dass geeignete Klimaanpassungsprogramme auch Spannungen und Ungleichheit zwischen unterschiedlichen Gruppen abbauen.

Regierungen fordern vielfältige Maßnahmen

Die Regierungen fragiler und konfliktbetroffener Länder – die sich unter den g7+ zusammenfinden – fordern eine größere Flexibilität bei der Klimafinanzierung und den damit verbundenen Programmen. Zudem fordern sie, dass institutionelle Barrieren abgebaut werden und es mehr technische Unterstützung gibt. Sie sehen eine Chance, Vertrauen aufzubauen, indem sie die Klimafinanzierung über legitime und inklusive Regierungsstrukturen kanalisieren. Dies sollte jedoch eine institutionalisierte Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft beinhalten sowie mit Vertreter*innen der am meisten gefährdeten und betroffenen Gruppen.

Die deutsche Regierung unterstützt einen risikoinformierten und konfliktsensiblen Ansatz für Klimaschutzmaßnahmen. Sie nutzt ihren Einfluss, um sich für ein umfassendes Maßnahmenpaket einzusetzen. Dieses betrifft sowohl die Anpassung als auch die Bewältigung von Verlusten und Schäden sowie die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit. Ein breites Spektrum an Maßnahmen und Instrumenten wird eingesetzt. Auf diese Weise können Maßnahmen aus verschiedenen Bereichen miteinander verbunden werden. Die Bundesregierung setze sich zudem dafür ein, dass das Thema Verluste und Schäden sowie der Nexus Klima und Sicherheit auf die Agenda der COP 30 in Bélém kommen.

Zentrale Schlussfolgerungen aus der Podiumsdiskussion: 

  • Die Klimafinanzierung für fragile und konfliktbelastete Kontexte ist zielführend, wenn sie ausgeweitet und zudem flexibler und weniger bürokratisch gestaltet wird. Es ist wesentlich, dass sie auch betroffene Gemeinschaften direkt erreicht, die in Regionen wohnen, die außerhalb der Kontrolle eines Staates liegen. Zu berücksichtigen sind hierbei mögliche Dilemmata und Interessenkonflikte: Risiken sollten nicht auf Gemeinschaften abgewälzt werden. Stattdessen sollten Chancen für einen Vertrauensaufbau in die Regierung genutzt und betroffene Gemeinschaften bei mangelnder Regierungsführung nicht benachteiligt werden.
  • Systemische Konfliktanalysen helfen, um neben der Erfassung von Klima- und Finanzrisiken auch andere Risiken zu erfassen. So können entsprechende Maßnahmen entwickelt werden, die diese Risiken berücksichtigen und friedensfördernd wirken.
  • Für erfolgreiche und nachhaltige Klimapolitik in fragilen und Konfliktkontexten ist es von Vorteil, wenn die Einbeziehung existierender Friedensinfrastrukturen und zivilgesellschaftlicher Organisation institutionalisiert und abgesichert ist.
  • Nicht zuletzt brauchen betroffene Gemeinschaften vermehrt Zugang zu Plattformen, um Mitbestimmung auf Augenhöhe zu erzielen. Verbesserte Teilhabemöglichkeiten für Menschen aus den betreffenden Kontexten sind auch den internationalen Klimaverhandlungen zuträglich.

An dem Side Event nahmen Sebastian Lesch (BMZ), Vera Künzel (Germanwatch), McLarence Mandaza (World Vision International) und Habib Mayar (g7+) als Gastredner*innen teil.

Kontakt
Caroline Kruckow
Caroline Kruckow

Entsandte von Brot für die Welt bei FriEnt

caroline.kruckow@frient.de

Nina Strumpf
Nina Strumpf

Entsandte der Berghof Foundation und der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung bei FriEnt

nina.strumpf@frient.de

Svenja Windisch
Svenja Windisch

Beraterin für Internationale Agenden und Prozesse

svenja.windisch@frient.de

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