Eine Einschätzung der Bonner Klimaverhandlungen aus der Perspektive von FriEnt
Vom 8. bis 18. Juni kamen in Bonn politische Entscheidungsträger*innen, Verhandler*innen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft zu den 64. Zwischenverhandlungen (SB64) der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) zusammen. Die vom UN-Klimasekretariat organisierten Treffen dienten der Vorbereitung der nächsten 31. UN-Klimakonferenz (COP 31) in Antalya im November 2026.
Zwischen Ambition und Umsetzung
Unter dem Leitmotiv „Die Lücke zwischen Ambition und Umsetzung schließen“ stand bei den SB64 die Umsetzung bestehender Zusagen im Mittelpunkt. Diese Botschaft prägte die Verhandlungen als auch die offiziellen Side Events. Doch vor allem bei „Anpassung“ (adaptation) und bei „Klimafinanzierung“ (climate finance) Besonders deutlich wurden die Spannungen beim Global Goal on Adaptation (GGA), ein zentrales Ziel des Pariser Klimaabkommens. Obwohl die Verdopplung bzw. Verdreifachung der Anpassungsfinanzierung bereits auf der COP 30 in Belém beschlossen wurde, konnten sich die Staaten nicht darauf einigen, wie diese Verpflichtung im Verhandlungstext verankert werden soll. Die Verhandlungen müssen daher auf der COP 31 in Antalya neu beginnen.
Der Klima–Frieden–Sicherheits-Nexus bleibt randständig
Da der Klima-Frieden-Nexus nicht Teil der formellen UNFCCC-Verhandlungen ist, spielte er auch bei den SB64 kaum eine Rolle. Zwar verweist das UNFCCC-Sekretariat regelmäßig auf die Zusammenhänge von Klima, Frieden und Entwicklung, wichtige inhaltliche Impulse wurden jedoch vor allem in den Side Events gesetzt. So fand am 18. Juni in Bonn das von Brot für die Welt gemeinsam mit der ACT Alliance, DanChurchAid, ACT Church of Sweden und der Maleya Foundation (Bangladesch) organisierte Side Event zur Anpassungsfinanzierung in fragilen und konfliktbetroffenen Kontexten statt, an dem auch FriEnt beteiligt war.
Sabine Minninger (Brot für die Welt) stellte den Adaptation Index 2025 vor, ein zivilgesellschaftliches Analyseinstrument zur Bewertung der Lücke zwischen Klimarisiko und Anpassungsfinanzierung. Demnach sind rund 90 Prozent der Länder gemessen an ihrem Klimarisiko unterfinanziert, besonders Afghanistan, Tschad, Südsudan, Somalia und Niger. Minninger forderte die Umsetzung der in Belém zugesagten Verdreifachung der Anpassungsfinanzierung sowie zusätzliche Finanzierungsquellen. Habib Ur Rehman Mayar (g7+-Sekretariat, Timor-Leste) betonte, dass Klimamaßnahmen an nationale Kontexte angepasst und Zugangsbarrieren zur Finanzierung abgebaut werden müssen. Mrinal Kanti Tripura (Maleya Foundation, Bangladesch) hob hervor, dass die Rechte insbesondere indigener Gemeinschaften sowie das Recht auf Konsultation und freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) zentrale Voraussetzungen für inklusive und konfliktsensible Klimapolitik sind.
Trotz der schwierigen Verhandlungen blieb Klimagerechtigkeit ein zentrales Thema. Viele Teilnehmende verwiesen auf das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von Juli 2025, das die Bedeutung einer sauberen, gesunden und nachhaltigen Umwelt als zentrale Voraussetzung für die Ausübung zahlreicher Menschenrechte darstellt. Das Gericht bestätigte einstimmig, dass Staaten völkerrechtlich verpflichtet sind, Klimaschäden zu verhindern, und dass das 1,5-Grad-Ziel rechtlich bindend ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Klimagerechtigkeit auch eine Frage der gleichberechtigten Teilhabe an internationalen Entscheidungsprozessen ist.
Kein Zugang, keine Stimme: Visabarrieren für den Globalen Süden
Viele zivilgesellschaftliche Akteur*innen und Delegierte aus dem sogenannten Globalen Süden konnten aufgrund verspäteter oder abgelehnter Visa jedoch nicht teilnehmen. Dadurch fehlten wichtige Perspektiven jener Regionen, die besonders stark von den Folgen der Klimakrise betroffen sind.
Einordnung: verschärfte Klimarisiken und wachsende sicherheitspolitische Relevanz
Die SB64 fanden vor dem Hintergrund sich verschärfender Klimarisiken statt. Ein sich intensivierendes El-Niño-Phänomen könnte laut Prognosen einige der schwersten Wetterextreme seit über einem Jahrhundert auslösen, darunter extreme Hitze, Überschwemmungen und weitreichende Störungen. Gleichzeitig wird Klimawandel zunehmend nicht mehr nur als Umweltproblem verstanden, sondern als Bedrohung für menschliche Sicherheit, Entwicklung und nachhaltigen Frieden. Besonders stark betroffen sind fragile und konfliktgeprägte Regionen, die historisch nur wenig zu den globalen Emissionen beigetragen haben.
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