Nachdem die Klimakonferenz COP drei Jahre nacheinander in autoritären Staaten stattgefunden hatte, bot sie im demokratischen Brasilien endlich wieder den Raum für eine lebendige und engagierte Zivilgesellschaft. Besonders sichtbar wurde dies durch die Demonstrationen indigener Gemeinschaften und den großen „Climate March“ mit über 50.000 Teilnehmenden. Sie rückten jene in den Mittelpunkt, die die Folgen des Klimawandels schon heute besonders stark spüren – und deren Menschenrechte und Sicherheit bereits jetzt massiv bedroht sind. In diesem Artikel werden die zentralen Ergebnisse der COP30 sowie mögliche nächste Schritte skizziert.
Mehr als zwei Milliarden Menschen leben heute bereits in fragilen oder konfliktbetroffenen Kontexten. Der Klimawandel wirkt hier als Risikomultiplikator – er verschärft bestehende soziale, politische und wirtschaftliche Spannungen. Trotz dieser Risiken fließen nur rund 10% der internationalen Klimafinanzierung in fragile Staaten – und decken damit nur ein Viertel des Finanzierungsbedarfes. Dabei können klima- und friedenssensibel gestaltete Projekte in den Bereichen Emissionsminderung, Anpassung und Loss & Damage maßgeblich zur Stabilisierung beitragen, Konfliktrisiken reduzieren und Friedensprozesse stärken.
Vor der COP30 in Belém forderten zahlreiche Organisationen und Netzwerke – darunter auch FriEnt – deshalb, den Nexus Klima–Frieden–Sicherheit auf die Agenda zu setzen und integrierte Lösungsansätze voranzubringen. Einzelne Staaten gehen bereits voran: So verpflichtet sich etwa Somalia mit seinen neuen national festgelegten Beiträgen für Klimaschutzziele 3.0 (NDCs nach dem Pariser Klimaabkommen) ausdrücklich dazu, Klima-, Friedens- und Sicherheitsaspekte systematisch zu integrieren – inklusive Risikoanalysen und konfliktsensibler Programmplanung.
Auf der COP30: Anerkannte politische Herausforderung, aber kaum politischer Raum
In den vergangenen Jahren gab es wichtige Fortschritte, um Klima-, Friedens- und Sicherheitsfragen stärker miteinander zu verknüpfen – etwa durch die COP28 Declaration zu Climate, Relief, Recovery & Peace oder den Baku Call for Action. Doch auf der COP30 fiel das Thema aus der offiziellen Agenda heraus. Trotzdem thematisierten zahlreiche Staaten und Organisationen die sicherheitspolitischen Auswirkungen der Klimakrise in Side Events und Statements.
Besonders relevante Impulse kamen von folgenden Akteuren:
- Das Netzwerk Improved and Equitable Access to Climate Finance Network (IEACF – zehn fragile und konfliktbetroffene Länder) kritisierte in einem Statement offen, dass die Länder faktisch von der Klimafinanzierung „ausgeschlossen“ seien.
- Die Climate Security Mechanism (CSM) Initiative organisierte ein hochrangiges Event zu “Bridging the Gap: Making Climate Finance Work for the Underserved”. Dabei kündigte sie an, den Aufbau von Länder-Plattformen in fragilen und von Konflikten betroffenen Ländern zu unterstützen – als strategischer Ansatz zur Mobilisierung von Finanzmitteln. Die Europäische Union bekräftigte dabei ihre Verpflichtung, Klima–Frieden–Sicherheit-Aspekte in der Außenpolitik systematisch zu verankern. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) verpflichtete sich, 2026 ein Mehrjahresprogramm zu entwickeln, um ihre Arbeit zu den Zusammenhängen zwischen Klimawandel und Sicherheit in der gesamten Region zu stärken.
- Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) zeigte in einem Side Event auf, wie sie den Nexus systematisch verankert – über ihre Fragility-Strategie, die Transition Support Facility und das Climate Change and Green Growth Framework für 2030.
Ein Blick auf die COP30 Ergebnisse aus der Friedens- und Konfliktperspektive
Die COP30 stand unter hohem Erwartungsdruck: Sie musste sowohl die Ambitionslücke schließen als auch Klarheit zu den Themen Anpassung und Klimafinanzierung bringen. Die Konferenz startete mit einer vielversprechenden Dynamik, vor allem mit einem Fahrplan, um fossile Brennstoffe runterzufahren. Letztlich verhinderten jedoch Blockaden einzelner Staaten und fehlende Finanzzusagen der Industrieländer wesentliche Fortschritte.
Relevante Ergebnisse für den Nexus Klima–Frieden–Sicherheit sind:
1. Just Transition: Die COP30 beschloss die Entwicklung eines Mechanismus für den gerechten Übergang (Just Transition Mechanism). Positiv sind der Verweis auf die 1,5-Grad-Grenze, die Einbeziehung indigener Gemeinschaften sowie verankerte Menschenrechtsaspekte. Allerdings steht der Mechanismus erst am Anfang: Mandat, institutionelle Verankerung und konkrete Verfahren müssen so ausgestaltet werden, dass sie marginalisierte Gruppen einbeziehen und Konfliktrisiken systematisch berücksichtigen.
2. Anpassung: Anpassung ist besonders in fragilen Kontexten entscheidend für menschliche Sicherheit. Das Paket der COP30 – bestehend aus Indikatoren, Anpassungsfinanzierungsziel und einer Umsetzungsagenda – bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück. Nur 59 von 100 Indikatoren des Globalen Anpassungsziels wurden angenommen. Gleichzeitig ist die zugesagte Finanzierung deutlich zu gering. Damit das Anpassungsziel handlungsleitend werden kann, müssen die Indikatoren überarbeitet werden. Dabei muss zum einen darauf geachtet werden, dass sie dem Do-no-harm-Prinzip entsprechen. Zum anderen müssen sie aber auch Prävention und Vorsorge im Rahmen eines Multihazard-Ansatzes gewährleisten. Denn die erhöht die menschliche Sicherheitund fördert den Frieden.
3. Loss and Damage (L&D): Auf der COP30 blieb das Thema politisch marginal. Zwar wurden der Review des Warschau-Mechanismus abgeschlossen, ein L&D-Statusbericht beschlossen und der Fonds für Verluste und Schäden (FRLD) in die Umsetzungsphase überführt – inklusive einem ersten Call for Proposals. Aber: Klare Zusagen zur Schließung der massiven Finanzierungslücken fehlen. Für den Klima– Frieden– Sicherheit-Nexus ist jetzt wichtig: Bei der Auswahl der ersten finanzierten Projekte des FRLD muss darauf geachtet werden, dass auch fragile und von Konflikten betroffene Länder und Kontexte beachtet werden.
4. Klimafinanzierung: Der Weg und auch der Prozess zu den versprochenen 1,3 Billionen USD bis 2035 bleibt nach der COP30 unklar. Beschlossen wurden ein Minister*innen-Roundtable und ein neues Ziel zur Verdreifachung der Anpassungsfinanzierung bis 2035. Doch Referenzjahr, Geberbasis und Umsetzungsmechanismen bleiben vage. Für den Klima–Frieden–Sicherheit-Nexus bleibt damit ein zentrales Problem bestehen: Die Klimafinanzarchitektur der UNFCCC – Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen – garantiert bislang nicht, dass ein substanzieller Teil der Mittel tatsächlich konfliktbetroffene Gemeinschaften erreicht, in denen sich Klimarisiken und Konfliktursachenwechselseitig verstärken. Entscheidend wird nun die Umsetzung: Auswahlkriterien und unterstützende Rahmenbedingungen müssen sicherstellen, dass fragile und konfliktbetroffene Länder und Kontexte nicht länger am Rand der Klimafinanzierung stehen.
Ausblick auf die COP31
In Zeiten zunehmender globaler Unsicherheit und sich verschärfender geopolitischer Rivalitäten ist die Klimakrise ein Risikomultiplikator mit weitreichenden Auswirkungen auf Frieden und Sicherheit. Die COP31 sollte daher den Klima–Frieden–Sicherheit-Nexus wieder auf die offizielle Agenda setzen. So kann die Dynamik der COP28 Declaration und des Baku Call for Action wieder aufgenommen, bereits gebildete Koalitionen vorangebracht und die Umsetzung konkreter Maßnahmen beschleunigt werden. Bis dahin bieten Formate wie die von Deutschland angekündigte New York Edition der Berlin Climate and Security Conference in 2026 eine wichtige Möglichkeit, zentrale Fragen zu diskutieren: Wie können die UNFCCC-Finanzarchitektur, das Globale Anpassungsziel und der Just Transition Mechanism so weiterentwickelt werden, dass sie Frieden und Menschliche Sicherheit in fragilen Kontexten tatsächlich stärken – ohne unbeabsichtigt neue Risiken zu erzeugen?