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Friedensfördernder Wiederaufbau – EZ in Krisenkontexten

BMZ und deutsche EZ Organisationen werten gemeinsam Erfahrungen aus und legen neues Konzept für die MENA Region vor
BMZ
KfW
Levi Meir Clancy I Unsplash

Erfahrungen der internationalen Gemeinschaft mit Wiederaufbau deuten darauf hin, dass der physische Wiederaufbau nur dann auch friedensfördernd wirkt, wenn er für eine transformative Erneuerung im sozialen und wirtschaftlichen Bereich genutzt wird. Die neue Publikation von GIZ und KfW im Auftrag des BMZ baut auf dem BMZ-finanzierten Weltbankbericht „Building for Peace“ auf. Sie stellt diesem Praxisbeispiele sowie Denkanstöße und konkrete Empfehlungen an die Seite.

Am 04. Mai wurde im Rahmen eines Side Events des FriEnt Peacebuilding Forums 2021 die neue Publikation „Building for Peace – Friedensfördernder Wiederaufbau in der MENA-Region: Erfahrungen und Empfehlungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit“ vorgestellt. Sie liegt in deutscher und englischer Fassung vor.

Im Mittelpunkt steht der Gedanke, dass im Kontext von Krisen und Gewaltkonflikten die Wiederherstellung von zerstörter Infrastruktur mit sozialem, ökonomischem und gesellschaftlichem Wiederaufbau verbunden werden muss. Nur dann kann er friedensfördernde Wirkungen erzielen. Der Wiederaufbau darf nicht die Vergangenheit mitsamt den ursprünglichen Konfliktursachen wiederherstellen, sondern muss zu deren Transformation beitragen.

Die neue Publikation baut auf dem BMZ-finanzierten Weltbankbericht „Building for Peace“ auf und stellt dieser Perspektive Erfahrungen und Praxisbeispiele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit aus Wiederaufbaukontexten an die Seite. Zudem zeigt sie Herausforderungen und Dilemmata auf und gibt Denkanstöße für die Ausgestaltung aktueller sowie zukünftiger Wiederaufbauprozesse. Sie bietet konkrete Empfehlungen, wie das Konzept des „Friedensfördernden Wiederaufbaus“ in der MENA-Region sowie in anderen Teilen der Welt genutzt und weiterentwickelt werden kann.

Bei dem Konzept handelt es sich um ein Kooperationsprojekt von GIZ und KfW im Auftrag des Regionalbereichs Nahost des BMZ. Es ist durch einen breiten Konsultationsprozess mit Akteur*innen der deutschen staatlichen und nicht-staatlichen Entwicklungszusammenarbeit im Frühjahr 2021 entstanden. In fünf Werkstattgesprächen wurden verschiedene Zukunftsthemen in Bezug auf Friedensfördernden Wiederaufbau behandelt. An jeder Diskussionsveranstaltung nahmen 60-80 Akteur*innen teil, die gemeinsam diskutiert, reflektiert und Empfehlungen entwickelt haben.

So hat das Dokument besondere Praxisrelevanz erhalten und spiegelt auch offene Fragen wider, denen sich die Praktiker*innen im Kontext von Wiederaufbau künftig stärker widmen wollen. Diese reichen von der Stärkung von konstruktiven Staats-Gesellschaftsbeziehungen bis zur Förderung von gemeinsamen und inklusiven Zukunftsvisionen und der Unterstützung eines klimasensiblen Wiederaufbaus. Dazu müssen die richtigen Voraussetzungen durch gezielte Finanzierung und Koordinierung im Geberkontext geschaffen werden. Aber auch die menschliche Seite des Wiederaufbaus erfordert besondere Unterstützung, zum Beispiel. durch psychosoziale Unterstützung und besondere Personalfürsorge. Nur so können die mit dem Wiederaufbau verbundenen Chancen für Inklusion und Partizipation genutzt werden. Zudem muss ein anderer Umgang mit Machtmissbrauch und Korruption gefunden werden, und die internationalen Akteur*innen müssen sich ihrer eigenen Rolle in der politischen Ökonomie des Kriegs und des Wiederaufbaus bewusst sein.

Die abschließenden Empfehlungen weisen auf konkrete Ansatzpunkte hin, die zur weiteren Entwicklung des Verständnisses von Friedensförderndem Wiederaufbau beitragen können. Sie umfassen methodische und technische Aspekte wie eine systemische Perspektive auf politökonomische Analysen und Ansatzpunkte für gebergemeinsames Lernen wie “Conflict Sensitivity Hubs”. Dazu gehört weiterhin die Förderung von sogenannter “Downward Accountability” der EZ gegenüber den Menschen, die von ihr profitieren sollen. Sie weisen aber auch auf den weiteren Lern- und Reflexionsbedarf hin, den alle Akteur*innen in den Konsultationen hervorgehoben haben. Dazu sind geschützte Räume für den offenen Erfahrungsaustausch und eine bestimmte Haltung notwendig:

Selbstreflexion und Lernen erfordern die Bereitschaft der EZ-Organisationen, sich auch mit schwierigen Fragen wie etwa den Zumutungen und moralischen Dilemmata der Arbeit auseinanderzusetzen. Die EZ sollte – trotz und gerade wegen des hohen Leistungsdrucks und der belastenden Umstände für die Mitarbeitenden – von einer Haltung getragen sein, die die Anerkennung und Würde der Menschen, ihre Ermächtigung und solidarische Unterstützung in den Mittelpunkt stellt.

Nun kommt es darauf an, die Empfehlungen und Anregungen mit Leben zu füllen, den Austausch mit internationalen Partnern und vor allem den lokalen Akteur*innen aus Wiederaufbaukontexten zu suchen. Ziel ist es, die gemeinsame Praxis zu verändern. Im Rahmen der Vorstellung der Publikation wurden dazu erste Ideen gesammelt. Die Herausgeber laden dazu ein, Anregungen und Vorschläge für die weitere Vertiefung der Fragestellungen an buildingforpeace@giz.de zu senden. Das BMZ sowie GIZ und KfW planen in jedem Fall weitere Schritte für die internationale Verbreitung und Umsetzung mit den EZ-Länderteams, denn Wiederaufbau soll in Zukunft kein „business as usual“ mehr sein.

Autor
Dr. Ulrike Hopp-Nishanka

Dr. Ulrike Hopp-Nishanka has been working on conflict transformation and peacebuilding for 20 years as practitioner, researcher, lecturer as well as Deputy Head of Division at Germany’s Federal Ministry for Economic Cooperation and Development (BMZ), most recently focusing on inclusive peacebuilding, recovery and reconstruction in the MENA region as well as Afghanistan. From 2005 to 2012, Ulrike was Deputy Director of the Sri Lanka Project of the Berghof Foundation and supported the Mediation and Peace Infrastructure Programme. Ulrike helped shape the concept of Infrastructures for Peace and holds a Ph.D. from the University of Hamburg, investigating the role of the peace secretariats in Sri Lanka’s peace process and their contribution to conflict transformation. During the time of writing, Ulrike was on leave from BMZ and consulting for a variety of aid agencies and peacebuilding actors with a focus on the political economy of reconstruction and peacebuilding as well as inclusive peace processes. Since October 2021, she is part of BMZ's Afghanistan team again.

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