What are you looking for?

What are you looking for?

Jugend, Frieden und Sicherheit

Bilanz und Handlungsbedarf zehn Jahre nach der UNSCR 2250
Deutsche Koalition für Jugend, Frieden und Sicherheit e.V.
civil society
policy of peace
security policy
youth
Feminist Peacebuilding
Das Speaker*innen- und Organisationsteam auf dem Politischen Forum "10 Jahre UNSCR 2250 – Quo vadis, YPS-Agenda?", Foto: Kauffmann Studios

Frieden und Sicherheit – und Jugend? Noch immer sitzen junge Menschen und ihre Interessen selten mit am Tisch, wenn in Konferenzräumen über Friedens- und Sicherheitspolitik debattiert und Entscheidungen getroffen werden. Ändern sollten das die von den Vereinten Nationen verabschiedeten Sicherheitsratsresolutionen zu Jugend, Frieden und Sicherheit. Zehn Jahre nach der Verabschiedung der UNSCR 2250 fragt dieser Beitrag, inwieweit dies bereits gelungen ist und welcher Handlungsbedarf auf internationaler Ebene als auch in Deutschland weiterhin besteht. 

Richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Nexus Jugend, Frieden und Sicherheit im Kontext der Vereinten Nationen, geraten unmittelbar die UN-Sicherheitsratsresolutionen 2250 (2015), 2419 (2018) und 2535 (2020) in den Blick. Unter Federführung Jordaniens wurde die erste dieser Resolutionen auf den Weg gebracht. Wenngleich in diesem Beitrag das Augenmerk auf der politischen Beteiligung junger Menschen liegt, sei darauf verwiesen, dass die YPS-Agenda in Gänze fünf Säulen aufweist: Partizipation, Schutz, Prävention, Partnerschaft sowie Ausstieg und Reintegration. Die YPS-Agenda betrachtet den Nexus Jugend, Frieden und Sicherheit dementsprechend multiperspektivisch. Das Ziel, nicht nur die positive Rolle junger Menschen als gestaltende Subjekte in Friedens- und Sicherheitsprozessen anzuerkennen, sondern darüber hinaus ein Mehr an verlässlichen Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen, ist dabei zentral.  

Die aktuellen Diskurse sehen jedoch vielfach anders aus: Junge Menschen werden oftmals weiterhin pauschal für gewaltförmige Konflikte im gesellschaftlichen Zusammenleben verantwortlich gemacht. Diese stereotypisierende Wahrnehmung rückt sie primär in die Rolle von Risikoakteur*innen und Störfaktoren und blendet dabei sowohl die strukturellen Ursachen von Gewalt als auch die vielfältigen Beiträge junger Menschen zur Konfliktlösung und Gemeinschaftsbildung aus. Das daraus resultierende defizitorientierte Narrativ prägt vielerorts noch immer sicherheitspolitische Debatten: Jugendliche werden dabei als „zu kontrollierende Gruppe“ adressiert und nicht als Akteur*innen, deren Beteiligung Stabilität, Demokratie und Frieden aktiv fördern kann. Genau hier setzt die YPS-Agenda an: Sie hinterfragt das Risiko- und Bedrohungsnarrativ kritisch und macht die Handlungsmacht junger Menschen sichtbar. Eine solche Perspektivverschiebung wirkt vereinfachenden und sicherheitspolitisch verkürzten Narrativen gezielt entgegen.  

Leitend ist die Überzeugung, dass die inklusive Teilhabe junger Menschen an politischen Entwicklungen und an allen sie betreffenden Entscheidungsprozessen ein sicheres und freies Zusammenleben stärkt. Zentraler Bestandteil hierfür ist die pädagogisch begleitete Befähigung junger Menschen zur eigenständigen, reflektierten Meinungs- und Urteilsbildung. Damit einher gehen die Stärkung von Entscheidungs- und Handlungskompetenzen sowie die schrittweise Heranführung an eine aktive und verantwortungsvolle Mitgestaltung gesellschaftlicher und politischer Prozesse – als wesentliche Grundlage demokratischer Resilienz. In der politischen Praxis übernehmen beispielsweise Jugendorganisationen und internationale Netzwerke die Aufgabe, die Interessen junger Menschen – auch in multilateraler Zusammenarbeit – auf die hier beschriebene Weise zu vertreten und langfristig Verständigungs- und Vertrauensbildungsprozesse begleiten. So werden junge Menschen in ihrer Rolle als aktive Gestalter*innen von Frieden, sozialem Zusammenhalt und demokratischer Entwicklung sichtbar. 

YPS-Agenda stärkt junge Stimmen 

Weltweit zeigt sich, dass junge Menschen in unterschiedlichen Formen gestaltend wirken, zum Beispiel in lokalen Friedensinitiativen oder durch Engagement gegen Gewalt, Korruption und Ausgrenzung. Dabei bringen sie spezifisches Erfahrungswissen über Konflikte, Polarisierung und gesellschaftliche Bedürfnisse ein. Zudem denken junge Menschen häufig intersektional, orientieren sich weniger an formalen Zuständigkeiten und eröffnen damit neue Möglichkeiten für ressortübergreifendes, vernetztes und lösungsorientiertes Denken. 

Hervorzuheben ist die große Vielfalt der Perspektiven junger Menschen. Diese reicht von klassischen zivilgesellschaftlichen Friedensinitiativen bis hin zu Positionen, die Frieden und Sicherheit primär über staatliche oder militärische Maßnahmen zu erreichen suchen. Junge Menschen verfolgen also durchaus verschiedene Vorstellungen davon, wie Frieden gestaltet werden kann, und lassen sich daher nicht auf ein einheitliches Narrativ reduzieren. Zugleich bilden sie nicht einfach einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Vielmehr priorisieren sie bestimmte Themenfelder, Ängste, Sorgen, Hoffnungen und Ideen anders als andere Generationen und setzen sich auf andere Weise damit auseinander.  

Die Agenda hat für die Bedeutung junger Menschen in politischen Entscheidungsprozessen durchaus sensibilisiert. Gleichwohl fehlt ihre Expertise in politischen Arenen weiterhin noch all zu oft. Viele junge Menschen erleben, dass ihre Anliegen zwar angehört werden, doch dies selten zu Mitgestaltung führt. Insbesondere in zentralen Entscheidungsprozessen bleiben sie vielfach unterrepräsentiert oder von wichtigen Räumen ausgeschlossen. Die YPS-Agenda verfolgt das Ziel, alle jungen Menschen zu adressieren und auch diejenigen einzubeziehen, die sich von demokratischen Werten entfernt haben oder von ihnen ausgeschlossen wurden. Hier zeigt sich deutlich: Es bleibt viel zu tun. 

Die Agenda weiterdenken: Junge Menschen in den Mittelpunkt stellen 

Im Dezember 2025 jährte sich die Verabschiedung der Resolution 2250 zum zehnten Mal. Für uns Anlass genug, darauf hinzuweisen, dass junge Menschen wichtige Partner*innen in der Sicherheits- und Friedenspolitik sind und fest in nationale und internationale Sicherheitsarchitekturen eingebunden werden müssen. Viele junge Menschen wünschen sich für die kommenden Jahre vor allem eins: dass Beteiligung verbindlich wird. Ihre Expertise soll systematisch in Entscheidungsprozesse einfließen sowie sichere, zugängliche und faire Beteiligungsräume – wie sie etwa die Programme der UN-Jugenddelegierten oder der BMZ-Jugendbeirat eröffnen –  entstehen. Auch sollen politische Institutionen Jugendbeteiligung als wesentlichen Baustein demokratie-, friedens- und sicherheitspolitischer Prozesse begreifen. 

Als YPS-Koalition haben wir „10 Jahre YPS“ zum Anlass genommen, um auf das Potenzial der Agenda aufmerksam zu machen, und gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Frieden und Sicherheit (FriEnt) sowie dem Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen (BSH) am 9. Dezember 2025 zu einer Veranstaltung mit Allies und Stakeholdern eingeladen. Für die Teilnehmenden standen dabei zwei Themen im Mittelpunkt: zum einen der zunehmende Druck auf die klassische Friedensarbeit, zum anderen die fehlenden klaren Zuständigkeiten auf politischer Ebene, die die Adressierung von Missständen erschwert und oftmals ins Leere laufen lassen. 

Mit der Verabschiedung der vierten YPS-Resolution (UN-Resolution 2807) wird das nächste Kapitel der Auseinandersetzung mit der YPS-Agenda eröffnet. Zwar ist es positiv zu bewerten, dass sich der UN-Sicherheitsrat mit einer vierten YPS-Resolution auseinandergesetzt und diese verabschiedet hat, zwei Aspekte gilt es jedoch zu kritisieren: Junge Menschen werden weiterhin als Risikoakteur*innen beschrieben, und kritische Stimmen sehen die neue Resolution zudem als Schritt in Richtung einer „Versicherheitlichung“. Dies macht deutlich, wie wichtig es ist, die Arbeit zugunsten der positiven Agentenschaft von, für und mit jungen Menschen zu stärken, um ihre Chancen und Potenziale weiterhin in den Vordergrund zu rücken. 

 
Carolina Claus, Till Veerbeck-Stroetmann 

für die Deutsche Koalition für Jugend, Frieden & Sicherheit e.V. 

Contact
Dr. Carolina Claus

German Coalition for Youth, Peace and Security e.V.

Till Veerbeck-Stroetmann

German Coalition for Youth, Peace and Security e.V.

References

Related articles

FriEnt
development policy

FriEnt Expands Team with Two New Appointments

FriEnt
development policy

FriEnt Expands Team with Two New Appointments

Deutsche Koalition für Jugend, Frieden und Sicherheit e.V.
civil society

Jugend, Frieden und Sicherheit

Bilanz und Handlungsbedarf zehn Jahre nach der UNSCR 2250
Bread for the World
Geopolitics

Der neue Nationale Sicherheitsrat

Was er leisten soll – und wo zentrale Fragen offen bleiben
BMZ
United Nations

FriEnt at Inauguration of UN Women Bonn Office

Ending gender-based violence was on the agenda

Related articles