Wonach suchen Sie?

Aktuelles

Wirtschaft und Frieden – wie steht’s in Myanmar?

We used to fear bullets - Now we fear bulldozers
Jesse Schoff I Unsplash

„We used to fear bullets. Now we fear bulldozers“ – so eine Aussage von Menschen aus Myanmar, die zu der heutigen Situation und den Auswirkungen der großen Infrastruktur- und Investitionsprojekte befragt wurden. Diese Aussage wirft einen Schatten auf die Annahme, durch Wirtschaftsförderung direkt eine Friedensdividende erzielen zu können.

Welche Ansätze, aber auch welche Herausforderungen sich abzeichnen, um tatsächliche Friedenspotentiale durch die Förderung des Privatsektors zu erzielen, wurde beim FriEnt-Fachgespräch „Wirtschaft und Frieden – wie steht’s in Myanmar?“ am 7. Februar mit 25 Teilnehmenden aus staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen diskutiert. Welche Grundannahmen und Konzepte liegen der Privatwirtschaftsförderung und den Investitionen in Konfliktkontexten wie Myanmar zugrunde? Inwieweit können konfliktsensibles Handeln und die Beachtung sozialer und menschenrechtlicher Aspekte im Rahmen der Wirtschaftsförderung zu Konflikttransformation und Friedenskonsolidierung beitragen? Solche und ähnliche Fragen wurden insbesondere in Bezug auf Tourismus, Großprojekte und Investitionspartnerschaften diskutiert sowie mit Blick auf Gewerkschaftsarbeit hinterfragt.

Zwei einführende Vorträge stellten die aktuelle Situation in Myanmar vor. Sie erläuterten Ansatzpunkte für friedens- und entwicklungsfördernde Wirtschaftsaktivitäten und führten die relevanten Wirtschaftsakteure und den rechtlichen Rahmen ein. Dabei wurde deutlich, dass eine sogenannte ‚Friedensdividende‘ nicht automatisch durch wirtschaftliche Aktivitäten und Förderungen des Privatsektors zu erwarten ist. Myanmarische Eliten und ehemalige Kämpfer haben über Waffenstillstandsabkommen Vorgriffsrechte auf Ressourcen ausgehandelt. Dieser so genannte ‚Ceasefire capitalism‘ sowie die Vormachtstellung ehemaliger Militärs und die damit verbundene Vetternwirtschaft haben der Bevölkerung bisher vor allem Nachteile, Unsicherheit und Vertreibungen gebracht. Wirtschaftliches Handeln wird von vielen Menschen im Land nicht mit Sicherheit und Wohlstand für alle assoziiert, sondern steht eher für Bedrohung.

Für die Entwicklungszusammenarbeit stellen sich viele Fragen neu, nicht zuletzt nach den kriegerischen Auseinandersetzungen im Rakhaing-Staat und der gewaltsamen Vertreibung der Rohingya. Dazu gehört zum einen die Frage, welche Projekte in welchen Bereichen und in welcher Form zu unterstützen sind. Zum anderen stellt sich unter diesen Bedingungen die Frage nach der Ausgestaltung nachhaltiger Wirtschafts- und Privatsektorförderung. In den anschließenden Diskussionen wurde betont, in diesen Kontexten keine zu hohen Erwartungen zu transportieren und sich vielmehr um langfristige Ansätze zu kümmern. Um durch Wirtschaft eine Friedensdividende erzielen zu können, muss Wirtschaft eine Breitenwirksamkeit erzielen, die von der Bevölkerung als positiv wahrgenommen wird. In der derzeitigen Situation sei das noch nicht erreicht und wäre ein weiter Weg, der nur in kleinen Schritten und mit hoher Konfliktsensibilität weiter gegangen werden könne.

Referenzen
Teilen
Autor
Caroline Kruckow
Caroline Kruckow

Entsandte von Brot für die Welt bei FriEnt

caroline.kruckow@frient.de

Sylvia Servaes

Sylvia Servaes is the FrieEnt representative of 'Misereor'

sylvia.servaes@misereor.de

Kontaktieren Sie uns
Haben Sie Fragen zu diesem Artikel oder möchten Sie das FriEnt-Team kontaktieren?

Verwandte Artikel

[tag_names_card]
Die Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung (FriEnt) hat ihre Webseite grundlegend neugestaltet. Mit klarer thematischer Struktur, vereinfachter Navigation und modernem, zugänglichem Design wird die Arbeit des Netzwerkes jetzt noch sichtbarer und leichter zugänglich – für Fachleute ebenso wie für alle, die sich für friedens- und entwicklungspolitische Themen interessieren. Wie bisher ist die Webseite sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch verfügbar.
[tag_names_card]
Seit September 2026 verstärkt Peer Krumrey das FriEnt-Team als Entsandter der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Er ist Referent für Frieden und Sicherheit im Referat Globale und Europäische Politik der FES und arbeitet bei FriEnt insbesondere zu Frieden und Sicherheit sowie Frieden und Entwicklung.
[tag_names_card]
Am 26. August diskutierten Fachleute aus Nigeria und Deutschland in Berlin im Rahmen der FriEnt-Reihe Forgotten Conflicts Ursachen und Folgen der Gewalt in Nigerias Nordwesten und in der Region Middle Belt. Die Diskussion stellte die Annahme infrage, die Gewalt sei in erster Linie religiös motiviert, und richtete den Blick stattdessen auf Faktoren wie Klimastress, Landknappheit, schwache staatliche Strukturen und schwindende Lebensgrundlagen sowie auf die Bedeutung lokal verankerter Friedensarbeit.
[tag_names_card]
Der Katholikentag in Würzburg hat gezeigt: Frieden, Sicherheit und Entwicklung gehören zusammen. Im Gespräch erläutert Dorothee Klüppel, Mitglied im Lenkungsausschuss von FriEnt und Abteilungsleiterin Afrika/Nahost bei Misereor, warum Sicherheit mehr ist als militärische Stärke, weshalb Gerechtigkeit, Demokratie und internationale Zusammenarbeit zentrale Voraussetzungen für nachhaltigen Frieden sind und welche besondere Rolle kirchliche Akteure dabei spielen – gerade in Zeiten von Aufrüstung und geopolitischen Spannungen.

Verwandte Artikel