What are you looking for?

What are you looking for?

Gute Intentionen reichen nicht

UN Webinar zum Verschwindenlassen am 3. März 2021
Bread for the World
United Nations
human rights
Free-Photos I Pixabay

Verschwindenlassen gehört in vielen Ländern der Welt zum Alltag. Über 200.000 Menschen sind beispielsweise bisher in Lateinamerika verschwunden. In einem Webinar diskutierten Vertreter*innen der Vereinten Nationen, verschiedener Regierungen und internationaler Zivilgesellschaft über das Übereinkommen zum Schutz vor dem Verschwindenlassen (ICPPED). Wie wird es umgesetzt, was wurde erreicht, wie geht es weiter? Die Bilanz ist gemischt.

Der Titel der Veranstaltung lautete „Stop Enforced Disappearances. Sharing experiences and positive outcomes of actions taken to promote the ratification of the Convention and way forward”. Die beiden zuständigen Gremien der Vereinten Nationen, der Ausschuss gegen Gewaltsames Verschwindenlassen (CED) und die Arbeitsgruppe WGEID, und die Internationale Koalition gegen Gewaltsames Verschwindenlassen (ICAED) luden zum Erfahrungsaustausch ein. Die ICAED repräsentierte die Zivilgesellschaft und ist ein zivilgesellschaftlicher Zusammenschluss von Dachverbänden und Organisationen, die zum Thema Verschwindenlassen arbeiten. Der UN-Ausschuss gegen Gewaltsames Verschwindenlassen (CED) begleitet die Staaten bei der Umsetzung des Übereinkommens zum Schutz vor dem Verschwindenlassen (ICPPED). Die UN- Arbeitsgruppe zum Schutz aller Personen vor gewaltsamen oder unfreiwilligem Verschwindenlassen (UN-WGEID) unterstützt die Opfer des Verschwindenlassens mit humanitärer Hilfe. Die Staatsvertreter*innen aus Argentinien, Frankreich, Mexiko, Norwegen und dem Sudan gaben vor mehr als 250 Personen im Webinar wichtige Zusagen ab. Unter anderem versprach der mexikanische Regierungsvertreter, den Ausschuss gegen Gewaltsames Verschwindenlassen nach Mexiko einzuladen. Erst im September 2020 hatte das Land Artikel 31 der ICPPED anerkannt und damit individuellen Beschwerden beim CED den Weg freigemacht. Der Sudan kündigte an, als nächstes Land das Übereinkommen zu ratifizieren.

Kein Staat ist vor Verschwindenlassen gefeit

In ihrem Grußwort rief Michelle Bachelet, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, alle Staaten dazu auf, dem gewaltsamen Verschwindenlassen ein Ende zu setzen und das Übereinkommen zu ratifizieren. Dieser Apell ist dringend nötig. Zehn Jahre nach ihrem Inkrafttreten haben nur 63 Staaten die Konvention ratifiziert. Es sind bisher nur so wenige, weil beispielsweise falsche Vorstellungen über die Verpflichtungen herrschen, welches die ICPPED mit sich bringt. Oder aber die Regierungen erkennen nicht (an), dass Verschwindenlassen im eigenen Land ein Problem ist und halten eine Ratifizierung für überflüssig. Dass jedoch kein Staat vor Verschwindenlassen gefeit ist oder die eigenen Staatsbürger*innen im Ausland Opfer dieser grausamen Praxis werden können, wird deutlich, wenn man die Berichte der Vereinten Nationen liest.

„Gute Intentionen allein reichen nicht aus“, gab Bachelet bereits zu Beginn zu bedenken. So machte die Zivilgesellschaft in ihrem Bericht klar, dass es vor allem bei der Umsetzung des Übereinkommens in nationale Maßnahmen und Gesetze hapert. Um daraufhin zu wirken, spielt der zivilgesellschaftliche Druck speziell der Angehörigen von Verschwundenen eine bedeutende Rolle. Wenn sie aktiv Rechte auf Wahrheit sowie Gerechtigkeit und ein Ende der grausamen Praxis fordern, treiben sie damit in vielen Ländern staatliche Bemühungen voran. In anderen stoßen sie auf taube Ohren. So bleibt abzuwarten, welchen Erfolg die von Frankreich und Argentinien angekündigte dritte Kampagne zur Ratifizierung des Übereinkommens gegen Verschwindenlassen hat.

Dr. Gabriella Citroni, Professorin für Völkerrecht an der Universität Milano-Bicocca, schloss das Webinar mit einem hoffnungsvollen Ausblick. Sie erkannte aktive Bemühungen zur Ratifizierung und Umsetzung der ICPPED und setzte sich gemeinsam mit den Vereinten Nationen und der ICAED hohe Ziele für die weltweite Eindämmung des Menschenrechtsverbrechens. Brot für die Welt ist Mitglied von ICAED und schließt sich mit der deutschen Koalition gegen Verschwindenlassen diesen wichtigen Zielen an. Unter anderem wird die Koalition auch in diesem Jahr zum 30. August, dem internationalen Tag gegen Verschwindenlassen, zu einer Mitmachaktion aufrufen.

Author

No authors assigned to this post.

References

Related articles

“Security is more than just military strength”: Catholic Responses to Armament and Crisis

The Katholikentag in Würzburg has shown that peace, security and development go hand in hand. In this interview, Dorothee Klüppel, a member of FriEnt’s Steering Committee and Head of the Africa/Middle East Department at Misereor, explains why security is more than just military strength, why justice, democracy and international cooperation are key prerequisites for sustainable peace and what special role church actors play in this – particularly in times of rearmament and geopolitical tensions.

The Humanitarian-Development-Peace Nexus at a Turning Point

How can the Humanitarian-Development-Peace (HDP) nexus effectively deliver on its promises amid mounting crises, shrinking resources and rising political tension? Lena Pönisch, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), shares the key findings of an international reflection process and explains why, today more than ever, better political, institutional and financial frameworks are needed to achieve joint impact in crisis contexts.

From Ambition to Inaction: Climate Talks Struggle to Deliver Implementation

The intersessional climate negotiations (SB64) in Bonn concluded with sobering results. Climate justice was a central theme in many discussions and rounds of negotiations, but issues surrounding climate finance prevented an agreement from being reached. Negotiations on the global adaptation target, for example, must start again from scratch. The nexus of climate, peace and security was largely overlooked in the negotiations, as well as in the action agenda presented by the Turkish COP31 Presidency.

Building Peace in a Changing Climate: An Indigenous Perspective from Bangladesh

At the June Climate Meetings of the UNFCCC Subsidiary Bodies (SB64) in Bonn, Mrinal Kanti Tripura, Director of the Maleya Foundation in Bangladesh, shared his perspective on how climate change is affecting Indigenous Peoples in the Eastern Himalayan region. In this interview, he explains why climate impacts threaten not only livelihoods but also culture and traditional knowledge, and why Indigenous voices must be heard in climate negotiations.

Related articles