What are you looking for?

What are you looking for?

FriEnt-Arbeitsgespräch Wirtschaft & Frieden – wo stehen wir?

Kein Frieden ohne (wirtschaftliche) Entwicklung – Keine Entwicklung ohne Frieden
FriEnt
business and peace
Dirk Ostermei I GIZ

„Jobs – jobs – jobs“ ist der Tenor, in dem derzeit mögliche Lösungen für zunehmend gewaltsame Situationen diskutiert und praktisch angegangen werden. Die Weltbank mit ihrem Weltentwicklungsbericht 2011 sowie die Agenda 2030 und der „New Deal for Engagement in fragile States“ sehen eine besondere Rolle für die Wirtschaft und den privaten Sektor in der Konfliktbewältigung vor. Das FriEnt-Fachgespräch diskutiert die Bemühungen um Integration von Friedens- und Entwicklungsarbeit.

Wie bereits in den Vorgesprächen erwies sich das Feld auch in der Diskussion als sehr heterogen. So wurde eine ganze Bandbreite an Aktionsfeldern genannt, an denen die FriEnt-Mitgliedsorganisationen gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen in den jeweiligen Ländern beteiligt sind: einerseits zählen hierzu Unternehmensverantwortung, Staatenpflichten und die Einhaltung der in den letzten Jahren von unterschiedlichen internationalen Gremien verabschiedeten Regularien, andererseits Arbeitsplatzbeschaffung und die Entwicklung weiterer wirtschaftlicher Möglichkeiten als Alternative zu gewaltsamer Betätigung vor allem für junge Menschen.

Auf der Basis der Beiträge vom Bonn International Center for Conversion (BICC), von Tourism Watch/ Brot für die Welt und der GIZ kristallisierten sich während des Arbeitsgespräch fünf Themenfelder heraus, die weiterführende Fragen beinhalteten:

  • Konzepte und Grundannahmen: Es wurde deutlich, dass die Konzepte und Grundannahmen zum Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Frieden, mit denen die verschiedenen staatlichen und zivilgesellschaftlichen, lokalen und internationalen Entwicklungs- und Wirtschaftsakteure operieren, sehr unterschiedlich sind. Welche Auswirkungen hat dies auf die Unterstützung wirtschaftlicher Möglichkeiten vor allem dort, wo sie sich widersprechen? Was bedeuten diese Grundannahmen unter Bedingungen fragiler oder nicht vorhandener staatlicher Institutionen? Tatsächlich, so die Anmerkung von Elke Grawert (BICC) beziehen sich die bestehenden Wirtschaftskonzepte, mit denen auch unter Konflikt- und Fragilitätsbedingungen gearbeitet wird, auf stabile Situationen mit funktionierenden Institutionen. Es gebe bisher keine aussagekräftigen Daten, die den Zusammenhang zwischen Frieden und wirtschaftlicher Entwicklung belegten.
  • Verantwortung von Staat und Unternehmen: Sollten (internationale) Unternehmen eine Rolle in der Ordnungspolitik übernehmen? Wie können fragile Staaten darin unterstützt werden, ihrer Pflicht zur Schaffung und Umsetzung von Rechtssicherheit nachzukommen? Welche Rolle spielen „traditionelle“ Autoritäten und Rechtsüberzeugungen?
  • Lokale Erfolge – nationale/ regionale Entwicklung: Wie lassen sich erfolgreiche Wirtschaftsförderungsmaßnahmen auf lokaler Ebene auf nationale/ regionale Ebenen übertragen, wenn staatliche Institutionen nur sehr begrenzte Funktionsfähigkeit haben?
  • New Deal: Inwiefern kann die Umsetzung des New Deal auf nationalen Ebenen Aushandlungsprozesse unter Einbeziehung von Unternehmen unterstützen? Wie kann dabei Machtungleichgewichten zwischen den verschiedenen Akteuren (lokale/ internationale; Unternehmen/ lokale Gemeinden) entgegenwirkt werden?
  • Konfliktsensibilität: Wie kann Beschäftigungsförderung, dazu zählen auch Ausschreibungen internationaler Firmen, konfliktsensibel umgesetzt werden?

FriEnt wird ein weiteres Arbeitsgespräch zu Wirtschaft und Frieden ausrichten, das die oben genannten Felder fokussiert und neue Ansätze identifizieren hilft.

Author
Caroline Kruckow
Caroline Kruckow

Seconded by 'Brot für die Welt' to FriEnt

caroline.kruckow@frient.de

Sylvia Servaes

Seconded by Misereor to FriEnt

sylvia.servaes@misereor.de

References

Is Conflict Sensitivity Applicable to Employment?

Elke Grawert, Dirk Hansohm, Rabia Nusrat | bicc Working Paper | Januar 2017

Tourismus in Sri Lanka: Die menschenrechtliche Verantwortung von Reiseanbietern in Post-Konflikt-Gebieten

Christine Plüss, Nina Sahdeva, Antje Monshausen | Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung, Tourism Watch, Brot für die Welt I Februar 2015

Afghanistan’s Cross-border Trade with Pakistan and Iran and the Responsibility for Conflict-sensitive Employment

Elke Grawert, Rabia Nusrat. Zulfiqar Ali Shah | bicc Working Paper | Mai 201

Related articles

“Security is more than just military strength”: Catholic Responses to Armament and Crisis

The Katholikentag in Würzburg has shown that peace, security and development go hand in hand. In this interview, Dorothee Klüppel, a member of FriEnt’s Steering Committee and Head of the Africa/Middle East Department at Misereor, explains why security is more than just military strength, why justice, democracy and international cooperation are key prerequisites for sustainable peace and what special role church actors play in this – particularly in times of rearmament and geopolitical tensions.

The Humanitarian-Development-Peace Nexus at a Turning Point

How can the Humanitarian-Development-Peace (HDP) nexus effectively deliver on its promises amid mounting crises, shrinking resources and rising political tension? Lena Pönisch, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), shares the key findings of an international reflection process and explains why, today more than ever, better political, institutional and financial frameworks are needed to achieve joint impact in crisis contexts.

From Ambition to Inaction: Climate Talks Struggle to Deliver Implementation

The intersessional climate negotiations (SB64) in Bonn concluded with sobering results. Climate justice was a central theme in many discussions and rounds of negotiations, but issues surrounding climate finance prevented an agreement from being reached. Negotiations on the global adaptation target, for example, must start again from scratch. The nexus of climate, peace and security was largely overlooked in the negotiations, as well as in the action agenda presented by the Turkish COP31 Presidency.

Building Peace in a Changing Climate: An Indigenous Perspective from Bangladesh

At the June Climate Meetings of the UNFCCC Subsidiary Bodies (SB64) in Bonn, Mrinal Kanti Tripura, Director of the Maleya Foundation in Bangladesh, shared his perspective on how climate change is affecting Indigenous Peoples in the Eastern Himalayan region. In this interview, he explains why climate impacts threaten not only livelihoods but also culture and traditional knowledge, and why Indigenous voices must be heard in climate negotiations.

Related articles